[ « 97 98 99 100 101 » ]
Dienstag, 20. November 2007 13:26
Eine bedächtige Antwortgabe
Konservative Katholiken stehen in Fulda unter massivem Verdacht „Sehnsucht nach dem Gestrigen“ zu hegen. Morgen wird das Problem in einem Vortrag aufgearbeitet. Von Peter M. Leibold.
Statue des Heiligen Bonifatius in Fulda
Statue des Heiligen Bonifatius in Fulda
(kreuz.net) Am Buß- und Bettag, der morgen in Deutschland gefeiert wird, lädt das Franziskanerkloster Frauenberg in Fulda zu einem Vortrag mit Pater Sigfrid Klöckner OFM ein.

Pater Klöckner beschäftigt sich vorwiegend als Exerzitienmeister.

Die Veranstaltung steht unter dem Titel: „Sogenannte ‘konservative Formen’ in der Kirche gesucht? Sehnsucht nach dem Gestrigen?“

Das Veranstaltungsprogramm des Klosters stellt fest, daß es keiner wissenschaftlichen Nachforschungen bedarf, sondern aufgrund der Alltagsmedien offensichtlich ist: „Manche möchten manches von gestern wieder heute.“

Dieser Trend beziehe sich vor allem auf die Liturgie, aber auch auf Brauchtum und – wie das Programm ausdrücklich feststellt – auf die Glaubenslehre.

Durch amtliche Verlautbarungen aus dem „fernen Rom“ – das doch ganz nahe sei, „seitdem wir Papst sind“ –, gebe es diesbezüglich immer wieder Gesprächsstoff.

Das führe auch zu Impulsen und kirchlichen Ereignissen mit nicht geringer Sogwirkung.

Pater Sigfrid will dieses Phänomen in seinem Vortrag mit einer „Antwortgabe mit Bedacht“ beehren.

Unterdessen hoffen konservative Nostalgiker in Fulda, daß die Antwortgabe des Franziskaners dem positiven Anliegen des Heiligen Vaters und des Motu proprios ‘Summorum Pontificium’ zur Freigabe der Alten Messe gerecht werden wird.

Jedenfalls würden auf dem Fuldaer Frauenberg – im Sinne des neuen Trends – bislang keine Heiligen Messen im Alten Ritus stattfinden.

© Titelbild: Frank Schulenburg, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 51 Lesermeinungen:
Donnerstag, 29. November 2007 17:24
Jörg Guttenberger, Köln: Libertas eclesiae: Gemeinschaftsmesse
Fakt ist, dass 90 Prozent der heutigen Gemeindemessen doch nur nach dem 0-8-15-Schema abgehalten werden ohne besondere liturgische oder musikalische Ansprüche. Und der aktive Mitvollzug eines Großteils der Gläubigen, sofern sie überhaupt noch kommen, lässt sehr zu wünschen übrig.

Ihren Ausführungen betreff tridentinischer Messe stimme ich Ihnen gerne zu.

Zu Obigem: was heißt Mitvollzug, wie wollen Sie den Mitvollzug der Liturgieteilnehmer beurteilen?

Gerade von Werktagsmessen geht eine spürbare geistliche Gestimmtheit aus, die sicher von der auch inneren Teilnahme der Liturgieteilehmer getragen wird, wohingegen in Sonntagsmessen durch die Teilnahme der vielen nur eine äußere Pflicht Erfüllenden nicht selten eine gewisse innere Leere spürbar ist. Hierbei spielt der äußere Ablauf eine eher nachgeordnete Rolle, wiewohl natürlich etwa die Krönungsmesse von Mozart (hier möge der Leser bitte Mozart duch seine eigene Lieblingsmesse ersetzen) ohne Zweifel auch ein künstlerischer Hochgenuß ist, der uns den Weg zu einer vertieften inneren Teilnahme öffnet. Wir dürfen natürlich nicht an der schönen äußeren Gestaltung hängen bleiben.

Wenn die Gemeinde nicht mitzieht, kann auch der Zelebrant kaum geistliche Tiefe vermitteln.
Donnerstag, 22. November 2007 06:59
Libertas Ecclesiae: Gemeinschaftsmesse
Den Unterschied Hochamt – Gemeinschaftsmesse gibt es heute offiziell nicht mehr.

Das bezieht sich auf die Messfeier in der ordentlichen Form des römischen Ritus. Benutzt man das Missale Romanum von 1962, ist diese Unterscheidung sehr wohl und nach wie vor berechtigt.

Der Begriff „Gemeinschaftsmesse“ darf aber nicht dazu verleiten, dass beispielsweise bei einer sogenannten stillen Messe die Gläubigen nicht aktiv teilnehmen würden. Es gibt eben unterschiedliche Ebenen des Mitvollzugs einer Messe.

