15:53:18 | Montag, 19. November 2007
Unter Papst Johannes Paul II. ist die Anzahl der Kardinäle massiv in die Höhe geschossen. Doch in Rom fehlt es für sie an Lebensraum.
(kreuz.net, Vatikan) Im Vatikan fehlt es an Kardinalswohnungen. Das berichtete das italienische Wochenmagazin
‘Panorama’ am 5. November.
Jeder in Rom wohnhafte Kardinal hat Anrecht auf eine Residenz bestehend aus
Stube, Eßzimmer, Büro, Schlaf- und Gästezimmer, Kapelle und wenn möglich mit Räumlichkeiten für
Schwestern, die dem Kirchenfürsten den Haushalt besorgen.
Die Miete für die Wohnung begleicht der Vatikan.
Blick auf den PetersplatzDer argentinische Präfekt der Ostkirchen-Kongregation, Mons. Leonardo Sandri
(63), der am 24. November zum Kardinal erhoben wird, hat gerade eine Attikawohnung bezogen. Sie befindet
sich in dem Gebäude, wo auch der vatikanische Pressesaal untergebracht ist.
Von der Wohnung des Erzbischofs
aus hat man einen direkten Blick auf den Petersplatz.
Sein Vorgänger in der Residenz war der emeritierte
Kurienkardinal Jorge Arturo Medina Estévez (80), der in seine chilenische Heimat zurückgekehrt ist.
Die Nachbarn von Erzbischof Sandri sind der emeritierte US-amerikanische Kurienkardinal William Wakefield
Baum (80) und der Franziskaner-Konventuale und Sekretär der Ordenskongregation, Erzbischof Gianfranco
Gardin (63).
Auf der gegenüberliegenden Seite der Via della Conciliazione, die vom Tiber zum Vatikan
führt, befindet sich eine der am meisten begehrten Kardinalswohnungen, jene des Präfekten der Glaubenskongregation,
William Joseph Kardinal Levada (71).
Von den Fenstern seiner Gemächer aus scheint man die Kuppel des
Petersdoms mit Händen greifen zu können.
Im gleichen Gebäude wohnen auch der portugiesische Präfekt
der Kongregation für die Heiligsprechungen, José Saraiva Kardinal Martins (75), und der italienische
Präsident des Päpstlichen Friedensrates, Renato Kardinal Martino (74).

Ein Kardinal trägt Purpurrot – Zeichen des Martyriums
Die Kardinalswohnung mit der
schönsten AussichtAls die Kardinalswohnung mit der schönsten Aussicht gilt die Residenz des indischen
Präfekten der Missionskongregation, Ivan Kardinal Dias (71). Er wohnt auf dem Gianicolo – dem Hügel,
von dem man aus nächster Nähe auf den Petersdom sieht.
Unter den kürzlich ernannten Neo-Kardinälen
befindet sich auch der ehemalige Nuntius in Tschechien, Erzbischof Giovanni Coppa (82).
Er lebt gegenwärtig
im relativ einfachen Haus der Kanoniker von Sankt Peter im Vatikan – im Schatten des Petersdoms.
Jetzt
soll der Erzbischof wegen seines neuen Ranges eine neue Wohnung beziehen. Doch er will nicht und hat bereits
darum gebeten, auf das Privileg eines Umzuges verzichten zu dürfen.
Obdachloser ErzbischofObdachlos
ist gegenwärtig der frisch ernannte Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Erzbischof Gianfranco Ravasi
(65). Er wohnt noch im Domus Santa Marta, einer vatikanischen Residenz für klerikale Mitarbeiter niedrigeren
Ranges.
Mons. Ravasi benötigt wegen seiner enormen privaten Bibliothek eine größere Wohnung.
Sein
Vorgänger, Paul Kardinal Poupard, scheint keine Absicht zu haben, die wunderschöne Dienstwohnung an
der Piazza San Calisto im römischen Stadtteil Trastevere, wo er seit fast 20 Jahren residiert, seinem
Nachfolger abzutreten.
Im gleichen Haus wohnt auch Roger Kardinal Etchegaray, der in seiner Privatkapelle
eine umfangreiche Sammlung von Ikonen beherbergt.

Wappenzier eines Kardinals
Eine Immobilie für sechzig Millionen EuroUm den
vatikanischen Wohnungsmangel zu beseitigen, hat die Verwaltung der Besitztümer des Heiligen Stuhls (Apsa)
beschlossen, die Büroräumlichkeiten des Päpstlichen Friedensrates und des Familienrates vom römischen
Stadtteil Trastevere an die Via della Conciliazione umzulagern.
Dafür wurde dort im Jahr 2003 ein Gebäude
für sechzig Millionen Euro gekauft. Es ist gerade erst renoviert worden.
In den freigewordenen Räumlichkeiten
in Trastevere werden Wohnungen für Mitarbeiter des Staatssekretariates geschaffen, die gegenwärtig im
Domus Santa Marta einquartiert sind.
Der Plan hat unter den betroffenen Prälaten eine halbe Palastrevolution
ausgelöst. Sie waren sich gewohnt, ihren Arbeitsplatz zu Fuß und schnell zu erreichen.
Gegen den Plan
stellte sich auch der Präsident des Päpstlichen Familienrates, Alfonso Kardinal López Trujillo (72).
Er lebt in Trastevere und will nicht täglich den umgekehrten Arbeitsweg an die Via della Conciliazione
zurücklegen.
Auch der Palazzo San Carlo im Vatikan, wo bisher der Päpstliche Medienrat untergebracht
war, wird umgebaut.
Dort sollen vier gehobene Dienstwohnungen eingerichtet werden.
Eine ist für den
neuen Protokollchef des Vatikan, den nigerianischen Prälat Fortunatus Nwachukwu, bestimmt, eine andere
für den päpstlichen Zeremonienmeister, Prälat Guido Marini.
Die schönste Wohnung im Gebäude könnte
an den Assessor für allgemeine Angelegenheiten im Staatssekretariat, Prälat Gabriele Caccia, gehen.
Ein Stück Weißes HausDie technisch fortschrittlichste Wohnung besitzt der Präsident der Kommission
‘Ecclesia Dei’ Darío Kardinal Castrillón Hoyos (78).
In einem eigenen Raum gibt es Video, Computer
und Internet. Der kolumbianische Kurienkardinal benötigt diese Einrichtungen, um sich mit Lateinamerika
in Verbindung zu halten.
Dagegen findet man in der großen und eleganten Wohnung des ehemaligen Nuntius
in Washington und emeritierten Präfekten der Bildungskongregation, Pio Kardinal Laghi (85), ein Stück
des Weißen Hauses – nämlich unzählige Photos, auf denen der Kardinal mit verschiedenen US-Präsidenten
abgebildet ist.
Für Liebhaber von Antiquitäten ist die Residenz des römischen Weihbischofs und Rektors
der Lateranuniversität, Mons. Rino Fisichella (56), an der Piazza San Giovanni in Laterano ein Muß.
Mons. Fisichella ist Liebhaber antiker Möbel.
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