Frauenordination
Postmoderne Gedankenspiele zum sogenannten Frauenpriestertum
Die für altliberale Regensburger Kirchenrechtlerin, Sabine Demel, veröffentlichte letztes Jahr ein Buch zu einem, dem Evangelium widersprechenden, Frauenpriestertum. Die Kritik von Kardinal Leo Scheffczyk.
Ungültige anglikanische Frauenordination.
Ungültige anglikanische Frauenordination.
© scottgunn, Flickr, CC
(kreuz.net) Leo Kardinal Scheffczyk (84) ist ehemaliger Professor für dogmatische Theologie an der Universität München.

Für die gestrige Online-Ausgabe der deutschen katholischen Tageszeitung ‘Die Tagespost’ kommentierte er ein Buch der in Regensburg lehrenden Kirchenrechtlerin Sabine Demel.

Frau Demel fordert darin ein dem Evangelium widersprechendes Frauenpriestertum.

Das Werk trägt den Titel: „Frauen und kirchliches Amt: vom Ende eines Tabus in der katholischen Kirche“.

Das ist keine ernstgemeinte Theologie

Äußerlich sehe man dem Werk die theologische Herkunft nur mit Mühe an, erklärt Kardinal Scheffczyk.

Der bunte Einband zeigt das Porträt einer lächelnden jungen Frau samt weißer Taube auf dem Haupt.

Ein gefühliges Gedicht übernimmt die Rolle des Vorwortes. Darin wird Gott unter anderem um die Gabe des Mutes gebeten, ihm „mehr zu glauben als allen Systemen und Institutionen“.

Abgerundet wird der Eindruck durch einseitige Bilder und Klerikerkarikaturen im Inneren des Buches.

Das alles spricht nach dem Urteil des bekannten Dogmatikers „eher für postmoderne Gedankenspiele als für ernste katholische Theologie.“

Eine große Gleichschaltung

Trotzdem will der Kardinal dem Buch eine fachliche Grundausrichtung nicht absprechen.

Frau Demel berücksichtige die Diskussion zwischen dem Lehramt, dem Glaubenssinn aller Gläubigen und der theologischen Wissenschaft.

Dabei, so Kardinal Scheffczyk, schalte sie jedoch diese drei Instanzen in auffallend undifferenzierter Weise gleich.

Verbrauchte Argumente

Die im Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ ergangene päpstliche Lehrentscheidung bleibt nicht unberücksichtigt.

Darum etikettiert Frau Demel ihre Aussagen als „Anfragen“ oder „Bedenken“.

Sie vertritt die Ansicht, daß „das Suchen nach der Wahrheit“ trotz des päpstlichen Lehrentscheides weitergehen muß.

„Dies besagt doch wohl nichts anderes, als daß das kirchliche Lehramt die Wahrheit nicht getroffen hat“, kommentiert Kardinal Scheffczyk die Aussage:

„Hierzu wird das nun schon ein wenig verbrauchte Argument angeführt, daß die sprachliche Fassung der Wahrheit immer neuer Differenzierung und Vertiefung bedürfe.“

Das sei in diesem Fall nicht zutreffend. Denn es handle sich hier um eine Tatsachenwahrheit, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden könne.

Abwegiger Vergleich

Im Buch wird zunehmend klarer, daß Frau Demel diese Tatsachenwahrheit leugnet.

Sie gibt als Ziel die „Korrektur“ der kirchlichen Lehre und Praxis an.

Dieser „Traditionsbruch“ ist nach Auffassung von Frau Demel kleiner als jener, den eine priesterlose Pfarrei erleben müsse, die am Sonntag keine Eucharistiefeier besitze.

Kardinal Scheffczyk kommentiert diesen Vergleich als „abwegig“.

Bibel und Tradition sind egal

Frau Demel findet in ihrem Buch einen schnellen Weg vom ersten Jahrhundert zum Phänomen der modernen Frauenbewegung.

Dabei bleiben die eindeutigen Zeugnisse der abendländischen wie der morgenländischen Kirchenväter nach Kardinal Scheffczyk genauso unbeachtet, wie die Argumente der scholastischen Theologen mit ihrer tiefen Verankerung des Weihevorbehalts in der biblischen Geschlechtersymbolik und in der Erlösungsordnung.

Die Frage ist nicht neu

Vor allem das Beispiel der Gottesmutter zeige, daß der Vorbehalt gegen eine Priesterweihe für Frauen nichts mit einer fraulichen Minderwertigkeit zu tun habe – erklärt der Kardinal.

Ein ausdrucksstarkes Zeugnis diesbezüglich gibt der berühmte Papst Innozenz III. († 1215):

Die Mutter Christi war unter allen Menschen die würdigste und heiligste aber dennoch wurde ihr keine Weihevollmacht übertragen.

Pragmatik statt Theologie

Frau Demels Buch ersetze die Tradition der Kirche mit modernen pragmatischen Erwägungen.

Dazu erwähnt der Kardinal Beispiele, auf die Frau Demel in ihrem Buch zurückgreift:

• die von der Frau in der Seelsorge bewiesenen besonderen Qualitäten,
• die Anpassung an die Erfordernisse der Zeit,
• das Selbstverständnis des heutigen Menschen,
• die Ordination bei den Protestanten und
• das Argument, daß es dem männlichen Amt angeblich an Fülle mangle.

