11:41:23 | Sonntag, 24. Februar 2008
Mons. Alfred Kostelecky
Er war und blieb mit jeder Faser seines Herzens dem ewigen Rom und dem Heiligen Vater treu. Von Hw. Siegfried Lochner.
(kreuz.net) Am Vorabend des Festes der Thronfeier des heiligen Petrus vor 14 Jahren, wurde unser hochverehrter
Militärbischof, Mons. Alfred Kostelecky († 1994), in seiner Wohnung am Wiener Stephansplatz von einem
schweren Herzinfarkt ereilt. An dessen Folgen sollte er in der darauf folgenden Nacht – wohlvorbereitet
mit den Sakramenten der heiligen Kirche – aus diesem Leben scheiden.
Man sagt, daß der Todestag eines
Christen mitunter auch ein besonderes Licht auf die Ausdeutung seines Lebens wirft. Bei unserem lieben
Verstorbenen ist dies mit Sicherheit der Fall.
Wenn zu seinem großen Leidwesen manche seiner priesterlichen
und leider auch seiner bischöflichen Mitbrüder mit dem Strom gegen Rom ruderten, so war und blieb er
mit jeder Faser seines Herzens dem ewigen Rom und dem Heiligen Vater treu.
Ein Fels in der Brandung
In einer Zeit, da in Österreich die prophetische Enzyklika Paul VI. ‘Humanae vitae’ durch die sogenannte
‘Mariatroster Erklärung’ relativiert wurde – wir erleben heute die tödlichen Folgen der Verhütungs-
und Abtreibungsmentalität, die uns zu einem aussterbenden Volk gemacht hat –, da selbsternannte Kirchenaufbegehrer
ganz offen auf eine neue, romfreie Basiskirche hinarbeiteten, da liturgische Exzesse den Gottesdienst
der Kirche oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten, blieb er für viele ratlose Katholiken ein Fels
in der Brandung, an dem sie sich festhalten und aufrichten konnten.
Diese durch und durch römische Haltung
unseres verewigten Bischofs, die so ganz seinem treuen Charakter entsprach, wurde gewiß auch durch seinen
Studienaufenthalt in der Ewigen Stadt unter dem großen Papst Pius XII. geprägt.
Pius XII. – den man
aufgrund der Malachiasweissagung auch sehr treffend den „Pastor Angelicus“, den engelgleichen Hirten nannte
und dessen Todestag sich heuer im Oktober zum 50sten Male jährt – hatte sich zum Wahlspruch seines Pontifikates
die Worte gewählt:
„Opus Justitiae Pax“ – der Friede ist das Werk der Gerechtigkeit.
Doch gerade dieser
Papst, der den Frieden buchstäblich als seinen Namen trug – Pax, Pace, Pacelli – mußte mitansehen, daß
seine dramatischen Friedensappelle im Jahre 1939 von den Mächtigen dieser Welt in den Wind geschlagen
wurden:
„Nichts ist mit dem Frieden verloren. Aber alles kann verloren sein mit dem Krieg!“
Wie sehr
haben sich diese Worte des vielgeschmähten Heiligen Vaters in den kommenden Jahren und Jahrzehnten doch
tieftragisch und schicksalhaft bewahrheitet, auch an unserem lieben Bischof Alfred, der aus der Stille
des Priesterseminars in den Lärm der Waffen einberufen wurde und die Klerikersoutane mit dem feldgrauen
Waffenrock tauschen mußte.
Er lief nicht wie andere davonPius XII. konnte den Ausbruch des Krieges
mit all seinen schrecklichen Folgen nicht verhindern. Alfred Kostelecky aber und Millionen seiner Altersgenossen
mußten diese ertragen.
Er ertrug sie mit einer bewundernswerten christlichen Haltung. Die vielen an
seine geliebte Mutter gerichteten Feldpostbriefe geben davon beredtes Zeugnis.
So schreibt er im November
1940, daß es ihn letztlich wenig rühre, weil er vom Unteroffizier zu den „Zackigen“ in der Gruppe gezählt
wird, da es ihm nur wichtig sei, zur Ehre Gottes seine Pflicht tadellos zu erfüllen.
So schwer es ihm
auch gefallen sein mag, aus dem Seminar an die Front zu gehen, Bischof Kostelecky nahm diese so schwerwiegende
Herausforderung seines jungen Lebens als Prüfung Gottes an.
Er lief nicht wie andere davon. Er entzog
sich ihr nicht mit mancherlei fadenscheinigen Ausflüchten, sondern der 21jährige blickte ihr klar ins
Auge, wenn er im Juli 1941 an seine Mutter schrieb:
„Ich bin in Gottes Hand, und sein Wille ist mir heilig.
