Leere Worte, die der Wind davonträgt
Der Bischof von Amiens, Mons. Jean-Luc Bouilleret, hat es geschafft, die Traditionalisten in seiner Stadt zu vereinigen. Von Dr. Jean-Pierre Dickès.
(kreuz.net) Am Morgen des 23. Dezember versammelten sich auf dem Vorplatz der Kirche Saint-Germain in
der nordfranzösischen Stadt Amiens zahlreiche Gläubige zu einer weiteren Messe unter dem freien Himmel.
Die Menge der Gläubigen war seit der ersten Alten Messe unter freiem Himmel, die vor einem Monat stattfand, eher noch gewachsen.
Der Grund für die Freiluft-Messen: Der Bischof von Amiens weigert sich nach wie vor, den Altgläubigen eine der 350 unbenützten Kirchen der Diözese zur Verfügung zu stellen.
Die Temperatur lag bei minus drei Grad.
Ich habe an fast allen dieser Messen unter freiem Himmel teilgenommen. Doch nun stelle ich eine bedeutsame Änderung fest.
Anfangs waren wir so etwas wie eine verscheuchte kleine Herde, die den widrigen Umständen bei eisigem Regen und Wind trotze.
Jetzt ist die Stimmung anders. Die Gläubigen, die von überallher dazustoßen, haben begriffen, daß der Kampf noch lange dauern wird und daß sie durchhalten müssen.
Man hat darum den Eindruck eines ruhigen Vertrauens, das in entspannten und gelösten Gesichtern zum Ausdruck kommt.
Die Gläubigen, die von überall herkommen, halten durch, weil das ihre Pflicht ist und ihr Gewissen es ihnen befiehlt.
Ich danke dem Bischof von Amiens, daß er sie bestärkt hat.
Auf Anfrage vieler Organisationen verschiedenster Ausrichtung habe ich in ganz Frankreich ungefähr zweihundert Vorträge über Bioethik gehalten – auch in anderen Ländern.
Doch in Amiens habe ich nie gesprochen – obwohl die Stadt nur eine Autostunde von meinem Wohnort entfernt liegt. Warum nicht?
In Amiens gab es unter den Traditionalisten seit langem Spaltungen, die an dieser Stelle weder begründet noch erläutert werden sollen.
Ein Vortrag im Namen einer Gruppe, hätte als Benachteiligung einer anderen Gruppe aufgefaßt werden können.
Doch jetzt haben diese Gruppen zur Einheit gefunden. Nach zehn schwierigen Jahren haben sie es geschafft, das zu vereinen, was vereint gehört.
Auch dafür möchte ich dem Bischof von Amiens danken.
Das könnte für ganz Frankreich ein leuchtendes Vorbild sein. Wenn die traditionalistischen Gruppierungen der ganzen Welt sich einmal die Hand reichen – war das Handeln des Bischofs von Amiens vielleicht der Anlaß dafür.
Ich bin ein alter Haudegen. Seit fast vierzig Jahren feierten wir unsere Heiligen Messen in Garagen. Das Gemeindeleben fand im Wohnzimmer – zum Beispiel in meinem – statt. Wir kannten Mangel und Überfluß.
Unsere Gemeinden wuchsen. Doch unsere Hauptsorge galt der nachfolgenden Generation.
Würden unsere Kinder und Enkel die Botschaft der alten Kämpfer verstehen?
Jetzt darf ich diese Frage bejahen. Die Pfadfinder und Schüler, die am vierten Advent auf dem Vorplatz der Kathedrale während der Freiluftmesse schlotterten, haben dank des Bischofs von Amiens die Botschaft verstanden. Auch meine Enkel.
Die Messe vor der Türe war wirksamer und eindringlicher als hundert Predigten. Danke, Monseigneur.
Der Bischof von Amiens gibt dem ganzen Land ein großartiges Beispiel.
