Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche die Juden in der entsprechenden Karfreitags-Fürbitte „verwünscht“ – behauptete kürzlich der Vizedirektor eines deutschen Historischen Institutes.
Die Alte Messe ist seit den ersten Jahrhunderten als unverändert nachweisbar.
(kreuz.net) Der Bonner Latinist und theologische Schriftsteller Heinz-Lothar Barth hat in einem Leserbrief
an die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ einer Behauptung von Lothar Kettenacker widersprochen.
Kettenacker
hatte unterstellt, daß erst die Revision der Karfreitagsliturgie nach dem Zweiten Vatikanum angebliche
„Verwünschungen der Juden“ beseitigt habe.
Kettenacker ist Vizedirektor des deutschen Historischen Institutes
in London.
Barths Kommentar zu Kettenackers Aussage: „Dieser Behauptung muß ich als katholischer Christ
widersprechen.“
In der Messe wird das Kreuzesopfer Christi auf unblutige Weise vergegenwärtigt.
Die Kirche habe die Juden niemals verwünscht. In Treue zu ihrem göttlichen Stifter,
der sogar die Feindesliebe gebiete und jede Verfluchung ausdrücklich verbiete, liebe die Kirche vielmehr
alle Menschen:
„Dabei gilt ihre besondere Fürsorge jenem Volk, an das Gottes Botschaft als erstes gegangen
ist.“
Wer aber einen anderen Menschen liebe, möchte, daß all das Gute, das er selber erfahren habe,
auch diesem zuteil werde:
„So betete die Kirche in einem seit dem dritten Jahrhundert im wesentlichen
gleich gebliebenen Text am Karfreitag dafür, daß die Juden, die dem Talmud folgen, Jesus von Nazareth,
den größten Wohltäter der Menschheit, auch als ihren Messias annehmen mögen.“
Jesus Christus sei
ja aus diesem Volk geboren und sei zuerst zu ihm gesandt worden. Ihm habe seine Liebe sosehr gegolten,
daß er über die künftige Zerstörung Jerusalems geweint habe:
„Die lateinischen Worte, deren sich
die Kirche in ihrem Gebet stets bediente, waren, wenn sie philologisch korrekt übersetzt werden, keineswegs
beleidigend, geschweige denn, daß sie eine Verwünschung enthalten hätten.“
Christen würden durch
die Offenbarung darüber belehrt, daß es außerhalb Jesu und seiner Botschaft kein Heil gebe und daß
er das „Licht“ sei:
„Folglich betet man zu Gott um die Erleuchtung jener, für die man Fürbitte einlegt.“
In der „reformierten Liturgie“ habe man diese Bitte um Hinwendung des jüdischen Volkes zu ihrem und
unserem Messias hingegen leider aufgegeben:
„Man hat einen gezielt zweideutigen Text gewählt, der gemeinhin
so interpretiert wird, daß die Kirche nunmehr neben dem Neuen Bund auch den Alten als heute noch gültige
Heilinstitution Gottes anerkenne.“
Barth verweist in diesem Zusammenhang auf sein im Jahr 2007 in Altötting
erschienenes Buch „Ist die traditionelle lateinische Messe antisemitisch?“. Sein Urteil über die Neufassung
der Fürbitte für die Juden im Neuen Ritus: „So kann und darf die Kirche sich aber von ihrem Selbstverständnis
her nicht verhalten.“
Denn nach kirchlicher Tradition und biblischer Vorgabe – Barth zitiert den Hebräerbrief
8,13 – sei der Alte Bund im Neuen „aufgehoben“ – „und zwar in des Wortes dreifacher Bedeutung“.
