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Samstag, 12. Januar 2008 13:18
Sitzt er im falschen Film?
Liturgiker und liturgische Institute dienen offenbar vor allem dazu, die gegenwärtigen Probleme im Bereich des kirchlichen Glaubensvollzugs zu leugnen statt zu lösen. Ein Kommentar.
Taufe in einer belgischen Pfarrei
Taufe in einer belgischen Pfarrei
(kreuz.net, Erfurt) Am 17. Dezember feierte das ‘Deutsche Liturgische Institut’ sein 60jähriges Bestehen. Angesichts des bisher Erreichten und des gegenwärtigen Zustandes der Liturgie gibt es nicht viel zum Feiern.

Doch der Erfurter Liturgiker Benedikt Kranemann (48) – Vorsitzende der ‘Arbeitsgemeinschaft katholischer Liturgiewissenschaftler’ – läßt sich von der harten Wirklichkeit nicht beirren:

„Das Liturgische Institut kann nicht nur auf eine glanzvolle Geschichte zurückblicken. Es hat angesichts einer veränderten Situation von Religion und Kirche in der Gesellschaft auch ein breites Aufgabenfeld in der Zukunft vor sich“ – jubelt er vor sich hin.

Das Zitat entstammt einem Artikel, der am 14. Dezember auf der Webseite des Bistums Erfurt publiziert wurde.

Kranemann glaubt, daß das ‘Liturgische Institut’ neue Feierformen der Kirche „aufmerksam“ beobachtet und in wissenschaftlichen und seelsorglichen Publikationen darüber berichtet und diskutiert.

Als Beispiele erwähnt er das Erfurter Weihnachtslob oder die Lebenswendefeier für konfessionslose Jugendliche: „In Trier wurde nicht nur nach-, sondern auch vorgedacht.“

Auf vielen Themenfeldern sei das Institut „seiner Zeit voraus gewesen“ – fährt Kranemann im Jubelton weiter und gipfelt in der Aussage:

Allen Unkenrufen zum Trotz bewege sich die katholische Liturgie in Deutschland „auf einem hohen Niveau“.

Das Heer der streitenden Kirche
Das Heer der streitenden Kirche
An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob Kranemann ein praktizierender Katholik ist oder ob er die Wirklichkeit nur aus beschönigenden Berichten welt- und kirchenfremder Stubengelehrter kennt.

Aussagen wie die folgende lassen das zweite vermuten:

„Auch wenn sich das Gottesdienstverhalten geändert hat, spielt die Liturgie im Leben der Gläubigen eine zentrale Rolle und wird auch in der Gesellschaft als spirituell bedeutsam wahrgenommen“ – so der jubelumnachtete Kranemann:

„Ohne das ‘Deutsche Liturgische Institut’ sähe die Katholische Kirche in Deutschland anders aus und besäße die Liturgie in der Praxis nicht den hohen Stellenwert, den sie heute hat.“

Wenigstens bezüglich des ersten Teiles seiner Aussage kann man Kranemann zustimmen.

Kranemann bejubelt auch die „Forschungsbibliothek“ des Trierer Instituts.

Die Katholische Kirche verfüge in Trier über eine einzigartige Einrichtung für Forschungen zu Themen wie Kirchenbau, kirchliche Kunst, Geschichte und Gegenwart von Gottesdienst und Frömmigkeit.

Daß dieser Bibliothek schon bald eine neue Sektion hinzuzufügen ist, erwähnt Kranemann nicht. Sie wird Themen behandeln wie: Kirchenabriß, das Ende der kirchlichen Kunst, Geschichte und keine Gegenwart von Gottesdienst und „Frömmigkeit“.

Um die Zukunft des Instituts macht sich der arglose Kranemann trotzdem „keine Sorgen“:

„Die katholische Kirche, die ihre Traditionen gerade in Liturgie und Spiritualität pflegt, wird ein solches Institut auf hohem Niveau ins nächste Jahrzehnt führen.“

Das Institut wird auch dann noch im Dienst der Liturgie – oder was von ihr übriggeblieben ist – stehen.

