Liturgie
Unerwartet: Die Bistumsleitung verurteilt
Vor einigen Tagen veröffentlichten Seelsorger des Dekanates Rorschach im Bistum St. Gallen eine generelle Einladung zur Interkommunion. Der Bischofsvikar der Diözese verurteilte diesen Schritt als „absolut unverantwortlich“.
(kreuz.net, Rorschach) In der Online-Ausgabe des St. Galler Tagblatts vom Samstag hat sich der Bischofsvikar der Diözese St. Gallen, Domdekan Markus Büchel, zur „eucharistischen Einladung“ des Dekanates Rorschach geäußert: „Es ist absolut unverantwortlich, so etwas in die Welt zu setzen.“ Mit „so etwas“ meint der Prälat die freundliche Einladung des Rorschacher Dekanates an jedermann – unabhängig von Glauben, Religion oder Konfession – an der Eucharistie teilzunehmen. Rorschach liegt am Bodensee, unweit der Grenze zu Deutschland und zu Österreich.

Am 2. Februar veröffentlichte die Lokalzeitung „St. Galler Tagblatt“ einen Brief der Rorschacher „Seelsorgerinnen und Seelsorger“. Darin werden Nichtkatholiken und Nichtchristen eingeladen, bei der Heiligen Messe „mitzuessen“. Denn, so die Begründung, auch Jesus habe mit allen möglichen Leuten gegessen. Und selbst Papst Johannes Paul II. bezeichne die „eucharistische Gastfreundschaft“ als „Grund der Freude“.

Diese Erklärung sei absolut unverantwortlich, empörte sich der für die diözesane Pastoral verantwortliche Bischofsvikar. Die Seelsorger hätten nicht einmal zwischen dem Christentum und anderen Religion unterschieden.

Wie es scheint, bezieht Bischofsvikar Büchel sein Urteil nur auf die Einladung von Nichtchristen zur heiligen Kommunion: Nichtkatholische Christen bekämen durchaus die Kommunion, sofern sie diese wollten: „In der konkreten Situation weisen wir niemanden zurück.“ Denn, „wir können im Einzelnen nicht überprüfen, ob jemand katholisch, evangelisch oder konfessionslos ist.“

Der Bischofsvikar brachte seine Besorgnis zum Ausdruck, daß nach der unglücklichen Stellungnahme des Rorschacher Dekanates wieder Stimmen laut würden, die den Laientheologen theologische Inkompetenz vorwerfen und sie deshalb abschaffen wollten.

Die Pastoralreferentin Beatrice Mock, eine der Hauptinitiatoren der „herzlichen Einladung“, zeigte sich von der Stellungnahme des Bischofsvikars irritiert. Zwar werde die Kommunion an alle ausgeteilt, aber eine explizite Einladung werde als ‘absolut unverantwortlich’ bezeichnet. „Warum darf nicht laut gesagt werden, was man ohnehin macht?“

Sie und die anderen Seelsorger, welche die Einladung unterzeichnet hätten, plädierten für mehr Ehrlichkeit, Mut und Realitätssinn.

Eine Katechetin aus dem Rorschacher Dekanat pflichtete der Stellungnahme der Pastoralreferentin bei. Bischofsvikar Büchel könne nicht den Aufruf zur Interkommunion als „absolut unverantwortlich“ abwerten und gleichzeitig die gegenwärtige Praxis gutheißen.

„Einerseits sieht Büchel die pastorale Not und die Unmöglichkeit, die Kommunion Andersgläubigen vorzuenthalten, andererseits predigt er scharf dagegen. Als Katechetin ist seine Kritik für mich unverständlich.“
      
