Ein Jesuitenpater hat ein Modell vorgestellt, wie die Kirche und die Protestanten damit aufhören könnten, dem Christentum zu schaden.
Ökumene im Vatikan: Der Primas der anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, beim Papst.
(kreuz.net) „Protestanten und Katholiken schaden dem Christentum“. Das ist der Titel eines Beitrages,
den der Jesuitenpater Eckhard Bieger am 16. Januar auf der Webseite ‘kath.de’ veröffentlichte.
Katholiken
und Protestanten würden ihre dogmatischen „Meinungsverschiedenheiten“ immer noch nach dem Prinzip austragen,
wonach sie die Wahrheit einer Sache im Streit herauskristallisiert.
Dieses Prinzip widerspiegelt sich –
so der Jesuit -sogar im Namen der Konfessionen.
Die Protestanten würden gegen die Papstkirche „protestieren“.
Dagegen nenne sich die katholische Kirche „allumfassend“, was impliziere, daß es außerhalb von ihr
keine Wahrheit gebe.
Das traurige Fazit: „Fast nie hört man, daß der eine die Vorzüge des anderen
herausstellt.“
Aber mit dieser „Fixierung auf das Gegensätzliche“ diskreditiere die Religion seit Jahrhunderten
die Kernwerte des Christentums.
Zudem wisse „jeder“, daß „Jesus eine solche Form der Auseinandersetzung
unter seinen Anhängern auf keinen Fall“ gewollt habe – so Pater Bieger apodiktisch.
Der Kampf der Konfessionen
untereinander widerspreche auch dem Liebesgebot Jesu und seinem Auftrag, Frieden zu stiften.
Um sich
verständlich zu machen, benützt der Pater einen Vergleich mit Auto- oder Kosmetikfirmen.
Würden diese
eine solche Form der Auseinandersetzung benützen, so der Pater, dann würde das Produkt „Auto“ oder „Gesichtscreme“
in der Öffentlichkeit beschädigen:
„Wenn ein Gesichtscremeanbieter die Creme des anderen als schädlich
für die Haut anprangert, weckt er Skepsis gegenüber Gesichtscremes überhaupt.“
Wer die „Religiosität
der anderen Kirche“ diskreditiere, wecke Skepsis und Distanz gegenüber Religion überhaupt.
Der Jesuit
bietet auch ein Heilmittel gegen den von ihm aufgedeckten Mißstand an:
„Die katholische Kirche sollte
auf die Redeweise „richtig – falsch“ verzichten und statt dessen herausstellen, welche Werte sie in besonderer
Weise ermöglicht.“
Der „evangelische Kirche“ empfiehlt der Pater, sie solle aufhören, „die katholische
Kirche schlechtzumachen“.
Wie es Regeln für den fairen Wettbewerb gebe, sollten auch die Kirchen einen
Sprachkodex vereinbaren, ihre „Angebote“ so darzustellen, daß das Konkurrenzangebot nicht schlechtgemacht
werde.
Die Kirchen sollten dem Adressaten ihrer Werbung und Öffentlichkeitsarbeit ein sicheres Urteil
zugestehen, das nicht dadurch beeinflußt werde, daß der eine den anderen schlechtredet.
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29 Lesermeinungen
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@ Hintzen Mein Beitrag hatte nicht die Absicht, Sie „abzubügeln“. Vielmehr wollte ich auf einige Aspekte
der derzeitigen Diskussion um die Ökumene aufmerksam machen.
#28 Florianklaus 09:16:33 | Freitag, 1. Februar 2008
@hintzen ich kann den Konzilsdokumenten nicht entnehmen, daß die katholische Kirche ohne Einheit mit
den Protestanten defizitär sein soll und kann auch keinen Ausschluß der sog. „Rückkehrökumene entdecken.
Lumen gentium bekräftigt dagegen ganz klar die Notwendigkeit der Einheit mit dem Nachfolger Petri und
dessen Unfehlbarkeit. An dem klaren Wortlaut der Konzilstexte kann auch ein vermeintlicher „Geist des
Konzils“ nichts ändern.
@Hintzen: Sie erklären nicht die katholische Lehre, sondern einen Irrtum Was Sie erklären, ist nicht
die Lehre der Kirche. Die Kirche Christi ist die römisch-katholische Kirche. Es gibt kein Heil außerhalb
der Kirche. Sie leugnen das unfehlbare Dogma des Konzils v. Florenz über die alleinseligmachende Kirche,
wie alle „V2“-Irrlehrer, die das II. Vaticanum häretisch deuten.
