[ « 503 504 505 506 507 » ]
Montag, 7. Februar 2005 16:06
Laienpredigt: Rom gibt nach
In einer Pressekonferenz in Bern sprachen die Schweizer Bischöfe heute Morgen über die Ergebnisse ihres am Sonntag erfolgreich zuendegegangenen Ad-Limina Besuches. Rom akzeptiert die Laienpredigt in der Schweiz. Besonders Joseph Kardinal Ratzinger habe Verständnis für den verstärkten Einsatz von Laien im Gottesdienst geäußert.
Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Amedée Grab von Chur
Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Amedée Grab von Chur
(kreuz.net) Heute Vormittag informierte die Schweizer Bischofskonferenz in Bern über erste Ergebnisse ihres Ad-Limina Besuches, von dem sie gestern aus Rom zurückgekehrt ist. Darüber berichteten verschiedene Schweizer Medienorgane.

Der Bischof von Chur, Amédée Grab OSB, der vor vier Tagen in Rom das für Bischöfe vorgesehene Rücktrittsalter erreicht hat, bleibt demnach weiterhin im Amt. Der Heilige Vater hat die Amtszeit des Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz und Präsidenten des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen verlängert.

„Der Papst hat die Demission von Bischof Amédée nicht angenommen“, erläuterte der Bischof von Basel, Kurt Koch. Amédée Grab werde „noch einige Zeit“ im Amt bleiben. Bischof Grab vollendete am 3. Februar sein 75. Lebensjahr und bot dem Papst entsprechend der kirchenrechtlichen Normen seine Demission an.

Bischof Amédée, der vorher Oberhirte der Diözese Fribourg, Genf und Lausanne war, übernahm 1998 die Diözese Chur von seinem glücklosen Vorgänger Wolfgang Haas. Dieser wurde nach einer jahrelangen beispiellosen Kampagne von seiten der Medien, aber auch der Priester und Mitbrüder im Bischofsamt, von Papst Johannes Paul II. abgesetzt.

Bischof Grab gilt in seinem privaten Glaubensleben als orthodox. In seiner Diözese ist er aber ein entschiedener und konsequenter Förderer der radikal-progressistischen Linie.

Die Schweizer Bischöfe trafen sich vergangene Woche bei ihrem Ad-Limina-Besuch in Rom mit verschiedenen vatikanischen Behörden. Eine Begegnung mit Johannes Paul II. war aufgrund der überraschenden Erkrankung des Papstes nicht möglich. Sie soll mit nächster Gelegenheit nachgeholt werden. „Wir wurden von den Kongregationen wohlwollend empfangen und stießen auf viel Verständnis für die schwierige Priestersituation in der Schweiz“, kommentierte der Bischof von Basel auf der Pressekonferenz.

Kurz vor dem Ad-Limina-Besuch veröffentlichte die Schweizer Bischofskonferenz zwei sehr umstrittene und provokative Dokumente zur Frage der Laien im kirchlichen Dienst und zur römischen Instruktion ‘Redemptionis Sacramentum’. Darin sprechen sie sich für die Laienpredigt und die Interkommunion mit den Protestanten aus. In weiten Teilen der Schweiz werden Interkommunion und Laienpredigt seit Jahrzehnten offen praktiziert und von den Bischöfen verlangt.

Besonders Joseph Kardinal Ratzinger habe Verständnis für den verstärkten Einsatz von Laien im Gottesdienst geäußert, berichtete Bischof Grab. Die wegen des akuten Priestermangels bestehende Ausnahmesituation dürfe aber nicht zum Normalfall werden. Laien sollen auch in Zukunft eine Art Predigtwort im Rahmen eines Gottesdienstes äußern dürfen. Die eigentliche Predigt soll aber weiterhin von einem geweihten Priester gehalten werden. Ob diese Unterscheidung in der Praxis auch so wahrgenommen werde, sei eine andere Frage, führte Grab weiter aus.