© Bilder: cathcon.blogspot.com
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 85 Lesermeinungen:
Montag, 14. Januar 2008 18:18
Jörg Guttenberger, Köln: Aleph, Steini 1974: liturgisches Institut in Trier
Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. Erfreulich, daß die Arbeit des Institutes sachlich begründet verteidigt wird.

Wie sehr Provisorien zur Tradition werden zeigt die weitestgehend fehlende Benutzung der laut Freinsberg vorhandenen Vertonung des deutschen Messpropriums. Selbst das deutsche Ordinarium hört man selten von einem Kirchenchor. Eine rühmliche Ausnahme ist der Chor von St. Columba in Köln.

Ich war selber vor gut 20 Jahren Mitglied des Liturgiekreises unserer Pfarre. Das liturgische Wissen war, vorsichtig formuliert, unterdurchschnittlich. Mein Vorschlag einer Teilnahme an einer Wochenendtagung der Freunde des Abt-Herwegen-Institutes wurde mit dem Hinweis „keine Zeit“ abgelehnt. Wie ein Mitglied des Kreises ausdrücklich zugegeben hat, ging es bei der gestalteteten Liturgie hauptsächlich um Selbstdarstellung. Mangels Annahme der Ergebnisse seiner Arbeit in der Pfarre hat sich der Kreis nach wenigen Jahren selbst aufgelöst.

Das einzige Positive vom Liturgiekreis verursachte ist die bis heute gesungene donnerstagabendliche deutsche Choralvesper (nach dem GL) und das seit 1981. Nur das Canticum wird zumindest gelegentlich geschlabbert.
Montag, 14. Januar 2008 01:43
thaumaturgos: @henggi
und ich kenne bk seit studuientagen …
ein vortrag gehört, und schon so ein urteil
cool,

da kann mann nur hoffen, dass ich meine meinung zum treffen mit dem im moment obersten pius-sektieiere nicht wie sie als dogma verkünden …

tradis entrwickeln sich immer mehr zu idioten, sie haben werde links noch rechts … schade
Sonntag, 13. Januar 2008 21:58
Heggi: Gotthard
Nennen Sie doch mal die „hiesige Gemeinde“!
Sonntag, 13. Januar 2008 21:11
Romulus: @Heggi – Traurig, aber wahr
Tatsächlich, er ist ein Meister im Ausblenden der Wirklichkeit. Er sieht nur seine Wirklichkeit

Solchen Leuten verdanken wir, dass die Theologie mittlerweile als Orchideenfach an fast allen deutschen Universitäten vor sich hindümpelt. Dann wundern sich diese Herrschaften noch, wenn theolog. Fakultäten dicht gemacht werden. Dann haben natürlich alle anderen Schuld, nur nicht sie selbst.
Sonntag, 13. Januar 2008 20:36
Heggi: Kranemann
Ich habe Kranemann vor zwei Jahren auf einer Liturgischen Tagung im Franz-Hitze-Haus in Münster näher kennengelernt. Tatsächlich, er ist ein Meister im Ausblenden der Wirklichkeit. Er sieht nur seine Wirklichkeit und so, wie sie in der Liturgie sein soll oder er sie haben will. Alles andere kümmert ihn wenig oder er polemisiert die wirkliche Wirklichkeit weg.
Sonntag, 13. Januar 2008 16:32
crossword: k.h friedgen
von einem menschen wird erwartet, dass er informiert, fakten überprüft und zumindest wahrscheinliches von unwahrscheinlichem zu trennen. schon als kind lernt man (oder sollte lernen) nicht leichtgläubig zu sein. wir schütteln oft den kopf, wenn leichtgläubige zu schaden kommen usw.
seltsam, wenn man die aussagen und erklärungen der großen religionen mit all ihren widersprüchlichkeiten und abstrusen „wundern“ hinterfragt und zweifel äußert, ist auf einmal feuer am dach. nicht, dass irgendeiner sachdienliches beitragen würde, nein, da kommen nur beschimpfungen und aggression… das untrüglichste zeichen des fanatismus. sie armes schwein! (um bei ihrer terminologie aus dem tierreich zu bleiben)
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