Da läuft einem Psychoanalytiker das Wasser im Mund zusammen
„Die Menschen haben ein unvermeidliches Bedürfnis nach Orthodoxie und Inquisition.“ Der Autor Manfred Lütz über die Kirche von gestern und die Leute von heute.
(kreuz.net) Der radikale Atheist Richard Dawkins argumentiert gegen einen amerikanischen Fundamentalismus,
„den es bei uns nicht mal im Zoo gibt“ und verkörpere dabei selber „das irritierende Phänomen eines
fundamentalistischen Atheismus“.
Das erklärte der Arzt und Autor Manfred Lütz am 16. November in einem Interview mit der Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’.
Lütz hat zahlreiche zum Teil humoristische Bücher über spirituelle Themen verfaßt. Er ist promovierter Theologe und Psychotherapeut. Im Hauptberuf arbeitet er als Chefarzt des Kölner Alexianer-Krankenhauses.
Er stellt fest, daß in den Büchern von Dawkins jeder Gegner entweder lächerlich, böswillig oder geistesgestört ist. Auf den 570 Seiten seines letzten Buches kenne Dawkins eigentlich nur ein Argument:
„Gott hält sich nicht an die Evolutionstheorie, denn nach ihr kann ein so komplexes Phänomen wie Gott erst am Ende einer Entwicklung stehen, aber nicht an ihrem Anfang.“
Lütz glaubt, daß das Interesse an Gott in Deutschland wieder zunimmt.
Selbst der unreligiöse deutsche Philosoph Jürgen Habermas, habe darauf hingewiesen, daß die Menschenwürde nur mit dem Begriff der Gottebenbildlichkeit fundiert werden könne.
Die Gottesfrage werde heute sogar von außen an die Kirchen herangetragen:
Gregor Gysi, der Chef der deutschen Ex-Kommunisten, habe sich als Atheist bekannt, der vor vor einer gottlosen Gesellschaft Angst habe.
Einer solchen Gesellschaft könnte die Solidarität abhandenkommen. Die Linke sei für die Wertefrage auf Jahrzehnte diskreditiert.
Nach Lütz ist die funktionalistische Beschreibung Gottes – wie sie Gysi vornimmt – „gewiß nicht vollständig“ – aber auch nicht ganz falsch.
Antikirchliches Aufflackern führt Lütz darauf zurück, daß der vaterlosen Gesellschaft die Protestobjekte abhandengekommen sind:
„Die Österreicher haben schon lange keinen Kaiser mehr, und auch gegen Politiker kann man nicht mehr demonstrieren, weil die bisweilen dazu neigen, sich nach der Lektüre einiger Umfrageergebnisse der Demonstration gegen sich selber anzuschließen.“
Da biete sich die Katholische Kirche als Protestobjekt an, „weil sich in 2000 Jahren genügend wirkliches oder vermeintliches Protestmaterial angesammelt hat.“
Protest gegen eine Institution, die von Männern geleitet wird und an deren Spitze ein „Heiliger Vater“ stehe: „Das läßt einem Psychoanalytiker doch das Wasser im Munde zusammenlaufen.“
Auch die gesellschaftliche Fixierung auf die „Kirche-und-Sex-Themen“, die gerade der katholischen Tradition ziemlich fremd seien, hat aus Sicht von Lütz mit „dieser geradezu pubertären Vaterprojektion“ zu tun.
Doch damit verpasse man das Wesentliche und verschüttet die Schätze christlicher Spiritualität.
Kirchenintern sieht Lütz in der Kirche ein Sprachproblem – „das Problem, in einer ganz normalen Sprache über Gott zu reden“.
„Das klingt immer gleich so feierlich und pathetisch, daß man den Eindruck hat, da ist jemand gestorben.“
Den sich gegenwärtig in Europa mit antikirchlicher Spitze bildenden Wertkanon sieht Lütz halbironisch: „Die Menschen haben offensichtlich ein unvermeidliches Bedürfnis nach Orthodoxie und Inquisition.“
Die political correctness sei die neue Orthodoxie, und die Inquisition sei die öffentliche Meinung, „die über Sie herfällt, wenn Sie nur ein falsches Wort verwenden.“
Jetzt sei ein respektvoller existenzieller Dialog gefragt.