#26 kath.Sachs † 23:53:59 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Benedikt und „defizitär“ Ich weiß nicht, warum jeder, der sich für eine freundliche Sprache in der
Ökumene einsetzt, sofort abgebügelt werden muß. Das Vat.II hat nicht(!) gesagt, daß die katholische
Kirche im vollen Besitz der Wahrheit ist und alle anderen religiösen Gemeinschaften „defizitär“ sind.
Es hat vielmehr gesagt, daß in der katholischen Kirche die Kirche Jesu Christ „verwirklicht“ ist (subsistit)
und sie wie alle anderen religiösen Gemeinschaften auf die Einheit hindrängen. Das diese möglich ist,
zeigt die Aussage, daß auch außerhalb der katholischen Kirche verschiedene Wahrheiten des Heils zu finden
sind. Daß das Ziel „Einheit“ nie aufgegeben werden darf (auch nicht von der katholischen Kirche), hat
Jesus selbst geboten: „Laß alle eins sein.“ Genau das ist gemeint, wenn eine „Rückkehrökumene“ ausgeschlossen
wird: Solange diese Einheit nicht erfolgt ist, ist jede Kirche (katholisch, orthodox) und jede religiöse
Gemeinschaft „defizitär“. Ihr fehlt eben das, was die Kirche in ihrem Wesen ausmacht: Einheit. Wir müssen
uns an den Gedanken gewöhnen, daß diese Einheit möglicherweise erst am Ende der Zeit vollendet sein
wird. 2)Davon unberührt bleibt aber auch, daß jeder Mensch das Heil auf dem Weg findet, auf dem Gott
es für ihn bestimmt hat. Das heißt: auch außerhalb der Kirche kann Heil gefunden werden.
Defizitär Als Christ, der sich fast mehr fünfzig Jahre zum Protestantismus gezählt hat, und im würdigen
Alter von 53 Jahren zum Katholizismus konvertierte sage ich: Der Protestantismus ist defizitär, weil
er defizitär sein will. Dies gilt für die Abendsmahllehre, die Ekklesiologie, die Liturgie, die Rechtfertigungslehre,
mittlerweile sogar für die Mariologie. Die Defizite sind im Laufe der Jahrhunderte auch nicht etwa geringer,
sondern größer geworden. Was ist eigentlich daran unfair, unanständig oder ungeschickt, diese Defizite
zu benennen. Ich verstehe überhaupt nicht, was meine Ex-Mit-Protestanten daran stört (die verständigeren
stört es auch gar nicht) nicht katholische Kirche zu sein. Das ganze ist eine alberne Diskussion, die
nur die „liberalen“ Katholiken führen, die realitätsferne Vorstellungen von einer irgendwie von oben
kirchenamtlich verordneten Einheitskirche haben. Der weit überwiegenden Mehrheit nicht nur der Katholiken,
sondern auch der Protestanten geht diese Debatte am Bürzel vorbei.
#24 Benedikt 18:09:45 | Donnerstag, 31. Januar 2008
@ Hintzen Und da ist es tatsächlich eine denkbar schlechte Strategie, so wie der Papst die Mitchristen
der anderen Gemeinschaften einfach als defizitär herabzuwürdigen und die eigene Gemeinschaft in Vollbesitz
aller Wahrheiten zu behaupten. So hat sich auch nicht das Vat. II geäußert. Diese Definition entspricht
dem Selbstverständnis der Reformation, wonach es keine sichtbare Kirche gibt, sondern nur „Kirchtümer“,
als die verschiedenen Ausprägungen (Konfessionen). Zuletzt wiederholte die EKD-Synode im letzten Jahr,
dass Katholiken und Protestanten nicht dasselbe Kirchenverständnis haben. Nichts anderes ist die Aussage,
dass die Gemeinschaften der Reformation nicht Kirche im eigentliche Sinne seien, denn logischerweise kann
die kath. Kirche hier nur von ihrer eigenen Definition ausgehen. Die Unehrlichkeit ist ganz auf Seiten
der Protestanten, die sich in der Öffentlichkeit über dieses Dokument mokieren um die Kath. Kirche unter
Druck zu setzen und anschließend in theologischen Dokumenten genau das gleiche behauptet. Zudem forderte
Huber noch fortwährend eine Ökumene der Profile. Das verstehe wirklich, wer will. So hat sich auch nicht
das Vat. II geäußert. Das II. Vatikanum hat an keiner Stelle erklärt, dass den Gemeinschaften der Reformation
der Titel Kirche zukäme. doch ein eigenes „Profil“ zu haben und den anderen herabzuwürdigen. Man wird
ja noch das Recht auf ein Selbstverständnis haben. Das nehmen die Protestanten ja auch für sich in Anspruch.
