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Freitag, 15. Februar 2008 21:37
Der ältere Bruder ist Christus
Heute hat ein Kurienerzbischof in einem Artikel für die vatikanische Tageszeitung über die Neuformulierung der altrituellen Bitte für die Bekehrung der Juden meditiert.
Orthodoxe Juden bei der Westmauer des Zweiten Tempels in Jerusalem.
Orthodoxe Juden bei der Westmauer des Zweiten Tempels in Jerusalem.
(kreuz.net) Der Präsident des päpstlichen Rates für die Kultur, Erzbischof Gianfranco Ravasi, hat am 15. Februar in der vatikanischen Tageszeitung ‘Osservatore Romano’ einen Kommentar über die kürzlich vom Papst modifizierte altrituelle Karfreitagsbitte veröffentlicht.

Einleitend zitiert er dabei den österreichisch jüdischen Schriftsteller Franz Kafka († 1924), der Christus einmal „einen Abgrund des Lichtes“ nannte und weiterfuhr: „Man muß die Augen schließen, um nicht hineinzustürzen.“

Der Erzbischof erwähnt auch, daß der österreichisch-jüdische Schriftsteller und Philosoph Martin Buber († 1965) Jesus Christus als den „älteren Bruder“ bezeichnete.

Mons. Ravasi weist darauf hin, daß die neue Karfreitags-Fürbitte des Alten Ritus ganz aus den Texten des Neuen Testamentes heraus formuliert worden ist.

Es werde vor allem darum gebetet, daß Gott „die Herzen erleuchte“. Der Erzbischof erklärt, daß der Heilige Paulus diesen Ausdruck verschiedentlich vor Juden- und Heidenchristen verwendet.

Gott, der das Heil aller Menschen wolle, werde darum gebeten, dieses Heil auch auf die Juden auszudehnen:

„Eine große planetarische Prozession bewegt sich zu Füßen Gottes. Sie besteht aus allen Nationen und Kulturen, und sieht die Anwesenheit Israels – gleichsam in einer privilegierten Reihe – als notwendig an“ – so Mons. Ravasi.

Die Kirche bete ferner darum, neben sich in der Glaubensgemeinschaft auch das treue Israel zu wissen.

Es gehe dabei um eine „christliche Vision“ und um die „Hoffnung der betenden Kirche“ – nicht um die programmatische Ankündigung einer theoretischen Einverleibung oder um eine missionarische Bekehrungsstrategie.

Es sei immer schön und legitim, dem anderen das zu wünschen, was für sich selber ein Gut und eine Freude sei – zitiert Mons. Ravasi den französischen Schriftsteller Julien Green († 1998).

In dieser Perspektive könne auch die Karfreitagsfürbitte – „trotz ihres eingeschränkten Gebrauches und in ihrer Besonderheit“ – das Band und den Dialog der Kirche mit den Juden bestätigen.

Der Erzbischof beendet seine Meditation mit der Karfreitags-Fürbitte des Neuen Ritus. Diese weise auf die gemeinsame und letztliche Hoffnung hin, „daß das erstgeborene Volk des Bundes mit Gott zur Fülle der Erlösung gelangen möge.“

© Bild: Flickr-Benützer „premasagar“, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 48 Lesermeinungen:
Freitag, 22. Februar 2008 21:03
Rolaf †: Von der Redaktion entfernt
Mittwoch, 20. Februar 2008 23:29
Benedikt: @ vineta
Sie haben nichts begriffen. Die Frage, die ich Ihnen stellte, die Sie im Übrigen immer noch nicht beantwortet haben, habe ich auch Malachias alias Antirassist gestellt, der daraufhin meinte, es habe früher am Rande der Ghettos ein Haus für die Bekehrungswilligen gegeben. Wie Sie sehen hat man unter Judenmission bisweilen genau das verstanden, was Sie in Ihrem Beitrag lächerlich gemacht haben.
Dienstag, 19. Februar 2008 00:26
Vineta: @Benedikt, den defensor maximus
Beim Aneinandergeraten mit Ihnen verschlägt es mir immer (zumindest eine Zeitlang) die Sprache, was Sie
alles (auch die unmöglichsten Dinge) glauben verteidigen zu müssen und wie Sie es tun:

