[ « 87 88 89 90 91 » ]
Donnerstag, 3. Januar 2008 15:44
In Deutschland melden sich erst einmal alle möglichen Bedenkenträger
Als Fünfzehnjähriger lernte der Neo-Diözesanbischof Taizé kennen: „Dort habe ich die Internationalität von Kirche und den beeindruckenden Roger Schütz erlebt.“
Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst
Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst
(kreuz.net) Gedanklich ist er jeden Tag in seinem neuen Bistum: „Schon wenn ich morgens aufstehe bedenke ich es im Gebet.“

Das erklärte der neue Bischof von Limburg, Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, gestern vor der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’.

Gegenwärtig ist der Bischof damit beschäftigt, die Liturgie zu seiner Amtseinführung am 20. Januar zu planen und wichtige Mitarbeiter kennenzulernen.

Er bereitet sich außerdem im Gebet auf seine neue Aufgabe vor:

„Wenn es eben geht, bin ich tagsüber
Von der Ernennung erfahren
„Ich hatte den ersten Schlag Suppe auf dem Teller, da kam eine Ordensschwester des Hauses mit dem schnurlosen Telefon zu mir.“
für einige Zeit in der Servatiikirche, wo Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung besteht. Dort kann ich gut bei Gott und den mir jetzt anvertrauten Menschen sein.“

In Limburg wird der Bischof vorübergehend im Priesterseminar wohnen. Langfristig wird die Diözese für 3,5 Millionen Euro einen neuen bischöflichen Wohn- und Arbeitssitz direkt am Dom einrichten. Das beschloß das Domkapitel zu Beginn der Sedisvakanz im Februar.

Nach dem ersten Schlag Suppe
Nach eigenen Angaben wußte Mons. Tebartz-van Elst nicht, daß sein Name auf der Dreierliste für den neuen Bischof von Limburg stand.

Von seiner Wahl erfuhr er, während er mit Ehrenamtlichen zu einem geistlichen Wochenende in einem Exerzitienhaus war und gerade am Mittagessen war:

„Ich hatte den ersten Schlag Suppe auf dem Teller, da kam eine Ordensschwester des Hauses mit dem schnurlosen Telefon zu mir.“

Am anderen Ende war der Bischofssekretär von Münster. Er stellte zu Bischof Reinhard Lettmann durch. Dieser überbrachte dem Weihbischof die Nachricht von der Wahl.

Mons. Tebartz-van Elst erschrak über die Nachricht und ging in die Hauskapelle, wo er eine innere Zuversicht spürte: „Die Suppe war inzwischen kalt geworden.“

Dem neuen Bischof von Limburg ist bis heute unbekannt, wer die anderen beiden Kandidaten auf der Dreierliste waren: „Es macht freier, wenn man das nicht weiß. Ich werde nicht nachfragen.“

Der Bischof und sein Vorgänger
Mit dem Vorgängerbischof von Limburg, Mons. Franz Kamphaus, fühlt sich Mons. Tebartz-van Elst durch viele Erinnerungen verbunden:

„Kamphaus war ja von 1973 bis 1982 Regens im Priesterseminar von Münster und hat die Priester des Bistums Münster in dieser Zeit mit dem ihm eigenen starken Charisma sehr geprägt.“

Mons. Tebartz-van Elst begann sein Theologiestudium im Jahr 1978.

In dieser Zeit gestaltete Regens Kamphaus gemeinsam mit seinem Weggefährten, dem Spiritual des Priesterseminars Johannes Bours, eine Predigtreihe über die Evangelischen Räte Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam in der Münsteraner Lambertikirche.

„Diese Predigten gingen mir mitten ins Herz“ – so Bischof Tebartz-van Elst: „Zu seiner Bischofsweihe am 13. Juni 1982 bin ich in Limburg gewesen.“

Der Mut der Amerikaner
Mons. Tebartz-van Elst liebt es nicht, wenn gesagt wird, daß er „Karriere gemacht“ habe.

Er habe die Dinge angenommen, wie sie auf ihn zugekommen seien. Der Neo-Diözesanbischof nennt als Beispiel seine Freistellung zum Promotionsstudium:

„Daß ich dann 1990 zum erweiterten Studium in die Vereinigten Staaten nach Washington D.C. und Chicago gehen konnte, war für mich unglaublich belebend.“

Er war damals vom „Mut und der positiven Einstellung der Amerikaner“ beeindruckt: „In Deutschland ist es oft so,
Jugend am Bauernhof
„Als meine Großeltern noch lebten, haben wir im Oktober auf dem Hof den Rosenkranz gemeinsam gebetet, auch mit den Angestellten.“
daß sich erst einmal alle möglichen Bedenkenträger melden“.

