17:26:36 | Samstag, 17. November 2007
Er starb in Köln unter den Bomben des Zweiten Weltkrieges in der Illusion, auf einer Weltreise in einem Schiff auf hoher See zu sein.

Statue von Pater Svensson in Island
(kreuz.net) Heute vor 150 Jahren – am 16. November 1857 – wurde der Schriftsteller Jón (Stefán) Svensson
in Mödruvellir in Nordisland geboren.
Das berichtete die Webseite
‘kath-info’.
Mödruvellir ist ein
kleines Dorf fast 400 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Reykjavik, unweit des Meeeres.
Der Vater,
Sven Thórarinsson, ein Nachfahre der Normannen, war Bezirksamtsmann in Mödruvellir und starb 1869. Von
den acht Kindern der evangelischen Familie starben drei im Kindesalter.
1870 verließ der zwölfjährige
Nonni, wie Jón als Kind genannt wurde, schweren Herzens seine Heimat, um das Angebot eines Gönners anzunehmen,
in Frankreich zu studieren.
Die Mutter gab ihm den Ratschlag auf den Weg, das tägliche Gebet nie zu
unterlassen.
Da im Juli 1870 der deutsch-französische Krieg ausbrach, mußte Svensson in Dänemark warten,
wo die Katholische Kirche seit 1849 Freiheit besaß. Im Jahr 1869 war eine Apostolische Präfektur errichtet
worden, der Island zugeordnet war.

Apostolischer Präfekt war der deutsche Prälat Hermann Grüder (1869-1883).
Er hielt 1853 die erste katholische Predigt in Dänisch seit der Reformation. Bei ihm kam Nonni unter.
Durch ihn und den Kontakt zu den Jesuiten lernte er den katholischen Glauben kennen und trat mit 13 Jahren
in die Kirche ein.
Den Weg zu dieser Entscheidung schilderte er später in seinem Buch „Wie Nonni das
Glück fand“ – dem wertvollsten seiner Jugendbücher.
Nach einem Jahr ging er nach Amiens – 120 Kilometer
nördlich von Paris. Dort besuchte er das Gymnasium.
Am 22. August 1878 trat er in die Gesellschaft Jesu
ein. Er studierte in Frankreich, Belgien, Holland und schließlich in England.
1890 wurde er in Liverpool
von Bischof Bernard O’Reilly zum Priester geweiht.
Svensson wechselte in die deutsche Ordensprovinz,
weil dieselbe für die skandinavischen Länder zuständig war.
Er kam als Lehrer ins dänische Ordrup
ans Sankt-Andreas-Kollegium, das die Jesuiten 1873 eröffnet hatten. Hier unterrichtete er Französisch,
Altnordisch, Sport und Zeichnen, bis er 1911 wegen eines Gichtleidens aufhören mußte.
Nun widmete er
sich ganz der Schriftstellerei. Bereits 1906 hatte er sein erstes Buch geschrieben.
1912 erschien „Nonni.
Erlebnisse eines jungen Isländers, von ihm selbst erzählt“.
Zwölf in deutscher Sprache geschriebene
Nonni-Bücher sollten es werden. Sie wurden in vierzig Sprachen übersetzt und erreichten Millionenauflagen.
Er verarbeitete darin hauptsächlich seine Kinder- und Jugendjahre auf Island.
Sein Ziel war es, wie
er selber bekannte, Freude zu bereiten: „Als ich vor Jahren anfing, meine Jugenderlebnisse in Vorträgen
zu erzählen, da sah ich, wieviele Freude jung und alt daran hatten. Der Kreis meiner Zuhörer wurde immer
größer. Bald konnte ich nicht mehr überall hin, wo man mich hören wollte, und so begann ich meine
Bücher zu schreiben.“
1988 wurden die Nonni-und-Manni-Bücher als sechsteilige Fernsehserie verfilmt.
Svenssons Vortragsreisen führten ihn nach Kanada, Japan und die USA.
Nur noch zweimal sah er seine
Heimat wieder, zum letzten Mal 1930, als er auf Einladung der Regierung zur Tausend-Jahr-Feier des Althing –
des ältesten bis heute bestehenden Parlaments der Welt – zurückkam.
1895 wurde Svensson dem Jesuitenkolleg
in Valkenburg in Holland zugewiesen. Das Kolleg wurde 1943 von der Gestapo aufgelöst.
Darum kam Pater
Svensson nach Eschweiler in Deutschland.
Noch während des Krieges wechselte er nach Köln. Dort starb
er bei einem Bombenangriff auf die Stadt im Luftschutzkeller des Franziskus-Hospitals in Köln-Ehrenfeld
in der Illusion, auf einer Weltreise in einem Schiff auf hoher See zu sein. Es war der 16. Oktober 1944.
Pater Svensson liegt auf dem Melaten-Friedhof in Köln.
Heute hält der emeritierte Kölner Weihbischof
Klaus Dick im St. Franziskus-Hospital einen Gedenkgottesdienst.
Am 23. November wird der Botschafter
der Republik Island in Köln eine Nonni-Ausstellung eröffnen.
Am darauffolgenden Tag hält der Island-Experte
und Präsident der ‘Deutsch-Isländischen Gesellschaft’, Professor Dr. Gert Kreutzer, im Rahmen 34. Kölner
Island-Kolloquiums einen Vortrag über Leben und Werk Pater Jón Svenssons.
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