Gentechnik
Ratsvorsitzender sitzt hinter dem Mond
Es wäre zu begrüßen, wenn in der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’ auch neue Forschungsergebnisse Beachtung fänden. Außerdem geht es um die Glaubwürdigkeit.
Die Kindersterblichkeit ist im sogenannten Westen besonders hoch
Die Kindersterblichkeit ist im sogenannten Westen besonders hoch
© Photographer: Victor Habbick | Agency: Dreamstime.com
(kreuz.net) Die evangelische Kirche in Deutschland sieht ihre Aufgabe in der Stammzellenfrage darin, „Politik möglich zu machen.“

Für „hochrangige Forschungszwecke“ könne man in Kauf nehmen, den jetzt gültigen Stichtag für den Import von Stammzellen getöteter Kinder zu verschieben.

Das erklärte der Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Wolfgang Huber, Ende Dezember in einem Beitrag für die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’.

Am 4. Februar antwortete ihm Professor Dr. med. Volker Herzog vom Institut für Zellbiologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn in einem Leserbrief für die ‘Frankfurter Allgemeine’.

Der Zellbiologe geht dabei mit dem evangelischen Ratsvorsitzenden scharf ins Gericht:

Bischof Huber berücksichtigt nicht, daß das wissenschaftliche Interesse auch mit tierischen embryonalen Stammzellen befriedigt werden könne.

Er berücksichtige auch nicht, daß inzwischen menschliche embryonale Stammzellen überflüssig geworden seien.

Herzog wörtlich: „Die jüngsten Ergebnisse vom November 2007 aus den Labors von Drs. James A. Thomson (Cell online) und S. Yamanaka (Science online) belegen eindrucksvoll, daß menschliche somatische Zellen so reprogrammiert werden können, daß sie die essentiellen Eigenschaften embryonaler Stammzellen zeigen.“

Diese Zellen könnten im Gegensatz zu den bisher verwendeten Stammzellen aus getöteten Menschenembryos auch geeignet sein, um in der Transplantationsmedizin eingesetzt zu werden.

Das Fazit des Zellbiologen: „Es wäre zu begrüßen, wenn bei der Stammzell-Debatte in der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’ diese Forschungsergebnisse Beachtung fänden.“

Für Herzog ist eine Ausweitung der derzeitigen Genehmigung zum Verbrauch embryonaler Stammzellen „nicht mehr sinnvoll“ – nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch im Lichte dieser neuen Erkenntnisse.

Wissenschaftliche Energien und Geld könnten erfolgreicher und ethisch unbedenklich in die Erforschung der Reprogrammierung somatischer Zellen eingesetzt werden:

„Zukünftige Forschung an primären embryonalen Stammzellen sollte sich auf tierische Modelle beschränken“ – so Herzog:

„Einige führende Forscher auf dem Gebiet menschlicher embryonaler Stammzellen – etwa Ian Wilmut – haben ihre bisherigen Forschungsziele bereits aufgrund der genannten Ergebnisse aufgegeben und sich der Reprogrammierung somatischer Zellen zugewandt.“

Daraus wird nach Herzog deutlich, wie unzeitgemäß die Absichten des Gesetzgebers und die Zugeständnisse der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’ zur Stichtagsregelung sind.

Dabei werde gesagt, daß die Forschung mit adulten Stammzellen mit Vorrang gefördert werden soll und es durchaus das Ziel sei, die Forschung mit Stammzellen menschlicher Embryonen überflüssig zu machen: „Doch dieses Ziel ist offensichtlich bereits erreicht.“

Zellbiologe Herzog nimmt auch den Ratsvorsitzenden Huber beim Wort, wenn er sagt, daß die ‘Evangelische Kirche in Deutschland’ Eindeutigkeit und Einstimmigkeit in den Grundfragen des Glaubens verlange.

„Der Schutz des Lebens gehört zu diesen Grundfragen, er ist nicht verhandelbar“ – kontert Herzog.

In Fragen des Lebensschutzes ist es nicht die primäre Aufgabe der Protestanten, „Politik möglich zu machen“.

Wenn die ‘Evangelische Kirche in Deutschland’ glaubwürdig bleiben wolle, müsse sie sich in der Diskussion um die Stichtagsregelung eindeutig zum Schutz des Lebens bekennen.
      