In Amerika halte man sich dagegen nicht lange bei Bedenken auf, sondern wage missionarische Schritte.

Das sei für ihn die Initialzündung gewesen, Wege des Erwachsenenkatechumenats auch im Bistum Münster umzusetzen: „Anfang dieses Jahres hatten wir im Dom eine Zulassungsfeier zur Taufe mit 70 Männern und Frauen aus 40 Gemeinden.“

Jugenderinnerungen
Der Neo-Diözesanbischof erzählt im Interview auch über seine Jugend: „Ich komme von einem Bauernhof.“

Er hatte eine ältere Schwester und drei jüngere Brüder: „Es hätte nach niederrheinischer Tradition nahegelegen, daß ich als ältester Sohn den Hof übernommen hätte.“

Daran war er nie interessiert: „Das hat der nächstälteste Bruder gemacht.“

Das Leben und die Arbeit auf dem Hof war für den späteren Bischof schön: „Dann war ich aber auch schnell wieder im Haus und habe lieber gelesen.“

Das Gebet wurde im Elternhaus des Bischofs „ganz selbstverständlich“ gepflegt.

„Als meine Großeltern noch lebten, haben wir im Oktober auf dem Hof den Rosenkranz gemeinsam gebetet, auch mit den Angestellten.“

Zu großen Festtagen fuhr die Familie oft ins nahe gelegene Kevelaer in die Marienbasilika: „Zu Hause haben wir regelmäßig vor und nach dem Essen gebetet, ein Gebet, das wir auswendig kannten. Es ist wichtig, einige Gebete auswendig zu können.“

Wenn es auf den Tod zugehe, habe der
Für den kirchlichen Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung
„Mir ist bewußt geworden, daß wir klar und unmißverständlich Stellung beziehen müssen.“
Mensch nur noch das, was er auswendig gelernt und gepflegt habe.

Die Liturgie beeindruckte den späteren Bischof schon als Kind. Er war aus Leidenschaft Meßdiener. Auch sein Wunsch, Priester zu werden geht auf die Kindertage zurück.

Als Obergymnasiast besuchte der Neo-Diözesanbischof das bischöfliche Internat in Coesfeld: „Dadurch kam ich als Fünfzehnjähriger schon nach Taizé, dort habe ich die Internationalität von Kirche und den beeindruckenden Roger Schütz erlebt.“

Kein Scheinbischof
Im Jahr 1999 war Mons. Tebartz-van Elst für den Ausstieg der Kirche aus der sogenannten Schwangerenkonfliktberatung:

„Damals machte ein Gerichtsurteil von sich reden, das Eltern das Recht auf die Abtreibung eines behinderten Kindes gab und darauf verwies, die katholische Kirche sehe das ähnlich.“

Da sei ihm bewußt geworden, „daß wir klar und unmißverständlich Stellung beziehen müssen.“

Er habe seinerzeit bei Bischof Kamphaus von Limburg eine „Not der Gewissensentscheidung“ wahrgenommen und respektiert: „Genauso wichtig war aber, daß das Bistum Limburg zur Einheit mit dem Papst zurückgefunden hat.“

Zum Thema „Familie“ glaubt Bischof Tebartz-van Elst, daß sich vieles verändert hat:

„Aber: Wenn – wie ich jüngst bei einer Visitation erlebte – Mütter, die gerne bei ihren Kindern bleiben würden, ein schlechtes Gewissen bekommen, weil nach ihrem Eindruck die Politik die Betreuung von Kindern in Tagesstätten bevorzugt bewertet, dann setzt hier ein problematischer Bewußtseinswandel ein.“

Dramatische Personalsituation im Bistum Limburg
Der Bischof wird auch auf die „dramatische Personalsituation“ im Bistum Limburg angesprochen. Zwölf sogenannte Pastorale Räume haben dort bereits keine priesterlichen Leiter mehr oder werden sie alsbald verlieren.