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Schadenfreude ist Tiqvahs reinste Freude. Tiqvah freut sich auf eine göttliche – Verzeihung, ich meinte
natürlich „g’ttliche“ – Strafe für den hinterlistige[n] und dreckige[n] Umgang mit Israel und d Volk
G“TTes den ER sich gemacht hat, Nun ja, wer hier – in Tiqvahs „2000 Jahren“ – hinterlistig und dreckig
mit wem umgegangen ist, wird sich auch den Vergeßlichen noch herausstellen. Bis dahin verbitte ich mir
jede Bevormundung, für wen und wie ich zu beten habe. Die groteske Fehldarstellung des überlieferten
Karfreitagsgebets für die Juden als „Verwünschung“ entlarvt Charaktere wie diesen Lothar Kettenacker
als Lügenmäuler. MfG Christoph Heger
@Gotthard Sicherlich gab es zu so früher Zeit noch keine Karfreitagsliturgie, wie wir sie heute kennen.
Die braucht es aber auch gar nicht gegeben zu haben, da die Fürbitten eigentlich gar nichts mit dem Karfreitag
zu tun haben. So kommt ja das „Festgeheimnis“ des Karfreitags, die Kreuzigung des Herrn, in ihnen gar
nicht vor. Muss es aber auch nicht, da es sich bei den Fürbitten um die Fürbittlitanei der Römischen
Kirche handelt, die früher wenn nicht in jedem so doch in den meisten Festgottesdiensten ihren Platz
hatte. Vgl. die Ektenien der Ostkirche, die einen ähnlichen Stellenwert haben und ebenfalls gleichbleibend
sind. Nun neigt der grosse Liturgiker Ildefons Schuster OSB (später Erzbischof von Mailand und von Johannes
Paul II. seliggesprochen) in seinem Standardwerk „Liber sacramentorum“ m.E. recht schlüssig nach, dass
der Text dieser Fürbitten der Zeit Leos des Grossen (5. Jahrhundert) entstammt. Dieser Zeit -so Schuster-
„verdankt das Gebet seine endgültige Fassung, während seine Anfänge zweifellos apostolischen Ursprunges
sind“ . den eigentlichen Ursprung solcher Fürbittlitaneien sieht Schuster übrigens im synagogalen Gottesdienst,
der nach den Schriftlesungen Fürbittgebete für die Gemeinde und ihre verschiedenen Anliegen kannte.
Auch Paulus spricht ja vom Fürbittgebet im christlichen Gottesdienst, dann im 2. Jahrhundert Justinus
Martyr. Mit anderen Worten vielleicht aber mit gleichem Sinn wird schon die Urkirche für die Bekehrung
der Juden gebetet haben.
@defensor Einen Hinweis darauf, daß sich der Text der Karfreitagsfürbitten zwischen dem Ende des ersten
bis zum dritten Jahrhundertrevolutionär verändert haben sollten, ist weit und breit nicht erkennbar.
Du bist Dir absolut sicher, dass es zu der von Dir angeführten Zeit schon eine Karfreitagsliturgie in
der uns bekannten Art mit den uns bekannten Fürbitten gab?
@ Gotthard ich kann im dritten Jahrhundert keinerlei besondere liturgische oder dogmatische Qualität
erkennen. Der Hinweis auf dieses Jahrhundert beinhaltet keinerlei besondere Wahrheitsqualität. Man muß
schon ein wenig mitdenken, um die hierdurch gemachte Aussage zu verstehen. Wenn ab dem dritten Jahrhundert
bereits nachgewiesen werden kann, daß die Kirche im wesentlichen diese Form der Fürbitte benutzte, so
ist davon auszugehen, daß es sich dabei um die Ursprungstexte handeln dürfte. Anders als heute hat man
damals nämlich nicht alle paar Jahre Umformulierungen vorgenommen. Dieser Gedanke war den Menschen damals
völlig fremd. Im Gegenteil: Bevor man auch nur ein Jota am Text der Väter änderte, sind Jahrzehnte
oder Jahrhunderte ins Land gezogen. Oberstes Prinzip war es, das was man von den Vätern überliefert
bekommen hat, treu zu verwalten. Damals gab es keine 68er-Klugscheißer, die glaubten, alles besser zu
können als die Generationen vor ihnen. Die Texte der Väter, die ja auf Christus selber und seine Apostel
zurückgingen, galt es wie einen Schatz zu hüten. So war es auch noch in den folgenden Jahrhunderten.