Kirchliche Beobachter in der Schweiz haben verschiedentlich auf die Unehrlichkeit solcher Formulierungen hingewiesen. Man versuche das Faktum der Laienpredigt in der Schweiz durch skurrile sprachliche Regelungen zu verschleiern. Das „Predigtwort“ der Laien sei nichts anderes als die Sonntagspredigt und werde auch von jedermann als solche wahrgenommen. Außerdem sei die Laienpredigt in der Schweiz schon lange ein Normalfall und wird auch oftmals dort praktiziert, wo sie gar nicht nötig wäre.

Kardinal Ratzinger habe die Schweizer Bischöfe trotz seines Verständnisses für den Priestermangel in der Schweiz aufgefordert, aus dem Notfall keinen helvetischen Sonderfall zu machen. Die Schweizer Bischöfe seien von Rom auch ersucht worden, die liturgische Aus- und Weiterbildung zu intensivieren, damit keine Abweichungen mehr vom geltenden Recht geschähen.

Ein Teilnehmer an der heutigen Pressekonferenz meinte, daß es sich bei dieser letzten römischen Ermahnung um „Beschwichtigungsrhetorik“ handle.

Ganz allgemein seien die Schweizer Dokumente mit Wohlwollen aufgenommen worden, sagte Bischof Amedée Grab. Den Schweizer Bischöfen sei zugesichert worden, daß Priester und Laien bei der Betreuung von Gläubigen parallel, aber mit differenzierten Aufgaben, zum Einsatz kommen dürfen.

Neben dem Ad-Limina-Besuch hielten die Schweizer Bischöfe im Vatikan auch ihre Vollversammlung ab. Dabei beschlossen sie, die „Führungs- und Organisationsstruktur“ ihres Sekretariats durch einen externen Unternehmensberater überprüfen zu lassen. Man wolle die „Aufgaben und Kompetenzen der Mitarbeiter im Sekretariat klären“. Erst danach will die Bischofskonferenz einen neuen Generalsekretär ernennen – als Nachfolger für den scheidenden Agnell Rickenmann.

Ende Dezember war Rickenmann überraschend zurückgetreten. Marc Aellen, der stellvertretende Generalsekretär der Bischofskonferenz, hat das Sekretariat schon Ende letzten Jahres verlassen. Der Grund dafür seien persönliche Konflikte gewesen. Rickenmann werde noch eine Weile im Amt bleiben und den Prozeß der Restrukturierung begleiten.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 9 Lesermeinungen:
Donnerstag, 10. Februar 2005 13:40
Bruno-Maria Schulz: Mensch, Vetter Taferl
nun halte dich doch endlich mal etwas zurück mit dem Schlechtreden der Kirche und Unterstellungen sogar Kardinal Ratzinger ((

Zu fragen >>>Ist Ratzinger überhaupt glaubenstreu?<<<
ist doch nun wirklich unter jedem Niveau!

Ebenso die blödsinnige Bemerkung:
>>>Im übrigen ist die ganze Kurie nur noch eine Veranstaltung à la „Hinsichtl und Rücksichtl“.

Und das alles zu unterstreichen mit:
>>>Linie gibt es längst keine mehr!<<<

lässt nur hoffen, dass dieser Schreihals der sich hinter dem entsetzlich blöden Namen VETTER TAFERL verbirgt, endlich’s Maul hält und nicht alles besudelt mit seinem Dreck.
Warum geht du nicht zu den Zeugen Jehovas statt die Kirche mit deinem übelriechendem Auswurf zu beschmieren

Bruno-Maria Schulz
Donnerstag, 10. Februar 2005 13:30
In Deutschland leben 26 Millionen Katholiken; betreut von 17Td. Priestern – somit ein Priester auf 1.529 Katholiken.

In Polen leben 37 Millionen Katholiken die von 21Td. Priestern
betreut werden; also ein Priester auf 1.761 Katholiken.

Da die Zahl der Kirchgänger in Polen aber 45-50% beträgt, und in
Deutschland nur beschämende 15%, scheint „Priestermangel“ hier
falsche Nomenklatur.

