16:14:27 | Montag, 12. November 2007
In einem Schreiben an die Christen zitierten 138 moslemische Theologen die Sure 9 aus dem Koran. Doch das ist ein zweischneidiger Text. Von Ramon Laux.
(kreuz.net) Vor einem Jahr sprach Papst Benedikt XVI. in seiner berühmten
Regensburger Vorlesung die
Frage von Religion und Gewalt im Islam an.
Nach dieser Vorlesung schrieben 38 Moslem-Führer einen offenen
Antwortbrief und erklärten, daß der Koran niemals unvernünftig Gewalt gebiete.
Zum Jahrestag dieses
Antwortbriefes gab es erneut ein Schreiben, das vom ‘Königlichen Institut für Islamisches Gedankengut’
in Jordanien formuliert und von 138 Autoritäten aus der ganzen muslimischen Welt unterzeichnet wurde.
Der Brief wurde in der katholischen Zeitung ‘Die Tagespost’ vom 16. Oktober 2007 publiziert.
An den
Anfang ihres Schreibens stellen die Autoren die Sorge um den Frieden in der Welt: „Die Zukunft der Welt
hängt vom Frieden zwischen Muslimen und Christen ab.“
Die Liebe zu Gott und den Menschen, wie sie in
Christentum und Islam geboten ist, sei der Weg zum Frieden.
Den liebenden und friedvollen Weg zu Allah
beschreiben die Autoren mit einem längeren Zitat aus Sure 9,36-38. Diese Verse sagen, daß Muslime, die
auf Allahs Weg ausziehen, mit dem paradiesischen Jenseits belohnt werden:
„Wenn ihr dagegen nicht ausziehet,
wird Allah euch strafen mit schmerzlicher Strafe“ – so Vers 9,39.
Was die muslimischen Autoren hier als
Weg zum Frieden mit Gott und den Menschen bezeichnen, ist im Koran allerdings historisch ein Aufruf zum
Krieg.
Das wird schon im übernächsten Vers klar: „Ziehet aus, leicht und schwer bewaffnet, und eifert
mit Gut und Blut in Allahs Weg“ – so Vers 41.
Wurde im Friedensbrief der moslemischen Theologen die falsche
Sure zitiert oder wollten sie den Christen einen Kriegsaufruf im Koran als Friedensweg unterjubeln?
Historisch
bezieht sich Sure 9 auf die Vorbereitung eines Kriegszugs von Mohammed gegen die nordarabische Christenstadt
Tabuk.
Tabuk gehörte zum byzantinischen Reich. Der Kriegszug fand im Jahr 630 statt.
Die Städte und
Stämme in und um die Stadt hatten Mohammed weder angegriffen noch aggressive Signale gesetzt.
Ihr einziges
Vergehen war, Nicht-Muslime, also „Ungläubige“, zu sein und an der Grenze zu Arabien zu leben – also
in Reichweite von Mohammeds Heer.
In Sure 9,123 erklärt Mohammed: „Oh ihr Gläubigen, kämpft wider
die Ungläubigen an euren Grenzen und laßt sie die Härte in euch verspüren. Und wisset, daß Allah
mit den Gottesfürchtigen ist.“
Für den Auszug zum Krieg auf Allahs Kriegspfad brauchte Mohammed wohlgerüstete
Krieger und einen großen Troß. Davon redet er in Vers 60 der gleichen Sure:
„So rüstet wider sie,
was ihr vermögt an Kräften und Roßhaufen, damit in Schrecken zu setzten Allahs Feind und euern Feind
und andere außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt. Und was ihr auch spendet in Allahs Weg,
er wird es euch wiedergeben.“
Weil Mohammed den Kriegszug für die Zeit der größten Hitze in der Sommermitte
geplant hatte, ließen sich viele seiner Anhänger allerdings entschuldigen.
Ein Großteil von Sure 9
besteht darum in Mohammeds Bemühen, seine Anhänger für den „Auszug zu mobilisieren“ – mit Strafdrohungen
und Belohnungsversprechen:
„Eines der beiden schönsten Dinge wird uns treffen: Sieg oder Märtyrertod“ –
Sieg und irdische Beute oder Kampftod und Paradiesbelohnung – so Vers 52.
Der Kriegszug nach Norden war
in der Sommerhitze sehr beschwerlich und deshalb begnügte sich Mohammed damit, kleinere Städte und Stämme
im Umkreis von Tabuk zu bekämpfen, bis sie sich als Vasallen unterwarfen und Tribut bezahlten.
Dieses
erfolgreiche Muster – Krieg, Unterwerfung, Sondersteuer – sollte für die Nachfolger Mohammeds bei der
Eroberung christlicher Länder wegweisend sein.
Den Heiden und „Götzendienern“ gab Mohammed unmittelbar
nach dem Tabuk-Kriegszug eine Frist von vier Monaten. Danach erklärte er ihnen den totalen Krieg:
„Sind
aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet und packt sie
und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf.
Wenn sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten
und die Armensteuer zahlen, dann laßt sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig“ –
Sure 9,5.
Das Schreiben des ‘Königlichen Instituts für Islamisches Gedankengut’ in Jordanien zitiert
auch Sure 60,8. Darin heißt es, daß die Muselmanen mit den unterworfenen und steuerzahlenden Christen
barmherzig sein können:
„Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht bekämpft haben des
Glaubens wegen, gütig zu sein und billig mit ihnen zu verfahren.“
Diese Barmherzigkeit gegenüber Christen
besteht darin, daß sie als „Leute der Schrift“ nicht erschlagen werden, sondern unter der Herrschaft
der Muselmanen als Bürger zweiter Klasse friedlich weiterleben dürfen.
Ob die Unterzeichner des Schreibens
das als Toleranz und Frieden zwischen Christen und Muslimen verstehen?
Den Status der Rechtsgleichheit,
der den Muslimen in westlichen Ländern gewährleistet und von diesen gefordert wird, lehnt der Islam
in seinem Herrschaftsbereich für die Christen jedenfalls ab.
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