Einen Hinweis darauf, daß sich der Text der Karfreitagsfürbitten zwischen dem Ende des ersten bis zum
dritten Jahrhundert revolutionär verändert haben sollten, ist weit und breit nicht erkennbar. Anderenfalls
hätte es zu Beginn der schriftlichen Aufzeichnung keine einheitlichen Texte, sondern viele verschiedene
Variationen gegeben.
Zweideutigkeit Flucht in die Zweideutigkeit: ist wohl so zu verstehen wie das im ersten Bild zum Artikel
präsentiert wird: An Zweideutigkeit ist es nicht zu überbieten. Im römischen Katechismus ist über
Zweitdeutigkeit nichts zu erfahren. Und was tut man, wenn sie, diese Zweideutigkeit, so schamlos gegenübertritt?
gleichgebliebenen Text „So betete die Kirche in einem seit dem dritten Jahrhundert im Wesentlichen gleich
gebliebenen Text ich kann im dritten Jahrhundert keinerlei besondere liturgische oder dogmatische Qualität
erkennen … im dritten Jahrhundert war die Trennung vom jüdischen Volk vielleicht noch besonders schmerzhaft
und emotionsbeladen. Der Hinweis auf dieses Jahrhundert beinhaltet keinerlei besondere Wahrheitsqualität.
Alles hat SEIN (G“TTes) Zeit…! Es hat nichts mit „Nächstenliebe“ sondern ist nichts anderes als Nötigung
wenn man über anderen solche Wünsche äußert welche dessen wiederstrebt! Wenn man von „Nächstenliebe“
spricht, dann darf man sicherlich d Kirchengeschichte nicht sehr nahe betrachten,da diese spricht Bände
welche weise diese „Liebe“ zu trage kam durch d nahezu 2000 Jahre alte Geschichte, bzw, die „Beziehung“
d Kirche zu Juden! Es wäre also angebracht einfach jeden ohne zu etwas zwingen zu wollen belassen was
diese auch wünschen… Der Druck und Zwänge welche die Kirche auf Juden ausgeübt hat, sollte reichen…
doch offensichtlich sehen die Kirchen ihre Aufgabe daran d Jüdische Volk weiter zu Knechten und bevormunden,
was ja sicherlich nicht ohne Konsequenzen haben wird, da der wer sich nennt: HERR ZEBAOTH der G“TT ISRAELS,
eines Tages jedem geben wird wie diese es verdient… … und ich freue mich schon darauf, dass eines
Tages diese hinterlistige und dreckige Umgang mit Israel und d Volk G“TTes den ER sich gemacht hat, und
erwählt von allen Völkern vor 4000 Jahre und versprach d diese bis zu ende d Zeiten führen und zum
Sieg verhelfen wird, – … zu ende werden wird! Tiqvah Bat Shalom www.israel-shalom.net
#40 timpressum † 22:27:20 | Montag, 11. Februar 2008
Nie verflucht Die Kirche hat die Juden nie verflucht. Sie hat sie nur diskrimiert, gering geschätzt,
Zwangsgetauft, verbrennen lassen, ihrem Ruf geschädigt, fälschlicherweise für die Hinrichtung Jesu
verantwortlich gemacht (die ja immerhin eine zentrale Heilstat im Christentum ist), sie als „untreu“ beschimpft,
ihren ewigen Bund mit Gott missachtet… Aber verflucht, nein, verflucht hat die Kirche sie nie!