Er führt mich überall richtig. Nur um die Gnade müssen wir beten, daß ich seinen Willen immer recht
erkenne und dann auch die Kraft habe, danach zu handeln. Wenn es sein Wille ist, wird er mich ins Heiligtum
führen und mich recht viel für sein Reich wirken lassen und für das Heil der Seelen unermüdlich arbeiten
lassen. Ich hätte die Sehnsucht in mir, und sie ist jetzt wieder erwacht und wächst in mir, sein heiliger
Priester zu werden.“
Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht weiter Wunder, daß Bischof Alfred später
sein Wirken beim Österreichischen Bundesheer unter einen ähnlichen Wahlspruch stellte, wie der große
Papst es vor ihm tat:
„Pax et justitia“, Friede und Gerechtigkeit war sein Programm.
Linkskatholische
Proteste bei der BischofsweiheAngesichts organisierter linkskatholischer Proteste bei seiner Bischofsweihe
1986 betonte der damalige Wiener Erzbischof Hans-Hermann Kardinal Groer († 2003) in seiner Predigt, „daß
der Militärbischof nicht dazu gesendet sei, Waffen zu segnen, den Krieg zu heiligen oder irgendeine Art
der Gewalt zu glorifizieren.
Vielmehr sei er dazu da, jene Menschen zu stärken, innerlich aufzurichten
und zu trösten, denen im Frieden und in Krisenfällen die Verantwortung für Leben und Sicherheit der
Bürger unseres Landes auferlegt ist.“
Daß unser lieber Verstorbener dieser seiner Sendung vollauf gerecht
wurde, wissen alle, die sich heute abend in trauernder Dankbarkeit zu diesem Jahrtagsrequiem eingefunden
haben.
Wir müssen uns aber im Geiste Bischof Kosteleckys fragen, wie es heute um Frieden und Gerechtigkeit
in unserem Land, in Europa und der Welt bestellt ist.
Grundsätzlich ist festzuhalten, daß Friede und
Gerechtigkeit die Liebe zu Gott und zum Vaterland als den letztverpflichtenden Gütern des Menschen, voraussetzen.
Deshalb hat Bischof Kostelecky im Gedenkjahr 1988 eindringlich an diese notwendige Bereitschaft erinnert,
für die Selbständigkeit Österreichs einzustehen, „damit künftige Generationen wissen, was Freiheit,
Unabhängigkeit und Selbständigkeit ist, damit sie wissen, daß es wert ist, für dieses Land einzutreten,
sich einzusetzen, selbst mit der Hingabe des Lebens“.
Zügellosigkeit, Bequemlichkeit und Denkfaulheit
Wo sich aber einmal die Grundzüge der eigenen Identität verflüchtigen, die geistigen und kulturellen
Werte der Familie, der Heimat mehr und mehr auflösen, wird niemand mehr die Sinnhaftigkeit des Einsatzes
für die Res publica erkennen, geschweige denn zu ihrer militärischen Verteidigung bereit sein.
Zügellosigkeit,
Bequemlichkeit und Denkfaulheit werden dann jene höchsten Wertvorstellungen verdrängen, die der Natur
von Mensch und Staat entsprechen und die Grundlage von Frieden und Gerechtigkeit bilden.
Unser Heiliger
Vater hat diese aktuelle Problematik in seiner Ansprache vom 24. Januar an die Slowenische Bischofskonferenz
direkt beim Namen genannt, wenn er auf die tiefgreifenden Veränderungen in diesem Land hinweist, die
sich durch seinen Beitritt zur Europäischen Union ergeben haben, und die durchaus auch für Österreich
Geltung haben.
Er stellt fest, daß man hinsichtlich der europäischen Wertmaßstäbe wohl zu optimistisch
war und Probleme und Gefahren verschwieg.
Denn die Humanismen sind nicht alle gleich, am wenigsten in
moralischer Hinsicht. Das Menschenbild, das man übernimmt, hat unterschiedliche Folgen für das bürgerliche
Zusammenleben.
Der Heilige Vater äußert sich besorgt über die Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft
durch den gottlosen westlichen Säkularismus, die vielfach subtiler sei wie im Marxismus, und benennt
dabei ausdrücklich die unaufhaltsame Suche nach materiellen Gütern, die abnehmende Geburtenzahl, den
Schwund der religiösen Praxis und die spürbare Abnahme der Berufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten
Leben.
Er stellt fest, daß es die Aufgabe jeder Generation sei, sich zu entscheiden für das Leben und
das Gute oder für den Tod und das Böse.
Das Treiben antichristlicher MächteÖsterreich ist also
heute vor die Wahl gestellt, sich entweder dem Diktat von willkürlichen Mehrheiten und Interessengruppen
zu beugen, oder sich Gott, dem Quell und Richter alles Guten zu unterwerfen.
Diese Wahl wird immer dringlicher,
je mehr die antichristlichen Mächte bestrebt sind, eine Wirtschaft ohne Gott, ein Recht ohne Gott und
eine Politik ohne Gott durchzusetzen.
Denn eine Gesellschaft kann niemals religiös neutral bleiben:
Entweder sie respektiert Gott, oder sie stellt jemand anderen auf seinen Platz!
Am 4. Oktober 1992 feierte
Bischof Kostelecky in der Wiener Votivkirche eine Gedenkmesse zum 100sten Geburtstag von
Bundeskanzler
Engelbert Dollfuß, den er bei dieser Gelegenheit als „Märtyrerkanzler“ für die Freiheit Österreichs
bezeichnete.