#23 kath.Sachs † 17:39:29 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Falsche Überschrift Pater Bieger hat nicht darüber geschrieben, was richtig oder falsch oder was das
eine oder das andere ist. Er hat darüber geschrieben, wie sich die Christen über ihre jeweilige andere
Gemeinschaft äußern. Und da ist es tatsächlich eine denkbar schlechte Strategie, so wie der Papst die
Mitchristen der anderen Gemeinschaften einfach als defizitär herabzuwürdigen und die eigene Gemeinschaft
in Vollbesitz aller Wahrheiten zu behaupten. So hat sich auch nicht das Vat. II geäußert. Es ist vielmehr
von einem Prozeß ausgegangen, in dem alle Christen (und Nichtchristen „guten Willens“) von Gott zur Einheit
gedrängt werden. Deshalb ist es die größte Sünde der Kirche, wenn sie den Auftrag Jesu, „daß alle
eins seien“, einfach beiseite schiebt und sich lustvoll darin „badet“, doch ein eigenes „Profil“ zu haben
und den anderen herabzuwürdigen.
#22 Benedikt 17:17:48 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Vergleich Um sich verständlich zu machen, benützt der Pater einen Vergleich mit Auto- oder Kosmetikfirmen.
Richtig. Die Konzerne dieser Branchen sind ja dafür bekannt, permanent die Vorzüge der Konkurrenten
zu loben. Au Backe.
@ Aleph Oh, von behindern, oder gar verhindern habe ich auch nicht gesprochen. Aber ich kann auch nicht
erkennen, dass er zusätzliche Briketts draufpackt, um die Sache unter Dampf zu setzen. Seine Worte zur
Woche der Einheit der Christen waren warm aber unverbindlich. Ich würde sie als Einladung an die Protestanten
zur Einsicht und Umkehr verstehen. Ausserdem halte ich die Erfolgsaussichten für eine Einheit mit den
Ostkirchen für erheblich grösser. Man ist sich einfach näher. Und solange Protestanten ihr Protestantisch-Sein
vor allem darüber definieren, dass sie Nicht-Katholisch sind, wird der Dialog einfach schwierig bleiben.
Man sollte niemanden zu seinem Glück zwingen.
#20 Aleph † 16:46:31 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Bruder Theophil Das wird nicht so leicht sein, aber anpacken wird es der Papst wohl oder übel auch müssen.
Protestanten sind ja schließlich auch Christen. Er wird vom göttlichen Richter auch gefragt werden,
was er denn so für die Ökumene unternommen oder ob er sie massiv behindert habe. Schließlich war die
katholische Kirche mit ihrer Uneinsichtigkeit die eigentliche Ursache, die letztlich zur Reformation und
zur Kirchenspaltung geführt hat. Das sollten sich auch Katholiken, auch der Papst immer vor Augen halten.
@ Aleph Meinen Beobachtungen nach ist unser Heiliger Vater viel mehr an einer Annäherung mit den Ostkirchen
interessiert. Nicht aber mit den Protestanten. Mit wem will er denn auch dort über eine Annäherung reden ?
Methodisten, Lutheraner, Mennoniten, Pfingstler, Baptisten, Calvinisten…etc…etc… Lächerlich.
#18 Aleph † 16:27:23 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Bruder Theophil Und fast haben Sie von dem Festhalten letztlich. An eine Sache, die doch längst abgelaufen
ist. Die Zukunft der Kirchen wird ökumenisch oder die Kirchen werden nicht mehr sein. So und ähnlich
hat es auch der derzeitige Papst zu verstehen gegeben und betont, dass es in der Ökumene keinen Schritt
zurück geben dürfe. Demnach kann es nur einen Schritt nach vorn aufeinander zu geben.
@ Aleph Über das Sein oder Nichtsein von Kirche hat Herr Dr. Luther in seinem schismatischen Akt entschieden.
Nicht ich. Das möchte ich mal festhalten.
In welcher Zeit lebt denn dieser Pater? Sicher kommt es im Umgang zwischen Katholiken und Protestanten
gelegentlich vor, daß man einen falschen Ton anschlägt oder sich bei der Wortwahl mal vergreift. Doch
ist das kaum der Rede wert, andernfalls hätte es ja dem Pater ein leichtes sein müssen, das zu tun,
wozu er nicht imstande war: nämlich eine lange Liste mit Zitaten des häßlichen Umgangs miteinander
zu präsentieren. Der gute Mann hat wohl in letzter Zeit zu viel gelesen über die Art der Auseinandersetzung
zwischen den Konfessionen in der Reformationszeit und dabei Realität von heute aus dem Auge verloren,
die er besser thematisieren hätte sollen: Also für den Pater, dem sie offenbar entgangen ist: Bezeichnend
für die heutige Situation ist: Sowohl Thelogen und Kleriker als auch Laien und Gläubige sind schon seit
geraumer Zeit dabei, alle Unterschiede zwischen den Konfessionen herunterzuspielen, zu verwischen, zu
verharmlosen, zu relativieren, einzunebeln, sogar für Gotteshäuser der anderen Konfession Geld zu spenden
usw.,daß fast jeder Christ sich schon sagt: „Ich bleib bei der Konfession, in die ich hineingeboren wurde,
warum sollte ich sie unbedeutender Unterschiede wegen wechseln.“ Die Wahrheitsfrage ist heute nicht mehr
in, wer stellt sie sich denn noch in einer Zeit, da man sich gegenseitig anbiedert?