#38 Florian Geyer 20:19:35 | Montag, 11. Februar 2008
Interessant wie sich die Lingens und Hellers ihre Realität zurchtkonstruieren. In diesem Ideologiegebäude
hat jedes Steinchen den „richtigen“ Platz. Praktisch auch für die Anhängerschft denen das Gefühl gegeben
wird alles zu durchschauen un einer kleinen reinen Elite anzugehören. Etwas für Obskuranten mit Auserwähltheitswahn
und Geltungssucht. Nicht jeder der gegen den Strom schwimmt hat automatisch die Wahrheit
Oh, ja natürlich, ich höre ihn schon rufen, den Carolus Caesar Augustus Germanicus Lehmann Nero: Die
Christen vor die Löwen! (Oder besser: Der Christ und die Christin vor den Löwen und die Löwin!)
@libertas ecclesiae Der NOM hat seit seiner Einführung in Deutschland ca. 70 % seiner Anhänger verloren.
…seit wann hat ein messritus anhänger wie ein fussballverein oder eine politische gruppierung??? könnte
in den jahren seit 1968 und vorallem auch nach 1989 nicht noch mehr in den bereichen säkularisation,
veränderung des frauenbildes, globalisierung, werteverfall-oder werteverschiebung, „sexuelle revolution“,antiautoritäre
erziehung, auflösung der traditionellen familienbilder, verändertes freizeitverhalten, neue sinngebungen(esoterik)
und vieles mehr im sozialen miteinander der grösser gewordenen republik passiert sein, was einen gottesdienstbesuch
rückläufig werden lässt, ausser dem ritus???
@ Typ Der NOM ist nicht umstritten. Es gibt nur ein paar zahlenmäßig marginale Hanseln, die ein Riesenbohei
darum machen. Der NOM hat seit seiner Einführung in Deutschland ca. 70 % seiner Anhänger verloren. Eine
marginale Größe? dbk.de/…nehmer-1950-2006.pdf
Umstritten? Ob der NOM einen solchen darstellt, ist umstritten. Naja, wenn eine Handvoll Bischöfe und
ein paar rumzeternde Hanseln ausreichen, um eine Sache als „umstritten“ bezeichnen zu können, dann sind
auch umstritten: – das Christentum – der Papst – kreuz.net – Bayern München – dass die Erde keine Scheibe
ist Dann wird das Wort „umstritten“ bedeutungslos. Dann kann man es auch gleich weglassen. Der NOM ist
nicht umstritten. Es gibt nur ein paar zahlenmäßig marginale Hanseln, die ein Riesenbohei darum machen.
@clarissa Sie fragen, ob jede „Veränderung der Tradition“ schon ein „Traditionsbruch“ sei. Wir Juristen
haben ja immer eine passende Antwort, in diesem Falle. Nein! Das juristische Zauberwort heißt hier: „Verkehrsauffassung“.
„Tradition“ meint, dass ein Gegenstand von den Vorfahren übernommen wurde. „Traditionelle Liturgie“ meint
also, dass die Liturgie nach den gleichen Regeln gefeiert wird wie in der Generation zuvor. Der inhaltliche
Grund für das zunächst rein formale Traditionsprinzip ist das Vertrauen zu den Lehren der „Alten“. Dieses
Prinzip gilt in der Kirche, da die Liturgie in ihrem Kern auf die Apostel zurückgeht. Mit der Zeit ensteht
freilich immer wieder Klärungsbedarf. Jeder Änderungswunsch ist daraufhin zu prüfen, ob er mit dem
inhaltlich begründeten und formal gelebten Respekt vor dem Übernommenen inhaltlich vereinbar ist. Dies
ist nicht der Fall, wenn der Wunsch darauf beruht (oder den Eindruck erwecken könnte), dass Teile des
Traditionsgutes für falsch gehalten und daher fallengelassen oder ausgetauscht werden. Dient eine Änderung
der Tradition, etwa durch Verstärkungen, die das Gemeinte noch besser zum Ausdruck bringen, so stellt
sie keine „Veränderung der Tradition“ dar, sondern eine positive Weiterentwicklung. Die allgemeine Verkehrsauffassung
bezeichnet – jedenfalls gravierende -Veränderungen, die nicht der Tradition dienen, als „Traditionsbruch“.