Fakt ist, dass 90 Prozent der heutigen Gemeindemessen doch nur nach dem 0-8-15-Schema abgehalten werden ohne besondere liturgische oder musikalische Ansprüche. Und der aktive Mitvollzug eines Großteils der Gläubigen, sofern sie überhaupt noch kommen, lässt sehr zu wünschen übrig.

Da kann sich die Ausweitung von Messfeiern nach dem „usus antiquior“ langfristig durchaus heilsam für den Novus Ordo erweisen und auch für die aktive Teilnahme der Gläubigen.
Mittwoch, 21. November 2007 23:50
Gotthard: @Jörg Guttenberger
Den Unterschied Hochamt – Gemeinschaftsmesse gibt es heute offiziell nicht mehr. Ihre Frage war damit berechtigt.
DANKE für die Antwort und Aufklärung.
Mittwoch, 21. November 2007 23:44
Jörg Guttenberger, Köln: Gotthard: Hochamt
Das Hochamt ist eine missa cantata, d. h. sämtliche Texte werden entsprechend dem benutzten Messformular gesungen.

Da es nach Anerkennung der Landessprachen durch das Konzil noch keine Melodien für deutsche Texte gab, hat man das Ordinarium teils lateinisch gesungen, teils deutsch rezitiert und das Proprium durch deutsche Kirchenlieder ersetzt.

Die inzwischen laut Freinsberg vorhandene Ausgabe des mit Choralnoten versehenen Propriums wird nach meiner Erfahrung überhaupt nicht genutzt.

Das heutige GL enthält das für das gesamte Ordinarium mehrere deutsche Choralausgaben, die jedoch ebenfalls kaum beachtet werden. Eine rühmliche Ausnahme ist der gemeinsame Chor der Minoriten/Columba-Kirche in Köln.

Der Begriff „Gemeinschaftsmesse“ stammt aus der vorkonziliaren Liturgie und ist heute nicht mehr ganz richtig, weil die gemeinsame Feier vom Priester und Volk heute Standart ist. Es handelt sich um eine Fortführung der vorkoziliaren Gemeinschaftsmesse, die besagt, daß der Priester zwar seine Messe am Altar las, die der Gemeinde zukommenden Antworten jedoch von der Gemeinde und nicht mehr ausschließlich von der Altarassistenz gegeben wurde.

Ich meinte mit dem heute nicht mehr ganz richtigen Begriff die weitestgehend von Priester und Gemeinde rezitierte Messe, unterbrochen von ein paar Kirchenliedern.

Den Unterschied Hochamt – Gemeinschaftsmesse gibt es heute offiziell nicht mehr. Ihre Frage war damit berechtigt.

Bis 29.11. kann ich wegen Reiseabwesenheit leider nicht antworten.
Mittwoch, 21. November 2007 22:04
Gotthard: Hochämter
daß Hochämter immer noch entsprechend den nachkonziliaren Provisorien zelebriert werden

Was soll ich mir unter einem Hochamt vorstellen – das gegen eine Gemeinschaftsmesse abgesetzt wird?
Mittwoch, 21. November 2007 20:39
Jörg Guttenberger, Köln: Alte und neue Liturgie
Der Versuch, den Anhängern der alten Liturgie reaktionäre theologische Gründe zu unterstellen, schießt weit über das Ziel hinaus, weil die meisten Christen keine Theologen sind.

Es geht einfach um eine schöne Liturgie. Liturgie kann man aber genauso wenig schön machen, wie einen Menschen durch Kosmetik. Ein Mensch ist nur dann wirklich schön, wenn ihm eine gewisse Geistigkeit aus den Augen schaut, die etwas Wesentliches offenbart. Nimmt jemand das Göttliche in sich auf, wie Maria, zeitigt er eine Schönheit, die wir suchen dürfen. Genauso ist es mit der Liturgie!

Die alte Lirurgie ist weitestgehend ein Selbstläufer. Wenn hingegen bei der neuen Liturgie der in persona Christi handelnde Priester mit dem Gesicht zum Volk zelebriert, bedarf es einer weit anspruchsvolleren inneren Vorbereitung, damit er als wandelnde Ikone Christi diese Ausstrahlung auf die Gemeinde hat! Wegen der priestermangelbedingten Überlastung sind die Zelebranten hier schlichtweg überfordert.

Hinzu kommt, daß Hochämter immer noch entsprechend den nachkonziliaren Provisorien zelebriert werden, halb Hochamt und halb Gemeinschaftsmesse, also weder Fleisch noch Fisch! Es gibt so gut wie kein Hochamt, in dem nicht zwischendurch immer wieder geredet wird, oft werden „Vater unser“ und andere Gebete von der Gemeinde rezitiert, statt (gegf. vom Chor) gesungen. Die nachkonziliare Generation hat sich offenbar an solche Provisorien gewöhnt.

Für das deutsche Proprium gibt es inzwischen ernstzunehmende Vertonungen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 45 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net