13:11:40 | Sonntag, 18. November 2007
Kürzlich sagte der Nuntius des Vatikan in den USA die Wahrheit so deutlich, daß sich der Vatikan – um der Diplomatie die Ehre zu geben – zu einer Distanzierung gezwungen sah.

Links: Das israelische Wappen
Rechts: Erzbischof Pietro Sambi
(kreuz.net) „Wenn ich ehrlich sein will, muß ich sagen, daß die Beziehungen zwischen der Katholischen
Kirche und dem Staat Israel besser waren, als es noch keine diplomatischen Beziehungen gab.“
Das erklärte
Erzbischof Pietro Sambi (69) am 16. November in einem Interview mit der italienischen Webseite ‘terrasanta.net’.
Diese gehört den Franziskanern der Custodie im Heiligen Land.
Mons. Sambi ist Apostolischer Nuntius
in den USA.
Schon von 1971 bis 1974 arbeitete er in der Apostolischen Delegation in Jerusalem. Im Jahr
1998 kehrte er dorthin als Nuntius zurück und übte sein Amt bis im Dezember 2005 aus.
Vatikanisches
Vertrauen auf leere VersprechenDer Erzbischof erklärt im Interview, daß die Aufnahme diplomatischer
Beziehungen mit Israel im Dezember 1993 für den Heiligen Stuhl ein „Akt des Vertrauens“ gewesen sei.
Der Schritt habe auf einem verpflichtenden Versprechen von seiten Israels beruht, danach auch die konkreten
Aspekte des Lebens der katholischen Gemeinschaften und der Kirche zu regeln.
Am 30. Dezember 1993 wurde
deshalb eine
‘Grundsatzvereinbarung’ zwischen dem Vatikan und Israel unterzeichnet.
Diese sah die Aufnahme
diplomatischer Beziehungen vor und befahl gleichzeitig die Ausarbeitung einer ‘Rechtsvereinbarung’.
Erzbischof
Pietro Sambi
„Es ist vor aller Augen, welches Vertrauen man den Versprechen Israels entgegenbringen kann.“
Diese wurde zwar im Jahr 1997 unterschrieben, aber auf dem Gebiet des Staates Israel nie in Kraft gesetzt.
Beschlossen wurde damals auch eine ‘Wirtschaftsvereinbarung’. Sie betrifft vor allem drei Punkte:
• Kirchengüter,
die von Israel unrechtmäßig enteignet wurden oder mit ungerechten Steuern belastet werden
• die Durchsetzung
des Prinzips, daß Dienste, welche die Kirche an der israelischen Bevölkerung – palästinensischen oder
jüdischen Ursprungs – leistet, auch entsprechend vergütet werden.
• die Steuerfrage, wobei – wie von
Israel bei der Unabhängigkeit im Jahr 1948 versprochen – der Zustand der letzten drei Jahrhunderte in
einem internationalen Abkommen festgehalten werden soll.
Seltsame SituationDie gegenwärtige Situation
bezeichnet Erzbischof Sambi als „seltsam“:
„Die Abkommen – sowohl die ‘Grundsatzvereinbarung’ als auch
die ‘Rechtsvereinbarung’ – sind unterschrieben und auf internationaler Ebene rechtskräftig. Doch in Israel
sind sie nicht gültig, weil das dortige Gesetz bestimmt, daß ein international gültiges Gesetz auf
israelischem Gebiet erst dann gültig wird, wenn es vom israelischen Parlament genehmigt wurde.“
Doch
bisher habe sich niemand darum gekümmert, diese Genehmigung einzuholen.
Die ‘Wirtschaftsvereinbarung’
sei noch nicht unterschrieben worden, weil die Verhandlungen von der israelischen Regierung seit zehn
Jahren sabotiert werden:
„Es ist vor aller Augen, welches Vertrauen man den Versprechen Israels entgegenbringen
kann“ – so der Erzbischof.
Ohne diplomatische Beziehungen war es besser„Das Visa-Problem für Mitglieder
katholischer Institutionen war leichter zu lösen, als noch keine diplomatischen Beziehungen zwischen
dem Heiligen Stuhl und Israel bestanden“ erklärte Mons. Sambi weiter.
Vertrauen könne man nicht auf
dem Markt kaufen – so der Nuntius weiter: „Vertrauen entsteht aufgrund des Respekts gegenüber den unterschriebenen
Vereinbarungen und aufgrund der Treue zum gegebenen Wort.“
In den USA werde alles Mögliche unternommen,
um Druck in die richtige Richtung auszuüben:
„Israel hat bereits genügend Schwierigkeiten mit zu vielen
Ländern. Es scheint töricht, sich unter den Freunden weitere Schwierigkeiten zu schaffen.“
Freund oder
Feind?Häufig habe Israel die Verzögerungen mit Prioritäten bei der Sicherheitspolitik begründet.
Der Erzbischof kann dieses Argument nicht verstehen: „Die Logik sagt, daß die Sicherheit mit der Anzahl
befreundeter Staaten und dem Abnehmen der feindlich gesinnten Staaten wächst.“
Mons. Sambi zitiert auch
einen rabbinischen Ausspruch, wonach der beste General den Feind nicht überwindet, sondern ihn zum Freund
macht.
Das Interview mit dem Nuntius enthielten so viel Wahrheit, daß sich der Pressesprecher des Vatikan,
Pater Federico Lombardi, schon einen Tag später – am 17. November – beeilte, die Worte des Nuntius als
Ausdruck „seines persönlichen Denken und seiner eigenen Erfahrung“ zu bezeichnen.
Zugleich erneuerte
Pater Lombardi die Hoffnung des Heiligen Stuhles auf einen „schnellen Abschluß“ der wichtigen Verhandlungen
zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel.
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