Ob der NOM einen solchen darstellt, ist umstritten. Wenn ja, hätten die Sedis Recht. Daher hat der Papst
SMC erlassen.
Liturgie entsteht nicht „auf dem Reißbrett“, aber auch nicht im „luftleereren Raum“. Und gerade den Collectae
des MR fühlt man die“stilistischen Feilspäne“ noch ganz gut an. Diese kleinen Kunstwerke sind nämlich
gerade nicht der Alltagssprache entnommen, sondern konstruiert. Ich bin keine Koryphäe in Liturgiewissenschaft,
aber meiner Erinnerung zufolge wird für die Entszehung der Orationen des MR eine Entwicklung bis ins
9. Jahrhundert angenommen. Wie wird das wohl geschehen sein? Lateinische Kleriker werden in der Feier
der Liturgie immer wieder gefeilt haben, bis es so saß, daß es traditionswürdig wurde. Wie viele „Fehlversuche“
hat es wohl gegeben, die nicht tradiert sind? Nun, damals war Latein noch die Umgangssprache der Menschen.
Niemand wäre in Rom auf die Idee gekommen, die Feier des christlichen Gottesdienstes und der Verkündigung
in aramäischer oder hebräischer Sprache zu fordern. Wenn damals das Latein als Umgangssprache dem Geheimnis
angemessen war, wieso sollte es eine moderne Sprache nicht sein? Wenn auch die Orationen nicht vom Himmel
gefallen (oder wörtlich offenbart worden) sind, wieso sollte das Neuformulieren einer Oration dann zur
res intrinsece mala werden? Was ist so schädlich daran, im Gottesdienst die Umgangssprache zu benutzen
(ohne daraus wiederum einen Fetisch zu machen)?
@Libertas: Substanz des Ritus Wollen Sie ernsthaft behaupten, durch die Reform von 1970 hätte sich die
Substanz des Ritus verändert? Nehmen Sie eine NOM mit dem 1. Hochgebet auf Latein und feiern Sie am Hochaltar,
dann sind die Unterschiede letztlich so gering, daß ein durchschnittlicher Kirchgänger sofort sagen
würde: ist ja wie früher. Die Änderungen beziehen sich dann auf genau jene Teile (Stufengebet, Kommunionritus,
etc.), die eben nicht für sich beanspruchen können zur „tausendjährigen Substanz des Ritus“ zu gehören.
die Tradition erneuert sich selbst Bestes Beispiel für die sich selbst erneuernde Tradition ist meiner
Meinung nach der christiliche Glaube selbst, der den alten jüdischen Glauben nicht „reformiert“ sondern
„erfüllt“hat. Ohne also das Alte beseite zu schieben wurde es so im christlichen Glauben vielleicht einzigartig
bewahrt. „Ich bin nicht gekommen um aufzuheben, sondern zu erfüllen“ Mt 5,17 Dieses Beispiel belegt meiner
Meinung nach die Bedeutung, welche die Tradition in der Kirche haben muß. Die Tradition ist ganz wesentlicher
Teil des Glaubens für mich.
@ Clarissa Wenn Liturgie (wie alles andere) der Veränderung unterliegt, ist die Veränderung prinzipiell
statthaft Natürlich sind Veränderungen in der Liturgie prinzipiell statthaft, die Frage ist jedoch,
was damit gemeint ist. Joseph Ratzinger hat in seinen Schriften wiederholt vor einer Haltung des „Machens“
von Liturgie gewarnt. Atmet die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erneuerte Liturgie nicht zu sehr
den Geist des „Machens“? Was die jetzt neue „alte“ Karfreitagsfürbitte für die Juden betrifft, wehre
ich mich gegen die von einer bestimmten theologischen Richtung tendierte Interpretation, dass die Juden
durch die bisherige „alte“ Formulierung beleidigt worden seien. Mit einer solchen Betrachtungsweise der
alten „alten“ Karfreitagsfürbitte würde man es sich zu einfach machen. Hätte dann nicht auch Paulus –
selber ein Jude – die Juden „beleidigt“?
