14:47:15 | Dienstag, 5. Februar 2008
Es wäre zu begrüßen, wenn in der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’ auch neue Forschungsergebnisse Beachtung fänden. Außerdem geht es um die Glaubwürdigkeit.
(kreuz.net) Die evangelische Kirche in Deutschland sieht ihre Aufgabe in der Stammzellenfrage darin, „Politik
möglich zu machen.“
Für „hochrangige Forschungszwecke“ könne man in Kauf nehmen, den jetzt gültigen
Stichtag für den Import von Stammzellen getöteter Kinder zu verschieben.
Das erklärte der Ratsvorsitzende
der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Wolfgang Huber, Ende Dezember in einem
Beitrag für die ‘Frankfurter
Allgemeine Zeitung’.
Am 4. Februar antwortete ihm Professor Dr. med. Volker Herzog vom Institut für
Zellbiologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn in einem Leserbrief für die ‘Frankfurter
Allgemeine’.
Der Zellbiologe geht dabei mit dem evangelischen Ratsvorsitzenden scharf ins Gericht:
Bischof
Huber berücksichtigt nicht, daß das wissenschaftliche Interesse auch mit tierischen embryonalen Stammzellen
befriedigt werden könne.
Er berücksichtige auch nicht, daß inzwischen menschliche embryonale Stammzellen
überflüssig geworden seien.
Herzog wörtlich: „Die jüngsten Ergebnisse vom November 2007 aus den Labors
von Drs. James A. Thomson (Cell online) und S. Yamanaka (Science online) belegen eindrucksvoll, daß menschliche
somatische Zellen so reprogrammiert werden können, daß sie die essentiellen Eigenschaften embryonaler
Stammzellen zeigen.“
Diese Zellen könnten im Gegensatz zu den bisher verwendeten Stammzellen aus getöteten
Menschenembryos auch geeignet sein, um in der Transplantationsmedizin eingesetzt zu werden.
Das Fazit
des Zellbiologen: „Es wäre zu begrüßen, wenn bei der Stammzell-Debatte in der ‘Evangelischen Kirche
in Deutschland’ diese Forschungsergebnisse Beachtung fänden.“
Für Herzog ist eine Ausweitung der derzeitigen
Genehmigung zum Verbrauch embryonaler Stammzellen „nicht mehr sinnvoll“ – nicht nur aus ethischen Gründen,
sondern auch im Lichte dieser neuen Erkenntnisse.
Wissenschaftliche Energien und Geld könnten erfolgreicher
und ethisch unbedenklich in die Erforschung der Reprogrammierung somatischer Zellen eingesetzt werden:
„Zukünftige Forschung an primären embryonalen Stammzellen sollte sich auf tierische Modelle beschränken“ –
so Herzog:
„Einige führende Forscher auf dem Gebiet menschlicher embryonaler Stammzellen – etwa
Ian
Wilmut – haben ihre bisherigen Forschungsziele bereits aufgrund der genannten Ergebnisse aufgegeben und
sich der Reprogrammierung somatischer Zellen zugewandt.“
Daraus wird nach Herzog deutlich, wie unzeitgemäß
die Absichten des Gesetzgebers und die Zugeständnisse der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’ zur Stichtagsregelung
sind.
Dabei werde gesagt, daß die Forschung mit adulten Stammzellen mit Vorrang gefördert werden soll
und es durchaus das Ziel sei, die Forschung mit Stammzellen menschlicher Embryonen überflüssig zu machen:
„Doch dieses Ziel ist offensichtlich bereits erreicht.“
Zellbiologe Herzog nimmt auch den Ratsvorsitzenden
Huber beim Wort, wenn er sagt, daß die ‘Evangelische Kirche in Deutschland’ Eindeutigkeit und Einstimmigkeit
in den Grundfragen des Glaubens verlange.
„Der Schutz des Lebens gehört zu diesen Grundfragen, er ist
nicht verhandelbar“ – kontert Herzog.
In Fragen des Lebensschutzes ist es nicht die primäre Aufgabe
der Protestanten, „Politik möglich zu machen“.
Wenn die ‘Evangelische Kirche in Deutschland’ glaubwürdig
bleiben wolle, müsse sie sich in der Diskussion um die Stichtagsregelung eindeutig zum Schutz des Lebens
bekennen.
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#6
Dr. Schlämmer 22:12:43 | Dienstag, 5. Februar 2008
#5
Pünktchen 17:58:53 | Dienstag, 5. Februar 2008
#4
taunuß 17:55:52 | Dienstag, 5. Februar 2008
#3
Nachtlaterne 17:49:37 | Dienstag, 5. Februar 2008
#1
Pünktchen 15:10:29 | Dienstag, 5. Februar 2008