Im wörtlichen Sinne: Stirbt Europa?
Noch vor der weltlichen schuf die kirchliche Macht die Universitäten und übertrug ihnen Vorrechte und einen rechtlichen Status. Die christliche Universität, die christliche Wissenschaft ist die Grundlage für die heutige Sicht der Realität. Europa und die Bildung. Ein Essay von Joachim Volkmann.
(kreuz.net) Der Historiker Walter Brandmüller weist darauf hin, daß im frühen Europa eigentlich drei
Institutionen prägend gewesen sind: neben das sacerdotium, das Priestertum, und das imperium, die weltliche
Herrschaft, tritt die Universität, das studium. Die Universitäten sind die Orte, an denen die Kultur
weitergegeben wird, und sie sind eine der größten Früchte, die das Christentum hervorgebracht hat.
Henri Pirenne hat es zwar negativ gemeint, und doch hat er (und zwar positiv) recht, wenn er schreibt:
„Bis zur Renaissance ist die Geistesgeschichte Europas lediglich ein Kapitel der Kirchengeschichte“. Genau
so ist es.Die Universität ist eine in einer bestimmten Stadt errichtete Körperschaft, welche Studenten und Professoren welcher Herkunft auch immer umfaßt. Die Wurzeln dieser Einrichtung gründen sich in den Bischofs- und Klosterschulen, in denen schon am Ende des ersten Jahrtausends die Sieben Freien Künste gelehrt wurden: das Trivium (Grammatik, Rhetorik und Dialektik) und das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie). Karl der Große und sein Kreis kirchlicher Gelehrter (diesem Kreis stand der angelsächsische Mönch Alkuin von York vor, der von etwa 730 bis 804 lebte) schrieben für das gesamte Reich die karolingische Minuskel vor, eine Schrift. Und diese Schrift trug zur Vereinheitlichung der entstehenden europäischen Kultur bei: die vorher stark variierenden Schriften der verschiedenen Landschaften, Klöster, Länder waren nicht nur äußerst kompliziert, sondern auch schwer zu lesen.
Noch vor der weltlichen schuf die kirchliche Macht die Universitäten und übertrug ihnen Vorrechte und einen rechtlichen Status.
Die Pariser Sorbonne zum Beispiel hat ihren Namen von dem Kanonikus Robert von Sorbon, dem Kaplan des heiligen Königs Ludwig. Sie hatte einen vollständig kirchlichen Charakter: die Professoren waren alle Kleriker, und die beiden großen Orden, die das 13. Jahrhundert erhellten (gemeint sind natürlich die Franziskaner und Dominikaner), brachten den heiligen Bonaventura und den heiligen Thomas von Aquin hervor. Aus allen Teilen der Erde kamen die Studenten und Professoren: Sigier von Brabant und Johannes von Salisbury zeigen das schon durch ihre Namen, der heilige Albert der Große kam aus dem Rheinland, der hl. Thomas und der hl. Bonaventura kamen aus Italien.
Die Probleme, für die die Studenten sich begeistern, sind dieselben in Paris wie in Edinburg und in Köln, und es ist ein und dieselbe Sprache, derer man sich bedient: das Lateinische; es ist überall dasselbe curriculum studiorum, derselbe Lehrplan; die von der jeweiligen Universität vergebenen Titel sind in ganz Europa allgemein anerkannt. Neben den Pilgern und Händlern verbreiten hauptsächlich Studenten und Professoren jene außerordentliche Lebendigkeit und Beweglichkeit, die das christliche Europa im Mittelalter beherrscht.