1. Wenn also ein Missionar getreu dem AUFTRAG Jesu Juden bekehren will, kann er (laut Benedikt!!!) heutzutage folgendermaßen vorgehen:
Er bezieht ( wie in München abgeguckt) ein schönes Haus in Jerusalem mit einem Weinkeller, einem stets toll gefüllten Kühlschrank, zündet sich eine dicke Zigarre nach der andern an und wartet und wartet, bis irgendwann im Laufe seines Lebens es EINMAL klingelt und ein Jude vor der Tür steht und sagt: „Ich trau dem Kardinal Kasper doch nicht ganz, daß ich ohne Tauf auch in den Himmel komm.“
Wirklich ein beneidenswerter Job heutzutage, Judenmissionar zu sein!

2. Wenn also ( laut Benedikt!!!) SCHON das Warten auf einen Juden, der klingelt und die Taufe begehrt unter den Begriff MISSION fällt – ja warum sollte denn dann ein ebensolches Abwarten, bis ein HEIDE kommt, nicht auch
SCHON unter den Begriff MISSION fallen? Die Steyler Missionare und andere brauchen also ( weil es ja Bücher und andere Informationsquellen gibt) heutzutage nichts anderes mehr tun, als zu warten , ob mal ein Heide sich zu ihnen verirrt.
Heidenmissionar zu sein, auch das ein beneidenswerter Job!

Benedikt, jetzt weiß ich, daß ich den falschen Beruf habe!
Montag, 18. Februar 2008 12:56
Benedikt: @ vineta
1. Sie haben meine Fragen nicht beantwortet. Wissen Sie vielleicht keine Antwort?
2. Wenn sich soviel geändert hat, warum werden dann bekehrungswillige Juden nicht abgewiesen? Oder werden Sie etwa abgewiesen? Dann bitte ich um Information, wo dies geschehen ist und welche amtliche Kirchendokument dies erlaubt.

Wenn Sie das nicht bringen können, gehe ich davon aus, dass sich in der Praxis gar nichts verändert hat. Da Sie nicht in der Lage sind, mich mit Beispielen vom Gegenteil zu überzeugen bleibt mir gar nichts anderes übrig, als von dieser Meinung überzeugt zu bleiben.
Montag, 18. Februar 2008 02:13
Vineta: @Benedikt, den Missionssachverständigen, der aber sein Herrschaftswissen nicht preisgibt!
Bisher sind Sie mir als großer Kenner ( und eifriger Verteidiger) aller gängigen und offiziellen Meinungen von Bischöfen ( und Politikern) aufgefallen.
Verstellen Sie sich also hier? Und tun bloß so, als wüßten Sie nicht ganz genau, was sich in bezug auf die Judenmission seit VII und Nostra Aetate geändert hat, was die Kardinäle Kasper und Lehmann dazu erläutert haben?
Noch einmal:
Es ist neuerdings die Rede davon, daß Gott den Juden einen Sonderweg zum Heil vorgezeichnet habe und sich jegliche Judenmission damit verbiete – Und dazu im Widerspruch steht das Kartfreitagsgebet als Leerformel!

Genoveva meint hier nicht zu Unrecht, bei der Judenmission komme wohl nur ein Dialog auf Augenhöhe in Frage! War das erwähnenswert? Gilt etwa das gleiche nicht auch für die Heidenmission – also für jegliche Missionsarbeit heutzutage ?
Montag, 18. Februar 2008 01:19
Benedikt: @ vineta
Ich sprach von der Predigtmission in früheren Jahrhunderten. Und Sie unterstellen mir, als würde ich dieser Art von Judenmission auch heute noch irgendwelche Chancen geben.

Und wie stellen Sie sich die Mission heute vor? Etwa so wie unten beschrieben? Das soll Mission sein? Ihnen geht es darum, auf die Pauke zu hauen und irgendwelche Überlegenheiten zu beweisen. Mit Mission hat das nichts zu tun.
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