10:02:01 | Donnerstag, 20. Dezember 2007
Einen Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Ritus konnte der Franziskanerpater nicht erkennen. Warum? Weil man damals – ohne viel nachzudenken – einfach dem Führer folgte. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Der Pater kann sich noch an die Alte Messe erinnern – wie er als Ministrant dem Priester das
Meßbuch samt Lesepult von der einen auf die andere Altarseite balancierte, ihm während der Wandlung
die Kasel hochhob, sich über die Unzahl rasch hingezauberter Kreuzzeichen wunderte und von der Sprachgeschwindigkeit
fasziniert war, in der das Schlußevangelium gelesen wurde.
Das berichtet
Pater Hadrian W. Koch OFM in
einem Kommentar unter dem Titel „Die ‘alte’ Messe – ein Streit um Riten?“.
Der Text wurde in der Zeitschrift
der Thüringischen Franziskanerprovinz ‘Wege mit Franziskus’ veröffentlicht.
Pater Koch ist Guardian
des Franziskanerklosters Großkrotzenburg bei Hanau – siebzig Kilometer südwestlich von Fulda. Er steht
dem kirchenfeindlichen ‘Fuldaer Kreis für eine offene Kirche’ nahe und ist dort im vergangenen Jahr als
Referent in Erscheinung getreten.
„Natürlich habe ich noch die Messe vor ausgesetztem Allerheiligsten
im Gedächtnis, bei der man während der Predigt die sogenannte Sakramentsfahne vor die Monstranz stellte“ –
fährt der Pater weiter.

Artikel von Pater Koch in der Zeitschrift ‘Wege mit Franziskus’
Er erinnert sich auch an die „oft zwanghaft herausgepreßten Wandlungsworte“
und an die „schier endlosen Reinigungsbewegungen“ des Priesters, um das Korporale von eventuellen Hostienkrümeln
zu befreien.
Von einem Priester hätte man den Ausdruck „Hostienpartikel“ erwartet.
Als damals einfacher
Mittelschüler – „mit geringen Englischkenntnissen“ – begann der zukünftige Franziskaner, sich ein lateinisches
Brevier zu schreiben: „Bin dann allerdings doch bald an die Grenze der Sinnfrage gestoßen“.
Völlig
klar war ihm, daß lateinische Gebete sich einer besonderen Erhörungsgewißheit erfreuen. Immerhin.
Der Pater kann sich auch gut daran erinnern, mit welcher Freude er und viele andere die – angeblich –
erneuerte Liturgie begrüßten:
„Einen Bruch habe ich daran nicht sehen können und die Abkehr vom Mysterium
auch nicht, zumal doch alles durch das Konzil gewollt und vom Papst in Rom genehmigt und gebilligt war.“
Andacht und Nichtandacht, würdig und – „sagen wir einmal“ – würdelos, stilvoll und stillos, liebevoll
und lieblos gebe es immer und überall.
Jede Liturgie muß nach Ansicht von Pater Koch „gottvoll und
erlebnisstark“ sein.
Dies werde „sicher nicht“ durch nur eine Form und nur durch eine Sprache garantiert,
die ja auch einmal modern und Ausdruck einer bestimmten Zeit und Glaubenserfahrung gewesen sei.
Ehrfurcht
vor der Tradition heiße „nicht“ die Zementierung von Brauchtum und Gewohnheit. Der Pater bevorzugt die
verschwommene und antithetische Formulierung der „Wandlung in Treue“, in die man alles Beliebige hineinlesen
kann.
Zwar bestreitet er nicht, daß es im Neuen Ritus Mißbräuche und unerleuchtete Praktiken gegeben
habe.
Doch sogleich nivelliert er diese Aussage mit der Binsenwahrheit, daß „keine Zeit, keine Form
und keine Autorität davor jemals bewahrt hätten“.
Der Pater übersieht, daß dies das ultimative Argument
gegen jede Art von Liturgiereformen ist.
Immerhin: „Ich kann gut mit zwei und mehr Riten leben, wenn
in ihnen das gemeinsam Geglaubte und im Bekenntnis Formulierte zum Ausdruck kommt“ – erklärt der Pater
versöhnlich.
Die Spitze folgt sogleich:
„Für Schatten- und Grabenkämpfe, für Richtig- und Falsch-Qualifizierungen,
für Diffamierungen nach welcher Seite auch immer, für die Wiedereinführung eines quasi magisch verstandenen
Priesterbildes und die Vorstellung, daß damit alle Probleme der Kirche geheilt würden und ihr Weg in
die Zukunft einer triumphalen Prozession gliche, ist die Mitte und der Höhepunkt unseres Glaubens, die
Feier der Eucharistie, der falsche Ort.“
Eine interessante Aussage. Zuerst polemisiert der Pater relativistisch
gegen „ Richtig- und Falsch-Qualifizierungen“, um keine zwei Zeilen später selber darin zu schwelgen.
Es ist logisch nicht einfach, ein Relativierer der Wahrheit zu sein.
Abschließend entlarvt Pater Koch
die Kämpfer für die Alte Messe: „Zu durchsichtig ist, daß es sich hier vorrangig um einen Stellvertreter-Krieg
handelt – von Rom ermöglicht (?), aber nicht vorgeschrieben (!)“ – schwant es ihm.
Wie recht der Pater
doch hat.
Natürlich geht es im gegenwärtigen Liturgiestreit nicht um leere, beliebig austauschbare
Riten, sondern um die Wahrheit, die in der Form der Liturgie enthalten ist.
Mangels einer besseren Begrifflichkeit
kann das Pater Koch gerne einen „Stellvertreter-Krieg“ nennen.
Er bedeutet konkret, daß es dem platten,
geistlosen und auf das letzte Jahrhundert fixierten Modernismus und seinen faul gewordenen Sprüchen immer
mehr an den Kragen geht.
‘Summorum Pontificum’ ist eine der Schwalben, die das Ende der modernistischen
Eiszeit und den Beginn eines neuen katholischen Frühlings ankündigt.
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