Man kann sich die Ausbreitung der europäischen Institution „Universität“ sehr schön mit Hilfe einer Karte verdeutlichen – der zeitliche Rahmen macht sowieso erstaunen, wenn man an die technischen Möglichkeiten der Zeit denkt. Welche große geistige Kraft muß hinter dieser Entwicklung gestanden haben: Bologna wird 1088 gegründet und wird berühmt wegen des römischen Rechts; Paris (1150) wird die berühmteste Universität wegen der Dialektik und der Theologie (der hl. Thomas lehrte dort; die sogenannt französische Revolution schloß sie und raubte alles, die letzten Lehrer wurden vertrieben, als 1801 der Louvre, in dem sie lebten, als Museum eingerichtet wurde), Salerno (1173) wird Mittelpunkt der Medizin, und dann geht es Schlag auf Schlag: Valencia 1208, Oxford 1214, Padua 1222, Toulouse 1229, Salamanca 1243, Lissabon 1290 (sie wurde 1537 nach Coimbra verlegt), Rom 1303, Prag (die erste deutsche Universität) 1348, Wien 1363, Krakau 1364, Heidelberg 1385, Löwen 1424, Basel 1459, Uppsala 1477, Kopenhagen 1478. Kurz nach der Entdeckung Amerikas entstanden nach dem Vorbild der Universität von Salamanca, die Universitäten von Mexico (1553) und Lima (1555).
Der Historiker Jacques LeGoff schreibt, daß die Universitäten das Idealbild einer wissenschaftlichen und intellektuellen Organisation darstellen, und das bis in unsere Zeit hinein. An ihnen wurde die Scholastik ausgearbeitet, deren Methoden der Analyse, der Synthese und der philosophisch-wissenschaftlichen Forschung den modernen kritischen Geist und die Entwicklung der heutigen Wissenschaften erst ermöglicht haben. Der hl. Thomas schuf dank seines Genies die Form des Denksystems, welches auch heute noch das vernunftorientierte Fundament des christlichen Europa bildet.
Eine wesentliche Rolle spielte die offizielle christliche Sprache, das Lateinische. Latein einigte Europa in kultureller, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Nach und nach förderte die Kirche auch die europäischen Nationalsprachen, zunächst die neolateinischen, romanischen Sprachen, die Kultur und kulturelles Leben des Kontinents bereicherten. Die klassische Bildung und der christliche Glaube wurden so in nationale Traditionen, Gebräuche, Gesetze und Institutionen übertragen. – Übrigens waren die ersten Texte in den Nationalsprachen meist religiöse Texte. Der hl. Franz von Assisi schrieb nach 1200 sein Cantico, den Sonnengesang, und von dieser Dichtung ging nicht nur die religiöse Dichtkunst in Italien im 13. und 14. Jahrhundert aus. Lange währte die Strahlkraft dieses mystisch inspirierten Ursprungs auf die italienische Nationalliteratur.
Die christliche Universität, die christliche Wissenschaft ist die Grundlage auch für die heutige Sicht der Realität. Auch in dieser Beziehung steht unsere moderne Kultur immer noch und stark auf den Schultern des christlichen Zeitalters: so wäre auch die moderne Naturwissenschaft nicht möglich ohne die vernunftbetonte Weltwahrnehmung der christlichen Zeit. Keine andere Kultur der Welt hat diese Weltwahrnehmung in diesem Maße besessen, sie hat uns geformt und geprägt: ob wir es wollen oder nicht, ob wir es verleugnen oder nicht, ob wir es verfälschen oder nicht. Keine Macht der Welt kann uns von diesem Erbe trennen, und der erklärten Nicht-Christin Oriana Fallaci ist zuzustimmen, wenn sie trotz aller Ablehnung der Kirche und des Glaubens von ihrer kulturellen christlichen, katholischen Identität als dem wesentlichem Teil ihrer italienischen, europäischen Identität spricht.