Angst vor der Realität

Der Kardinal stellt fest, daß das Buch vor einem Blick auf die Realität der anglikanischen und evangelischen Kirchengemeinschaften nach der Einführung der Frauenordination zurückschrecke.

Die Argumente gegen ein Priestertum der Frau liegen nach Kardinal Scheffczyk in der Schöpfungswahrheit – in der unvertauschbaren Komplementarität von Mann und Frau.

Im Zusammenhang des Glaubens werde diese Ordnung gnadenhaft überhöht und in die Dimension des Heils erhoben.

Christus erfahre im Priesteramt seine angemessene Repräsentanz.

Dem entspreche auf Seiten der Frau keine Minderung, sondern die Berufung, die – weibliche – Kirche darzustellen, die das Heil empfängt, es verinnerlicht und zur Reife bringt.

Christus mußte ein Mann sein

Zum blutigen Opfertod am Kreuz sei keine Frau berufen worden.

Das sei nicht nur eine Frage der Dezenz. Ein öffentlich-kultisches Opfer der Selbsthingabe entspreche dem Wesen der Frau nicht.

Folglich könne auch die angemessene sakramentale Repräsentation des Kreuzesopfers in der Eucharistie nur durch den männlichen Priester geschehen.

Auf dem Weg in den Abfall

Abschließend erklärt Kardinal Scheffczyk, daß die Einführung eines Priestertums der Frau so einschneidend wäre, daß sogar dessen realistische Verfechter gelegentlich zugeben, daß sie heute zu einer Kirchenspaltung führen würde.

„Was allerdings noch nachdenklicher stimmt, ist der Umstand, daß der Spalt latent schon vorhanden ist und die Bereitschaft zur Akzeptanz des Irrtums immer größer wird.

Hier sind die Theologie als Glaubenswissenschaft, aber auch das bischöfliche Lehramt zu entschiedenerem Einsatz gerufen.

Denn es geht nicht um eine isolierte Einzelheit, es ist davon vielmehr das Ganze betroffen.“
      
4 Lesermeinungen
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#4   GerdEric   20:36:48 | Donnerstag, 10. Februar 2005
Priesterinnen?
Zum blutigen Opfertod am Kreuz sei keine Frau berufen worden.
Ist denn ein Mann zum „blutigen Opfertod“ berufen worden?
Ein öffentlich-kultisches Opfer der Selbsthingabe entspreche dem Wesen der Frau nicht.
Vielfach wurde die Frau öffentlich „blutig geopfert“
Folglich könne auch die angemessene sakramentale Repräsentation des Kreuzesopfers in der Eucharistie nur durch den männlichen Priester geschehen.
Die Beschneidung des Mannes hat die Kirche,
aus welchen Gründen auch immer,
aufgegeben,
eine Frau allerdings erlebt dieses „blutige“ Opfer allmonatlich,
da kann ihr auch kein Priester das „Wasser“ reichen.
„Was allerdings noch nachdenklicher stimmt, ist der Umstand, daß der Spalt latent schon vorhanden ist und die Bereitschaft zur Akzeptanz des Irrtums immer größer wird. Hier sind die Theologie als Glaubenswissenschaft, aber auch das bischöfliche Lehramt zu entschiedenerem Einsatz gerufen; denn es geht nicht um eine isolierte Einzelheit, es ist davon vielmehr das Ganze betroffen.“
Ist es da nicht besser,
sich vom trüben rest zu trennen,
statt diese als Balast mitzuschleppen?
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#3   Bruno-Maria Schulz   13:08:06 | Donnerstag, 10. Februar 2005
Wenigstens Einer, der mir zustimmt ;-)
obwohl – wenn ich mirs recht überlege, habe ich doch ein bis zweieinhalb weitere Freunde hier ;-)
Love
BMS
aber, Freund und Gegner hört:
Ein holdes Weib schrieb mir per Mail auf meinen Beitrag
SO SEHE ICH DAS AUCH
also; lasst sie uns umarmen die Schönen – was wären wir ohne sie?!
(Solange sie nicht Pfarrer werden)
______________
Uups Sulpicius, ich habe diesen Beitrag aus Versehen an dich per PM geschickt – eben null Ahnung von Technik :-(
ich bin halt Bildhauer und kein Techniker ;-)
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#2   Sulpicius   11:30:54 | Donnerstag, 10. Februar 2005
:-) Bruno M.Schulz
Sehr gut. Unterschreibe alle!
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#1   Bruno-Maria Schulz   10:04:52 | Donnerstag, 10. Februar 2005
der Kardinal ist 100% im Recht!
nichts gegen Frauen – schon gar nichts gegen die holde Weiblichkeit, die ist SEHR liebe. Auch die Denkweisen der Frau sind unabdingbar zum Funktionieren des Miteinander.
Sieht man sich aber Äußerungen von Theologinnen (beider Kirchen) an so versänke die Kirche im Chaos wenn Frauenpriestertum eingeführt würde. Auch ev. Kirchen tut das nicht gut (aber dort ist’s scheinbar nicht so wichtig und den Gläubigen eh egal ;-)
Es gibt nun mal Dinge wozu ausschließlich der Mann bzw. nur die Frau prädestiniert ist. Begründung; – siehe Aussagen des Kardinals und die theologischen Veröffentlichen von Frauen. Auch ein Kriterium unter 100 ist; die dauernde Meinungsschwankung der Frau. Zudem: Welcher Mann versteht schon eine Frau :-D
Bruno-Maria Schulz
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