Ganztagsschulen: Wenn die Schule die Familie ersetzt
Die Österreicher brüten derzeit über ihrem Bildungssystem. Die Schulreformdiskussion hat sich an den Ganztagsschulen festgebissen. Doch besorgte Eltern warnen: Die Erziehung der Kinder ist Sache der Eltern, nicht des Staates.
(kreuz.net, Wien) In Österreich streiten sich die Parteien über eine Schulreform. Dabei geht es vor
allem um die Einführung von Ganztagsschulen. Sie werden besonders von den Sozialisten gefordert. Ganztagesschulen
sollen das Bildungsniveau der österreichischen Schüler heben und erwerbstätigen Eltern die mühsame
Kinderbetreuung abnehmen, so die SPÖ.
Die Sozialisten drängen schon seit Jahrzehnten auf staatliche
Ganztagsschulen für Kinder von 6 bis 14 Jahren. Das schlechte Abschneiden der österreichischen Schüler
bei der PISA-Studie hat die Diskussion erneut angeheizt. Die PISA-Studie vergleicht die Unterrichtsleistung
von Schülern auf internationaler Ebene. Als Argument für die Ganztagsschulen wird Finnland angeführt.
Das Land im Hohen Norden besitzt viele Ganztagsschulen und war zugleich der PISA-Testsieger.
Unterstützt
wird der Wunsch der SPÖ natürlich von den „Grünen“, seit Januar auch von der rechtsliberalen FPÖ.
Die christdemokratische ÖVP steht nicht geschlossen gegen den Vorschlag. Die ÖVP Steiermark ist zum
Beispiel dafür.
Ein Blick in die Bevölkerung zeigt, daß rund die Hälfte der Österreicher eine derartige
Reform des Bildungssystems befürwortet. Nach einer Umfrage bejahten 56 Prozent von 500 befragten Österreichern
eine Ganztagsschule für Kinder bis 14 Jahren.
Einspruch erhebt der niederösterreichische Rechtsanwalt
Dr. Alfons Adam von der Bewegung für Menschrecht auf Leben „Pro Vita“. Die Ganztagsschule sei ein Schritt
in die Richtung eines totalitären Zugriffs des staatlichen Schulsystems auf die Kinder. Sie sei Ausdruck
der marxistischen Gleichmacherei und Staatserziehung.
„Christliche Eltern sind mit Recht besorgt“, erklärte
Adam. Die marxistische Ideologie habe unter den Lehrern immer noch viele Anhänger. Wenn die Kinder von
8.00 Uhr morgens bis 17.00 Uhr abends dem Einfluß solcher Lehrer ausgesetzt seien, habe das einen negativen
Einfluß auf das Familienleben. Den Eltern werde damit die Erziehung ihrer Kinder aus der Hand genommen.
Auch die Plattform „Kindeswohl und Elternrechte“ äußert sich kritisch. In der Diskussion müsse es
um das Wohl des Kindes, nicht um die Bequemlichkeit der Eltern gehen. Das Kind habe ein Recht auf seine
Kindheit. Davon seien die Eltern ein wesentlicher Bestandteil. Im Leben des Kindes solle es außer der
Schule noch andere Dinge geben. Darum müsse sich der zeitliche Rahmen des schulischen Unterrichtes am
Kindeswohl orientieren.
Die Plattform will die elterliche Erziehungsverantwortung fördern. Die Voraussetzungen
für jede Bildung würden in der Familie geschaffen. Für Eltern müsse eine Wahlfreiheit zwischen Familienarbeit
und Erwerbsarbeit geschaffen werden.
Die familiäre und die schulische Nachmittagsbetreuung seien finanziell
gleichzustellen. Es sei auch notwendig, daß zukünftig ein leistungsorientiertes und differenziertes
Angebot an Schulformen vorhanden sei.
Die Plattform verweist auf den fünften Absatz der Präambel zur
UN-Kinderrechtskonvention. Dort heißt es „daß der Familie als Grundeinheit der Gesellschaft und natürlicher
Umgebung für das Wachstum und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder, der erforderliche
Schutz und Beistand gewährt werden sollte, damit sie ihrer Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft voll erfüllen
kann“.
Unterzeichnet wurde der Appell der Plattform vom „Österreichischen Akademikerbund der Landesgruppe
Wien“, von der „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände“ (AKV), dem „Familienmanifest“, dem „Institut
für medizinische Anthropologie und Bioethik“ (IMABE), dem „Institut für Ehe und Familie“ (IEF) sowie
22 weiteren Organisationen und Privatpersonen.
