In einer Pressekonferenz in Bern sprachen die Schweizer Bischöfe heute Morgen über die Ergebnisse ihres am Sonntag erfolgreich zuendegegangenen Ad-Limina Besuches. Rom akzeptiert die Laienpredigt in der Schweiz. Besonders Joseph Kardinal Ratzinger habe Verständnis für den verstärkten Einsatz von Laien im Gottesdienst geäußert.
(kreuz.net) Heute Vormittag informierte die Schweizer Bischofskonferenz in Bern über erste Ergebnisse
ihres Ad-Limina Besuches, von dem sie gestern aus Rom zurückgekehrt ist. Darüber berichteten verschiedene
Schweizer Medienorgane.
Der Bischof von Chur, Amédée Grab OSB, der vor vier Tagen in Rom das für Bischöfe
vorgesehene Rücktrittsalter erreicht hat, bleibt demnach weiterhin im Amt. Der Heilige Vater hat die
Amtszeit des Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz und Präsidenten des Rates der Europäischen
Bischofskonferenzen verlängert.
„Der Papst hat die Demission von Bischof Amédée nicht angenommen“,
erläuterte der Bischof von Basel, Kurt Koch. Amédée Grab werde „noch einige Zeit“ im Amt bleiben. Bischof
Grab vollendete am 3. Februar sein 75. Lebensjahr und bot dem Papst entsprechend der kirchenrechtlichen
Normen seine Demission an.
Bischof Amédée, der vorher Oberhirte der Diözese Fribourg, Genf und Lausanne
war, übernahm 1998 die Diözese Chur von seinem glücklosen Vorgänger Wolfgang Haas. Dieser wurde nach
einer jahrelangen beispiellosen Kampagne von seiten der Medien, aber auch der Priester und Mitbrüder
im Bischofsamt, von Papst Johannes Paul II. abgesetzt.
Bischof Grab gilt in seinem privaten Glaubensleben
als orthodox. In seiner Diözese ist er aber ein entschiedener und konsequenter Förderer der radikal-progressistischen
Linie.
Die Schweizer Bischöfe trafen sich vergangene Woche bei ihrem Ad-Limina-Besuch in Rom mit verschiedenen
vatikanischen Behörden. Eine Begegnung mit Johannes Paul II. war aufgrund der überraschenden Erkrankung
des Papstes nicht möglich. Sie soll mit nächster Gelegenheit nachgeholt werden. „Wir wurden von den
Kongregationen wohlwollend empfangen und stießen auf viel Verständnis für die schwierige Priestersituation
in der Schweiz“, kommentierte der Bischof von Basel auf der Pressekonferenz.
Kurz vor dem Ad-Limina-Besuch
veröffentlichte die Schweizer Bischofskonferenz zwei sehr umstrittene und provokative Dokumente zur Frage
der Laien im kirchlichen Dienst und zur römischen Instruktion ‘Redemptionis Sacramentum’. Darin sprechen
sie sich für die Laienpredigt und die Interkommunion mit den Protestanten aus. In weiten Teilen der Schweiz
werden Interkommunion und Laienpredigt seit Jahrzehnten offen praktiziert und von den Bischöfen verlangt.
Besonders Joseph Kardinal Ratzinger habe Verständnis für den verstärkten Einsatz von Laien im Gottesdienst
geäußert, berichtete Bischof Grab. Die wegen des akuten Priestermangels bestehende Ausnahmesituation
dürfe aber nicht zum Normalfall werden. Laien sollen auch in Zukunft eine Art Predigtwort im Rahmen eines
Gottesdienstes äußern dürfen. Die eigentliche Predigt soll aber weiterhin von einem geweihten Priester
gehalten werden. Ob diese Unterscheidung in der Praxis auch so wahrgenommen werde, sei eine andere Frage,
führte Grab weiter aus.
Kirchliche Beobachter in der Schweiz haben verschiedentlich auf die Unehrlichkeit
solcher Formulierungen hingewiesen. Man versuche das Faktum der Laienpredigt in der Schweiz durch skurrile
sprachliche Regelungen zu verschleiern. Das „Predigtwort“ der Laien sei nichts anderes als die Sonntagspredigt
und werde auch von jedermann als solche wahrgenommen. Außerdem sei die Laienpredigt in der Schweiz schon
lange ein Normalfall und wird auch oftmals dort praktiziert, wo sie gar nicht nötig wäre.
