16:00:33 | Dienstag, 8. Januar 2008
Der Bischof von Amiens, Mons. Jean-Luc Bouilleret, hat es geschafft, die Traditionalisten in seiner Stadt zu vereinigen. Von Dr. Jean-Pierre Dickès.
(kreuz.net) Am Morgen des 23. Dezember versammelten sich auf dem Vorplatz der Kirche Saint-Germain in
der nordfranzösischen Stadt Amiens zahlreiche Gläubige zu einer weiteren Messe unter dem freien Himmel.
Die Menge der Gläubigen war seit der
ersten Alten Messe unter freiem Himmel, die vor einem Monat stattfand,
eher noch gewachsen.
Der Grund für die Freiluft-Messen: Der Bischof von Amiens weigert sich nach wie
vor, den Altgläubigen eine der 350 unbenützten Kirchen der Diözese zur Verfügung zu stellen.
Die
Temperatur lag bei minus drei Grad.
Ich habe an fast allen dieser Messen unter freiem Himmel teilgenommen.
Doch nun stelle ich eine bedeutsame Änderung fest.
Anfangs waren wir so etwas wie eine verscheuchte
kleine Herde, die den widrigen Umständen bei eisigem Regen und Wind trotze.
Jetzt ist die Stimmung anders.
Die Gläubigen, die von überallher dazustoßen, haben begriffen, daß der Kampf noch lange dauern wird
und daß sie durchhalten müssen.
Man hat darum den Eindruck eines ruhigen Vertrauens, das in entspannten
und gelösten Gesichtern zum Ausdruck kommt.
Die Gläubigen, die von überall herkommen, halten durch,
weil das ihre Pflicht ist und ihr Gewissen es ihnen befiehlt.
Ich danke dem Bischof von Amiens, daß
er sie bestärkt hat.
Auf Anfrage vieler Organisationen verschiedenster Ausrichtung habe ich in ganz
Frankreich ungefähr zweihundert Vorträge über Bioethik gehalten – auch in anderen Ländern.
Doch in
Amiens habe ich nie gesprochen – obwohl die Stadt nur eine Autostunde von meinem Wohnort entfernt liegt.
Warum nicht?
In Amiens gab es unter den Traditionalisten seit langem Spaltungen, die an dieser Stelle
weder begründet noch erläutert werden sollen.
Ein Vortrag im Namen einer Gruppe, hätte als Benachteiligung
einer anderen Gruppe aufgefaßt werden können.
Doch jetzt haben diese Gruppen zur Einheit gefunden.
Nach zehn schwierigen Jahren haben sie es geschafft, das zu vereinen, was vereint gehört.
Auch dafür
möchte ich dem Bischof von Amiens danken.
Das könnte für ganz Frankreich ein leuchtendes Vorbild sein.
Wenn die traditionalistischen Gruppierungen der ganzen Welt sich einmal die Hand reichen – war das Handeln
des Bischofs von Amiens vielleicht der Anlaß dafür.
Ich bin ein alter Haudegen. Seit fast vierzig Jahren
feierten wir unsere Heiligen Messen in Garagen. Das Gemeindeleben fand im Wohnzimmer – zum Beispiel in
meinem – statt. Wir kannten Mangel und Überfluß.
Unsere Gemeinden wuchsen. Doch unsere Hauptsorge galt
der nachfolgenden Generation.
Würden unsere Kinder und Enkel die Botschaft der alten Kämpfer verstehen?
Jetzt darf ich diese Frage bejahen. Die Pfadfinder und Schüler, die am vierten Advent auf dem Vorplatz
der Kathedrale während der Freiluftmesse schlotterten, haben dank des Bischofs von Amiens die Botschaft
verstanden. Auch meine Enkel.
Die Messe vor der Türe war wirksamer und eindringlicher als hundert Predigten.
Danke, Monseigneur.
Der Bischof von Amiens gibt dem ganzen Land ein großartiges Beispiel.
Jetzt versteht
man ihn besser, wenn er von Liebe, Öffnung, Einfühlungsvermögen, Gastfreundschaft, Ökumene und Einheit
spricht: Das sind alles leere Worte, die der Wind davonträgt.
Sie haben der Ökumenismus-Fassade einen
ordentlichen Schlag versetzt. Danke, Monsigneur.
Immer mehr Katholiken verstehen jetzt, was der Bischof
tut.
Die Leute von Amiens erzählen mir, daß sie Pfarrangehörige beobachten, die über die Hartherzigkeit
ihres Bischofs verblüfft sind. Sie sind über seine Lügen erschreckt, daß wir exkommuniziert seien,
wo doch die besagte Exkommunikation weder die Priester der Piusbruderschaft noch deren Gläubige trifft.
Diese Katholiken verstehen die Haltung ihres Bischofs nicht – auch Nichtgläubige sind erstaunt: Sie
erschienen an Weihnachten, froren mit uns, vereinigten sich mit dem Opfer in der Krippe. Danke, Monseigneur.
Die Welt hat das Verständnis für den Sinn des Leidens verloren. Als Arzt weiß ich das.
Jeder möchte
verwöhnt und bemuttert werden, möchte sich am heimeligen Feuer wärmen, möchte Weihnachten mit Freunden
und der Familie verbringen.
Auf der Straße vor der Kirche

© amiens-catholiques-sdf.com

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Wir waren auf der Straße. Wir warteten in eisiger Kälte. So lernt man den Sinn körperlicher und seelischer
Leiden kennen.
Sicher war unser Opfer verglichen mit dem Kreuzesopfer Christi eher bescheiden.
Aber,
was wir erleben durften, verdanken wir dem Bischof von Amiens. Danke, Monseigneur.
Wir haben in Amiens
am Geheimnis der Menschwerdung teilhaben dürfen – dank der Kälte, die vor zweitausend Jahren auch in
Jerusalem herrschte.
Für uns ist das eine große Freude. Der Bischof von Amiens hat sie uns ungewollt
bereitet. Danke, Monseigneur.
Danke, Monseigneur. Gott möge Ihnen gnädig und barmherzig sein.
Der
Verfasser ist Präsident der französischen ‘Vereinigung katholischer Ärzte und katholischen Pflegepersonals’.
Sein Artikel erschien am 26. Dezember 2007 als Offener Brief an Bischof Jean-Luc Bouilleret, Bischof von
Amiens.
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