Wer das nicht eindeutig sagt, ist mitschuldigSeine dabei zitierte Stellungnahme des Bundeskanzlers
zum Nationalsozialismus hat bis heute nichts an Aktualität verloren, wenn es darum geht, sich als Katholik
und Christ grundsätzlich zu positionieren und gottlosen Ideologien und Gesellschaftsmodellen ein klares
„Nein“ entgegenzuschleudern:
„Macht einen Trennungsstrich! Wollt ihr mit diesem Verbrechertum irgend
etwas gemeinsam haben? Ich appelliere an Euch, restlos und klar den Trennungsstrich gegenüber einer Weltanschauung,
aus der heraus solche Methoden möglich sind, zu ziehen. Diesen Methoden gegenüber gibt es nur eine Stellungnahme
und die ist: Ich bin dagegen! Wer das nicht eindeutig sagt, ist mitschuldig.“
Diese Worte fordern in
ihrer Radikalität auch heute einen klaren Trennungsstich, wenn wir sehen, wie sich der Mensch allen Ernstes
einbildet, selber die Stelle Gottes einnehmen zu können, an den er nicht mehr glaubt, und damit Friede
und Gerechtigkeit in seinem Wahnsinn zusehends zerstört.
Denn Friede und Gerechtigkeit werden zerstört
durch subtil verbrämte Raubkriege zur vermeintlichen Sicherung der eigenen Zukunft auf Kosten anderer.
Friede und Gerechtigkeit werden zerstört durch die Vergötzung des Geldes, wenn Wirtschaftswachstum
zum Selbstzweck wird ohne Rücksicht auf die arbeitenden Menschen und die begrenzten Ressourcen auf unserem
Planeten.
Friede und Gerechtigkeit werden zerstört, wenn Ehe und Familie systematisch ruiniert werden.
Friede und Gerechtigkeit werden zerstört, wenn das Leben Ungeborener, Alter und Kranker straflos vernichtet
und ausgelöscht werden darf.
Friede und Gerechtigkeit für unser Österreich können wir nur empfangen
und erhalten, wenn wir zu diesen gottlosen Ideologien und Gesellschaftsmodellen der Gegenwart einen klaren
Trennungsstrich ziehen und uns wieder mit all unseren Kräften zuerst Gott zuwenden.
Der Kampf gegen
das Böse beginnt bei mirZu dieser Umkehr ruft uns die Fastenzeit, wenn sie uns daran erinnert, das
vielschichtige Problem des Bösen nicht auf die anderen abzuladen, auf die Gesellschaft oder gar auf Gott,
sondern die eigene Verantwortung dafür anzuerkennen und sie bewußt auf sich zu nehmen.
So verstanden
ist jeder einzelne von uns in der Lage, seinen Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit in Österreich zu
leisten, denn der wahre Friede ist ja primär die Frucht jener Gerechtigkeit, Gott zu geben was Gottes
ist, und dem Kaiser, dem Vaterland, dem Mitmenschen, was diesen zusteht.
Bei seiner Ansprache in der
Hofburg hat unser Heiliger Vater im September des vergangenen Jahres darauf hingewiesen, wieviel unser
Österreich dem christlichen Glauben und seiner reichen Wirkung in den Menschen verdankt.
Wofür stirbt
ein Soldat?Es müsse daher unser aller Anliegen sein, nicht zuzulassen, daß eines Tages womöglich
nur noch die Steine hierzulande vom Christentum reden würden, da ein Österreich ohne lebendigen christlichen
Glauben nicht mehr Österreich wäre, und, ich möchte hinzufügen, es gäbe dann auch auf Dauer nichts
mehr zu verteidigen in diesem Lande, nichts mehr, wofür der Soldat ernstlich sein Leben einsetzen könnte.
Bischof Alfred hat uns mit seinem aufopferungsvollen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit ein verpflichtendes
Vermächtnis hinterlassen.
Wir können auf ihn die Worte der großen Dichterin und Konvertitin Gertrud
von le Fort, einer preußischen Offizierstochter, anwenden:
„Unser Edelgut ist längst geborgen,
es hat
nur den Raum und die Gestalt vertauscht:
Wie Abendrot geht es vor unsern Tränen unter,
wie Morgenrot
geht es vor unseren Seelen wieder auf.-
Wer will uns das Geliebte aus den Seelen reißen?“Wir Zurückgebliebenen
wollen auf der uns noch verbleibenden Straße unseres Lebens den Blick auf Maria richten und sie bitten:
Zeige uns, wie unserem Bischof Alfred, den wir deiner mütterlichen Fürbitte anempfehlen, den Weg zum
Reiche Christi. Stern des Meeres, leuchte uns und führe uns auf unserem Weg so wie du ihn geführt hast.
Predigt von Militärdekan Siegfried Lochner zum Jahrtagsrequiem für Militärbischof, Mons. Alfred Kostelecky
(† 1994), gehalten am 21. Februar 2008, in der St. Georgs- Kathedrale zu Wiener Neustadt.
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