16:30:18 | Donnerstag, 31. Januar 2008
Ethiklieferanten für den gehobenen Bedarf finden immer eine Lösung, um unethische Verhaltensweisen zu rechtfertigen. Doch gibt es moralisch Grundprobleme, zu denen sogar Kardinal Karl Lehmann nicht schweigt.

Auch Karl Kardinal Lehmann von Mainz schweigt nicht in der Stammzellendebatte.
(kreuz.net) In Deutschland dürfen Stammzellen getöteter Kleinstkinder bei Biotech-Experimente nur eingesetzt
werden, wenn diese Kinder vor dem 1. Januar 2002 geschlachtet wurden.
Doch jetzt gibt es politische Bestrebungen,
diesen Stichtag noch vorne zu verschieben.
Am 30. Januar äußerte sich der Journalist Patrick Bahners
(40) im Feuilleton der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ kritisch zu diesen Bemühungen:
„Außerhalb
des Formelkompromißuniversums der Ethikkommissionen und Kirchenämter hat die Vorstellung, daß es bei
der einmaligen Verschiebung bleiben wird, keine Plausibilität“ – so Bahners ohne Umschweife.
Im Zuge
einer fortschreitenden Forschung werde man die Ware aus dem Vorjahr immer als angegammelt beschreiben
können, um Zugriff auf frischen Nachschub zu verlangen.
„Als geschmeidige Lösung empfehlen Ethiklieferanten
für den gehobenen Bedarf denn auch schon den »gleitenden« Stichtag“ – so Bahners.
Damit würden deutsche
Forscher nur Stammzellen in die Hände bekommen, die schon mindestens „ein Jahr vorher abgepackt“ wurden:
„Der Stichtag würde durch eine Schamfrist ersetzt.“
Doch der Bundestag habe gerade nicht gewollt, daß
„deutsche Wissenschaftler mit allem faustischen Drang unserer Nation eine Forschung vorantreiben, die
immer neuen Tötungsbedarf erzeugt, sofern nur das Tötungsgeschäft ins Ausland outgesourct bleibt“.
Bahners zitiert in diesem Zusammenhang Hans Schöler – Münsteraner Stammzellforscher und Direktor am
Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin.
Im vergangenen Mai legte Schöler vor dem Bundestag seine
Gründe für eine Verschiebung des Stichtages dar.
Grundsätzlich glaubt der Biomediziner, daß die Stammzellforschung
manchen Kirchenvertretern und Politikern dazu dient, um sich öffentlich zu profilieren, während sich
viel dringlichere ethische Fragen stellten als bei der Stammzellforschung.
Schöler wörtlich: „Ich denke
da zum Beispiel an die 200.000 Abtreibungen jährlich und die Tatsache, daß auch heute noch viele dieser
Föten sterben müssen, weil sich die betroffenen Paare nicht in der Lage sehen, das Kind unter sozial
schwierigen Umständen großzuziehen.“
Der Stammzellenforscher ist sich sicher, daß die Kirche und manche
Politiker lieber über diesen Konflikt sprechen würden:
„Aber beiden ist offensichtlich klar, daß man
mit diesem Thema heute – zumindest in Deutschland – nicht mehr gehört wird“ – erklärt er und kommt zum
Schluß:
Mit offener Kritik an der Abtreibung würde die Kirche „bei uns vermutlich noch mehr an Zuspruch
und damit auch noch mehr Anhänger verlieren, als es ohnehin schon der Fall ist.“
Bahners beurteilt die
Aussagen des Stammzellen-Forschers kritisch: „Man mag sagen, wer meine, seinem Gegner Profilierung vorwerfen
zu müssen, gebe die Schwäche der eigenen Position zu erkennen.“
Wenn Vertreter einer Institution dieselbe
Position vertreten, die sie immer schon vertreten hätten, „dann profilieren sie sich nicht, sondern zeigen
einfach ihr Profil.“
Der Journalist hält auch die Vorstellung für „bizarr“, daß die deutschen Bischöfe
es an öffentlicher scharfer Kritik an der Abtreibung hätten fehlen lassen:
„Auch Kardinal Lehmann,
Lieblingsbischof vieler Politiker, schweigt nie von der Abtreibung, wenn er sich im Sinne des alten und
des neuen Papstes für eine Kultur des Lebens einsetzt.“
Man müsse Schölers Blick auf die Debatte „vernagelt“
nennen – urteilt Bahners.
Mit seinen Aussagen nähre der Biomediziner das Mißtrauen gegenüber der Wissenschaft,
über das er sich beklagt.
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#9
Pünktchen 18:27:02 | Donnerstag, 31. Januar 2008
#8
Josefus 18:15:25 | Donnerstag, 31. Januar 2008
#7
Pippifax 18:05:10 | Donnerstag, 31. Januar 2008
#5
Vineta 17:50:58 | Donnerstag, 31. Januar 2008
#4
Pünktchen 17:41:33 | Donnerstag, 31. Januar 2008
#2
Vineta 17:24:21 | Donnerstag, 31. Januar 2008
#1
Pünktchen 17:20:18 | Donnerstag, 31. Januar 2008