Liturgie
Zeitgenössische Predigtvorbereitung
Wer beim Hören einer Predigt das Gefühl bekommt, das Gesagte schon einmal gehört zu haben, sollte nicht zu schnell glauben, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen.
Symbolfoto
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(kreuz.net) In der Pfarrkirche der Stadt Wirges im Westerwaldkreis war während der diesjährigen Christmette eine interessante Predigt zu hören. Der 5.000-Seelen-Ort Wirges befindet sich 28 Kilometer nordwestlich von Limburg an der Lahn.

Die dortige katholische Pfarrkirche ist dem Heiligen Bonifatius geweiht und wird vom Volksmund seit 1902 auch „Westerwälder Dom“ genannt.

Der diesjährige Prediger, der nicht Hauptzelebrant war, übernahm seine Homilie wortwörtlich vom Bonner Dechanten, Hw. Wilfried Schumacher (57).

Wirges liegt in Westdeutschland
Wirges liegt in Westdeutschland
Hw. Schumacher ist Pfarrer der Gemeinde St. Martin in Bonn. Er veröffentlicht seine Predigten im Internet.

Die Predigt in der diesjährigen Christmette in Wirges war eine wörtliche Neuauflage der Heiligabend-Predigt, die Pfarrer Schumacher vor einem Jahr im Bonner Münster hielt.

Der Unterschied: Statistische Angaben, die sich in der Originalpredigt auf Bonn beziehen, wurden angepaßt.

Außerdem wurde die Predigt mit einem zusätzlichen einleitenden Satz versehen.

Nach dem Evangelium kündigte der Prediger an, daß er von der Geschichte „Der Engel mit zerbrochnem Flügel“ von Pfarrer Wilfried Schumacher erzählen wolle.

Diese Geschichte habe ihn inspiriert und zum Nachdenken angeregt.

Doch im weiteren war von Inspiration und Nachdenken nicht mehr viel zu spüren. Denn der Prediger beschränkte sich darauf, die Schumacher-Predigt wortwörtlich abzulesen.

In der Predigt geht es um die Geschichte eines kleinen Engels, der in der Weihnachtsnacht einen Flügel bricht und in der Krippe zu Betlehem landet.

Als ihn schließlich ein großer Engel findet und ihn in den Himmel zurückbringen will, entschließt sich der kleine Engel, auf der Erde zu bleiben und mit der Heiligen Familie nach Ägypten zu ziehen.

Besonders süffisant hören sich während der Predigt Sätze wie der folgende an: „Vielleicht verstehen Sie jetzt, weshalb ich die Geschichte liebe.“

Doch auch diese Aussage war wörtlich aus dem Predigt-Manuskript von Pfarrer Schumacher übernommen.

Nachdem in der Geschichte klar wird, daß der kleine Engel nach Ägypten ziehen will, stellte der Prediger dramaturgisch effektvoll die abschließende Frage,:

„Kommen Sie auch mit?“.

Aber auch das war nur ein Zitat aus Pfarrer Schumachers Originaltext.
      
