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Mittwoch, 27. Februar 2008 11:19
Kein Priestermangel
Anläßlich der Veröffentlichung der neusten Statistik der Römisch Katholischen Kirche wurde in manchen Medien wieder einmal das Klagelied vom Priestermangel gesungen. Von Hw. Matthias Rey.
Hw. Matthias Rey auf einer Aufnahme von 'gloria.tv'.
Hw. Matthias Rey auf einer Aufnahme von ‘gloria.tv’.
(kreuz.net) Ich bin selber ein junger Priester (43) und nur 40% in fester Anstellung. Wenn ich von Priestermangel höre, kommt mir angesichts der folgenden Fakten die Galle hoch.

Hier einige Zahlen aus der Zentralschweiz. An andern Orten dürfte es ähnlich zu und her gehen.

1. Seit September 2006 wohne ich in der Kaplanei Biberegg im Bistum Chur und stehe als Priester für Aushilfsdienste zur Verfügung. Ich wurde während dieser bald 1½ Jahre noch kein einziges Mal von einer sogenannten priesterlosen Pfarrei für einen Dienst angefragt.

Die Anfragen für Aushilfsdienste kamen ausschließlich von Priestern, nie von Laientheologen oder Diakonen.

2. Es befremdet, wenn ich einer Pfarrei meinen Dienst anbiete, bei der einmal monatlich statt der Sonntag-Vorabendmesse ein Wortgottesdienst gehalten wird, und mir der zuständige Pfarrer sagt, daß er keinen Bedarf für meine Dienste habe.

3. Von einem Priesterfreund habe ich erfahren, daß er als Priester bei der Abdankungsfeier seines Onkels keine Heilige Messe feiern durfte. Der zuständige Diakon wollte ausdrücklich keine Meßfeier an Beerdigungen, auch nicht von einem verwandten Priester des Verstorbenen.

4. Ich bin manchmal in einer kleinen Gemeinde im Kanton Luzern im Bistum Basel auf Besuch. Selbst auf lange Voranmeldung hin ist es mir dort nicht erlaubt, die Heilige Messe zu feiern, außer an ganz bestimmten Tagen, die vom zuständigen Gemeindeleiter festgelegt sind.

5. In einer Kirchgemeinde im Kanton Schwyz im Bistum Chur lebt ein junger Vikar, der oft am Sonntag morgen keine feste Verpflichtung hat. Sein Pfarrer verbietet ihm, auswärtige Aushilfen zu machen. Ich habe den Vorfall sowohl dem Generalvikar als auch dem Dekan gemeldet. Geändert hat sich nichts.

6. In der Stadt Zug im Bistum Basel gibt es ein Haus mit Missionaren im Ruhestand, die aber durchaus fähig und willig sind, Aushilfsdienste zu übernehmen. Es kommt vor, daß kein einziger dieser Priester angefragt wird, während in verschiedenen nahegelegenen Pfarreien wegen „Priestermangel“ am Sonntag Wortgottesdienste gefeiert werden.

7. In der Stadt Zug leben insgesamt zwanzig Priester, wovon 17 noch einsatzfähig sind. Doch von den drei Pfarreien der Stadt Zug hat nur eine einen festen Pfarrer.

8. Allein das Dekanat Innerschwyz im Bistum Chur – das heißt der innere Teil des Kantons Schwyz mit 22 Pfarreien, ohne Einsiedeln – zählt ungefähr vierzig Priester, nicht eingerechnet jene ungefähr 17 Priester, die über 75 Jahre alt sind.

9. Vor allem im Bistum Basel gibt es unzählige Beispiele, wie sogenannte weibliche und männliche Gemeindeleiter es Priestern verbieten, in der Pfarrkirche öffentlich die Heilige Messe zu feiern. Es handelt sich zum Teil um ältere Priester oder um Priester, die auf Besuch oder auf Durchreise sind.

Man will auf keinen Fall, daß die angesagten Wortgottesdienste durch Heilige Messen konkurrenziert werden.

Es stimmt, daß der Klerus überaltert ist und wir auf einen Priestermangel zusteuern. Doch der heutige Umgang mit den vorhandenen „Ressourcen“ könnte man damit vergleichen, wie wenn man angesichts einer bevorstehenden Hungersnot die vorhandenen Lebensmittel verderben ließe.

Zudem stellt sich die Frage, ob die Aufgaben, die gegenwärtig durch Pastoralassistenten aus Deutschland ausgeübt werden, nicht auch durch Priester aus Indien oder Polen übernommen werden könnten.

In mancher materiell armen Diözese gibt es junge Männer, die ihre Priesterberufung nicht wahrnehmen können, weil es an Mitteln für die Ausbildung fehlt.

Vom Priestermangel zu reden ohne dabei die Möglichkeiten zu dessen Behebung in Betracht zu ziehen, scheint mir nicht ehrlich zu sein. Hier stehen andere, handfeste Interessen dahinter, von Leuten, die theologisch ausgebildet sind und nicht Priester werden wollen oder können.

Auch wäre sehr interessant zu wissen, was jene Theologen gegen den Priestermangel tun, die in der Öffentlichkeit ständig herumposaunen, daß es zuwenig Priester gebe und sich unter diesem Vorwand das Recht nehmen, in „ihren“ Pfarreien Wortgottesdienste zu halten.

Beten diese Laientheologen für Priesterberufungen und vermitteln sie jungen Menschen den Eindruck, daß unsere Ortskirche Priester braucht?