Traditonswandel ohne Bruch Veränderung im Sinn der „Tradition“ bedeutet, etwas, was sich bereits als
praktisch erwiesen hat, im nachhinein anzuerkennen. Im Grunde braucht man nichts absichtlich verändern,
weil die Dinge sich von selbst wandeln. Es geht hauptsächlich darum, die sinnvollen Veränderungen von
den Unsinnigen zu unterscheiden.
Die akademische Frage hat aber gravierende Auswirkungen: Wenn man Tradition nicht „brechen“ kann, ist
der eindimensionale Vorwurf des Traditionsbruchs vom Tisch (nebenbei bemerkt: Tradition ist eine formale
Frage, weil auch Irrtum Tradition haben kann). Wenn Liturgie (wie alles andere) der Veränderung unterliegt,
ist die Veränderung prinzipiell statthaft; damit ist der Vorwurf der Veränderung von etwas Unveränderlichem
vom Tisch. Damit ist das Herumreiten auf der Unveränderlichkeit liturgischer Tradition, als ob es sich
dabei um einen Fetisch handeln würde, obsolet. Dann kann man nur noch fragen, ob die Veränderung in
einem bestimmten Punkt die Fülle und den Reichtum seiner Tradition tatsächlich auf-hebt. Diese Frage,
abseits jeglicher Pauschalisierung, ist dann sachlich diskutabel.
@ Typ Das stimmt, aber genau dieses Ei hatte das Tridentinum der Kirche ins Nest gelegt. Auch zwischen
1570 und 1970 gab es kleine, unmerkliche Veränderungen, wie es dem Wesen von Liturgie eben entspricht.
Warum werden diese 400 Jahre heute immer nur so negativ gesehen? @ Clarissa Mit Verlaub, Ihre „philosophische“
Fragestellerei erscheint mir ein wenig zu akademisch. Für mich kommt es in erster Linie darauf an, was
die Leute Sonntag für Sonntag am Altar erleben und was das „mit ihnen macht“, wenn ich das einmal so
salopp formulieren darf. Rein phänotypisch hat sich da so manches verändert. Die entscheidende Frage
ist: Zu welchem Nutzen gingen diese Veränderungen vonstatten?
man kann auch an Jesus glauben ohne sich an ihn zu binden… im Sinne einer kirchlichen Institution. Ich
z.B. bekenne ganz offen, dass ich ausserhalb der Kirche stehe, halte mich darin aber nicht für verloren.
Ich respektiere ja das Zeugnis Jesu, aber ich betrachte mich selbst gegenüber seiner Institution schon
als etwas eigenständiges. Dass ich ohne Kirche verloren wäre ist für mich also ein glatter Unsinn.
Ich respektiere Jesus und seine Kirche, aber weder ohne ihn, noch ohne sie wäre ich verloren, weil ich
in der Unmittelbarkeit zu Gott stehe, dem wahren und einzigen, der da ist.