Was er in dieser Situation tun werde, „kann ich jetzt noch nicht sagen.“

Ich möchte bald mit den Bezirksdekanen zusammenkommen:

„Bei allen Engpässen scheint es mir zugleich wichtig zu sein, auf die persönlichen Begabungen der einzelnen Priester zu schauen und sie entsprechend einzusetzen. Das dient den Mitbrüdern und den Gemeinden.“

Keine Angst vor Moscheen
Vor dem Neubau von Moscheen in Deutschland fürchtet sich der Bischof nicht: „Muslime sollen in Deutschland ihren Glauben leben können.“

„Insgesamt möchte ich sagen, daß wir im Dialog mit den Muslimen und auch in unserer Gesellschaft unsere Identität als Christen deutlicher äußern müssen.“

Abschließend erklärt Mons. Tebartz-van Elst seinen Bischofsring. Er erhielt ihn von seiner Mutter und seinen Geschwistern als Geschenk:

„Er ist gefertigt worden aus den Eheringen meiner vier Großeltern und dem Trauring meines Vaters, der meine Ernennung zum Weihbischof noch erlebt hat, aber vor meiner Weihe verstorben ist.“

Der Ring ist für Mons. Tebartz-van Elst sehr wertvoll: „Aus den Ringen der gelebten ehelichen Treue in meiner Großfamilie wurde der neue Ring meiner Treue im Dienst für Gott und die mir anvertrauten Menschen.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 176 Lesermeinungen:
Montag, 14. Januar 2008 23:55
Jörg Guttenberger, Köln: Benedikt, Rudolfus
Herzlichen Dank für Ihe Ergänzungen in Sachen Bonifatius!

So ohne weiters nachvollziehbar ist die Unterscheidung römisch – lateinisch sicher nicht. Wir sprechen zwar vom römischen und nicht vom lateinischen Ritus, die Angehörigen des römischen Ritus sind jedoch Angehörige der lateinischen Teilkirche.

Vom römischen Ritus als Hauptritus – entsprechend der Zahlenerhältnisse stimmt das natürlich – zu sprechen, kann wegen der von VATII bestätigten Gleichwertigkeit aller Riten zu Mißverständnssen führen.
Sonntag, 13. Januar 2008 01:13
Benedikt: @ Jörg Guttenberger
„Römisch-katholisch“ hat mit dem Ritus nichts zu tun. Es ist einfach eine gebräuchliche Bezeichnung zur Unterscheidung der Konfessionen.

Die Ablehung des Bonifatius hatte wohl weniger mit seinem Ritus als mehr damit zu tun, dass die damaligen Fürsten keinen Auswärtigen auf so einem wichtigen Bischofsstuhl haben wollten. Auch sperrte man sich gegen die Errichtung einer großen austrasischen Kirchenprovinz, wie sie Bonifatius vorschwebte.
Sonntag, 13. Januar 2008 00:56
Rudolfus: @J. Guttenberger: Das Wort „lateinischer Ritus“ ist immer noch im Gebrauch
Das Wort „lateinischer Ritus“ war bis zum Konzil tatsächlich in Gebrauch, hat sich wegen der Einführung der Landessprache auch im Römischen Ritus überholt.Das Wort „lateinischer Ritus (Rituskirche/Teilkirche)“ ist immer noch im Gebrauch und wurde nie abgeschafft – siehe im KKK und in den Kirchenrechtsbüchern der lateinischen Teilkirche und der orientalischen Teilkirchen.

Unter Beibehalt Ihrer Lesart müßte es dann lateinisch-römisch-katholisch bzw. griechisch-römisch-katholisch usw. heißen, so spricht bzw. schreibt aber niemand. Der Sprachgebrauch hat sich seit dem Konzil fortentwickelt.Man spricht im offiziellen Gebrauch von „lateinisch-katholischer Teilkirche (Rituskirche)“ und „griechisch-katholischer Teilkirche (Rituskirche)“ – aber niemals von einer „römisch-katholischen Teilkirche eigenen Rechtes (Rituskirche)“.

Köln war immer römisch-katholisch. Das hat der hl. Bonifatius schmerzlich rfahren, der sich in Köln niederlassen wollte, aber wegen seiner Zugehörigkeit zum iroschottischen Ritus abgewiesen wurde.Der hl. Bonifatius war auch römisch-katholischer Konfession, aber offensichtlich nicht lateinisch-katholischen Ritus’.
Der lateinische Hauptritus ist der römische Ritus, im Gegensatz zu vielen anderen lateinischen Riten:
lateinische Ordensriten und zahlreiche andere Riten, die alle seit 1570 (Kanonisierung der Römischen Messe in Quo primum durch Papst St. Pius V.) weiterbestehen dürfen, wenn sie älter als 200 Jahre sind (siehe der hl. Papst Pius V. in Quo primum).
Sonntag, 13. Januar 2008 00:40
Zunächst herzlichen Dank für den Hinweis auf den eigenen Ritus in Zaire! Gibt es hier weitere Infos?

