kreuzfalsch: Danke, große Vorsitzende!
In Wien wollen die regierenden Sozialisten eine polizeilich durchgesetzte Bannmeile um die Kinderschlachthöfe legen. Damit solle sichergestellt werden, daß Mütter ihre Kinder in Ruhe und Würde zur Abtreibung bringen können. Für diese Maßnahme bedankte sich der Erzbischof von Wien bei der Wiener Frauenstadträtin Sonja Wehsely in seiner Aschermittwochspredigt.
(kreuz.net, Wien) „Danke, große Vorsitzende“, sagte der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn,
in seiner Aschermittwochsansprache im Stephansdom: „Danke, daß sie das Heft in die Hand genommen haben.“Es habe in der Frage der „Belagerung der städtischen Abtreibungskliniken“ durch militante Abtreibungsgegner ein dringender Handlungsbedarf geherrscht – so der Kardinal:
Auch ihm und allen gemäßigten kirchlichen Kräften sei der Aktionismus der sogenannten Lebensschützer schon lange ein Dorn im Auge gewesen.
Er könne keine Initiativen unterstützen, bei denen offensichtlich sei, daß die christliche Nächstenliebe fehle. Mutig und ohne falsche Rücksichten habe er darum diesen unerträglichen Zustand verschiedentlich angeprangert, erklärte Kardinal Schönborn in seiner Predigt.
Blinder Fanatismus in einer so delikaten Frage wie der Abtreibung sei nicht zielführend. Unter diesen Umständen habe die Staatsmacht eine Pflicht einzuschreiten.
Das Wohl der Schwächsten – das heißt, der bedrängten Mütter, die ihre Kinder zur Abtreibung trügen – müsse garantiert und der soziale Frieden wieder hergestellt werden.
Schließlich sei der irdische Friede „Abbild und Frucht des Friedens Christi“, welcher der messianische Friedensfürst ist, meinte Kardinal Schönborn mit Anspielung auf den Katechismus der Katholischen Kirche, an dem er als Sekretär führend mitgearbeitet hat.
Der Friede sei jetzt von der Frauenstadträtin, Frau Sonja Wehsely, wiederhergestellt worden. Dafür sei er dankbar.
Jeder Christ sei der Staatsmacht Gehorsam schuldig, da es keine staatliche Gewalt gebe, die nicht von Gott stammt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetze, stelle sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich Gott entgegenstelle, werde dem Gericht verfallen sein, verkündigte der Kardinal mit Bezugnahme auf das 13. Kapitel des Römerbriefes.
Darum verspüre er als Oberhirte von Wien die Pflicht, die gottgewollte Verfügung von Frau Wehsely zu verteidigen und zu schützen. Dieser Entscheid verdiene Respekt und Hochachtung.
Mit Verurteilungen komme man in der Abtreibungsfrage nicht weiter.
Dagegen sei es höchste Zeit gewesen, den fanatischen Lebensschutzaktivisten eine längst notwendige und wohlverdiente Lektion zu erteilen.
Es sei unerträglich, wie sie durch ihre seit Jahren andauernden täglichen Beratungs- und Belagerungsaktionen vor den „Frauengesundheitszentren“ wertvollste Zeit vergeudeten, die doch für den so dringend benötigten Dialog eingesetzt werden müßte.
Auf diese Weise komme eine „Koalition der Besonnenen“ niemals zustande. Bisher habe er versucht, die peinlichen Aktivitäten dieser militanten Aktivisten öffentlich totzuschweigen und zu ignorieren.
Doch jetzt sei die Zeit für ein unerschrockenes Wort gekommen.
Es sei sinnlos, sich in irgendwelche polemischen Aktionen zu stürzen, solange man sich nicht auf die „ungemein breiten Hintergründe der Abtreibungsproblematik“ besonnen habe, predigte der Kardinal weiter.
