18:15:32 | Montag, 24. Dezember 2007
In den Waben des Alten Testaments ist die honigfließende Fülle des menschgewordenen Gottessohnes verborgen. Von Hubert Hecker.

Niclaus Gerhaert von Leyden († 1473): Madonna mit dem Kind
(kreuz.net) 55 Mal erscheint der Begriff Honig in der Bibel, davon sechzehnmal in der Verbindung „Land
von Milch und Honig“.
Doch einige Historiker glaubten bisher, daß das hebräische Wort für Honig nur
den süßen Saft von Feigen und Datteln meint.
Für Bienenhonig gibt es nur zwei explizite Bibelbelege.
Archäologische Nachweise für Imkerei in biblischen Zeiten standen bisher aus.
Nun haben Forscher der
Hebräischen Universität in Jerusalem in den Ruinen der antiken Stadt Tel Rehov eine große gewerbliche
Imkerei aus dem 9. Jahrhundert vor Christus ausgegraben.
Die Archäologen fanden Reste von etwa hundert
Bienenstöcken aus Tonröhren. Sie waren bisher nur aus ägyptischen Wandzeichnungen bekannt und werden
bis heute in Ländern mit trockenem Klima gebraucht.
Eine reiche Honigernte war in der Antike Ausdruck
eines blühenden Landes und so auch in der Bibel die Umschreibung des Gelobten Landes für die Nachkommen
Abrahams.
Der Heilige mit dem BienenkorbBei den frühchristlichen Kirchenvätern
spielte die Bienen- und Honigsymbolik eine große Rolle.

Hl. Ambrosius, Patron der Imker
Die mitreißenden Predigten und Hymnen des Heiligen
Bischofs Ambrosius von Mailand († 397) wurden bereits zu Lebzeiten als honigsüße Reden gelobt. Der Heilige
Ambrosius wurde später sogar mit Bienenkorb als Heiligenattribut symbolisiert.
Nach der Legende hat
ein Bienenschwarm schon dem Kleinkind Honig in den Mund geträufelt und so die honigsüße Sprache des
späteren Bischofs hervorgebracht.
Im Buch der Sprüche werden gute Reden mit einer Honigwabe verglichen,
„süß für die Seele und gut für die Gesundheit“.
Ambrosius – sein Name erinnert noch an die Speise
der antiken Götter – stellt in seinen Predigten die Biene als Lebensvorbild der Christen hin:

Ambrosius in der Pfarrkirche St. Stephanus in Egenburg
„Seht
zu, daß eure Arbeit der eines Bienenstocks ähnelt, denn eure Reinheit und eure Keuschheit sollen mit
den arbeitsamen, bescheidenen und enthaltsamen Bienen verglichen werden.“
Papst Benedikt XVI. zitiert
in seiner zweiten Enzyklika eine Stelle des Heiligen Augustinus, in der dieser die überfließende Güte
und Liebe Gottes zu den Menschen mit einer Honiggabe vergleicht.
Der honigfließende LehrerDoch der
bekannteste Heilige im Symbolkontext von Bienen und Honig ist der Heilige Bernhard von Clairvaux.
Er
wird sogar „Doctor mellifluus“ – honigfließender Lehrer – genannt und gelegentlich mit einem Bienenkorb
dargestellt.
Der Bienenkorb ist zunächst ein Symbol für das Alte Testament, das den Honig des Logos
birgt, der von den Propheten gesammelten wurde – so Origines.

Bernhard von Clairvaux in einer mittelalterlichen Handschrift
In den Waben des Alten Testaments ist nach
Bernhard von Clairvaux die honigfließende Fülle des Gottessohnes verborgen angelegt.
In seinen berühmten
Weihnachtspredigten betrachtet Bernhard das Geheimnis, daß das ewige Wort, das nach Jeremia ‘Himmel und
Erde erfüllt’, zu einem „verbum infans“ wird und sich zu einem hilflosen Kind in der engen Krippe kleinmacht.
Durch die vielen Worte der Heiligen Schrift sagt Gott nur ein Wort aus – sein eingeborenes Wort.
Nach
Bernhard sind die „vielen Worte“ des Alten Testaments auf das neue „abgekürzte Wort“, den einen Satz –
Jesus Christus – hin auszulegen:
„Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird zu Bethlehem in Juda geboren!
O kurzes Wort über das abgekürzte Wort – de verbo abbreviato –, doch ein Wort voll himmlischer Süße!
Mein Herz ist bedrückt, denn es verlangt, die Fülle der honigfließenden Süße – mellifluae dulcedinis –
nach allen Seiten ausfließen zu lassen, findet aber keine Worte.“
Von den Bernhard-Darstellungen mit
Bienenkorb ist der honigschleckende Putto mit einem Bienenkorb am Bernhard-Altar der Zisterzienser-Propstei
Birnau bei Überlingen am Bodensee vielleicht der bekannteste.
Honigsüßer SymbolismusEine weitere
Verbindung von Kirche, Honig und Weihnachten besteht in den honiggesüßten Lebkuchen, die schon um 800
nach Christus von süddeutschen Klöstern gebacken und an die Gläubigen verteilt wurden.
Schließlich
wird mit der Flamme der Bienenwachskerze seit den Kirchenvätern eine reiche Christussymbolik entfaltet:
Für den Heiligen Augustinus ist die aus der Wachskerze erstrahlende Flamme ein Gleichnis Christi, der –
sich selbst verzehrend – die Welt erleuchtet und vom Dunkel der Sünde erlöst.
Dem Wachs wird seit alters
her eine besondere Reinheits-Symbolik zugesprochen, weil er von den jungfräulichen Bienen erzeugt wird.
In diesem Kontext wurden die Wachskerze auch zum Sinnbild der Menschwerdung Christi aus dem Schoße seiner
jungfräulichen Mutter.
Aus der Marienminne des Hochmittelalters erwachsen weitere Deutungen zum Themenkreis
Bienen.
In der um 1275 von Konrad von Würzburg verfaßten „Goldenen Schmiede“ wird Maria als die Biene
besungen, die der Welt jungfräulich in ihrem Kind den Honig des Evangeliums spendete.
Ähnliche Bilder
finden sich in den Offenbarungen der heiligen Brigitta von Schweden. Dort ist Maria die Honigwabe oder
der Honigstock, das Gefäß also, aus dem die Süßigkeit der Menschwerdung und Erlösung Christ hervorfließt.
Schließlich wird dieses Bild, in einer Legende von der Hostie im Bienenstock, auf die Kirche übertragen.
Diese spendet im Altarssakrament den Menschen eine Lebensspeise, die „köstlicher als Honigseim“ ist.
Der Autor ist Hobby-Imker mit fünf Bienenvölkern am Fuße des Westerwaldes.
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