Leider hat sich unser kleiner filius absentiert, weshalb ich jetzt mal das Florentiner Dogmenkonzil erwähnen
muß, und die Florentiner Plätzchen und natürlich die Florentiner Hüte. Vor allem, die alten Hüte,
haben es ja manchem magisch angetan, ja, und die Magie, das ist ja so etwas richtig Schönes, weil, da
hat man das Hailige ja in der Hand. Wie alt muß ich eigentlich noch werden, bis kreuz.net aufhört, die
ältesten Hüte als dernier cri zu präsentieren. Der Irenismus der Humanisten ist an Kontroverstheologie
und Apologetik gescheitrt, genauso wie diese am Ökumenismus. Wenn jetzt ein Jesuit wieder irenische Ideen
entwickelt, führt das nicht dazu, daß die Kuppel von St. Peter Risse bekommt. Aber kreuz.net schafft
es, daraus eine Schlagzeile zu generieren. Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: Die Produktion
einer Meldung durch creatio ex nihilo, oder die Dreistigkeit, dies als Meldung auszugeben.
Kluge Worte Zudem wisse „jeder“, daß „Jesus eine solche Form der Auseinandersetzung unter seinen Anhängern
auf keinen Fall“ gewollt habe – so Pater Bieger apodiktisch. Der Kampf der Konfessionen untereinander
widerspreche auch dem Liebesgebot Jesu und seinem Auftrag, Frieden zu stiften. Selten so kluge Worte auf
kreuz.net gelesen!
#12 Aleph † 15:43:16 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Theophil Wer die „Religiosität der anderen Kirche“ diskreditiere, wecke Skepsis und Distanz gegenüber
Religion überhaupt. Der Jesuit bietet auch ein Heilmittel gegen den von ihm aufgedeckten Mißstand an:
„Die katholische Kirche sollte auf die Redeweise „richtig – falsch“ verzichten und statt dessen herausstellen,
welche Werte sie in besonderer Weise ermöglicht.“ Der „evangelische Kirche“ empfiehlt der Pater, sie
solle aufhören, „die katholische Kirche schlechtzumachen“. Sie machen genau da weiter, wo Eckard Bieger
(SJ) in seinem Artikel darum aufzuhören. Könnten Sie nicht auch mal damit anfangen aufzuhören mit Schulzuweisungen
über Kirche sein oder Nicht sein. Wass soll denn das?
@ Konrad die Zukunft der Kirche(n) ist ökumenisch oder es gibt sie nicht Da es keine „evangelische Kirche“
gibt, erübrigt sich der Rest des Satzes. Ausserdem möchte ich dezent daran erinnern, dass es ein Dr.
Martin Luther war, der der Meinung war, sich von der Kirche abzuspalten. Also liegt es an seinen Nachfolgern
auch wieder den Weg zurück zu finden. So einfach ist das.
Anstatt penibler Sündenlisten Wer die „Religiosität der anderen Kirche“ diskreditiere, wecke Skepsis
und Distanz gegenüber Religion überhaupt. Diesen Satz sollte man mal ganz genüsslich über die Zunge
laufen lassen, vor haarsträubenden Abrechnungen mit Protestanten, so genannten VII-Katholiken, aber auch
über Altgläubige. Wer andere des Unglaubens oder der nicht echten Religiosität bezichtigt, macht das
Christentum insgesamt unglaubwürdig. Deshalb braucht kein Konzil, keine Reformation, kein Schisma oder
die Liturgiereform verantwortlich gemacht zu werden. Es trifft immer das gesamte Christentum. Das musste
mit dem Artikel einmal deutlich gesagt werden. Nur an diesem wunden Punkt kann die fortschreitende Schadensbegrenzung
gegen die Errosion der christlichen Religion beginnen, nicht in peniblen Sünden- und Verfehlungslisten
und haßerfüllten Häresieaufbauschungen, die der anderen Seite genüsslich präsentiert werden.