[ « 468 469 470 471 472 » ]
Montag, 14. Februar 2005 13:36
„Der Papst soll zurücktreten“
Der ehemalige Erzbischof von Sao Paulo, Paulo Evaristo Arns, glaubt, daß der Papst zurücktreten sollte und spricht von persönlichen Begegnungen und Erlebnissen mit dem Heiligen Vater.
(kreuz.net, Sao Paolo) In einem am Sonntag publizierten Interview mit der brasilianischen Tageszeitung „O Estado de S. Paulo“ hat Paulo Evaristo Kardinal Arns (83), der ehemalige Erzbischof von Sao Paulo in Brasilien gesagt, daß der Papst zurücktreten sollte.

Er habe zu diesem Thema mit anderen Bischöfen gesprochen. Sie seien ebenfalls zum gleichen Ergebnis gekommen: „Ja, es ist Zeit, daß der Papst auf sein Amt verzichtet.“

Kardinal Arns ist deutscher Muttersprache und stammt aus einer deutschen Kolonie in Brasilien. Er war Franziskaner und von 1970 bis 1998 Erzbischof von Sao Paulo, die damals eine der größten Diözesen der Welt war. Er habe mit dem Papst schon vor fünf oder sechs Jahren über das Thema eines Rücktrittes gesprochen.

Kardinal Arns erinnert sich, daß sich der Papst damals bereits mit Mühe fortbewegte und ihm – wie immer – auf Deutsch sagte: „Paulo, von hier bis oben“ – der Papst zeigte von der Brust richtung Kopf – „fühle ich mich ganz.“

„Ich bin immer noch die gleiche Person, die in den Vatikan kam, um Papst zu sein. Ich sehe keinen Grund zurückzutreten. Der Kopf, das Herz und meine Organe sind in Ordnung“, habe der Papst damals zu Kardinal Arns gesagt.

Nach dieser Zusammenkunft hätten sich die Beschwerden allerdings verschärft. Deren Ursprung sei zum Teil bis auf das Attentat im Jahre 1981 zurückzuführen.

Im Interview äußerte sich Kardinal Arns auch über den Charakter des Papstes und fügte hinzu, daß er ihn immer respektiert und öffentliche Kritiken vermieden habe.

Kardinal Arns erklärt, daß der Papst einige Schlußberichte von Bischofssynoden selbst überarbeitete oder überarbeiten ließ und daß „er sie auf eine Weise umschrieb, welche den Sinn dessen, was die Bischöfe diskutiert hatten, nicht mehr wiedergab.“

Der starke Charakter des Papstes habe sich in verschiedenen Umständen und in praktisch allen behandelten Themen gezeigt. Auch sei der Papst ein Mann dem es gefalle, „wenn seine Autorität anerkannt wird“.

Kardinal Arns sprach ferner von der Vorherrschaft der Römischen Kurie bei der Lenkung des Vatikans, auch wenn der Papst ihm einmal, als sie über dieses Thema gesprochen hätten, gesagt habe: „Die Kurie bin ich.“

„Wenn der Papst abwesend ist, dann entscheidet die Kurie. Auch wenn das Bild eines pilgernden Papstes segensreich war, so hat es auch dazu geführt, daß interne Probleme der Kirche möglicherweise vernachlässigt worden sind.“

Paulo Evaristo Kardinal Arns wurde 1921 in eine deutsche Kolonie, die in Brasilien siedelte, hineingeboren. 1943 wurde er zum Priester geweiht und 1966 zum Bischof konsekriert. Papst Paul VI. ernannte ihn 1973 zum Kardinal. In dieser Gruppe von Neo-Kardinälen war auch Erzbischof Albino Luciani, der damalige Patriarch von Venedig und spätere Papst Johannes Paul I. 1998 trat Kardinal Arns aus Altersgründen zurück. Arns war ein großer Förderer der sogenannten Befreiungstheologie.
Keine Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net