7 Lesermeinungen
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#7   Pelagius   12:44:23 | Sonntag, 6. Februar 2005
„Verantwortungslos“?
Manchmal muß man die Worte wägen.
„Verantwortungslos“ handelt jemand, der z.B. einem Mitmenschen etwas zumutet, was dieser (noch) nicht ertragen kann.
Verantwortungslos, ein Kleinkind auf eine hochalpine Tour mitzunehmen.
Verantwortungslos, einen Priester ohne pastorale Eignung in einem seelsorglich sensiblen Umfeld einzusetzen.
Aber kann man denn auch die Einladung an die Vertreter anderer Konfessionen, ja Religionen, zur Kommunion zu kommen, als „verantwortungslos“ bezeichnen?
Deutet das nicht darauf hin, daß man ein solches Handeln nicht wirklich für „in sich schlecht“ betrachtet, vielmehr der Meinung ist, die Zeit sei „noch nicht reif“?
Seitdem sich kirchliche Stellen auf die Sprachregelungen eines „personalen Denkens“ und eines „Werte-Jargons“ eingelassen haben, beginnt vieles zu verschwimmen. Bei der allgemeinen Verwässerung des Glaubens ja auch kein Wunder! Und die Folge ist dann die „Verdunstung des Glaubens“ (Karl Card. Lehmann)…
Erneuerung der Kirche setzt Erneuerung ihrer Sprache voraus. Ansonsten handelt man wirklich „absolut unverantwortlich“.
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#6   Bruno-Maria Schulz   09:37:00 | Sonntag, 6. Februar 2005
Tippfehler
sorry
es muss natürlich heißen
Happening oder Glauensanstoß
nicht
Happening oder Glauensnstoß
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#5   Bruno-Maria Schulz   09:35:14 | Sonntag, 6. Februar 2005
Happening oder Glauensnstoß
Ja, gut Pelagius; enthusiastische Jugendfestivals täuschen eher über die wahre Lage hinweg. Richtig. Und der Rummel am Rande des Papstbesuches in Köln, wird ebenso wie 1987 als der Papst das letzte Mal in Köln war, eher der Hölle, als dem Himmel gefallen und wird auch diesmal widerwärtig sein.
Aber:
Wir sollten doch auch sehen, dass sehr viele Jugendliche nicht nur wegen dem Ereignis oder sagen wir auch wegen dem Begleitgeschehen des Gemeinschafts-Erlebens kommen, sondern ganz klar, um dem Stellvertreter Gottes auf Erden in Gemeinschaft mit Gleichdenkenden nahe zu sein und wegen dem Erlebnis de Begegnung mit Vielen die ebenfalls vom Glauben begeistert sind.
Natürlich sind viele Begleiterscheinungen – wie der Papst sehr genau weiß – zum Kotzen. Werden aber nur Einige aus der Masse bekehrt und finden zu Gott, so war’s richtig.
Die Bergpredigt fand vor zu damaligen Zeit unglaublichen 5.000 statt, die noch zumal alle von Christus versorgt wurden mit dem damalige üblichen Kost Brot und Fisch, wobei Jesus sehr genau wusste, dass gewiss ein hoher Prozentsatz rein wegen dem Erlebnis kam. Was soll’s?!
Dieses Event-Denken kann natürlich nicht auf das hiesige Thema EUCHARISTIE AUCH FÜR UNGLÄUBIGE angewandt werden – das bleibt Skrileg!
Bruno-Maria Schulz
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#4   Dolfus   18:41:49 | Samstag, 5. Februar 2005
Viele Novus Ordo-Messen ungültig …
… das kann man nur hoffen, angesichts Tausender und Abertausender Hostienschändungen weltweit.
Erzbischof Marcel, bitte für uns!
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#3   Bruno-Maria Schulz   17:11:27 | Samstag, 5. Februar 2005
die freundliche Einladung des Rorschacher Dekanates an jedermann
unabhängig von Glauben, Religion oder Konfession, – an der Eucharistie teilzunehmen…
Ist nichts Anderes, als die freundliche Einladung, ein Sakrileg zu begehen, in Entheiligung des Wertvollsten was die Kirche hat – die Eucharistie.
Eine freundliche Einladung der Hölle, doch bitte näher zu treten.
Bruno-Maria Schulz
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#2   spectator †   14:12:13 | Samstag, 5. Februar 2005
Angeberei
In der Online-Ausgabe des St. Galler Tagblatts vom Samstag hat sich der Bischofsvikar der Diözese St. Gallen, Domdekan Markus Büchel, zur „eucharistischen Einladung“ des Dekanates Rorschach geäußert: „Es ist absolut unverantwortlich, so etwas in die Welt zu setzen.“ Mit „so etwas“ meint der Prälat die freundliche Einladung des Rorschacher Dekanates an jedermann – unabhängig von Glauben, Religion oder Konfession – an der Eucharistie teilzunehmen.
Als ob er/sie es nicht wußten. Als ob die Interkommunion etwas neues wäre.
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#1   Pelagius   13:08:43 | Samstag, 5. Februar 2005
Ein fälliger Beitrag zum eucharistischen Jahr
Von Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit bestimmt wäre das kirchenamtliche Handeln dann, wenn es die katholische Glaubenslehre über das Sakrament des Altares wieder in der gebührenden Klarheit herausstellen und daraus alle gebotenen Folgerungen disziplinärer und personaler Art ziehen würde.
Aber genau dieser längst fällige Beitrag zum eucharistischen Jahr fehlt. Monsterkongresse und enthusiastische Jugendfestivals täuschen eher über die wahre Lage hinweg als daß sie helfen könnten.
Insofern dürften wir den Rorschacher SeelsorgerInnen eigentlich dankbar sein!
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