© Bild Dawkins: Matthias Asgeirsson, CC
Das erklärte der Arzt und Autor Manfred Lütz am 16. November in einem Interview mit der Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’.
Lütz hat zahlreiche zum Teil humoristische Bücher über spirituelle Themen verfaßt. Er ist promovierter Theologe und Psychotherapeut. Im Hauptberuf arbeitet er als Chefarzt des Kölner Alexianer-Krankenhauses.
Er stellt fest, daß in den Büchern von Dawkins jeder Gegner entweder lächerlich, böswillig oder geistesgestört ist. Auf den 570 Seiten seines letzten Buches kenne Dawkins eigentlich nur ein Argument:
„Gott hält sich nicht an die Evolutionstheorie, denn nach ihr kann ein so komplexes Phänomen wie Gott erst am Ende einer Entwicklung stehen, aber nicht an ihrem Anfang.“
Lütz glaubt, daß das Interesse an Gott in Deutschland wieder zunimmt.
Selbst der unreligiöse deutsche Philosoph Jürgen Habermas, habe darauf hingewiesen, daß die Menschenwürde nur mit dem Begriff der Gottebenbildlichkeit fundiert werden könne.
Die Gottesfrage werde heute sogar von außen an die Kirchen herangetragen:
Gregor Gysi, der Chef der deutschen Ex-Kommunisten, habe sich als Atheist bekannt, der vor vor einer gottlosen Gesellschaft Angst habe.
Einer solchen Gesellschaft könnte die Solidarität abhandenkommen. Die Linke sei für die Wertefrage auf Jahrzehnte diskreditiert.
Nach Lütz ist die funktionalistische Beschreibung Gottes – wie sie Gysi vornimmt – „gewiß nicht vollständig“ – aber auch nicht ganz falsch.
Antikirchliches Aufflackern führt Lütz darauf zurück, daß der vaterlosen Gesellschaft die Protestobjekte abhandengekommen sind:
„Die Österreicher haben schon lange keinen Kaiser mehr, und auch gegen Politiker kann man nicht mehr demonstrieren, weil die bisweilen dazu neigen, sich nach der Lektüre einiger Umfrageergebnisse der Demonstration gegen sich selber anzuschließen.“
Da biete sich die Katholische Kirche als Protestobjekt an, „weil sich in 2000 Jahren genügend wirkliches oder vermeintliches Protestmaterial angesammelt hat.“
Protest gegen eine Institution, die von Männern geleitet wird und an deren Spitze ein „Heiliger Vater“ stehe: „Das läßt einem Psychoanalytiker doch das Wasser im Munde zusammenlaufen.“
Auch die gesellschaftliche Fixierung auf die „Kirche-und-Sex-Themen“, die gerade der katholischen Tradition ziemlich fremd seien, hat aus Sicht von Lütz mit „dieser geradezu pubertären Vaterprojektion“ zu tun.
Doch damit verpasse man das Wesentliche und verschüttet die Schätze christlicher Spiritualität.
Kirchenintern sieht Lütz in der Kirche ein Sprachproblem – „das Problem, in einer ganz normalen Sprache über Gott zu reden“.
„Das klingt immer gleich so feierlich und pathetisch, daß man den Eindruck hat, da ist jemand gestorben.“
Den sich gegenwärtig in Europa mit antikirchlicher Spitze bildenden Wertkanon sieht Lütz halbironisch: „Die Menschen haben offensichtlich ein unvermeidliches Bedürfnis nach Orthodoxie und Inquisition.“
Die political correctness sei die neue Orthodoxie, und die Inquisition sei die öffentliche Meinung, „die über Sie herfällt, wenn Sie nur ein falsches Wort verwenden.“
Jetzt sei ein respektvoller existenzieller Dialog gefragt.
© Bild Dawkins: Matthias Asgeirsson, CC
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Dienstag, 20. November 2007 11:11
Airbag: Ich habe Manfred Lütz bei der Vorstellung des Buches Live erlebt
Einfach Spitze
(es gibt auch einen Kasettenmitschnitt)
Mehr von Manfred Lütz: SWR2 Aula Manuskriptendienst
(Kostenlos Herunterzuladen)
(es gibt auch einen Kasettenmitschnitt)
Mehr von Manfred Lütz: SWR2 Aula Manuskriptendienst
(Kostenlos Herunterzuladen)
Dienstag, 20. November 2007 00:41
methusalix †: Eine Meinung von Dr. Werner Fuchs aus Zug zum neuesten Buch von Manfred Lütz: GOTT
zitiert aus der Rezension bei amazon.de:
Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben?