Bruno-Maria Schulz
Donnerstag, 10. Februar 2005 11:59
Klaus Kegebein: Priestermangel nur in der Schweiz?
Aha. Wegen des „akuten Priestermangels“ in der Schweiz wird die Laienpredigt ausnahmsweise gestattet. Wo in Westeuropa haben wir denn KEINEN Priestermangel?
Siehe auch: http://www.kegebein.de/instruktion

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kegebein, Lübeck
Donnerstag, 10. Februar 2005 11:43
Peccator: Ungehorsam zahlt sich aus
Erneut hat diese Entscheidung deutlich gemacht, dass es sich lohnt dauerhaft ungehorsam gegen vatikanische Anordungen zu sein, um das durchzusetzen, was gewünscht wird. Entgegen dem Dogma und der Tradition der Kirche werden nun in der Schweiz Laien predigen. Und alles das, weil man im Vatikan nicht den Mut besitzt, klare und deutliche Worte zu sagen und auch heftige Proteste von Modernisten in Kauf zu nehmen. So wird die katholische Kirche mehr und mehr zerfallen und in nicht allzu ferner Zukunft kaum noch von eine der vielen protestantischen Denominationen zu unterscheiden sein. Indem man den Modernisten immer mehr Zugeständnisse macht, will man eine Spaltung der Kirche verhindern, wird aber das Gegenteil erreichen.
Dienstag, 8. Februar 2005 09:56
Catholicus: Richtigstellung
kreuz.net ist vermutlich einem Irrtum aufgesessen: Es ist grundsätzlich schon schwer vorstellbar, dass Kardinal Ratzinger gegenüber den Schweizer Bischöfen etwas zurücknimmt, was er an anderer Stelle klar einfordert. Hier der Hinweis auf die kirchliche Ordnung gemäß „Redemptionis sacramentum“, Nr. 161. Diese Aussagen im Blick lesen sich die Ausführungen von Kardinal Ratzinger doch etwas anders als dargestellt!
Redemptionis sacramentum, 161. Wie schon gesagt, ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten.[260] Was andere Formen der Predigt betrifft, können christgläubige Laien, wenn es aufgrund einer Notlage in bestimmten Umständen erforderlich oder in besonderen Fällen nützlich ist, nach Maßgabe des Rechts zur Predigt in einer Kirche oder in einem Oratorium außerhalb der Messe zugelassen werden.[261] Dies darf aber nur geschehen aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern in bestimmten Gebieten und um diese ersatzweise zu vertreten; man kann aber nicht einen absoluten Ausnahmefall zur Regel machen und man darf dies nicht als authentische Förderung der Laien verstehen.[262] Zudem sollen alle bedenken, daß die Befugnis, dies zu erlauben, und zwar immer ad actum, den Ortsordinarien zukommt, nicht aber anderen, auch nicht den Priestern oder den Diakonen.
Montag, 7. Februar 2005 21:17
Pelagius: Berichtigung / Ergänzung
Einige wichtige Details wurden im vorliegenden Bericht nicht genannt (unterschlagen?):
– Der ganze Ad-limina-Besuch der Schweizer Bischöfe war natürlich eine freimaurerische Inszenierung. Von freier Willensäußerung Cardinal Ratzingers kann folglich keine Rede sein.
– Der Heilige Vater leidet unsäglich unter den Zuständen in der Schweiz. Nach den schlimmen Erfahrungen bei seinem Bern-Besuch (eine so „moderne“ Eucharistiefeier kann ihm einfach nicht gefallen haben!) wollte er mit den eidgenössischen Bischöfen natürlich nicht sprechen.
– Cardinal Ratzinger hat schon zum Gegenschlag angesetzt: Bald hat alle „Beschwichtigungsrhetorik“ ein Ende, denn er wird ein neues, mutiges Interview-Buch herausbringen!
Bis dahin liegen alle Katholiken mit großer Hoffnung auf ihrem Beobachtungsposten. Es tut sich etwas in Richtung echter, kraftvoller Reform.
Warte nur, balde…
Alle Lesermeinungen anzeigen 3 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net