Die christlichen Wurzeln und die jahrhundertelange christliche Geschichte dieses Kontinents definieren ihn. Wer diese christlichen Wurzeln nicht hat, wer diese Geschichte nicht hat, kann nicht im eigentlichen Sinne Europäer sein: ihm fehlt die europäische Identität. Es ist nicht so, daß man das nicht ändern will. Man kann das nicht ändern: es geht nicht. Ein Europa ohne seine christlichen Wurzeln, ohne seine christliche Geschichte, ein Europa gar, welches sich selbst fremd würde: es würde sterben im wörtlichen Sinne. Vielleicht sinkt deshalb die Geburtenrate in ganz Europa dramatisch, vielleicht sinkt deshalb die Lebenskraft Europas so ersichtlich, vielleicht ist Europa deshalb so wehrlos.
Die christlichen Wurzeln Europas
Die Ursprünge des christlichen Europa
Europäische Völker und Nationen
Mehr als 60 Heilige und Selige christianisierten das spanisch-portugiesische Amerika
Im wörtlichen Sinne: Stirbt Europa?
Von intellektueller Leistung und hoher Kultur
Laßt uns Kathedralen bauen!
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Montag, 7. Februar 2005 07:42
Uwe Schmidt: universitäten
Und wieder muss man darauf hinweisen, dass der BOLOGNAPROZESS der EU gerade darauf abzielt, die Universitäten
aus der Verantwortung der Nationalstaaten zu nehmen und sie den Kräften der „freien Wirtschaft“ auszusetzen,
sodass wirklich nur das gefördert und gesponsort wird, was „auch wirklich gebraucht wird“, sprich: was
sich vermarkten lässt.
Die Idee der EU-Vordenker ist dabei aber auch, dass gerade das historische Wissen um das Wesen Europas möglichst nur noch am Rande oder am besten gar nicht mehr unterrichtet wird, denn eine solide humanistische und religiöse Bildung würden dem postmodernen Europäer einen viel zu sicheren Rahmen und viel zu starke Wurzeln verleihen, mit deren Hilfe er sogar am Ende in der Lage wäre, sich gegen Willkür und Anmaßung der multinationalen Weltgestalter zur Wehr zu setzen! Da ist es doch besser, denkt sich da unsere neoliberale „Polit-Elite“ in Brüssel, wenn das dumme EU-Volk gerade mal einen Computer bedienen kann und Wirtschaftsenglisch beherrscht (so kürzlich der jüdische Philosoph ALAIN FINKIELKRAUT im frz. Fernsehen) und sich nicht so unnötige Gedanken um die Verortung in Zeit und Raum seiner Sprache, seiner Religion, seiner Herkunft und seines Volkes macht! Besser, die Leute schwimmen mehr oder weniger wurzellos im Hier und Jetzt, als dass sie wüssten, woher sie kommen und wohin sie gehen.
Die Idee der EU-Vordenker ist dabei aber auch, dass gerade das historische Wissen um das Wesen Europas möglichst nur noch am Rande oder am besten gar nicht mehr unterrichtet wird, denn eine solide humanistische und religiöse Bildung würden dem postmodernen Europäer einen viel zu sicheren Rahmen und viel zu starke Wurzeln verleihen, mit deren Hilfe er sogar am Ende in der Lage wäre, sich gegen Willkür und Anmaßung der multinationalen Weltgestalter zur Wehr zu setzen! Da ist es doch besser, denkt sich da unsere neoliberale „Polit-Elite“ in Brüssel, wenn das dumme EU-Volk gerade mal einen Computer bedienen kann und Wirtschaftsenglisch beherrscht (so kürzlich der jüdische Philosoph ALAIN FINKIELKRAUT im frz. Fernsehen) und sich nicht so unnötige Gedanken um die Verortung in Zeit und Raum seiner Sprache, seiner Religion, seiner Herkunft und seines Volkes macht! Besser, die Leute schwimmen mehr oder weniger wurzellos im Hier und Jetzt, als dass sie wüssten, woher sie kommen und wohin sie gehen.
