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Donnerstag, 10. Februar 2005 15:10
Ärger mit der Exhumierung
Kirchliche Pläne, den 2003 verstorbenen kenianischen Kardinal Maurice Otunga seligzusprechen, stoßen auf ein Hindernis: Sektenmitglieder seines Stammes wollen die Exhumierung des Leichnams des Kardinals verhindern.
(kreuz.net, Nairobi) Die Seligsprechung ist häufig mit einer Umbettung der Leiche des verstorbenen Dieners Gottes verbunden, um den Gläubigen den Kult zu erleichtern. Dazu wird der Leichnam oft in einer Kirche begraben.

Doch Vertreter einer christlichen Sekte, die zum Bukusu-Stamm gehören, aus dem auch der Kardinal hervorging, erklärten ihre strikte Opposition gegen das Vorhaben. Das berichtete die kenianische Presse.

Die Sekte ist unter dem Namen „Dini ya Musambua“ bekannt. Sie wurde im letzten Jahrhundert gegründet und machte in den 40er bis 60er Jahren wegen ihrer Zusammenstöße mit der Polizei Schlagzeilen. Der Gründer des Kultes behauptete von sich, mehrmals mit Gott gesprochen zu haben. Dabei habe ihm Gott versichert, daß er als einziger Mensch bis zum Ende der Welt übrigbleiben werde. Der Gründer starb 1987.

Die Sektenmitglieder aus dem Bukusu-Stamm kündigten an, alles zu unternehmen, um die Exhumierung des Leichnams des Kardinals zu verhindern, weil die Gefahr bestünde, daß die Öffnung des Grabes einen Fluch über den Stamm bringen würde.

„Wir werden es nicht zulassen, daß diese Handlung vollzogen wird. Otunga ist unser Sohn. Nachdem er begraben wurde, sollte sein Frieden nicht mehr gestört werden“, sagte ein Sektenmitglied. Es sei unerhört, daß Lokalpolitiker und der Parlamentsabgeordnete nichts unternähmen, um zu verhindern, daß die Stammkultur von „Auswärtigen geschändet würde“.

„Es ist in unserer Gemeinschaft ein Tabu, einen Leichnam zu exhumieren, besonders nachdem er schon vor so langer Zeit begraben worden ist. Diejenigen, die eine solche Handlung verlangen, müssen verstehen, daß wir dagegen Widerstand leisten, weil das unsere Vorfahren erzürnen würde.“

Zuvor hatte der Erzbischof von Nairobi, Ndingi Mwana a’Nzeki, angekündigt, daß der Leichnam von Kardinal Otunga im Rahmen seines Seligsprechungsprozesses umgebettet werden sollte.

Es bestehen Pläne, den Leichnam des Kardinals vom Sankt Austin Friedhof in die Auferstehungsgärten in Karen bei Nairobi zu übertragen.

Kardinal Otunga starb am 6. September 2003 im Alter von 80 Jahren. Die Katholiken der Gegend, wo der Kardinal begraben liegt, unterstützen die Umbettung seines Leichnams, weil sie im Rahmen der Kanonisierung des Kirchenfürsten geschieht.

„Wir sollten wichtige und jahrtausendalte Praktiken der Kirche nicht verhindern, nur weil wir unsere Kultur bewahren wollen“, meinte Agatha Wanyonyi, eine Gläubige der Sinoko Pfarrei in der Diözese von Chebukaka. Andere Katholiken unterstützen die Exhumierung ebenfalls. Sie sei „biblisch“ und „einleuchtend“.
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