@ Libertas Robert Spaemann hat einmal sinngemäß gesagt, dass die Urchristen […] in der außerordentlihen
Form mehr „Geist von ihrem Geist“ erknnen würden als in der ordentlichen Form. Pure Spekulation. Die
Entwicklung bis 1970 war kontuinuierlich, gleichsam unmerklich; 1970 erfolgte dagegen ein merklicher,
wesentlicher Eingriff […]. Das ist korrekt, lag aber daran, dass – wie Joseph Ratzinger im „Geist der
Liturgie“ ausgeführt hat – in den vorangehenden Jahrhunderten die Liturgie dermaßen juristisch festzementiert
war, dass keine kontinuierliche Entwicklung mehr möglich war; sie war nur noch per päpstlichem Dekret
möglich. Das kam dann ab Leo XIII. Schritt für Schritt, und der Schritt nach dem II. Vat. Konzil war
dann ein zugegebenermaßen sehr großer. Mit kontinuierlichem Wachstum hat das aber nichts zu tun Das
stimmt, aber genau dieses Ei hatte das Tridentinum der Kirche ins Nest gelegt. es war – alles in allem –
ein gewaltiger Traditionsbruch. Nein. Ästhetisch vielleicht, aber theologisch nein. Bitte noch einmal:
IGMR 1-15 lesen, dann erklärt sich auf für Sie vieles. Übrigens ist das soeben von Ihnen entwickelte
„50%-Kriterium“ rein willkürlich. Und wie wollen Sie das überhaupt messen? An der Zahl der gleichgebliebenen
Feiertage? An den Strukturelementen der Messe (und wie genau wollen Sie die haben)? Wieviel Prozent wären
es denn, wenn nur Leseordnung und Kalender geändert worden wären und alles andere gleich geblieben?
Wieviel Prozent würden Sie dafür veranschlagen und warum?
Ich erlaubte mir eine philosophische Frage zu stellen, Sie geruhten, eine geschmackliche Antwort zu geben.
Die Antwort paßt leider nicht zur aufgeworfenen Frage.
@ clarissa Ist nicht jede Veränderung (je nach Begriffsdefinition) ein Bruch der Tradition? Nein! Nur
wenn mehr als 50 % der Steine eines Hauses ausgetauscht und durch andere (neue oder ganz alte) ersetzt
werden, dann würde ich nicht mehr von einer „Reform“ sprechen, sondern von einem Neubau.
Tja, das ist wohl eine philosophische Frage: Kann man Tradition brechen? Ist nicht jede Veränderung (je
nach Begriffsdefinition) ein Bruch der Tradition? Wird Tradition nicht, wie Dr. Barth schrieb, in dreifacher
(dialektischer Weise nach Hegel) auf-gehoben?
@ Typ Robert Spaemann hat einmal sinngemäß gesagt, dass die Urchristen, würden sie die Liturgie heute
erleben, in der außerordentlihen Form mehr „Geist von ihrem Geist“ erknnen würden als in der ordentlichen
Form. Die Entwicklung bis 1970 war kontuinuierlich, gleichsam unmerklich; 1970 erfolgte dagegen ein merklicher,
wesentlicher Eingriff, auch wenn man dabei teilwise durchaus auf ältere Texte zurückgriff. Mit kontinuierlichem
Wachstum hat das aber nichts zu tun, es war – alles in allem – ein gewaltiger Traditionsbruch.
Werter reformatus (semper reformandus est, qui semper reformatur!) Daß die Beweislastregeln nach staatlichem
Recht differenzierter sind, dessen bin ich mir bewußt. Zum Beleg aber can. 1526 CIC. cc.
@ libertas ecclesiae Jetzt betreibt doch bitte keine Wortklauberei. „Unverändert“ meint hier wohl die
wesentliche Substanz des Ritus, der ja schließlich nicht erst im Jahr 1570 „erfunden“ wurde. Korrekt!
Die Einführung neuer Präfationen beispielsweise ändert ja schließlich nichts an der Substanz des Ritus.
Korrekt! 1970 aber wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Ritus als solcher verändert. Falsch! Lesen
Sie IGMR 1-15, dann verstehen Sie es. (Ist zu lang für 1500 Zeichen.) Die „Alte Messe“ ist von den ältesten
Zeugnissen für den eucharistischen Ritus (z.B. Justin, 2. Jh.) mindestens genauso weit weg wie die „Neue
Messe“ von der „Alten“. Wenn Sie ernsthaft meinen, die „neue Messe“, sei ein „neu erfundener Ritus“, dann
müssen Sie die „Alte Messe“ ebenfalls für einen „neu erfundenen Ritus“ halten – wegen ihrer Unterschiede
zu den ältesten Darstellungen der Eucharistiefeier.
