Deutschland
Noch ein Brückenbauer?
Wer heute von der kirchlichen Mitte spricht, der meint die Linke. Ehrlich währt am längsten. Ein Kommentar.
Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg
Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg
(kreuz.net) Die durch das Interview des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ausgelöste mediale Aufgeregtheiten könnte man eigentlich auf sich beruhen lassen.

Das erklärt Klaus Nientiedt (54) in einem Kommentar unter dem Titel „Brückenbauer“, der im ‘Konradsblatt’ publiziert wurde.

Das ‘Konradsblatt’ ist die Diözesanzeitung der Erzdiözese Freiburg. Nientiedt ist seit 1998 deren Chefredaktor.

Doch Nientiedt glaubt, daß Vorgänge wie diese „für die momentane kirchliche Situation“ typisch seien.

„Man vergegenwärtige sich noch einmal, was hier eigentlich stattgefunden hat“ – beschwört er die Lage:

„Mit theologischen und kirchlich-pastoralen Aussagen, die einen eigentlich als Vertreter des kirchlichen »Mainstreams«, der Mitte ausweisen, kommt der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz mit bestimmten Teilen des Katholizismus in die Bredouille.“

Wundert sich Nientiedt im Ernst, daß die altbekannte Andeutungs- und double-speech-Taktik, die sich in die angebliche Mitte positioniert und gleichzeitig nach links schielt, den Bischöfen inzwischen nicht mehr abgenommen wird?

Es hat sich herumgesprochen, daß man Bischöfe nicht beim Wort nehmen darf, weil sie sich gewöhnlich drehen und wenden wie Reptilien. Bei Bischöfen muß man die Kunst beherrschen, zwischen den Zeilen zu lesen.

Darum ist auch Nientiedts folgende Klage verfehlt:

„Als unangemessen »liberal« und »progressiv« gilt bereits jemand, der lediglich darstellt, was in jedem einigermaßen repräsentativen theologisch-pastoralen Handbuch nachzulesen ist und was auch die Ausbildungspraxis in den meisten deutschsprachigen Seminaren prägt.“

Die Anführungszeichen vor „liberal“ und „progressiv“ hätte er weglassen können.

Denn wer sich auf „einigermaßen repräsentative theologisch-pastorale Handbücher“ oder die Ausbildungspraxis an den leeren Priesterseminaren beruft, der landet in der linken und häufig in der ultralinken Ecke.

Darum klingt es wie ein schlechter Scherz, wenn Nientiedt die jüngste Zölibats-Diskussion auf die angebliche Tatsache zurückführt, daß sich die Kirche gegenwärtig in einem „restaurativen Klima“ befinde.

In diesem Klima werde versucht, alles, „was da nicht hineinzupassen scheint, auszugrenzen.“

Wie bitte? Über welche „Ausgrenzung“ wollen die Linken jammern, solange Bischofskonferenzen, Klerus, Kirchenzeitungen, theologische Fakultäten, katholische Verlage, Zeitschriften, Diözesanbürokratien, Laienorganisationen, Pfarrgemeinderäte felsenfest in ihrer Hand sind?

Ausgrenzung des Katholischen ist seit Jahrzehnten das Programm der linken Zwingherren, welche die Kirche seit dem Konzil mit Intoleranz und unbarmherziger Härte in der babylonischen Gefangenschaft halten.

Gibt es in Deutschland noch einen einzigen katholischen Theologieprofessor, der sich ohne tausendfaches Wenn und Aber zum Katholizismus bekennt?

Statt sich dieser Wirklichkeit zu stellen, zieht es Nientiedt vor, eine lächerliche Verschwörungstheorie zu konstruieren:

„Hier ist ein eigenes Milieu entstanden, das – hoch vernetzt und jederzeit auf dem Sprung, sich zu Wort zu melden – die kirchliche Tagesordnung diktiert.“

Meint der Chefredaktor hier ‘kreuz.net’ oder hat er sonst noch jemanden im Auge?