18 Lesermeinungen
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#18   Aleph †   17:53:00 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Pippi
Strepto van Kokke @ Wenn ich das was Sie als Gaga bezeichnen in dem mildernde Umstände erheischenden Fall mit Pippi übersetze, korrekt oder vielleicht besser mit dem Begriff Cacadauphin beschreibe?
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#17   Strepto von Kokke   17:47:09 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
@Aleph
Deshalb verstehe ich Ihr Poltern gegen inhaltsfreie Predigten nicht, bzw. dass ich inhaltsfreien Predigten etwas abgewinnen und sie im theologischen Sinn deuten kann. Sind Sie jetzt neidisch?
Ja, ich bin neidisch auf Menschen die inhaltsfreien Predigten etwas abgewinnen können und in der Lage sind deren theologischen Sinn inhaltsfrei zu deuten.
Meinen Sie nicht Aleph, dass Sie doch irgendwo ein wenig, nur ein ganz klein wenig Gaga sind?
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#16   Aleph †   17:34:23 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Inhaltlos und Inhaltsfrei
Strepto van Kokke @ Der Eindruck verstärkt sich bei mir, dass Sie nicht wissen, wie Sie auf meine Einwände reagieren sollen. Das ist sehr schade.
Zumindest könnte man die Überlegung anstellen, dass zwar häufig inhaltslos gesagt wird, aber meistens inhaltsfrei gemeint ist. Inhaltsfrei zu sein hat den Vorteil, dass das Behältnis mit guten Inhalten gefüllt werden kann.
Ein derart gefülltes Behältnis ist immer besser als ein Holz- oder Wasserkopf. Der inhaltsfreie Zustand (frei – ohne Inhalt sein), sollte eigentlich der Zustand des religiösen Menschen sein, der offen ist für die Offenbarungen, die sich bei der Lektüre der Bibel, bei der Feier der NOM-Messe einstellen. Vielleicht sogar bei der Feier einer außerordentlichen Messe?
Deshalb verstehe ich Ihr Poltern gegen inhaltsfreie Predigten nicht, bzw. dass ich inhaltsfreien Predigten etwas abgewinnen und sie im theologischen Sinn deuten kann. Sind Sie jetzt neidisch?
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#15   Strepto von Kokke   16:56:11 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
@Aleph
Soll ich jetzt ähnlich auf Ihr liebenwürdiges vor allem ungemein verständnisvolles Proleten reagieren?
Mensch Aleph, wenn Sie noch nicht einmal wissen, wie Sie reagieren sollten, lassen Sie es besser, da Ihnen das Mittel der inhaltsleeren Aussage und Predigt nicht bekannt zu sein scheint. Es wird Ihnen nicht gelingen auf inhaltsleere Aussagen gehaltvoll zu reagieren.
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#14   Aleph †   14:05:44 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Doch nicht gleich nach Weihnachten
Strepto van Kokke@ Soll ich jetzt ähnlich auf Ihr liebenwürdiges vor allem ungemein verständnisvolles Proleten reagieren? Vielleicht im nächsten Jahr, aber doch nicht gleich nach Weihnachten. :-P
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#13   Strepto von Kokke   13:19:31 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
@Aleph
Vielleicht ist es mal ganz gut, in den überfüllten Kirchen wenigstens inhaltslose Predigten angeboten zu bekommen.
Nur so haben die unter der Kanzel sitzenden Menschen Gelegenheit, sich einmal selbst aufzuraffen, sich selbst Gedanken machen, sich selbst ihres eigenen Verstandes einmal bedienen zu können.
Ja, nur sollte der Prediger vorher darauf hinweisen, dass er gezielt das Mittel der inhaltsleeren Predigt anwendet, um den Zuhörer dazu zu bewegen sich selbst aufzuraffen, seinen Verstand inhalltsfüllend zu benutzen und nicht verzweifelt nach Inhalten zu suchen, die ja nicht vorhanden sind.
Mensch Aleph, Sie haben aber einen an der Klatsche.
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#12   Aleph †   13:08:33 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Inhaltslose Predigten
Inhaltslose Predigten, inhaltslosere Predigten, inhaltsloseste Predigten.
Vielleicht ist es mal ganz gut, in den überfüllten Kirchen wenigstens inhaltslose Predigten angeboten zu bekommen.
Nur so haben die unter der Kanzel sitzenden Menschen Gelegenheit, sich einmal selbst aufzuraffen, sich selbst Gedanken machen, sich selbst ihres eigenen Verstandes einmal bedienen zu können.
Wochenlanges Geseusel aus allen Lautsprechern der Kaufhausketten, unter dem süßen Klingeln der Kassen, macht ganz schön denkfaul und lässt den kindlichen Wunsch ins Kraut schießen, die Geistlichen könnten wenigstens an Weihnachten allesamt einmal ordentliche, inhaltsgefüllte Predigten (wie eine Weihnachtsgans) in den Domen und Kirchen halten.
Dann würde vielleicht der berühmte Ruck durch Deutschland gehen. Nur die Politiker hätten dann die Kärrnerarbeit zu übernehmen und die Kollateralschäden zu beseitigen.
Einfach einmal am Heiligen Abend eine inhaltslose Predigt inhalieren und sich darüber im Klaren sein, wie wenig der Mensch eigentlich über Gott aussagen kann. Dazu ist wohl kaum jemand bereit.
Stattdessen wird die Inhaltslosigkeit (= Leere) gesteigert: inhaltslos, inhaltsloser, am inhaltslosesten. Das hört sich fast schon wie Wettkampf an: Ich habe aber ein viel inhaltslosere Predigt gehört…!
