16:21:07 | Donnerstag, 6. Dezember 2007

Landschaft in Kappadokien
© GNU-Lizenz(kreuz.net) Eine Sache ist es, den Medien zu glauben, eine andere, selber zu sehen. Das tat eine Gruppe
der Pariser Organisation ‘Union der Nationen europäischer Christen’ vom 12. bis 24. November.
Das Ziel
war die Türkei, ein ehemals ganz christliches Gebiet. Dort wollte die Gruppe den Christen begegnen, die
in diesem Land mit großen Schwierigkeiten leben.
Die Aufnahme in diesem heute islamischen Land war überall
mehr als freundlich.
Waren das die Reste des Evangeliums, das einst so tief in diesem Land verwurzelt
war, bevor der Islam die dortige Christenheit vernichtete?
Überall schlug man uns vor, einzutreten und
bat uns Tee an – sogar vor Tankstellen und Straßengaststätten und Fünf-Sternehotels.
Trotz sprachlicher
Schwierigkeiten versuchten die Einheimischen, sich mit uns zu unterhalten und zu scherzen.
Häufig holten
wir unsere Straßenkarten hervor, um zu fragen, ob dieser oder jener Weg unserer Autoroute von insgesamt
3.000 Kilometern sicher sei.
Ein Soldat in Zivilkleidung faßte die Lage zusammen: „In der Türkei, bestehen
nirgends Probleme. Es gibt einige Terroristen. Das ist alles.“
Wir schlossen daraus, daß die Lage offenbar
so ist wie in Frankreich. Allein im Departement Val-d’Oise nahe Paris gab es in diesem November mehr Terroristenangriffe,
Ermordete und Verletzte – ganz abgesehen von Kinderabtreibungen – als im gesamten Grenzgebiet zwischen
der Türkei und dem Irak.
Die Türkei ist voller Wunder: die geheimnisvollen Täler von Kappadokien,
die Unermeßlichkeit des Schwarzen Meers, die unzähligen Bergspitzen, die manchmal sogar 5.000 Meter
übersteigen.
Man findet dort die versteckte Schönheit Hunderter verlassener Kirchen, die früher der
Ruhm der Christenheit waren. Sie stehen jetzt leblos da und sind dabei, sich in Sand und Stein zu verwandeln –
die Heilige Sophia bei Trabzond, die Kathedrale von Ani nahe der armenischen Grenze, die Heiligkreuzkirche
am Van-See nahe der iranischen Grenze, die vielen Kirchen von Tur Abdin an der syrischen Grenze.
In der Stadt Trabzond
am Schwarzen Meer, konnten wir die katholische Kirche Heilige Maria besuchen. Sie ist eine der beiden
katholischen Gotteshäuser, die in der östlichen Hälfte der Türkei überleben.
Der Priester, ein Pole,
war gerade wegen einer schweren Sinusitis ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo ihn wahrscheinlich eine
Kopfoperation erwartet.
Er kam als Aushilfe, nachdem sein Vorgänger, Hw. Andrea Santoro, im Februar
2006 auf den Stufen seiner Kirche
ermordet wurde. Der Täter war ein 17jähriger Moslem.
Ein Jahr nach
der Bluttat wurde in der Kirche Heilige Maria im Beisein eines römischen Kardinals und einiger Verwandter
des Mörders eine Versöhnungsmesse zelebriert. Die türkischen Medien kommentierten dieses Ereignis ausführlich.
Die katholische Gemeinde wird von Nikolaus, einem jungen Rumänen, verwaltet. Er erklärte uns:
„Unser
Priester betete gestern abend zu Gott, warum er ihn zwischen Leben und Tod hängen lasse. Er bat Gott,
entweder sterben zu dürfen oder wieder ganz fähig zu sein, um sein Apostolat auszuführen.“
An am Sonntag,
dem 18. November, gab es in Trabzond keine Heilige Messe.
Nikolaus informierte uns, daß ein türkischer
Imam kürzlich zum Katholizismus konvertiert sei und daß die Dinge in Bewegung kommen würden.
Aber
er gab auch zu, daß es ihm oder dem Priester gelegentlich passiert, daß jemand ihnen auf offener Straße
beim Vorbeigehen unversehens ins Gesicht schlägt.
Das sei die Folge des Unterrichts, den die jungen
Leute in den Koranschulen und von ihren Eltern erhalten.
Die Kirche Heilige Maria steht allen offen,
um die Informationen erhalten wollen. Dort gibt es eine reichliche christliche Literatur in türkischer
Sprache.
Manchmal sind die islamischen Besucher beim Betreten der Kirche sehr erstaunt, normalen und
offenen Leuten zu begegnen, als ob sie erwartet hätten, dort bis an die Zähne bewaffnete Terroristen
vorzufinden.
Diesbezüglich habe der Papstbesuch in der Türkei Wunder gewirkt – so Nikolaus.
Brüderliche
Begegnungen

© Bild: N. Manginas/Vom ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel veröffentlichtes Pressefoto

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von Konstantinopel veröffentlichtes Pressefoto

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!["Man hatte auch heute Morgen bei der göttlichen Liturgie gesehen, die beiden haben sich sehr umarmt und richtig gedrückt dabei. […] Es ist ein wichtiges Startsignal für eine persönliche Beziehung zwischen Benedikt und Bartholomäus, und als solches kann man es gar nicht unterschätzen. Denn es liegt oft an solchen kleinen Einzelheiten, am persönlichen Kontakt wie die Ökumene weitergeht. Aus einem Bericht des 'Radio-Vatikan'-Korrespondenten Stefan von Kempis](/photo/photo.78.image7.jpg)
© Bild: N. Manginas/Vom ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel
veröffentlichtes Pressefoto

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Pressefoto
Bekehrungen kommen vor, jedoch selten und immer spontan, „ohne Proselytismus“.
Die Religiosität
der Orientalen sei sehr tief und komme von Herzen. Das Evangelium spreche ihr Herz direkt an und entspreche
ihrer orientalischen Denkweise gut.
Die Täuflinge würden häufig erklären, daß sie Gott selber „im
Traum“ angerufen habe.
Der Besuch von Ani, der ehemaligen Hauptstadt Armeniens, war für uns überwältigend.
Auf einer weiten, unbewohnten Steppe stehen viele majestätische Kirchen im alten armenisch-georgischen
Stil. Diese Ruinen ragen unentwegt zum Himmel auf – nur wenige Dutzend Kilometer vom heutigen Armenien
entfernt.
Hier lebt kein Christ mehr. Das Christentum verschwand. Es wurde zuerst durch den islamischen
Sturm fortgefegt, dann durch Erdbeben ganz zerstört.
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