@typ und clarissa 1. Die Bildunterschrift hatte ich in der Tat nicht gelesen, dort ist alledings – zumindest
jetzt – auch nur die Rede von „…den ersten Jahrhunderten…“ im Plural. 2. Den von Ihnen aufgestelleten
Grundsatz gibt es nicht, wie ich Ihren als Jurist mitteilen darf. Die Beweislastregeln sind wesentlich
komplizierter.
Unter Zivilisierten gilt (nicht nur im Rechtsbereich) der Grundsatz, daß die Beweislast dem Behauptenden
obliegt (onus probandi incumbit asserenti). Wer solche Behauptungen aufstellt, wird wohl noch daran erinnert
werden dürfen, daß er diese bitte belegen möchte, oder?
@ Typ Die Alte Messe ist seit den ersten Jahrhundert als unverändert nachweisbar Jetzt betreibt doch
bitte keine Wortklauberei. „Unverändert“ meint hier wohl die wesentliche Substanz des Ritus, der ja schließlich
nicht erst im Jahr 1570 „erfunden“ wurde. Die Einführung neuer Präfationen beispielsweise ändert ja
schließlich nichts an der Substanz des Ritus. 1970 aber wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Ritus
als solcher verändert.
@ semper reformandus Wo ist die Rede von einer seit dem ersten Jahrhundert unveränderten Liturgie? In
der Bildunterschrift. Leider wird aus der mangelhaften Ausdrucksweise nicht deutlich, ob „sei dem ersten
Jahrhundert“ oder „seit den ersten Jahrhunderten“ gemeint ist. Beides ist jedenfalls falsch. Die „Alte
Messe“ ist nicht „unverändert“ seit dem ersten Jahrhundert/seit den ersten Jahrhunderten überliefert.
@typ – wie bitte? Wo ist die Rede von einer seit dem ersten Jahrhundert unveränderten Liturgie? Ich lese:
„…in einem seit dem dritten Jahrhundert im Wesentlichen gleich gebliebenen Text am Karfreitag…“ Zu
Ihrer Argumentation im übrigen: Würden Sie Ihre Kinder HEUTE in einem Auto ohne Blinker, Bremsen, Knautschzone,
ABS, Airbag etc. auf die Autobahn schicken? Die Kirche hat die Liturgie im Laufe der Jahrhunderte verbessert,
bis eine ausgereifte, sichere Form erreciht war; die archäologistische „Entrümpelung“ der 60er Jahre
war in diesem Sinne Rückschritt (ganz davon abgesehen, dass der NOM nicht nur „Entrümpelung“, sondern
verfälschende Änderungen gebracht hat).
Bitte was? Die Alte Messe ist seit den ersten Jahrhundert als unverändert nachweisbar. Quiz für die
Tradis: Bitte beweisen Sie, …dass das Schlussevangelium schon in den ersten Jahrhunderten verpflichtend
war …dass es von Anfang an keine Ambonen gegeben hat …dass schon in den ersten Jahrhunderten das Stufengebet
gesprochen wurde …dass schon in den ersten Jahrhunderten Gregorianischer Choral gesungen wurde …dass
schon in den ersten Jahrhunderten der Ministrant am Messgewand des Priester zupfen musste …dass schon
in den ersten Jahrhunderten ein Teil des Vorbereitungsgebet auf das Evangelium in Totenmessen weggelassen
wurde …dass schon in den ersten Jahrhunderten der Farbenkanon für liturgische Gewänder festgelegt
war …dass im frühen 20. Jahrhundert keine neuen Präfationen eingeführt wurden …dass schon in den
ersten Jahrhunderten das Agnus Dei aus exakt drei Rufen bestand …dass schon in den ersten Jahrhunderten
die Gemeinde den Friedensgruß niemals untereinander ausgetauscht hat Danke für die Beweisführung, durch
die eindrucksvoll bewiesen werden kann, dass „die Alte Messe seit den ersten Jahrhundert (!) als unverändert
nachweisbar“ ist.