Das Wort „lateinischer Ritus“ war bis zum Konzil tatsächlich in Gebrauch, hat sich wegen der Einführung der Landessprache auch im Römischen Ritus überholt. Außerdem waren die anderen Riten damals weniger im Bewußtsein der Kirche, als heute.

Unter Beibehalt Ihrer Lesart müßte es dann lateinisch-römisch-katholisch bzw. griechisch-römisch-katholisch usw. heißen, so spricht bzw. schreibt aber niemand. Der Sprachgebrauch hat sich seit dem Konzil fortentwickelt.

Köln war immer römisch-katholisch. Das hat der hl. Bonifatius schmerzlich rfahren, der sich in Köln niederlassen wollte, aber wegen seiner Zugehörigkeit zum iroschottischen Ritus abgewiesen wurde.

Römisch waren ursprünglich lediglich der Kirchenstaat, das Rheinland und England (nicht Britannien).

Britannien war genauso, wie Deutschland, iroschottisch, Frakreich gallikanisch, Spanien mozarabisch, Portugal hatte den Ritus von Braga, Italien war zum Teil byzantinsch (Unteritalien und zum Teil Oberitalien, letzteres von Venedig her) und Oberitalien ambrosianisch (von Mailand her). Alle diese Kirchen haben in voller Gemeinschaft mit dem römischen Papst gelebt.

Im Abendland, da stimme ich Ihnen zu, spielen die nichtrömischen Riten heute auch zahlenmäßig eine nachgeordnete Rolle. Der gallkanische Ritus ist m. W. sogar ganz ausgestorben. Es gibt oder gab jedoch eine unkanonische orthodoxe Gruppe, die ihn wieder beleben will.
Samstag, 12. Januar 2008 17:20
Rudolfus: @J. Guttenberger: Es gibt schon eine römische Teilkirche
Es gibt schon eine römische Teilkirche, nämlich die römische Gemeinde, die römische Diözese und die römische Kirchenprovinz.

Die Teilkirche, von der Sie reden, die Teilkirche „eigenen Rechtes“ ist aber die lateinische Kirche (siehe KKK und sämtliche römische Dokumente) – und in dieser lateinischen Teilkirche eigenen Rechtes lebt man auch in Köln.

Die Universale Kirche ist aber immer auch römisch: wegen der Universaljurisdiktion des Pontifex Romanus’ (siehe die unfehlbare Vaticanum-I-Definition).

Nur jene Getauften gehören zur Kirche Christi, die den Pontifex Romanus als Universales Oberhaupt anerkennen –
alle anderen gehören nicht zur Kirche Christi.
Samstag, 12. Januar 2008 06:44
RRR: @ Guttenberger
Was Sie meinetwegen als lateinische Kirche bezeichnen, hat nur einen einzigen Ritus, nämlich den römischen.

Ungeachtet Ihrer hilfreichen und guten Zusammenfassung irren Sie hier. Die Lateinische Kirche teilt sich nämlich in mehrere Riten auf: den römischen, dem ambrosianischen (in Mailand und auch ein klein wenig außerhalb), den mozarabischen (in Toledo), den zairischen (eigener Messritus für Zaire/heute Kongo).

Deswegen ja auch die begriffliche Unterscheidung zwischen „lateinisch“ und „römisch“: Zur „Lateinischen“ Kirche gehören mehrere Riten als nur der „römische“. Die anderen sind aber zahlenmäßig unbedeutend, und organisatorisch bildet die lateinische Kirche eine Einheit (im Gegensatz zu den einzelnen griechisch-katholischen oder anderen östlich-katholischen Kirchen, die tatsächlich als einzelne Kirchen innerhalb des katholischen „Kirchenverbandes“ gezählt werden, der als ganzer den Papst als Oberhaupt hat, welcher zugleich Oberhaupt der Lateinischen Kirche ist).
Alle Lesermeinungen anzeigen 170 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net