Gott gebe, daß ein solches hochvernetztes Milieu einmal entstehen möge. Aber es ist des Optimismus zuviel, seine Geburt schon jetzt zu beklagen.

Nientiedt zitiert im weiteren einen „prominenten Priester“ des Erzbistums Freiburg.

Dieser habe vor einem halben Jahr sinngemäß gesagt, daß die katholische Kirche sich doch „endlich wieder“ um die „Fragen und Anliegen der kirchlichen Mitte“ kümmern solle.

Das ist ein weiteres verbales Ablenkmanöver.

Denn erstens hält sich jeder Egoist und jeder Extremist für die Mitte der Welt und zweitens geht es in der Kirche nicht um politische Positionsbestimmungen, sondern um die katholische Wahrheit.

Diese ist weder links rechts oder in der Mitte, sondern eben „wahr“ – im Gegensatz zu „falsch“.

Wer von Ortsbestimmungen statt von Sachverhalten spricht, beweist, daß es ihm nicht um Wahrheit, sondern um Politik geht, wie zum Beispiel in folgender Aussage von Nientiedt:

„Man droht sonst zunehmend den Kontakt zu zentralen und tragenden Teilen in den Gemeinden und kirchlichen Gruppierungen zu verlieren.“

Diese Aussage ersetzt die Theologie, die einstmals von Gott als Mitte, Inhalt und Fundament der Kirche und Gläubigen sprach, durch einen wahrheitslosen Mode-Konsens.

In diesem Sinn fährt Nientiedt weiter: „Im Zusammenhang mit der Wahl des Nachfolgers von Kardinal Lehmann als Konferenzvorsitzendem fiel auffallend häufig das Wort vom »Brückenbauer«.“

Die katholische Kirche brauche mehr denn je Brückenbauer – erklärt er.

Mit diesem zu häufig gehörten Rezept bleibt Nientiedt aber auf der Ebene der Symptombekämpfung.

Wo Brücken notwendig sind, da sind Gräben aufgerissen worden. Diese müssen nicht überbrückt oder überdacht, sondern mit dem Kitt der Wahrheit geschlossen werden.

Wer in dieser Situation statt dessen in der Mitte stehenbleibt, der schwebt über dem Abgrund.
      
