Mißratener Anbiederungsversuch
Der neue Erzbischof von München scheint nicht auf dem letzten Stand der Dinge zu sein – oder er hat gezielt zu den Vorgestrigen gepredigt.
(kreuz.net, München) Am Samstag wurde der neue Erzbischof von München, Mons. Reinhard Marx (54), bei
einem Pontifikalhochamt im Liebfrauendom offiziell in sein Amt eingeführt.
Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, überreichte dem Domkapitel die von Papst Benedikt XVI. unterzeichnete Ernennungsurkunde.
Der Münchner Amtsvorgänger, Friedrich Kardinal Wetter, übergab seinem Nachfolger den Bischofsstab.
Während der Homilie versuchte Erzbischof Marx unter anderem auch dem Vorwurf zu entgehen, daß seine Predigtworte etwa „sehr fromm“ und nur „auf den kirchlichen Bereich“ bezogen seien:
„Wo bleibt da der gesellschaftliche und politische Auftrag des Bischofs und der Kirche?“ – fragte der Erzbischof nicht ohne Pathos:
„Zieht sich die Kirche so nicht zurück auf den engeren Kreis der Gläubigen?“
Er beantwortete seine rhetorischen Fragen mit einem überzeugten und vorhersehbaren: „Im Gegenteil“.
Gerade in der Verkündigung des menschgewordenen Gottes bringe die Kirche das in die Gesellschaft ein, was Grundlage wahrer Humanität sei:
Der Mensch habe nämlich eine Würde, die nicht von Menschen abhänge, sondern von Gott selber gegeben wurde, der unser Bruder geworden sei und sich in seiner Menschwerdung mit jedem Menschen verbunden habe.
„Durchaus zu Recht“ heiße es deshalb in den Wandlungsworten: „Mein Leib – für euch und für alle!“ – krönte der Erzbischof seine Aussage mit einem Ausrufezeichen.
Was er unterschlug:
Erst im November 2006 hat Papst Benedikt XVI. angeordnet, daß die bisherige deutsche Falschübersetzung der Wandlungsworte „das Blut, das für euch und für alle vergossen wird“ zukünftig im Sinne des lateinischen und griechischen Originaltextes korrekt mit „das für euch und die vielen“ widergegeben werden muß.
Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, überreichte dem Domkapitel die von Papst Benedikt XVI. unterzeichnete Ernennungsurkunde.
Der Münchner Amtsvorgänger, Friedrich Kardinal Wetter, übergab seinem Nachfolger den Bischofsstab.
Während der Homilie versuchte Erzbischof Marx unter anderem auch dem Vorwurf zu entgehen, daß seine Predigtworte etwa „sehr fromm“ und nur „auf den kirchlichen Bereich“ bezogen seien:
„Wo bleibt da der gesellschaftliche und politische Auftrag des Bischofs und der Kirche?“ – fragte der Erzbischof nicht ohne Pathos:
„Zieht sich die Kirche so nicht zurück auf den engeren Kreis der Gläubigen?“
Er beantwortete seine rhetorischen Fragen mit einem überzeugten und vorhersehbaren: „Im Gegenteil“.
Gerade in der Verkündigung des menschgewordenen Gottes bringe die Kirche das in die Gesellschaft ein, was Grundlage wahrer Humanität sei:
Der Mensch habe nämlich eine Würde, die nicht von Menschen abhänge, sondern von Gott selber gegeben wurde, der unser Bruder geworden sei und sich in seiner Menschwerdung mit jedem Menschen verbunden habe.
„Durchaus zu Recht“ heiße es deshalb in den Wandlungsworten: „Mein Leib – für euch und für alle!“ – krönte der Erzbischof seine Aussage mit einem Ausrufezeichen.
Was er unterschlug:
Erst im November 2006 hat Papst Benedikt XVI. angeordnet, daß die bisherige deutsche Falschübersetzung der Wandlungsworte „das Blut, das für euch und für alle vergossen wird“ zukünftig im Sinne des lateinischen und griechischen Originaltextes korrekt mit „das für euch und die vielen“ widergegeben werden muß.
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Sonntag, 10. Februar 2008 20:48
sacerdos helveticus: @ Filius ecclesiae et clarissa colonia
Filius ecclesiae schrieb:
Ihre etymologischen Ausführungen sind zwar korrekt und interessant, dennoch bleibt die Wortbedeutung für „Paganismus“ ausschließlich das Heidentum.
Völlig richtig.
Etymologische Erwägungen sind zwar oft interessant, aber haben oft kaum Beweiskraft, wenn es um die heutige Bedeutung eines Wortes geht.