Ich würde gerne einmal ein Podiumsgespräch über den Priestermangel anregen und selber daran teilnehmen. Aber vielleicht würden sich vor einem solch offenen Gespräch manche Theologen fürchten.


Der Verfasser wohnt in der Kaplanei Biberegg in der Ortschaft Rothenthurm im Schweizer Kanton Schwyz.

Pfarrer Rey am Piano
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 33 Lesermeinungen:
Samstag, 1. März 2008 22:21
carolusmagnus: nicht nur in der Schweiz…
…auch anderswo ist es so, daß der Priestermangel nicht wirklich so groß ist, wie immer behauptet wird, siehe die beiden Artikel: „Das Bistum Aachen zieht die Bremse“ und „Bistum Aachen im Aufwind?“. Es gäbe nicht nur einen papsttreuen Priester, der bereit wäre beispielsweise sonntags in Mönchengladbach zu zelbrieren in einem kirchlich approbierten Ritus, aber das Bistum will sie nicht – ohne plausible Erklärung. Lieber will man priesterlose Gemeinden und sonntägliche Wortgottesdienste von Laien – da steckt System dahinter, das Konzept heißt „priesterlose Kirche“
Samstag, 1. März 2008 10:10
Don Camillo: @Antirassist
Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral
John Osborne
Freitag, 29. Februar 2008 03:59
kleingeist: Absolut katastrophal
@ Botschafter.

Die Lage ist also noch viel schlimmer als zu befuerchten?

Als Priester wuerde ich von meinem Widerstandsrecht Gebrauch machen. Die Kirche mit ihren „Parasiten“ (PA etc.) hat sich ja selbst paganisiert. Da wuerde ich mich als Priester distanzieren, die Schluessel zur Sakristei abgeben.

Im heidnischen Fruehmittelalter waren doch die Kloster die Bollwerke des Christentums.

Warum macht man das nicht wieder so?
Jene, die wirklich zu Jesus wollen, jene, die Jesus zieht, werden den Umweg ins Kloster in Kauf nehmen.
Ich waere fuer neue Kloester, die die alten Pfarrei abloesen. Man muss sich halt auch zur Distanz getrauen.

Es gibt spirituell nichts schlimmeres als diese lauwarme Bruehe, sie macht den Geschmack an Gott voellig kaputt. Vielleicht bin ich radikal. Aber Jesus war und ist radikal! Ein Priester muss Gegenzeichen der Wahrheit setzen.

Ich habe mir einen beruflichen Wechsel ueberlegt, Priester zu werden (ich weiss nicht, ob es vom Alter her schon zu spaet ist). Aber in so eine Pfarrei wuerde ich nicht wollen, wo der Priester nicht respektiert ist und so ein politisch korrektes, zu Tode poliertes Kulturchristentum mit New-Age-Anstrich waltet. Dann lieber in ein Kloster, direkt dem Papst unterstellt! Oder dann direkte Missionierung in den Staedten, als „Wandermoench“. Schluss mit dieser Verwaltung!!
Freitag, 29. Februar 2008 00:25
Benedikt: Wenn das so stimmt…
…dann ist es ein Skandal.
Donnerstag, 28. Februar 2008 15:13
Botschafter: Wer hat die Schlüssel?
Hallo Kleingeist!

Wer hat die Schlüssel? – zur Sakristei, zur Kirche, zum Tabernakel, und nicht vergessen die Stromrechnung zu bezahlen…

In sehr vielen Kirchgemeinden sind Pastoralassistentenehepaare fix auf den Gemeinden, die Priester werden umhergeschoben, in den grossen „Seelsorgeeinheiten.“ – Ja wer hat dann die Schlüssel ???

Die ausgegrenzten Priester sind sicher nicht daran Schuld, dass die Parasiten der Kirche (PAs, neuerdings verh. Diakone) ihnen Ihre Aufgage streitig machen!!!!
Donnerstag, 28. Februar 2008 13:38
kleingeist: Palastrevolution
Pfarrer Rey! Nehmen Sie sich zusammen, denn Sie haben eine Verantwortung vor Gott. Was werden Sie ihm dereinst, sagen, „ja, mein chef hat mir keine arbeit gegeben …“. ??
Sie sind Nachfolger Christi oder nicht?
Als junger Katholik (35) erwarte ich von Ihnen kein Lamentieren, sondern echtes Rollenmodel der Heiligkeit, strahlen Sie die Freude der Auferstehung aus und uebernehmen Sie im schlimmsten Fall unter Gebrauch Ihres Heiligen Widerstandsrechts gegen die fehlgeleitete (paganisierte) Kirchenleitung ihre Herdenaufgaben selbst!
Das katholische Volk – das uebriggebliebene – braucht leuchtende Vorbilder und keinen Katzenjammer.
Machen Sie im Fall von Unterbeschaeftigung eine Pilgerreise zu Fuss durch die Schweiz und sprechen Sie Menschen an, feiern Sie Messen, nehmen Sie die Beichte ab, verschaffen Sie sich Gehoer, wie damals der Bruder Klaus! Inszenieren Sie sich medial, bleiben Sie aber ganz nah am Herrn Jesus Christus und dem Nachfolger Petrus.
Ich sehe schon den Aufmacher in 20minuten: „Rey – zu ihm pilgern die Menschen in die Grotte“.
Wissen Sie denn nicht dass die modernen Menschen diese Gesellschaft mit all ihren leeren Versprechungen satt haben und sich nach Wahrheit und Liebe, nach Erloesung sehnen? Oder sind Sie in Wahrheit auch so ein klerikaler Verwaltungsbeamter?
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