13 Lesermeinungen
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#13   möchtegern-kathole   20:45:58 | Montag, 3. März 2008
Was …
… ist die Mitte? Das Übliche. Üblich ist aber der Zölibat.
Dementsprechend ist Zollitsch nicht in der „Mitte“.
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#12   bonifatius   20:30:20 | Montag, 3. März 2008
@RRR: RRRichter
Nachdem ihre Kollegen z.Z. Urlaub machen müssen sie vom linken Flügel die Verteidigung wohl wieder Übernehmen.
Sie hätten schon rrrecht, wenn die werten Bischöfe ihre „Schnauze“ dann aufmachen, wenn es um die Kindsmorde im Mutterleib und um die sexuellen Verirrungen geht. Aber dagegen in der Öffentlichkeit zu wettern und den Politikern ins Gewissen zu reden, ist auch für unsere zeitgeistige moderne Kirche zu wenig tolerant. „Die Kirche muß doch mit der Zeit gehen.“ Laßt das Volk doch um das goldene Kalb tanzen.
Ein klares Wort dagegen, von einem Bischof hinausgedonnert, erwartet das kleine Volk der Gläubigen vergebens.
Apropos Ewiges Gericht: Hoffentlich wird ihnen und den von Ihnen in Schutz genommenen Würdenträgern dann der Akt der Demut und Treue entsprechend gewürdigt.
Wünsche ihnen keine Überstunden, dafür aber gute Nacht!
boni
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#11   Florian Geyer   17:49:03 | Montag, 3. März 2008
Aleph
mit aggiornamenti meinen sie sicher das Spreizen der Beine der Konzilskirche für die Irrlehren der Gottesgeisseln Aufklärung der frz Revolution, Humanismus, Liberalismus und Relativismus welche Kirche im Moment noch m Zangengriff haben. Die Kirche ist aber unzerstörbar und Maria wird als Vernichterin aller Häresien auch diese teuflischen Irrlehren vernichten !
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#10   Aleph †   17:44:37 | Montag, 3. März 2008
Sündenböcke müssen her!
Ausgrenzung des Katholischen ist seit Jahrzehnten das Programm der linken Zwingherren, welche die Kirche seit dem Konzil mit Intoleranz und unbarmherziger Härte in der babylonischen Gefangenschaft halten.
Das ist wohl ein böser Traum, den die Tradis gern realsiert sähen: eine schmalbrüstige, geknebelte Kirche, ein Jammertal im schönen Jammertale.
Der Traum mag sich aber nicht einstellen.
Wo gibt es denn diese Form der Kirche, die immer glaubt babylonisch gefangen zu sein? Die Träumer haben wohl noch nie was vom befreienden aggiornamento gehört.
Wer gern im Gefängnis haust, kommt auch gern darin um weil er nicht befreit werden will. Das lässt vermuten, dass sich der Träumer gern im Gefängnis aufhält.
Jetzt soll es mangels besserem Wissen „linken Zwingherrn“ in die Schuhe geschoben werden.
Sündenböcke müssen her. Sonst macht die katholische Kirche wohl keinen Spaß, wa?
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#9   unteroktav   16:01:36 | Montag, 3. März 2008
Etwa ein selbstkritischer Bericht?
„Denn erstens hält sich […] jeder Extremist für die Mitte der Welt …“
> siehe kreuz.net
Diese ist weder links rechts oder in der Mitte, sondern eben „wahr“ – im Gegensatz zu „falsch“.
Sehr richtig! Und wie gut, dass man diese Wahrheit auf kreuz.net ständig finden kann, weil die Schreiberlinge diese für sich gepachtet haben und die Wahrheit besser kennen als die Kirchenführer selbst. Politisierung ist kreuz.net ja auch fremd. Nie und nimmer wird von den Linken oder Linksextremen in der Kirche gesprochen.
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#8   Antirassist †   14:09:34 | Montag, 3. März 2008
Wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, wie dies Hochw. Zollitsch getan hat…
…den wird man früher oder später an seinen Worten messen. Zollitsch darf sich nicht wundern, wenn er auf die von ihm jetzt – wenn auch nur zum Schein – eingeschlagene liberalistische Linie eines Tages festgelegt werden wird. Auch die Folgen offensichtlicher Kardinalfehler wie die von ihm schon seit langem propagierte und praktizierte Förderung nichtchristlicher Religionen werden sich – so ihm die Gnade der Erkenntnis geschenkt werden mag – nicht so leicht wieder heilen lassen. Irgendwann wird er wohl mit Goethes Zauberlehrling klagen müssen: „Die Geister, die ich rief, ich werd’ sie nimmer los!“…! :-S
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#7   RRR   13:57:01 | Montag, 3. März 2008
Beobachterin