Jetzt versteht man ihn besser, wenn er von Liebe, Öffnung, Einfühlungsvermögen, Gastfreundschaft, Ökumene und Einheit spricht: Das sind alles leere Worte, die der Wind davonträgt.
Sie haben der Ökumenismus-Fassade einen ordentlichen Schlag versetzt. Danke, Monsigneur.
Immer mehr Katholiken verstehen jetzt, was der Bischof tut.
Die Leute von Amiens erzählen mir, daß sie Pfarrangehörige beobachten, die über die Hartherzigkeit ihres Bischofs verblüfft sind. Sie sind über seine Lügen erschreckt, daß wir exkommuniziert seien, wo doch die besagte Exkommunikation weder die Priester der Piusbruderschaft noch deren Gläubige trifft.
Diese Katholiken verstehen die Haltung ihres Bischofs nicht – auch Nichtgläubige sind erstaunt: Sie erschienen an Weihnachten, froren mit uns, vereinigten sich mit dem Opfer in der Krippe. Danke, Monseigneur.
Die Welt hat das Verständnis für den Sinn des Leidens verloren. Als Arzt weiß ich das.
Jeder möchte verwöhnt und bemuttert werden, möchte sich am heimeligen Feuer wärmen, möchte Weihnachten mit Freunden und der Familie verbringen.
Wir waren auf der Straße. Wir warteten in eisiger Kälte. So lernt man den Sinn körperlicher und seelischer Leiden kennen.
Sicher war unser Opfer verglichen mit dem Kreuzesopfer Christi eher bescheiden.
Aber, was wir erleben durften, verdanken wir dem Bischof von Amiens. Danke, Monseigneur.
Wir haben in Amiens am Geheimnis der Menschwerdung teilhaben dürfen – dank der Kälte, die vor zweitausend Jahren auch in Jerusalem herrschte.
Für uns ist das eine große Freude. Der Bischof von Amiens hat sie uns ungewollt bereitet. Danke, Monseigneur.
Danke, Monseigneur. Gott möge Ihnen gnädig und barmherzig sein.
Der Verfasser ist Präsident der französischen ‘Vereinigung katholischer Ärzte und katholischen Pflegepersonals’. Sein Artikel erschien am 26. Dezember 2007 als Offener Brief an Bischof Jean-Luc Bouilleret, Bischof von Amiens.
© Bilder: amiens-catholiques-sdf.com
Die Menge der Gläubigen war seit der ersten Alten Messe unter freiem Himmel, die vor einem Monat stattfand, eher noch gewachsen.
Der Grund für die Freiluft-Messen: Der Bischof von Amiens weigert sich nach wie vor, den Altgläubigen eine der 350 unbenützten Kirchen der Diözese zur Verfügung zu stellen.
Die Temperatur lag bei minus drei Grad.
Ich habe an fast allen dieser Messen unter freiem Himmel teilgenommen. Doch nun stelle ich eine bedeutsame Änderung fest.
Anfangs waren wir so etwas wie eine verscheuchte kleine Herde, die den widrigen Umständen bei eisigem Regen und Wind trotze.
Jetzt ist die Stimmung anders. Die Gläubigen, die von überallher dazustoßen, haben begriffen, daß der Kampf noch lange dauern wird und daß sie durchhalten müssen.
Man hat darum den Eindruck eines ruhigen Vertrauens, das in entspannten und gelösten Gesichtern zum Ausdruck kommt.
Die Gläubigen, die von überall herkommen, halten durch, weil das ihre Pflicht ist und ihr Gewissen es ihnen befiehlt.
Ich danke dem Bischof von Amiens, daß er sie bestärkt hat.
Auf Anfrage vieler Organisationen verschiedenster Ausrichtung habe ich in ganz Frankreich ungefähr zweihundert Vorträge über Bioethik gehalten – auch in anderen Ländern.
Doch in Amiens habe ich nie gesprochen – obwohl die Stadt nur eine Autostunde von meinem Wohnort entfernt liegt. Warum nicht?
