10:39:01 | Dienstag, 6. November 2007
Hurrah! Die weichgekochte Christenlehre, mit Sozialwürze und Humanismus-Soße übergossen, kommt bei den Schülern doch an. Von Hubert Hecker.

Die deutschen Bischöfe verdrehen den Papst gerne gegen seinen Sinn
(kreuz.net) Die Situation bei der Glaubensvermittlung an die nächste Generation ist desaströs.
In diesem
Sinne äußerte sich kürzlich der Leiter der deutschsprachigen Abteilung im Staatssekretariat des Vatikans,
Mons. Christoph Kühn, wie die Netz-Seite kath.net am 19. Oktober berichtete.
Der Vatikan-Diplomat hatte
bei der Einweihung eines Verlagsgebäudes im Allgäu gesprochen.
Wie kommt es, daß die grundlegenden
Teile der katholischen Glaubenslehre den meisten Jugendlichen auch nach Jahren schulischen Religionsunterrichts
völlig unbekannt sind?
Die Antwort lautet: Viele bischöfliche Lehrpläne in Deutschland tragen den
Religionslehrern auf, die christliche Lehre selektiv zu behandeln.
„Lebensrelevanz“Es sollen nur die
Inhalte des christlichen Glaubens behandelt werden, die mit einer nebulösen gesellschaftlichen „Lebensrelevanz“
kompatibel sind.
Nicht mehr vermittelbar
Worte wie „Sünde“ oder „Lamm Gottes“ könnten den Jugendlichen
heute nicht mehr zugemutet werden
Dagegen kommen Erbsünde und Erlösung, Jungfrauengeburt und Totenerweckung,
Christi Wiederkunft und Gericht im Lehrplan des katholischen Religionsunterrichts nicht vor.
Dem zentralen
Glaubenssatz „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt“ stehen junge Katholiken auch nach 13
Jahren katholischer Religionslehre völlig verständnislos gegenüber.
Man geht a priori davon aus, daß
Vorstellungen wie „Lamm Gottes“ und „Sünde“ der „heutigen Jugend“ nicht mehr vermittelbar seien.
Deshalb
werden diese und andere Torheiten des Glaubens wie die Dreifaltigkeit, Menschwerdung, Wunder, Verklärung,
Passion und Auferstehung einem konstruierten Zeitgeisthorizont angepaßt.
Bei zahlreichen Religionsbüchern
bekommt man den Eindruck, daß die Autoren Kirche und Christentum zu einem sozial-humanistischen Gemischtwarenladen
degradieren.
Papst-Worte sinnlosSchon vor 25 Jahren hat der damalige Joseph Kardinal Ratzinger in einem
Vortrag vor französischen Bischöfen die „Krise der Katechese“ analysiert und Wege zu ihrer „Überwindung“
aufgezeigt.
Bischof Bode vor Ad-Limina-Besuch:
„Wir erwarten Ermutigung durch den Papst und keine Diskussionen
über Probleme.“
Damals kritisierte der Papst die Abschaffung des Katechismus und drängte darauf, den
Glauben an die junge Generation unverkürzt weiterzugeben.
Die Worte des Kardinals waren in den Wind
gesprochen. Denn seither ist die Krise der Glaubensvermittlung in Frankreich und Deutschland noch bedrückender
geworden.
Bei seiner Ad-limina-Ansprache an die Deutschen Bischöfe im November letzten Jahres griff
der Papst diese Überlegungen
erneut auf und sprach die Krise der schulischen Katechese an.
Insbesondere
forderte er eine Ausrichtung der Religions-Curricula am Katechismus der Katholischen Kirche, „damit im
Laufe der Schulzeit das Ganze des Glaubens und der Lebensvollzüge der Kirche vermittelt wird“.
Getan
hat sich seither nichts. Von Seiten der Deutschen Bischöfe sind nicht einmal kritische Ansätze zu erkennen.
Warnung an den PapstMan verweist statt dessen auf eine Befragung unter Schülern und Eltern, aus der
eine große Akzeptanz des schulischen Religionsunterrichts hervorgehe.
Kardinal Lehmann:
„Wir dürfen
daher die von Ihnen zitierte Ansprache des Heiligen Vaters als Ermutigung verstehen, unseren Einsatz für
den konfessionellen Religionsunterricht in der Schule konsequent fortzusetzen.“
Damit ist offenbar bewiesen,
daß die weichgekochte Christenlehre mit Sozialwürze und Humanismus-Soße bei den Schülern ankommt.
Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück hatte bereits vor dem letzten Ad-Limina-Besuch den Papst vor
kritischen Erwägungen gewarnt:
„Wir erwarten Ermutigung durch den Papst und keine Diskussionen über
Probleme“ – so der Bischof in einem Interview mit Radio Vatikan.
Ähnlich versuchte Karl Kardinal Lehmann
bei seiner Grußansprache den Papst schon im Vorhinein auf einen Ermutigungs-Kurs festzulegen.
Dennoch
ließ sich Benedikt XVI. einige kritische Ermahnungen zur Katechese nicht nehmen. Sie waren allerdings
für Wind und Wände gesprochen.
In ihren Presseerklärungen verkehrten mindestens acht deutsche Oberhirten
die Papstansprache anschließend in ihr Gegenteil. Sie jubelten die Rede als „Ermutigung für die Katholische
Kirche in Deutschland“ vom Tisch – so der inzwischen emeritierte Bischof Franz Kamphaus von Limburg.
Der dreiste Kardinal LehmannBesonders dreist benutzte neuerdings der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,
Karl Kardinal Lehmann von Mainz, die kritische Papstrede als Bestätigung seines Kurses.
In einem Brief
an den ‘Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt’ verstieg sich der Kardinal sogar zu der Behauptung:
„Wir dürfen daher die von Ihnen zitierte Ansprache des Heiligen Vaters als Ermutigung verstehen, unseren
Einsatz für den konfessionellen Religionsunterricht in der Schule konsequent fortzusetzen.“
Wenn dem
tatsächlich so wäre, könnte sich der Papst in Zukunft seine Ansprachen sparen.
Statt dessen würde
es genügen, daß die Deutschen Bischöfe einfach ihre vorgefertigten Presseerklärungen abgeben, während
sie sich in der Ewigen Stadt ein paar Tage Urlaub von ihrem anstrengenden Einsatz für den schulischen
Religionsunterricht genehmigen.
Der Autor ist katholischer Religionslehrer und Mitglied im ‘Arbeitskreis
von Katholiken im Raum Frankfurt’.
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