Mit Bischof Zollitsch ist in der Tat eine solche Person in ein Amt gekommen, in dem man ausschließlich dem Papst und der katholischen Lehre verpflichtet sein sollte
Ja. Und? Die Aussage „Der Zölibat ist theologisch nicht notwendig“ ist weder gegen den Papst gerichtet (der sagt das nämlich genauso und er handelt auch implizit so, indem er hier und da und in den Ostkirchen nichtzölibatäre Priester zulässt) noch gegen die katholische Lehre (weil der Zölibat kein Dogma ist).
der aber tatsächlich eigene Vorstellungen hat und diese auch öffentlich äußert.
Das ist sogar seine Aufgabe! Siehe – nur als Beispiel: can 212 § 3 CIC.
Wo bleibt seine Gehorsamspflicht? Si tacuisses, Eminenz …
Da der Papst selbst can. 212 § 3 CIC erlassen hat, wird man demjenigen, der davon Gebrauch macht, nur schwerlich Ungehorsam gegenüber dem Papst vorwerfen können. Im Übrigen übt ohnehin jeder Bischof sein Amt selbstständig aus, das Amt ist göttlichen Rechtes, siehe can. 375 §1. Es ist also NICHT Aufgabe der Bischöfe, in Fragen, die nicht die kirchliche Lehre betreffen (Zölibat) wie KZ-Häftlinge die Schnauze zu halten, sondern kraft des ihnen verliehenen Amtes in allen Angelegenheiten, die die Kirche berühren, eine eigene Meinung zu haben und diese auch, wenn Sie es für richtig halten, zu äußern.
Merke: Bischofsbeschimpfungen ohne Kenntnis der Sachlage laufen ins Leere – und als Akt der Demut und Treue werden sie einem beim ewigen Gericht wohl auch kaum angerechnet.
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#6   Beobachterin   13:32:33 | Montag, 3. März 2008
Linksdrall
Gewisse Personen, die glauben, in der Kirche etwas zu sagen zu haben, haben in der Tat einen Linksdrall.
Mit Bischof Zollitsch ist in der Tat eine solche Person in ein Amt gekommen, in dem man ausschließlich dem Papst und der katholischen Lehre verpflichtet sein sollte, der aber tatsächlich eigene Vorstellungen hat und diese auch öffentlich äußert. Wo bleibt seine Gehorsamspflicht? Si tacuisses, Eminenz …
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#5   Antirassist †   12:47:42 | Montag, 3. März 2008
@Rodolfo Panetta: „Bischöfe“ mit eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit
Sowohl Erzbischof Robert Zollitsch als auch Bischof Gebhard Fürst haben in letzter Zeit die Politik der Grünen gelobt.
Und das, obwohl es eine ernst zu nehmende, wertkonservative, wirklich ökologische Politik vertretende Alternative zu den linksanarchistischen „Grünen“ gibt: die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) www.oedp.de/, deren größter Schwachpunkt allerdings die weitgehende Ausblendung der USrAel-Hörigkeit der OMF-BRD(DR) sein dürfte… :-S
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#4   Alfredo Ottaviani   12:37:42 | Montag, 3. März 2008
Bravissimo
Hier kann ich :)3
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#3   sacerdos helveticus   11:40:29 | Montag, 3. März 2008
@RJH Redakteur/Redaktor
Der Begriff „Redaktor“ ist in Deutschland sicher kaum mehr gebräuchlich, in der Schweiz jedoch noch gebräuchlich, wie ein Blick auf die Homepages von z.B. „Neue Zürcher Zeitung“ oder „Tageanzeiger“ beweist: alle diese Zeitungen haben einen „Chefredaktor“, keinen „Chefredakteur“!
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#2   Rodolfo Panetta   11:14:55 | Montag, 3. März 2008
Eine sehr gute Analyse!
Die kirchliche Wirklichkeit in Deutschland ist leider wie hier beschrieben. – Es stimmt, die Aussagen von Erzbischof Robert Zollitsch zum Zölibat waren genau genommen nicht besonders revolutionär, sondern bewegten sich im Rahmen des zu Erwartenden.
Aber ein anderer Skandal wurde kaum beachtet: Sowohl Erzbischof Robert Zollitsch als auch Bischof Gebhard Fürst haben in letzter Zeit die Politik der Grünen gelobt.
Das will etwas heißen! Niemand hat dieses Deutschland in den letzten Jahrzehnten so sehr zerstört wie die Grünen. Ob bei der Freigabe der Abtreibung, Zerstörung der Familie, feministischem Firlefanz oder bei der Ausplünderung der Bürger durch neue Steuern, Förderung des Islam, immer waren die Grünen die treibende Kraft. Solche Politik wünschen sich also unsere Bischöfe!
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#1   RJH   11:08:12 | Montag, 3. März 2008
Redaktor?
Wurde diese Schreibweise nicht schon im 19. Jahrhundert aufgegeben?
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