6 Lesermeinungen
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#6   Dr. Schlämmer   22:12:43 | Dienstag, 5. Februar 2008
Im übrigen meine ich, dass ich eigentlich besser geschwiegen hätte …
Wenn man diese Verlautbarungen alle so liest, muss man sich dennoch, um fair zu bleiben, fragen, ob in der evangelischen Kirche die Untertanenmentalität nicht doch besonders virulent geblieben ist.
Ja, der „höhere Zweck“, das war einst auch das tausendjährige Reich. Man sollte daraus eigentlich gelernt haben, dass es keinen höheren Zweck gibt als das unveräußerliche Lebensrecht.
Der Bischof als erster Diener der Politik, der solche „möglich“ machen will? Also nein! Man merkt eben, dass Huber kein „Bischof“ im Sinne der Schrift und apostolischen Sukzession ist. Dafür bekommt er irgendwann sicher sein Verdienstkreuz.
Stillgestanden! Im Gleichschritt, Marsch!
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#5   Pünktchen   17:58:53 | Dienstag, 5. Februar 2008
Man sollte fairnesshalber sagen,
daß Bischof Huber sich klar gegen die Abtreibung ausgesprochen hat!
Nur in der jetzt anstehenden Stichtagsfrage kam bei ihm das „Reichsbischöfliche“ durch, d.h. er versteht sich mehr und mehr als Ethiklieferant für die Berliner Politik. Die Nähe zur Macht hatte offenbar auch bei ihm eine korrumpierende Wirkung. Daß er so ungeschickt war, das katholische Lehramt ins Spiel zu bringen, wurde ihm in der anschließenden Diskussion zum Verhängnis! Es geht nämlich sogar den Protestanten langsam auf, daß das Lehramt der römischen Kirche sich nicht hat korrumpieren lassen durch Kabinette und Lobbyisten!
Huber hatte getitelt: „Auch ein Katholik kann irren“. Jetzt hallt ihm entgegen: Auch ein Bischof Huber kann irren.
In der FAZ gibt es seit Tagen Leserbriefe zu der schwafelig-fahrlässigen Erklärung von Bischof Huber. Fast alle sind Huber gegenüber kritisch bis vernichtend! Viele Leserbriefe stammen von Protestanten.
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#4   taunuß   17:55:52 | Dienstag, 5. Februar 2008
Schritt für Schritt…
…werden die gesetzlichen Hürden abgebaut –
,,zum modernen Kannibalismus“
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#3   Nachtlaterne   17:49:37 | Dienstag, 5. Februar 2008
die stammzellen…
…sind bei manchhen stammzellendiskutanten nicht mehr in ordnung.
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#2   Josef Preßlmayer   17:43:27 | Dienstag, 5. Februar 2008
Die Mengele-Nachfolger können es nicht erwarten, am „Menschen-Material“ weiter zu forschen!
Die Evangalische Kirche fühlt sich zu vorauseilendem Tötungsgehorsam bemüßigt, um die Forschungsgelüste ehrgeiziger Frankenstein-Experimentierer zu erfüllen!
Sie erinnert dadurch an ihre Unterstützung der NS-Ideologie! Wie kann eine christliche Kirche so weit sinken? Der Sturz in den Abgrund begann aber schon damit, den Abtreibungs-Mord gutzuheißen!
Christa Meves war bei der entscheidenden Sitzung dabei und wollte Schreien und um sich schlagen. Sie hat es nicht getan und bereute dies noch Jahrzehnte danach.
Mit dieser Verräter-Kirche am Liebes-Gebot Christi wollte sie nichts mehr zu tun haben und trat zur Katholischen Kirche des großen Papstes Johannes Paul II. über!
Wann werden sich die Christen in der Evangelischen Kirche vor solchen Tötungs-Ideologen ekeln und diese zum Teufel jagen, wo sie hingehören!
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#1   Pünktchen   15:10:29 | Dienstag, 5. Februar 2008
Ein Interview mit Prof. Volker Herzog, der
vor seiner Emeritierung Geschäftsführender Direktor des Instituts für Zellbiologie der Universität Bonn und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie war
ist >>>>>hier www.kreuz.net/bookentry.2315.html<<<<<< zu finden!
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