Kardinal
Ratzinger habe die Schweizer Bischöfe trotz seines Verständnisses für den Priestermangel in der Schweiz
aufgefordert, aus dem Notfall keinen helvetischen Sonderfall zu machen. Die Schweizer Bischöfe seien
von Rom auch ersucht worden, die liturgische Aus- und Weiterbildung zu intensivieren, damit keine Abweichungen
mehr vom geltenden Recht geschähen.
Ein Teilnehmer an der heutigen Pressekonferenz meinte, daß es sich
bei dieser letzten römischen Ermahnung um „Beschwichtigungsrhetorik“ handle.
Ganz allgemein seien die
Schweizer Dokumente mit Wohlwollen aufgenommen worden, sagte Bischof Amedée Grab. Den Schweizer Bischöfen
sei zugesichert worden, daß Priester und Laien bei der Betreuung von Gläubigen parallel, aber mit differenzierten
Aufgaben, zum Einsatz kommen dürfen.
Neben dem Ad-Limina-Besuch hielten die Schweizer Bischöfe im Vatikan
auch ihre Vollversammlung ab. Dabei beschlossen sie, die „Führungs- und Organisationsstruktur“ ihres
Sekretariats durch einen externen Unternehmensberater überprüfen zu lassen. Man wolle die „Aufgaben
und Kompetenzen der Mitarbeiter im Sekretariat klären“. Erst danach will die Bischofskonferenz einen
neuen Generalsekretär ernennen – als Nachfolger für den scheidenden Agnell Rickenmann.
Ende Dezember
war Rickenmann überraschend zurückgetreten. Marc Aellen, der stellvertretende Generalsekretär der Bischofskonferenz,
hat das Sekretariat schon Ende letzten Jahres verlassen. Der Grund dafür seien persönliche Konflikte
gewesen. Rickenmann werde noch eine Weile im Amt bleiben und den Prozeß der Restrukturierung begleiten.
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9 Lesermeinungen
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Mensch, Vetter Taferl nun halte dich doch endlich mal etwas zurück mit dem Schlechtreden der Kirche und
Unterstellungen sogar Kardinal Ratzinger (( Zu fragen >>>Ist Ratzinger überhaupt glaubenstreu?<<< ist
doch nun wirklich unter jedem Niveau! Ebenso die blödsinnige Bemerkung: >>>Im übrigen ist die ganze
Kurie nur noch eine Veranstaltung à la „Hinsichtl und Rücksichtl“. Und das alles zu unterstreichen mit:
>>>Linie gibt es längst keine mehr!<<< lässt nur hoffen, dass dieser Schreihals der sich hinter dem
entsetzlich blöden Namen VETTER TAFERL verbirgt, endlich’s Maul hält und nicht alles besudelt mit seinem
Dreck. Warum geht du nicht zu den Zeugen Jehovas statt die Kirche mit deinem übelriechendem Auswurf zu
beschmieren Bruno-Maria Schulz
Nochmal: In Deutschland leben 26 Millionen Katholiken; betreut von 17Td. Priestern – somit ein Priester
auf 1.529 Katholiken. In Polen leben 37 Millionen Katholiken die von 21Td. Priestern betreut werden; also
ein Priester auf 1.761 Katholiken. Da die Zahl der Kirchgänger in Polen aber 45-50% beträgt, und in
Deutschland nur beschämende 15%, scheint „Priestermangel“ hier falsche Nomenklatur. Bruno-Maria Schulz
#7 Klaus Kegebein 11:59:54 | Donnerstag, 10. Februar 2005
Priestermangel nur in der Schweiz? Aha. Wegen des „akuten Priestermangels“ in der Schweiz wird die Laienpredigt
ausnahmsweise gestattet. Wo in Westeuropa haben wir denn KEINEN Priestermangel? Siehe auch: www.kegebein.de/instruktion
Mit freundlichen Grüßen Klaus Kegebein, Lübeck
#6 Peccator 11:43:49 | Donnerstag, 10. Februar 2005
Ungehorsam zahlt sich aus Erneut hat diese Entscheidung deutlich gemacht, dass es sich lohnt dauerhaft
ungehorsam gegen vatikanische Anordungen zu sein, um das durchzusetzen, was gewünscht wird. Entgegen
dem Dogma und der Tradition der Kirche werden nun in der Schweiz Laien predigen. Und alles das, weil man
im Vatikan nicht den Mut besitzt, klare und deutliche Worte zu sagen und auch heftige Proteste von Modernisten
in Kauf zu nehmen. So wird die katholische Kirche mehr und mehr zerfallen und in nicht allzu ferner Zukunft
kaum noch von eine der vielen protestantischen Denominationen zu unterscheiden sein. Indem man den Modernisten
immer mehr Zugeständnisse macht, will man eine Spaltung der Kirche verhindern, wird aber das Gegenteil
erreichen.