In Amiens gab es unter den Traditionalisten seit langem Spaltungen, die an dieser Stelle weder begründet noch erläutert werden sollen.
Ein Vortrag im Namen einer Gruppe, hätte als Benachteiligung einer anderen Gruppe aufgefaßt werden können.
Doch jetzt haben diese Gruppen zur Einheit gefunden. Nach zehn schwierigen Jahren haben sie es geschafft, das zu vereinen, was vereint gehört.
Auch dafür möchte ich dem Bischof von Amiens danken.
Das könnte für ganz Frankreich ein leuchtendes Vorbild sein. Wenn die traditionalistischen Gruppierungen der ganzen Welt sich einmal die Hand reichen – war das Handeln des Bischofs von Amiens vielleicht der Anlaß dafür.
Ich bin ein alter Haudegen. Seit fast vierzig Jahren feierten wir unsere Heiligen Messen in Garagen. Das Gemeindeleben fand im Wohnzimmer – zum Beispiel in meinem – statt. Wir kannten Mangel und Überfluß.
Unsere Gemeinden wuchsen. Doch unsere Hauptsorge galt der nachfolgenden Generation.
Würden unsere Kinder und Enkel die Botschaft der alten Kämpfer verstehen?
Jetzt darf ich diese Frage bejahen. Die Pfadfinder und Schüler, die am vierten Advent auf dem Vorplatz der Kathedrale während der Freiluftmesse schlotterten, haben dank des Bischofs von Amiens die Botschaft verstanden. Auch meine Enkel.
Die Messe vor der Türe war wirksamer und eindringlicher als hundert Predigten. Danke, Monseigneur.
Der Bischof von Amiens gibt dem ganzen Land ein großartiges Beispiel.
Jetzt versteht man ihn besser, wenn er von Liebe, Öffnung, Einfühlungsvermögen, Gastfreundschaft, Ökumene und Einheit spricht: Das sind alles leere Worte, die der Wind davonträgt.
Sie haben der Ökumenismus-Fassade einen ordentlichen Schlag versetzt. Danke, Monsigneur.
Immer mehr Katholiken verstehen jetzt, was der Bischof tut.
Die Leute von Amiens erzählen mir, daß sie Pfarrangehörige beobachten, die über die Hartherzigkeit ihres Bischofs verblüfft sind. Sie sind über seine Lügen erschreckt, daß wir exkommuniziert seien, wo doch die besagte Exkommunikation weder die Priester der Piusbruderschaft noch deren Gläubige trifft.
Diese Katholiken verstehen die Haltung ihres Bischofs nicht – auch Nichtgläubige sind erstaunt: Sie erschienen an Weihnachten, froren mit uns, vereinigten sich mit dem Opfer in der Krippe. Danke, Monseigneur.
Die Welt hat das Verständnis für den Sinn des Leidens verloren. Als Arzt weiß ich das.
Jeder möchte verwöhnt und bemuttert werden, möchte sich am heimeligen Feuer wärmen, möchte Weihnachten mit Freunden und der Familie verbringen.
Wir waren auf der Straße. Wir warteten in eisiger Kälte. So lernt man den Sinn körperlicher und seelischer Leiden kennen.
Sicher war unser Opfer verglichen mit dem Kreuzesopfer Christi eher bescheiden.
Aber, was wir erleben durften, verdanken wir dem Bischof von Amiens. Danke, Monseigneur.
Wir haben in Amiens am Geheimnis der Menschwerdung teilhaben dürfen – dank der Kälte, die vor zweitausend Jahren auch in Jerusalem herrschte.
Für uns ist das eine große Freude. Der Bischof von Amiens hat sie uns ungewollt bereitet. Danke, Monseigneur.
Danke, Monseigneur. Gott möge Ihnen gnädig und barmherzig sein.
