08:48:21 | Donnerstag, 10. Februar 2005
Die für altliberale Regensburger Kirchenrechtlerin, Sabine Demel, veröffentlichte letztes Jahr ein Buch zu einem, dem Evangelium widersprechenden, Frauenpriestertum. Die Kritik von Kardinal Leo Scheffczyk.

Ungültige anglikanische Frauenordination.
© scottgunn, Flickr, CC(kreuz.net) Leo Kardinal Scheffczyk (84) ist ehemaliger Professor für dogmatische Theologie an der Universität
München.
Für die gestrige Online-Ausgabe der deutschen katholischen Tageszeitung ‘Die Tagespost’ kommentierte
er ein Buch der
in Regensburg lehrenden Kirchenrechtlerin Sabine Demel.
Frau Demel fordert darin ein
dem Evangelium widersprechendes Frauenpriestertum.
Das Werk trägt den Titel: „Frauen und kirchliches
Amt: vom Ende eines Tabus in der katholischen Kirche“.
Das ist keine ernstgemeinte TheologieÄußerlich
sehe man dem Werk die theologische Herkunft nur mit Mühe an, erklärt Kardinal Scheffczyk.
Der bunte
Einband zeigt das Porträt einer lächelnden jungen Frau samt weißer Taube auf dem Haupt.
Ein gefühliges
Gedicht übernimmt die Rolle des Vorwortes. Darin wird Gott unter anderem um die Gabe des Mutes gebeten,
ihm „mehr zu glauben als allen Systemen und Institutionen“.
Abgerundet wird der Eindruck durch einseitige
Bilder und Klerikerkarikaturen im Inneren des Buches.
Das alles spricht nach dem Urteil des bekannten
Dogmatikers „eher für postmoderne Gedankenspiele als für ernste katholische Theologie.“
Eine große
GleichschaltungTrotzdem will der Kardinal dem Buch eine fachliche Grundausrichtung nicht absprechen.
Frau Demel berücksichtige die Diskussion zwischen dem Lehramt, dem Glaubenssinn aller Gläubigen und
der theologischen Wissenschaft.
Dabei, so Kardinal Scheffczyk, schalte sie jedoch diese drei Instanzen
in auffallend undifferenzierter Weise gleich.
Verbrauchte ArgumenteDie im Apostolischen Schreiben „Ordinatio
sacerdotalis“ ergangene päpstliche Lehrentscheidung bleibt nicht unberücksichtigt.
Darum etikettiert
Frau Demel ihre Aussagen als „Anfragen“ oder „Bedenken“.
Sie vertritt die Ansicht, daß „das Suchen nach
der Wahrheit“ trotz des päpstlichen Lehrentscheides weitergehen muß.
„Dies besagt doch wohl nichts
anderes, als daß das kirchliche Lehramt die Wahrheit nicht getroffen hat“, kommentiert Kardinal Scheffczyk
die Aussage:
„Hierzu wird das nun schon ein wenig verbrauchte Argument angeführt, daß die sprachliche
Fassung der Wahrheit immer neuer Differenzierung und Vertiefung bedürfe.“
Das sei in diesem Fall nicht
zutreffend. Denn es handle sich hier um eine Tatsachenwahrheit, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden
könne.
Abwegiger VergleichIm Buch wird zunehmend klarer, daß Frau Demel diese Tatsachenwahrheit leugnet.
Sie gibt als Ziel die „Korrektur“ der kirchlichen Lehre und Praxis an.
Dieser „Traditionsbruch“ ist
nach Auffassung von Frau Demel kleiner als jener, den eine priesterlose Pfarrei erleben müsse, die am
Sonntag keine Eucharistiefeier besitze.
Kardinal Scheffczyk kommentiert diesen Vergleich als „abwegig“.
Bibel und Tradition sind egalFrau Demel findet in ihrem Buch einen schnellen Weg vom ersten Jahrhundert
zum Phänomen der modernen Frauenbewegung.
Dabei bleiben die eindeutigen Zeugnisse der abendländischen
wie der morgenländischen Kirchenväter nach Kardinal Scheffczyk genauso unbeachtet, wie die Argumente
der scholastischen Theologen mit ihrer tiefen Verankerung des Weihevorbehalts in der biblischen Geschlechtersymbolik
und in der Erlösungsordnung.
Die Frage ist nicht neuVor allem das Beispiel der Gottesmutter zeige,
daß der Vorbehalt gegen eine Priesterweihe für Frauen nichts mit einer fraulichen Minderwertigkeit zu
tun habe – erklärt der Kardinal.
Ein ausdrucksstarkes Zeugnis diesbezüglich gibt der berühmte Papst
Innozenz III. († 1215):
Die Mutter Christi war unter allen Menschen die würdigste und heiligste aber
dennoch wurde ihr keine Weihevollmacht übertragen.
Pragmatik statt TheologieFrau Demels Buch ersetze
die Tradition der Kirche mit modernen pragmatischen Erwägungen.
Dazu erwähnt der Kardinal Beispiele,
auf die Frau Demel in ihrem Buch zurückgreift:
• die von der Frau in der Seelsorge bewiesenen besonderen
Qualitäten,
• die Anpassung an die Erfordernisse der Zeit,
• das Selbstverständnis des heutigen
Menschen,
• die Ordination bei den Protestanten und
• das Argument, daß es dem männlichen Amt angeblich
an Fülle mangle.
Angst vor der RealitätDer Kardinal stellt fest, daß das Buch vor einem Blick auf
die Realität der anglikanischen und evangelischen Kirchengemeinschaften nach der Einführung der Frauenordination
zurückschrecke.
Die Argumente gegen ein Priestertum der Frau liegen nach Kardinal Scheffczyk in der
Schöpfungswahrheit – in der unvertauschbaren Komplementarität von Mann und Frau.
Im Zusammenhang des
Glaubens werde diese Ordnung gnadenhaft überhöht und in die Dimension des Heils erhoben.
Christus erfahre
im Priesteramt seine angemessene Repräsentanz.
Dem entspreche auf Seiten der Frau keine Minderung, sondern
die Berufung, die – weibliche – Kirche darzustellen, die das Heil empfängt, es verinnerlicht und zur
Reife bringt.
Christus mußte ein Mann seinZum blutigen Opfertod am Kreuz sei keine Frau berufen worden.
Das sei nicht nur eine Frage der Dezenz. Ein öffentlich-kultisches Opfer der Selbsthingabe entspreche
dem Wesen der Frau nicht.
Folglich könne auch die angemessene sakramentale Repräsentation des Kreuzesopfers
in der Eucharistie nur durch den männlichen Priester geschehen.
Auf dem Weg in den AbfallAbschließend
erklärt Kardinal Scheffczyk, daß die Einführung eines Priestertums der Frau so einschneidend wäre,
daß sogar dessen realistische Verfechter gelegentlich zugeben, daß sie heute zu einer Kirchenspaltung
führen würde.
„Was allerdings noch nachdenklicher stimmt, ist der Umstand, daß der Spalt latent schon
vorhanden ist und die Bereitschaft zur Akzeptanz des Irrtums immer größer wird.
Hier sind die Theologie
als Glaubenswissenschaft, aber auch das bischöfliche Lehramt zu entschiedenerem Einsatz gerufen.
Denn
es geht nicht um eine isolierte Einzelheit, es ist davon vielmehr das Ganze betroffen.“
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