#5 Catholicus 09:56:42 | Dienstag, 8. Februar 2005
Richtigstellung kreuz.net ist vermutlich einem Irrtum aufgesessen: Es ist grundsätzlich schon schwer
vorstellbar, dass Kardinal Ratzinger gegenüber den Schweizer Bischöfen etwas zurücknimmt, was er an
anderer Stelle klar einfordert. Hier der Hinweis auf die kirchliche Ordnung gemäß „Redemptionis sacramentum“,
Nr. 161. Diese Aussagen im Blick lesen sich die Ausführungen von Kardinal Ratzinger doch etwas anders
als dargestellt! Redemptionis sacramentum www.vatican.va/…-sacramentum_ge.html, 161. Wie schon gesagt,
ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten.[260]
Was andere Formen der Predigt betrifft, können christgläubige Laien, wenn es aufgrund einer Notlage
in bestimmten Umständen erforderlich oder in besonderen Fällen nützlich ist, nach Maßgabe des Rechts
zur Predigt in einer Kirche oder in einem Oratorium außerhalb der Messe zugelassen werden.[261] Dies
darf aber nur geschehen aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern in bestimmten Gebieten und
um diese ersatzweise zu vertreten; man kann aber nicht einen absoluten Ausnahmefall zur Regel machen und
man darf dies nicht als authentische Förderung der Laien verstehen.[262] Zudem sollen alle bedenken,
daß die Befugnis, dies zu erlauben, und zwar immer ad actum, den Ortsordinarien zukommt, nicht aber anderen,
auch nicht den Priestern oder den Diakonen.
Berichtigung / Ergänzung Einige wichtige Details wurden im vorliegenden Bericht nicht genannt (unterschlagen?):
– Der ganze Ad-limina-Besuch der Schweizer Bischöfe war natürlich eine freimaurerische Inszenierung.
Von freier Willensäußerung Cardinal Ratzingers kann folglich keine Rede sein. – Der Heilige Vater leidet
unsäglich unter den Zuständen in der Schweiz. Nach den schlimmen Erfahrungen bei seinem Bern-Besuch
(eine so „moderne“ Eucharistiefeier kann ihm einfach nicht gefallen haben!) wollte er mit den eidgenössischen
Bischöfen natürlich nicht sprechen. – Cardinal Ratzinger hat schon zum Gegenschlag angesetzt: Bald hat
alle „Beschwichtigungsrhetorik“ ein Ende, denn er wird ein neues, mutiges Interview-Buch herausbringen!
Bis dahin liegen alle Katholiken mit großer Hoffnung auf ihrem Beobachtungsposten. Es tut sich etwas
in Richtung echter, kraftvoller Reform. Warte nur, balde…
Ist Ratzinger überhaupt glaubenstreu? Nach diesem Beispiel eher nicht. Denn es hat seinen tieferen Sinn,
die gesamte Hl. Messe ausschließlich auf den geweihten Priester zu focussieren, der im Namen Christi
handelt. Im übrigen ist die ganze Kurie nur noch eine Veranstaltung à la „Hinsichtl und Rücksichtl“.
Linie gibt es längst keine mehr!
Beten wir für einen guten Nachfolger in Chur Das ist ein schöner Unsinn, als ob Erzbischof Haas keinen
Fehler in Chur gemacht hätte. Lieb sind die Ausreden, daß immer nur die Medienkamagnen schuld sind.
Haas war pastoral nicht haltbar, doch Bischof Grab ist zu weich. Beten wir für einen guten Nachfolger!
Privatkrieg Interessant! Interessant! Vor allem wenn man bedenkt, dass genau die Laienpredigt anderswo
als Katastrophe dargestellt wird: kath.net/detail.php?id=9648