Schweiz
Auch für die Müllabfuhr
Alle Jahre wieder wird in der Schweiz das Opfer für die Universität Freiburg aufgenommen. Warum? Das weiß niemand. Von Dr. Lukas Brühwiler- Frésey.
Hauptgebäude der Universität Freiburg
Hauptgebäude der Universität Freiburg
© Norbert Aepli, CC
(kreuz.net, Freiburg) Auch in diesem Jahr empfehlen die Schweizer Bischöfe das Kirchenopfer für die Universität Freiburg. Diese Lehranstalt wurde im Jahr 1889 auf Anregung katholischer Pioniere als katholische Universität und Bollwerk gegen den antiklerikalen Liberalismus gegründet.

Zu Recht galt die Hochschule lange als „Universität der Schweizer Katholiken“. Doch davon sind heute nur noch klägliche Reste verblieben.

Schon lange hat sich diese Hochschule dem Zeitgeist verkauft. Die ‘Katholische Volkspartei’ rief bereits in den Jahren 2000, 2003 und 2006 auf, das Universitätsopfer nicht mehr zu unterstützen.

Sie tut es auch dieses Jahr in der Hoffnung, daß sich die Hochschule eines Besseren besinnt.

Die Universität Freiburg ist heute eine staatliche Institution, die hauptsächlich vom Staat finanziert wird.

Den katholischen Boden hat die Hochschule schon lange unter ihren Füßen verloren. Dafür wird Lehre und Forschung dazu mißbraucht, um den Glauben, die Kirche und ihre Hierarchie zu verspotten.

In Freiburg wird die Ehescheidung akzeptiert und vielfach von den Mitgliedern des Lehrkörpers praktiziert. Wie man eine Ehe trotz aller Schwierigkeiten mit Erfolg leben kann, hört man aus Freiburg kaum.

Die Universität und ihre Organe gaben keinen Piepser von sich, als in der Schweiz der letzten Jahre das Homo-Konkubinat eingeführt und ungeborene Menschen um ihr Lebensrecht gebracht wurden.

Wo ist in Freiburg die wissenschaftlich Aufarbeitung der Tatsache, daß assistierter Selbstmord von Staat verboten werden muß und es kein Recht auf Selbstmord gibt?

Wer in Freiburg hat die gräßlichen Methoden der Reproduktionsmedizin auf der Grundlage der katholischen Moral als wissenschaftlich unvertretbar ausgewiesen?

Nie wurden neuzeitliche Geschichtsklitterungen gegen die Kirche in einem rechtshistorischen Seminar der Universität auseinandergenommen.

Dafür machte der Historiker und ehemalige Rektor der Universität, Urs Altermatt, in seinen Publikationen das katholische Milieu der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts madig.

Am 19. Mai 2004 legte der inzwischen emeritierte Freiburger Neutestamentler Hw. Hermann-Josef Venetz dem „sehr geehrten Herrn Papst“ den Rücktritt nahe.

Im Jahr 2005 weigerte sich die Universität zunächst, ein neues Gebäude kirchlich einzusegnen.

Die Universität lieferte auch keine Beiträge, die das ungerechte Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft im Fall Sabo hätten verhindern können.

Die Reaktion von Bischof Kurt Koch von Basel auf das umstrittene Urteil bezeichnete der Freiburger Universitätsprofessor für Staats- und Verwaltungsrecht, Peter Hänni, in der Freiburger Tageszeitung ‘La Liberté’ vom 14. November sogar als unverständlich.

Im Gleichschritt mit den Regierungsparteien bis hin zur extremen Rechten vertrat er die Auffassung, daß die Kirche dem Staat unterworfen werden müsse.

Mittlerweile hat die Universität – die einmal pro Jahr anläßlich des Kirchenopfers ihrer katholischen Wurzeln gedenkt – das Logo mit dem Kreuz aufgegeben.

Dennoch bezeichneten die unbeirrten Schweizer Bischöfe die Hochschule noch im Jahr 2006 als „Universität von weltoffener Katholizität“.

Ob sie deren Leitbild nicht gelesen hatten? Dort ist gerade mal von „Qualität, Verantwortlichkeit und Dialogbereitschaft“ die Rede.

Solche Selbstverständlichkeiten sollten eigentlich auch für jeden Betrieb – auch für die Müllabfuhr – gelten.
      
6 Lesermeinungen
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#6   peter strub   13:25:21 | Freitag, 28. Dezember 2007
„Wissenschaftlich“
Ich wollte nur das Wort „wissenschaftlich“ im Bezug auf katholisches Glaubensgesäusel etwas beleuchten. Die Wissenschaft befasst sich mit Wissen. Vielleicht könnte man den Begriff „Glaubenschaft“ verwenden. p
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#5   Rudolfus   13:55:26 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Seit der Gründung der ersten Universitäten Europas, durch die Kirche
Seit wann kann sich die katholische „Moral“ wissenschaftlich schimpfen?
Seit der Gründung der ersten Universitäten Europas, die die Kirche gegründet hat.
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#4   peter strub   13:52:57 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Wissenschaft
Seit wann kann sich die katholische „Moral“ wissenschaftlich schimpfen?
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#3   Aleph †   20:52:12 | Samstag, 1. Dezember 2007
Dialogbereitschaft der Müllabfuhr
Es ist die prägnante Eigenschaft kommunaler Müllabfuhrunternehmen, stets Dialogbereitschaft zu signalisieren. Was würd eine kommunale Müllabfuhr auch ohne eine solche hervorragende Eigenschaft machen. Schlimmstenfalls würden die Bürger dem Unternehmen keinen Müll mehr zur Verfügung stellen. Und dann erst?
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#2   Peter-Pan   20:03:44 | Samstag, 1. Dezember 2007
Die Müllabfuhr muss Dialogbereitsschaft zeigen??
Im Ernst? Das wusste ich noch gar nicht.
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#1   ExBochumer †   19:58:48 | Samstag, 1. Dezember 2007
Kirchenopfer erbringen?
Sonst noch was?
Wo doch diverse deutschsprachige Bischöfe sogar den Kirchenbeitrag einklagen wollen?
Geld regiert die Welt. Und Bischöfe werden vom Geld regiert. – Und lassen sich regieren.
Arme Kirche.
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