Montag, 7. Februar 2005 07:22
Uwe Schmidt: …
Wie ich gerade ergooglet habe, wurde die Septuaginta (70 Übersetzer + 2 Frauen!) im Auftrag von Ptolomäus
II. schon im 3.JH.V.CHR. (!) in Auftrag gegeben – VON DAHER IST DIE SEPTUAGINTA IN JEDER HINSICHT UNVERDÄCHTIG,
IM SINNE DES CHRISTENTUMS FORMULIERT ODER ÜBERSETZT ZU HABEN; DAGEGEN IST DER MASORETISCHE TEXT GERADE
IN ABGRENZUNG ZUM CHRISTENTUM ENTSTANDEN –---> MIT HOHER WAHRSCHEINLICHKEIT OFT WENIGER GLAUBWÜRDIG ALS
DIE SEPTUAGINTA.
Zu Europa: man muss Schichten unterscheiden: die Hauptschicht bilden die barbarischen Germanenvölker (vor allem die Franken), die neben dem biologischen „Humankapitals“ die Rechtsordnung („Lex salica“) des Abendlandes, Sitten und Gebräuche auch auf den Boden des alten Römerreichs gebracht haben; wir haben weiter das Substrat der spätantiken Kultur der Römer und Griechen und, ganz wesentlich natürlich, die Staatsreligion des Römischen Reichs, das Christentum; ab dem 7.Jh. kommt das „arabische“ Adstrat hinzu (in Anführungszeichen, weil das Meiste davon natürlich nicht genuin aus der arabischen Wüste, sondern aus Byzanz und dem Perserreich der Sasaniden stimmt, wobei aramäische Christen im Vorderen Orient eine Vermittler- und Übersetzerrolle ins Arabische spielten), d.h. vor allem byzantinisches oder auch indisches Wissen (die sog. „arabischen“ Zahlen sind natürlich indische!) wurde über das arabische Spanien und das arabische Sizilien vermittelt; das europäische Superstrat schließlich, das aber – und hier muss man ehrlicherweise der Pesterregerin YERSINIA PESTIS Recht geben – unsere gegenwärtige Kultur, die Art, wie wir Europäer leben, mehr als alles andere bestimmt, ist natürlich die Aufklärung, d.h. der Primat der Vernunft (über den Glauben). Und eben diesen Primat der Vernunft gilt es mit dem Ziel der Gleichberechtigung von fides und ratio zu knacken, weswegen viele hier auch auf kreuz.net schreiben…
Zu Europa: man muss Schichten unterscheiden: die Hauptschicht bilden die barbarischen Germanenvölker (vor allem die Franken), die neben dem biologischen „Humankapitals“ die Rechtsordnung („Lex salica“) des Abendlandes, Sitten und Gebräuche auch auf den Boden des alten Römerreichs gebracht haben; wir haben weiter das Substrat der spätantiken Kultur der Römer und Griechen und, ganz wesentlich natürlich, die Staatsreligion des Römischen Reichs, das Christentum; ab dem 7.Jh. kommt das „arabische“ Adstrat hinzu (in Anführungszeichen, weil das Meiste davon natürlich nicht genuin aus der arabischen Wüste, sondern aus Byzanz und dem Perserreich der Sasaniden stimmt, wobei aramäische Christen im Vorderen Orient eine Vermittler- und Übersetzerrolle ins Arabische spielten), d.h. vor allem byzantinisches oder auch indisches Wissen (die sog. „arabischen“ Zahlen sind natürlich indische!) wurde über das arabische Spanien und das arabische Sizilien vermittelt; das europäische Superstrat schließlich, das aber – und hier muss man ehrlicherweise der Pesterregerin YERSINIA PESTIS Recht geben – unsere gegenwärtige Kultur, die Art, wie wir Europäer leben, mehr als alles andere bestimmt, ist natürlich die Aufklärung, d.h. der Primat der Vernunft (über den Glauben). Und eben diesen Primat der Vernunft gilt es mit dem Ziel der Gleichberechtigung von fides und ratio zu knacken, weswegen viele hier auch auf kreuz.net schreiben…
Sonntag, 6. Februar 2005 21:32
Vetter Taferl: War die Septuaginta vor dem Masoretentext?