„pagani“ hat eben im Latein der Kirche seit der Spätantike durchwegs die Bedeutung „Heiden“ und nicht mehr „Landbevölkerung“, während „pagus“ immer wieder im Sinne von „Gau“ begegnet (hat nichts mit den Nationalsozialisten zu tun, auch im ADAC kennt man noch/kannte man bis vor nicht langer Zeit noch die Einteilung in Gaue).
So betet ja auch die der Fürbitte für die Judemn folgende Fürbitte in der traditionellen Liturgie „pro paganis: ut Deus omnipotens auferat iniquitatem a cordibus eorum ut relictis idolis suis, convertantur ad Deum vivum et verum“. Damit sind ja nicht etwa die besonders bösen und abergläubischen Bauern gemeint, sondern die Ungläubigen, d.h. Heiden.
Sie werden für „ländliche Christen“ ein anderes Wort finden müssen.
Da steht das Wort „ruralis“ zur Verfügung: „ländlich“.
In der Diözese St. Gallen heissen übrigens die nichtresidierenden Domherren, die für gewöhnlich als Pfarrer in der Diözese tätig sind, „Ruralkanoniker“
Ihre etymologischen Ausführungen sind zwar korrekt und interessant, dennoch bleibt die Wortbedeutung für „Paganismus“ ausschließlich das Heidentum.
Völlig richtig.
Etymologische Erwägungen sind zwar oft interessant, aber haben oft kaum Beweiskraft, wenn es um die heutige Bedeutung eines Wortes geht.
„pagani“ hat eben im Latein der Kirche seit der Spätantike durchwegs die Bedeutung „Heiden“ und nicht mehr „Landbevölkerung“, während „pagus“ immer wieder im Sinne von „Gau“ begegnet (hat nichts mit den Nationalsozialisten zu tun, auch im ADAC kennt man noch/kannte man bis vor nicht langer Zeit noch die Einteilung in Gaue).
So betet ja auch die der Fürbitte für die Judemn folgende Fürbitte in der traditionellen Liturgie „pro paganis: ut Deus omnipotens auferat iniquitatem a cordibus eorum ut relictis idolis suis, convertantur ad Deum vivum et verum“. Damit sind ja nicht etwa die besonders bösen und abergläubischen Bauern gemeint, sondern die Ungläubigen, d.h. Heiden.
Sie werden für „ländliche Christen“ ein anderes Wort finden müssen.
Da steht das Wort „ruralis“ zur Verfügung: „ländlich“.
In der Diözese St. Gallen heissen übrigens die nichtresidierenden Domherren, die für gewöhnlich als Pfarrer in der Diözese tätig sind, „Ruralkanoniker“
Sonntag, 10. Februar 2008 20:28
FiliusEcclesiae: @Lateinetymologin „clarissa colonia“: Als „Paganismus“ bezeichnen wir heute das Heidentum
Formal haben Sie natürlich recht: Repaganisierung haißt demnach „Wiederverländlichung“ des Christentums.
Aber: Warum gelang es dem Christentum, gerade in den Städten des Imperiums zu reüssieren, wärend die (konservative) Landbevölkerung lieber bei der Verehrung der traditionellen („heidnischen“) Kulte blieb?
Ihre etymologischen Ausführungen sind zwar korrekt und interessant, dennoch bleibt die Wortbedeutung für „Paganismus“ ausschließlich das Heidentum.
Sie werden für „ländliche Christen“ ein anderes Wort finden müssen, es sei denn, Sie wollten die wahre Religion des einen Gottes und Seines Christus’ in einen Topf mit der Vielgötterei und den Altvölkeraberglauben werfen.
Aber: Warum gelang es dem Christentum, gerade in den Städten des Imperiums zu reüssieren, wärend die (konservative) Landbevölkerung lieber bei der Verehrung der traditionellen („heidnischen“) Kulte blieb?
Ihre etymologischen Ausführungen sind zwar korrekt und interessant, dennoch bleibt die Wortbedeutung für „Paganismus“ ausschließlich das Heidentum.
Sie werden für „ländliche Christen“ ein anderes Wort finden müssen, es sei denn, Sie wollten die wahre Religion des einen Gottes und Seines Christus’ in einen Topf mit der Vielgötterei und den Altvölkeraberglauben werfen.
Sonntag, 10. Februar 2008 13:17
Rodolfo Panetta: Wir fordern korrekt übersetzte Wandlungsworte!