Zuerst seien die theoretischen Grundlagen der Abtreibung zu erarbeiten. Das müsse in Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften geschehen, um einen möglichst breiten Konsens zu erreichen. Die dialogunfähigen Abtreibungsaktionisten seien von diesem gesellschaftlichen Entscheidungsfindungsprozeß natürlich ausgeschlossen.
Ein solcher neuer „Dialog für Österreich“ könne freilich noch Jahre dauern. In der Kirche sei man es sogar gewohnt, in Jahrhunderten zu denken.
Es werde immer deutlicher – erklärte der Kardinal – daß das wahre Opfer der Abtreibung nicht die Frau sei, sondern der „Runde Tisch“.
Durch das von den Lebensaktivisten heraufbeschworene Klima der Konfrontation habe die Gesprächsbereitschaft in Österreich außerordentlich gelitten. Aber wenn man in diesem Leben irgend etwas erreichen wolle, so können das nicht durch Taten, sondern alleine durch Worte geschehen.
Das habe er persönlich in seinem Leben als Priester, Prediger, Professor und Prälat immer wieder erfahren.
Auch das Johannesevangelium betone gleich zu Beginn, daß „am Anfang das Wort war“. Es sei eine „gräßliche neomarxistische Häresie“, die Praxis vor die Theorie zu stellen.
In Wirklichkeit sei es genau umgekehrt: Man müsse denken, bevor man handle. In diesem Denkprozeß müsse auch der gemeinschaftliche Charakter der menschlichen Existenz zum Ausdruck kommen. „Denken in Gemeinschaft“ sei geradezu die Definition des Begriffes „Dialog“.
Die wahre Marxistin sei somit nicht die segensreich wirkende sozialistische Wiener Frauenstadträtin Genosse Sonja Wehsely, sondern die Neoklassenkämpfer und Barrikadenbauer der militanten Anti-Abtreibungs-Aktionisten-Armee.
Das sei der falsche Weg, den er nicht laut genug verurteilen könne. Damit wolle er auch die polemischen Unkenrufer Lügen strafen, die „grundlos behaupten, daß sich die Bischöfe bei heißen Themen in Schweigen hüllen oder ihre Köpfe in den Sand stecken.“
Zur sozialistischen Wiener Frauenstadträtin, Frau Sonja Wehsely, gewandt – die allerdings nicht persönlich im Gotteshaus anwesend war – meinte Kardinal Schönborn dialogbereit: „Sie könne sich auf die Kirche verlassen. Amen.“
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Sonntag, 17. September 2006 23:28
Jörg Guttenberger, Köln: Kardinal Schönborn: Abtreibung
Die Predigt erinnert mich lebhaft an „Kirche im Sozialismus“ mit den zum Teil peinlichen Anbiederungsversuchen.
Freitag, 11. Februar 2005 20:07
Midshipman Casey: Böse
Ui, das ist aber eine böse Satire. Gefällt mir so richtig.
Vielleicht sollte kreuz.net zusätzlich was drüber bringen, wie der Kardinal der Flutkatastrophe hintendrein geflogen ist und in Ländern, in denen es gerade mal 5% Katholiken gibt, „… einfach da sein und zuhören …“ praktiziert hat. Vom Zuhören habe ich nicht viel mitbekommen, ich hatte eher den Eindruck, daß er a-da-bei war und hauptsächlich zum ORF nachhausetelefoniert hat.
Was tun manche Leute nicht alles, um Karriere zu machen…
Vielleicht sollte kreuz.net zusätzlich was drüber bringen, wie der Kardinal der Flutkatastrophe hintendrein geflogen ist und in Ländern, in denen es gerade mal 5% Katholiken gibt, „… einfach da sein und zuhören …“ praktiziert hat. Vom Zuhören habe ich nicht viel mitbekommen, ich hatte eher den Eindruck, daß er a-da-bei war und hauptsächlich zum ORF nachhausetelefoniert hat.
Was tun manche Leute nicht alles, um Karriere zu machen…
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