Keine Sorge, amazon achtet auf „Ausgewogenheit“. Die wollen ja uns „liberalen“ und „lauen“ Katholiken ihre Bücher verkaufen, als auch den Hexenverbrennern hier. Genau die Hälfte der 14 Rezensionen hat vier oder fünf Sterne.
Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben?
Keine Sorge, amazon achtet auf „Ausgewogenheit“. Die wollen ja uns „liberalen“ und „lauen“ Katholiken ihre Bücher verkaufen, als auch den Hexenverbrennern hier. Genau die Hälfte der 14 Rezensionen hat vier oder fünf Sterne.
Montag, 19. November 2007 15:15
Wandregisel: Nur mal so am Rande…
Gysi ist nach seiner Selbstbezeichnung (meines Wissens) Agnostiker und kein ausgesprochener Atheist. Sprich
er beantwortet die Frage nach Gott mit einem „Ich weiß es nicht…“
Nur die Wenigsten (meißt auch die weniger Intellektuellen) innerhalb der „sozialistischen Linken“ kann man wohl als wirkliche Atheisten bezeichnen.
Und häufig wird sogar der grundlegende, christliche Wertekanon (Nächstenliebe etc.) positiv rezipiert (Brecht, Lukas…).
Dies hat zwar wenig mit Kirche zu tun, aber immerhin
Nur die Wenigsten (meißt auch die weniger Intellektuellen) innerhalb der „sozialistischen Linken“ kann man wohl als wirkliche Atheisten bezeichnen.
Und häufig wird sogar der grundlegende, christliche Wertekanon (Nächstenliebe etc.) positiv rezipiert (Brecht, Lukas…).
Dies hat zwar wenig mit Kirche zu tun, aber immerhin
Montag, 19. November 2007 14:19
Dr. A. Glauberecht-Polkor: Typisch kreuz.net!
Die political correctness sei die neue Orthodoxie, und die Inquisition sei die öffentliche Meinung, „die
über Sie herfällt, wenn Sie nur ein falsches Wort verwenden.“
Mit dieser Aussage werden die erheblichen Anstrengungen um einen politisch sensiblen Sprachgebrauch in Kirche und Gesellschaft desavouiert. So soll offenbar rechtslastiges Gedankengut wieder salonfähig gemacht werden. Aber die braune Soße verändert durch erneutes Aufkochen auch nicht ihre Farbe.
Mit dieser Aussage werden die erheblichen Anstrengungen um einen politisch sensiblen Sprachgebrauch in Kirche und Gesellschaft desavouiert. So soll offenbar rechtslastiges Gedankengut wieder salonfähig gemacht werden. Aber die braune Soße verändert durch erneutes Aufkochen auch nicht ihre Farbe.
Montag, 19. November 2007 13:42
seraphincgn: Ansgar
Nein meien Orthographie ist ein anzeichen einer neurologische bedingten Legasthenie.
Wobei du teilweise recht hast, ich kann besser schreiben wenn ich mich stärker daruaf konznetrieren würde. Das ist hier aber nicht der fall da ich die Aussage von Sozialkatholik abolut nicht gutheißen kann und mich solche einstellungen nun mal emotional aufwüheln.
Wobei du teilweise recht hast, ich kann besser schreiben wenn ich mich stärker daruaf konznetrieren würde. Das ist hier aber nicht der fall da ich die Aussage von Sozialkatholik abolut nicht gutheißen kann und mich solche einstellungen nun mal emotional aufwüheln.
Montag, 19. November 2007 13:32
HomCat: Gehorsam
… was bedeutet denn gehorsam sein? Wenn es bedeutet, daß man dem Gegenüber zuhört und eine Lehre
daraus zieht, dann bin auch ich einverstanden. Ein Kind sollte „gehorsam sein“, nur so kann es lernen
und Erfahrungen der Eltern behalten.
…bedeutet es das militärische Gehorsam. Also ohne freien Willen dem folgen, was der andere sagt, dann bin ich dagegen.
…bedeutet es das militärische Gehorsam. Also ohne freien Willen dem folgen, was der andere sagt, dann bin ich dagegen.
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