Möge Erzbischof Marx dazu beitragen, daß sich die wahrheitsgetreue Übersetzung wieder durchsetzt. Oder wollte er sich beim progressiven Episkopat im Hinblick auf die Wahl am Dienstag anbiedern? Hoffentlich nicht!
Samstag, 9. Februar 2008 17:17
Stefan K.: Für alle oder die vielen
Zwar war im November 2006 der Text abgeändert worden. Aber als Papst Benedikt im Herbst 2007 auf deutsch im Wiener Stephansdom zelebrierte sagte er „… für euch und für alle…“. So scheint man es in Rom gelassen zu sehen, dass die deutschsprachigen Bischofskonferenzen sich viel Zeit lassen bei der Umsetzung in die Landessprache.
Donnerstag, 7. Februar 2008 01:33
clarissa colonia: Mi care fili, repaganisiert?
Schon wieder halbgarer Unfug … ?
pagus, pagus (Genitiv), maskulinum bezeichnet (lat., das heißt im Lateinischen) den ländlichen Gau, das Wohngebiet eines Stammes; ungeachtet nationalsozialistischer Irrungen und Wirrungen sind Gau und pagus auch heute noch (sprachlich) indogermanisch oder (-europäisch) verwandt.
Als paganus, pagani (Genitiv), maskulinum, oder pagana, paganae (Genitiv), femininum, werden die Bewohner eines ländlichen Gaus oder die Angehörigen einen Stammes genannt (z. B. aliqua pagana siculorum, Cic. III Verr. 3, 15) eine Bewohnerin Agrigents). Erst nachdem das Christentum als Stadtreligion (sic!) bereits Fuß gefaßt hatte, konnten die nichtchristlichen „Landeier“ als pagani (mit der Nebenbedeutung „Heiden“) verunglimpft werden.
Gerade dieser Umstand müßte doch heute zum Nachdenken zwingen: Was hat das Christentum (damals) als „Stadtreligion“ qualifiziert, während es heute zunehmend zur „Landreligion“ wird?
Formal haben Sie natürlich recht: Repaganisierung haißt demnach „Wiederverländlichung“ des Christentums.
Aber: Warum gelang es dem Christentum, gerade in den Städten des Imperiums zu reüssieren, wärend die (konservative) Landbevölkerung lieber bei der Verehrung der traditionellen („heidnischen“) Kulte blieb?
Ich habe keine abschließende Antwort auf diese Frage (ich habe nicht auf alle Fragen eine Antwort), aber die lateinische Messe im tridentinischen Ritus wird wohl kaum der Schlüssel des Erfolges gewesen sein, oder?
pagus, pagus (Genitiv), maskulinum bezeichnet (lat., das heißt im Lateinischen) den ländlichen Gau, das Wohngebiet eines Stammes; ungeachtet nationalsozialistischer Irrungen und Wirrungen sind Gau und pagus auch heute noch (sprachlich) indogermanisch oder (-europäisch) verwandt.
Als paganus, pagani (Genitiv), maskulinum, oder pagana, paganae (Genitiv), femininum, werden die Bewohner eines ländlichen Gaus oder die Angehörigen einen Stammes genannt (z. B. aliqua pagana siculorum, Cic. III Verr. 3, 15) eine Bewohnerin Agrigents). Erst nachdem das Christentum als Stadtreligion (sic!) bereits Fuß gefaßt hatte, konnten die nichtchristlichen „Landeier“ als pagani (mit der Nebenbedeutung „Heiden“) verunglimpft werden.
Gerade dieser Umstand müßte doch heute zum Nachdenken zwingen: Was hat das Christentum (damals) als „Stadtreligion“ qualifiziert, während es heute zunehmend zur „Landreligion“ wird?
Formal haben Sie natürlich recht: Repaganisierung haißt demnach „Wiederverländlichung“ des Christentums.
Aber: Warum gelang es dem Christentum, gerade in den Städten des Imperiums zu reüssieren, wärend die (konservative) Landbevölkerung lieber bei der Verehrung der traditionellen („heidnischen“) Kulte blieb?
Ich habe keine abschließende Antwort auf diese Frage (ich habe nicht auf alle Fragen eine Antwort), aber die lateinische Messe im tridentinischen Ritus wird wohl kaum der Schlüssel des Erfolges gewesen sein, oder?
Dienstag, 5. Februar 2008 20:56
Aleph: Landorganist II
Danke!
b Das ist wohl die große Angst, wenn in der neuen Schöpfung die Messe im außergewöhnlichen Ritus nicht mehr erwünscht ist oder überhaupt nicht mehr vorkommen sollte. Da lässt man lieber alles beim Alten.
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