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4 Lesermeinungen
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Selbstverwirklichung Ich finde das super, wie unsere Zeit häßliche Dinge mit schönen Floskeln zudeckt.
Da müssen in „Working Poor“ Familien, denen das geringe Einkommen des Mannes nicht mehr zum Überleben
reicht, die Frauen heutzutage auch arbeiten. Heißen tut die unterbezahlte Plackerei an Supermarktkassen
und Fließbändern dann „Selbstverwirklichung“. Eh klar, in einem McJob kann man ganz moderne Frau sein
und sich verwirklichen. Viel schöner, als zuhause bei den lästigen Kindern zu sitzen. Aber die greift
sich heute eh der Staat, damit Frau zur Ausbeutungskarriere ja nicht zu spät kommt.
wo bleibt familiäres Verwahrtsein? Natürlich wollen Sozialisten aller Länder Kinder staatlich – sozialistisch
erziehen – daher Ganztagsschule. Eine Mutter sollte, wenn es irgend geht, solange Kinder da sind, nur
außer Haus arbeiten, wenn es wie in diesem Fall, absolut notwendig ist. Keinesfalls aus Freude am Berufsleben
oder um genügendem Einkommen mehr draufzusetzen, oder der „Selbstverwirklichung“ wegen. Mutter sein ist
genügend Selbstverwirklichung. Kinder auf ein würdiges Leben vorzubereiten, ist eine heilige Aufgabe.
Das Kind braucht die Mutter in den ersten 6 Jahren voll und ganz zu seiner Selbstverwirklichung. Staatliche
Erziehung durch Fremde und wenn auch mit noch so vielen Diplomen, ersetzt das nicht. Zur gesunden sozialen
Entwicklung. Ist ein Kind diese Verwahrung los, gerät es leicht in gefühlsmäßige Verwahrlosung weil
ihm Geborgenheit in Liebe fehlt! Mangelnde Liebeszuwendung, lässt den wichtigsten Stamm menschlicher
Gefühle und Beisammenseins, die Liebe, verkümmern und macht später liebesunfähig. Genau das ist der
Punkt heutiger seelischer Verwahrlosung: Das Wort sagt alles; dem Kind fehlt Verwahrung, fehlt liebende
Bewahrung, das Kind fühlt sich zu Recht nicht verwahrt. Verwahrlosung vieler Kinder ist die fehlende
Mutter, die zur emanzipierten Selbstverwirklichung das Kind in Kinderkrippe, Kindergarten, Hort und Schule
von Fremden erziehen lässt. Eine typische Forderung der Sozialisten aller Schattierungen, die alles Mitmenschliche
institutionalisiert sehen möchten. Von der Gemeinschaft getragen und bezahlt, als ob Liebe und Zuwendung
bezahlbar wäre. Kindererziehung vor dem 6. Lebensjahr bedingt das Einssein mit der liebenden Person Mutter
oder Vater – im Idealfall Beider. Ab dem 6. Lebensjahr sind alle Grundlagen des mitmenschlichen, sozialen,
ethischen Gefühlslebens des jungen Menschen gelegt und es beginnt jene Öffnung nach Außen mit Aufnahme
dafür nötigen Allgemeinwissens, die nur sozial funktionieren kann, wenn die genannten Grundlagen dafür,
vor dem 6. Lebensjahr geschaffen wurden. Die Eltern des Kindes müssen nicht den ganzen Tag das Kind „betüdeln“
wie es im Norddeutschen heißt – nein, sie müssen erreichbar sein. Da sein. Zuhören können, das Kind
ernst nehmen als Persönlichkeit. Jedes Kind hat Anrecht auf Geheimnisse, muss aber auch in der Lage sein,
seinen Eltern unschöne Dinge oder Fehler die es beging sagen zu können, ohne dass es zu einen Knacks
zwischen Eltern und Kind kommt. Kurz – das Kind muss hinwendungsvolle Liebe spüren.
Finde ich … … wieder einmal bezeichnend, daß Schwarz-Blau mit der Ganztagsschule wieder ein SPÖ-Konzept
umsetzt. Genauso wie Platter, der jetzt radikal „Bundesheer light“ macht, was der Cap schon vor einem
Jahrzehnt forderte. Langsam verstehe ich die „Kommunikationsprobleme“ der Gusenbauer-SP. So eine Regierung
ist wahrlich schwer links zu überholen.