Auch wenn Menschen Bischöfe sind, haben sie keinen Vorteil, viel mehr über Gott aussagen zu können, als es eben Menschen verfmögen, über Gott aussagen zu können. Es liegt nicht nur am Amt.
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#11   Johannes XXIV   09:55:39 | Donnerstag, 27. Dezember 2007
Predigtqualität
jaja, die predigtqualität ist unter aller…naja…recht weit unten. eine gute predigt heute zu hören ist wirklich eine seltenheit. vor allem predigten, die einem zum nachdenken anregen sollten gibts gar nicht mehr…und auch solche predigten wünsche ich mir, wo ich mit dem inhalt nicht zufrieden bin, der aber zu kontroversen anregt. aber was bekomme ich? nichts…und hier gehts mir in erster linie um den inhalt, von rhetorik noch nicht einmal die rede…
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#10   golfi   23:15:24 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
Christentum
hier kann man doch sehr schön erkennen, wie über die vergangenen Jahrhunderte das Christentum erfolgreich gewirkt hat.
Unsere Urvorfahren hätten mit der Keule ihr irdisches Recht gefordert.
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#9   Liborius   22:14:19 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
@Leblhuber
Es wäre zum lachen wenn es nicht zum heulen wäre! :'(
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#8   Leblhuber   20:45:09 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
@Liborius:
Es geht hier nicht um den Predigtklau (was eine gute Sache ist, wenn die Predigt was taugt!) sondern um den Inhalt der Predigt. Dieselbe hat nämlich aber auch schon garnichts mit dem Evangelium zu tun.
So eine süße Geschichte kann eine Kindergärtnerin gerademal im KiGa erzählen. Aber als Predigt nur lachhaft!
Sie werden es nicht glauben, aber die Predigt, die ich in der Mette hörte, schlägt alles.
20 Minuten lang war das Thema das Bergsteigen, die Glücksgefühle am Gipfel und der mühsame Abstieg. Der letzte Satz handelte dann von der Menschwerdung Jesu und SEINEM ABSTIEG in die Niederungen der menschlichen Mühsal.
Nach meinen bisherigen Recherchen dürfte diese „Predigt“ selbst verfasst gewesen sein.
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#7   Liborius   20:23:06 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
@alle!
Es geht hier nicht um den Predigtklau (was eine gute Sache ist, wenn die Predigt was taugt!) sondern um den Inhalt der Predigt. Dieselbe hat nämlich aber auch schon garnichts mit dem Evangelium zu tun.
So eine süße Geschichte kann eine Kindergärtnerin gerademal im KiGa erzählen. Aber als Predigt nur lachhaft!
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#6   giovanniparvo   20:09:17 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
kleinkariert
Die Diskussion hier wie auch der ganze Beitrag sind der Gipfel an Kleinkariertheit. Furchtbar, diese Enge. Selbst die Kirchenväter haben die weniger begabten Priester aufgefordert, gute Predigten von anderen zu übernehmen. Besser gut geklaut, als miserabel selbst gemacht. Ich hab’ mich jedenfalls immer gefreut, wenn mein Pfarrer mal was von ‘nem anderen übernommen hatte. Das konnte man sofort hören. Und war eine einzige Wohltat.
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#5   RJH   20:07:11 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
Ich hatte gestern auch ein dejavu Erlebnis
Folgende Geschichte kam in der Predigt des 1. Weihnachtsfeiertages vor:
„Beim Weltjugendtag in Köln waren indonesische Mädchen in Düsseldorf im Rotlichtviertel untergebracht… :-)
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#4   Sirilo   19:38:59 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
Predigtbücher
Aus meiner Ministrantenzeit (1952 – 1962) weiß ich, daß es früher Predigtbücher mit fertigen Predigten gab, in denen die Predigten begabter Prediger gesammelt waren und aus denen sich die weniger begabten Prediger bedienen konnten. Also ist das Abkupfern von Predigten nichts Neues. Neu ist nur der Einsatz des Internets dazu – und der ist unklug, weil ja jeder halbwegs gewitzte Gläubige sich die Originalpredigt aus dem Internet holen und somit seinen Pfarrer als „Plagiator“ entlatven kann…
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#3   Florian Geyer   19:25:41 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
wenn eine
predigt nicht anstoss erregt, provoziert, nachdeklich mach, aufrüttelt, ermahnt, radikal ist, läuft was falsch !
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#2   Samurai   19:14:09 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
@ Benedikt: Ideenklau
Nun ja, ich finde es nicht gerade einfallsreich, eine Predigt 1:1 zu übernehmen, aber sich aus Predigten anderer Kollegen Anregungen zu holen, ist legitim, und ich kenne mehrere Priester, die aus dem Grund schöne eigene Predigten (z.B. zu bestimmten Themen) bewußt (!) ins Internet stellen. Sozusagen als Anregung für ihre Amtskollegen.
Samurai
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#1   Benedikt   18:56:58 | Mittwoch, 26. Dezember 2007
Zeitgenössisch?
Ideenklau und/oder Übernahme ist nicht zeitgenössisch, sondern ganz und gar zeitlos.
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