Ja, den sie stellt den authentischen Stand der alttestamentlichen Schriften ca. (eher schon spätestens) 50 v. Chr. dar (wenn man die spätesten Schriften nimmt). Der Masoretentext ging viele Jahrhunderte nach Christus (ich beziehe mich nicht auf die hebraeische Bibel bis zum Tod Christi) durch jüdische Hände, die antichristlich waren und erstmals die Behauptung aufstellten, dass nur hebraeisch überlieferte Texte authentisch seien (auch noch nach Christus gab es viele hellenistische Synagogen, in denen auch die Schriftlesungen auf Griechisch waren). Dass ist rein nationalistische Anmaßung, das ist so, wenn man behauptet, die UNO-Charter ist nur auf Englisch authentisch, der französische – genauso alte Text, der genauso authentisch ist – sei nicht authentisch. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die Septuaginta wurde von Juden für Juden geschrieben, lange bevor Christus geboren war oder ersichtlich, in welcher Weise sich die alttestamentarischen Prophezeiungen erfüllen würden. Warum sollte man auch Leuten (den Juden) trauen, die in ihrer spezifischen Schrift, dem Talmud (der sie vom Christentum abgrenzt, das AT tut das ja nicht) die Behauptung aufstellen, Christus sei der unehelich gezeugte Balg eines röm. Besatzungssoldaten mit Maria. Sogar der Koran, der in vielem äußerst problematisch ist, beschreibt dies wesentlich positiver. Danach wird die Fleischwerdung Christi in Maria und deren lebenslange Jungfrauschaft anerkannt, immerhin wird Christus als Prophet bezeichnet und es werden ihm tatsächliche (wie eine Totenerweckung und Wunderheilungen) und apogryphe (wie die Schöpfung eines Vogels aus Erde) Wunder zugeschrieben. Nichts davon im Talmud. Und da soll man denen – schon grundsätzlich einmal – trauen, dass die über Jahrhunderte nicht ihre Ideologie in den von ihnen redigierten Bibeltext einfließen haben lassen? Auch Luther hat ja gezielte Falschübersetzungen begangen, was paradox ist in einer Relgion mit dem Grundsatz „sola scriptura“ (oder muß man das übersetzen mit „nur die von Martin Luther abgefälschte Bibel gilt“?)
Sonntag, 6. Februar 2005 21:10
GerdEric: Huhn oder Ei?
Taferl schrieb: Ebenso verwarfen die Juden … die Septuaginta, weil ebenfalls Altgriechisch und von den
Christen im Neuen Testament gerne zitiert. Der genuin jüdisch überlieferte Masoretentext enthält schon
antichristliche Interpretation und Textentstellungen, so z.B. die gerne gegen die Christen ins Treffen
geführte Stelle aus Jesaja mit der Jungfrau, die ein Kind gebären wird, im Masoretentext auf einmal
nur eine „junge Frau“ (nichtssagend, meistens gebären junge Frauen).
War die Septuaginta vor dem Masoretentext?
Taferl schrieb: Die Septuaginta wurde von Juden für Juden geschrieben. Zu den jüdischen „Wurzeln“ Europas (hier im negativen Sinne) gehören also auch schon Textverfälschungen der Hl. Schrift.
Verfälschung wäre fahrlässig,
eher verfälscht die „christliche“ Interpretation den Text.
War die Septuaginta vor dem Masoretentext?
Taferl schrieb: Die Septuaginta wurde von Juden für Juden geschrieben. Zu den jüdischen „Wurzeln“ Europas (hier im negativen Sinne) gehören also auch schon Textverfälschungen der Hl. Schrift.