Der Verfasser ist Präsident der französischen ‘Vereinigung katholischer Ärzte und katholischen Pflegepersonals’. Sein Artikel erschien am 26. Dezember 2007 als Offener Brief an Bischof Jean-Luc Bouilleret, Bischof von Amiens.
© Bilder: amiens-catholiques-sdf.com
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Donnerstag, 10. Januar 2008 21:36
Sozialkatholisch: Na Gott sei es gedankt
das ich kein Kuscheltradi bin und jeden Müll respektieren muss.
Donnerstag, 10. Januar 2008 20:02
landorganist: Ich verstehe Sie schon.
Allerdings halte ich Manipel, Spitzendeckchen und Latein nicht für ein probates Mittel, die Kirche auf
die Aufgaben der Zukunft vorzubereiten. Ich gönne den „vernünftigen“ Tradis wirklich von Herzen alles,
was sie sich für ihr Seelenheil erbitten, und was sie zu wahrer Andacht führt, selbstverständlich auch
die Messe im außerordentlichen Ritus. Ich verbitte mir von selbigen aber eine Herabwürdigung meiner
eigenen Glaubensüberzeugung. Und darin liegt die Crux! Die Tradis, zumindestens die Sorte, die sich hier
herumtreibt, versucht doch, die eigenen Überzeugungen als alleingültig und allein seligmachend hinzustellen.
Da wird die heilige Messe, wie sie unser Papst selber täglich feiert auf das Übelste diffamiert, Amtsträger
werden verleumdet, Randgruppen beschimpft und alberene Verschwörungstheorien erfunden, das es einen normal
denkenden Christenmenschen ekelt.
Ich werde sicher beim ordentlichen Ritus bleiben, ich werde sicher nicht die Mundkommunion nutzen, ich werde zum Pfarrer sicher nicht Hochwürden sagen etc. Und dennoch erwarte ich von den vernünftigen Tradis den gleichen Respekt, den ich ihnen zolle. Ich erwarte, dass sie meine Überzeugung tolerieren und als Katholik erwarte ich, dass sie alles tun, um die Einheit der Kirche und die Verbundenheit mit dem Papst fördern.
Ich werde sicher beim ordentlichen Ritus bleiben, ich werde sicher nicht die Mundkommunion nutzen, ich werde zum Pfarrer sicher nicht Hochwürden sagen etc. Und dennoch erwarte ich von den vernünftigen Tradis den gleichen Respekt, den ich ihnen zolle. Ich erwarte, dass sie meine Überzeugung tolerieren und als Katholik erwarte ich, dass sie alles tun, um die Einheit der Kirche und die Verbundenheit mit dem Papst fördern.
Donnerstag, 10. Januar 2008 15:45
Tridentinus: @landorganist
Dass Sie an dieser Stelle Tradition im Plural benutzen, zeigt mir tendentiell schon, dass Sie das, was ich meine, nicht verstehen!
Donnerstag, 10. Januar 2008 13:54
landorganist: Welche Tradition?
Die die hier das Wort führen, haben doch mit guten Traditionen nichts im Sinn.
Mittwoch, 9. Januar 2008 19:57
Tridentinus: Vernünftige Tradis
wünschen sich nicht irgendwelche Zeiten zurück, sondern sind ehrlich überzeugt, dass die Tradition d i e Zukunftsperspektive der Kirche ist. Technischer Fortschritt -wozu neben Heizungen ja auch das Internet gehört – hat damit an sich gar nichts zu tun!
Mittwoch, 9. Januar 2008 19:12
landorganist: Worüber regen sich die Tradis auf?
In den Zeiten, die die Tradis sich so sehnsüchtig zurückwünschen, gab es in den Kirchen kaum Heizungen. Da war es genau so kalt wie draußen. Also bitte, der Marktplatz ist doch grandios! Ich kann nur das sagen, was ich auch immer beim Verlassen der Sakristei sage: Gute Andacht!
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