Verfälschung wäre fahrlässig,
eher verfälscht die „christliche“ Interpretation den Text.
Sonntag, 6. Februar 2005 20:51
Vetter Taferl: Die geistigen „Wurzeln“ Europas
@ Yersinia: Die christlichen Wurzeln sind die absolut zentralen. Die jüdischen Wurzeln Europas erschöpfen sich in Wirklichkeit im Alten Testament und zwar in der vollständigen Fassung einschließlich der deuterokanonischen Schriften, die die Juden und Protestanten verwerfenn (obwohl genuin jüdisch!), weil sie überwiegend auf Altgriechisch überliefert sind. Ebenso verwarfen die Juden die edelste aller auf uns gekommenen Wiedergaben des Alten Testament, nämlich die Septuaginta, weil ebenfalls Altgriechisch und von den Christen im Neuen Testament gerne zitiert. Der genuin jüdisch überlieferte Masoretentext enthält schon antichristliche Interpretation und Textentstellungen, so z.B. die gerne gegen die Christen ins Treffen geführte Stelle aus Jesaja mit der Jungfrau, die ein Kind gebären wird, im Masoretentext auf einmal nur eine „junge Frau“ (nichtssagend, meistens gebären junge Frauen). Die Septuaginta wurde von Juden für Juden geschrieben. Zu den jüdischen „Wurzeln“ Europas (hier im negativen Sinne) gehören also auch schon Textverfälschungen der Hl. Schrift. Mit der jüdischen „Synode von Jamnia“ 101 n. Chr. war die Trennung zwischen Synagoge und Kirche endgültig. Damit konnten die Juden auch keinen Beitrag mehr liefern, nicht geistlich und bis zur ebenfalls antichristlichen Aufklärung auch nicht personell. Es gibt keine Freimaurerwurzeln Europas, es sei denn, man mißversteht die Europäische Union als Europa. Die Freimaurer sind die fast vollkommene Negation des Christentums, übertroffen nur von den Atheisten, die aber unglaubwürdig sind (wie wurde die Welt geschaffen?). Über die Einflüsse aus dem arabisch-islamischen Raum kann man diskutieren, diese schlagen sich in der Architektur (Gotik, Festungsbau), in der Kochkunst (Gewürze) etc. nieder, außerdem aber auch in der neu entdeckten ägyptischen Magie. Als „Wurzeln“ kann man diese Einflüsse nicht bezeichnen. Vorchristliche Wurzeln gibt es, neben den jüdischen sind dies die griechisch-römischen (wenn man will auch etruskischen und phönizischen) Wurzeln, die an sich unstrittig sind und zum Großteil durch christliche Vermittlung erhalten geblieben sind. Selbst wenn „protestantische Philosophen“, die „Aufklärung und die Freimaurer unbestreitbar Einfluß auf die Entwicklung Europas genommen haben, sind dies vor allem negative Einflüsse, die zuerst die Kirche, dann denn christlichen Glauben überhaupt und zuletzt die menschliche Existenz überhaupt (Abtreibung, Euthanasie, In-Vitro-Fertilisation, Umweltgifte aller Art,…) in Frage stellten und weiterhin stellen. Von Wurzeln kann man naturgemäß nicht sprechen, genausowenig wie man Karies als Bestandteil eines gesunden Gebißes ansehen kann, obwohl fast in jedem Gebiß „anwesend“ bzw. „auf der Lauer“
Sonntag, 6. Februar 2005 18:30
Yersinia: die „christlichen Wurzeln Europas“
sind doch nur ein Teil der Identität; die vorchristlichen Wurzeln, die Einflüße aus dem arabisch-islamischen Raum müßen genauso beachtet werden wie der Beitrag von Juden, Freimaurern (diesmal aber wirklich!) und protestantischen Philosophen zur Aufklärung – und gerade die Geisteshaltung der Aufklärung ist seit Jahrhunderten das eigentlich Bestimmende Europas.
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