15:36:44 | Freitag, 7. März 2008
Hw. Eugen Biser
Es ist schwer zu beurteilen, ob es sich um Altersschwachsinn handelt oder ob der greise Theologe seine Aussagen wirklich ernst meint.

Homepage der ‘Eugen-Biser-Stiftung’
(kreuz.net) Das christliche Gottesbild ist über die Jahrhunderte verdunkelt gewesen.
Das erklärte der
deutsche Fundamentaltheologe, Hw. Eugen Biser (90), Anfang Januar in einem Interview mit der deutschen
Tageszeitung ‘Die Welt’.
Hw. Biser war bis 1986 Inhaber des Romano-Guardini-Lehrstuhls für Christliche
Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Universität München.
Das christliche Gottesbegriff sei
„durch eine Ambivalenz“ gekennzeichnet gewesen – meint Hw. Biser im Interview: „Auf der einen Seite der
liebende Gott, auf der anderen Seite der drohende, strafende Gott.“
Hier müsse „eine Selbstkorrektur“
stattfinden – empfiehlt er.
Es sei zu zeigen, „daß es diesen strafenden Gott für ein richtig verstandenes
Christentum nicht gibt, sondern nur den Gott der bedingungslosen Liebe“.
Dieser „bedingungslos liebende“
Gott dürfe und könne nicht gefürchtet werden: „Denn er nimmt dem Menschen die tiefste aller Ängste,
die Gottesangst, aus der Seele.“
Hw. Bisers Fazit: „Ich habe den Eindruck, daß die Kirchen das noch
nicht begriffen haben.“
Deshalb habe die von ihm gegründete Stiftung für „Dialog aus christlichem Ursprung“
eine Vorreiterrolle: „Sie muß stellvertretend für die Kirchen diese Korrektur in die Hand nehmen.“
Erst auf dem Zweite Vatikanum habe sich die katholische Christenheit von den „Methoden der Gewalt“ verabschiedet
und dem Dialog verschrieben.
Damit sei „überhaupt die Chance entstanden, das Christentum von seiner
Mitte her zu begreifen“.
Der Fundamentaltheologe gesteht ein, daß der Papst mit seiner Enzyklika ‘Deus
caritas est’ „etwas in dieses jahrhundertealte Dunkel hineinleucht“ habe:
„Ob er allerdings auf diesem
Standpunkt geblieben ist, da bin ich eher skeptisch.“
Dennoch sei ‘Deus caritas est’ ein „Lichtblick
in der Geschichte der katholischen Lehräußerungen“ gewesen.
Im interreligiösen Dialog müsse die christliche
Religion besonders ihren eigenen Gottesbegriff leuchtend herausstellen:
„Damit klar wird, daß der Gott
der Liebe nicht etwa ein schwächlicher Gott ist, der alles toleriert, alles hinnimmt, sondern ein überaus
starker Gott ist, der alle möglichen Gegensätze überstrahlt.“
Das sei auch der Inhalt seines persönlichen
theologischen Schaffens.
Hinsichtlich der Theologie macht sich Hw. Biser keine Illusionen. Man könne
nicht übersehen, daß diese im Leben eines Priesters eine immer geringere Rolle spiele:
„Verwaltungsfragen
rücken zunehmend in den Vordergrund.“
Sich selber habe er einmal als „den letzten Modernisten“ bezeichnet –
so Hw. Biser weiter. Der Modernismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe nicht nur große Fehler begangen:
„Er hat auch gezeigt, daß der christliche Glaube ohne Eingehen auf die Welt und ihre Probleme gar nicht
etabliert werden kann.“
Zur Frage des Ökumenismus erklärt Hw. Biser, daß der Papst ein „viel näheres“
Verhältnis zur Orthodoxie als zum Protestantismus habe: „Das hängt wohl mit seiner bayerischen Herkunft
zusammen“.
Der Papst habe sich auch „so gut wie nie“ auf eine protestantische Umwelt einlassen müssen.
Darum befürchtet Hw. Biser, „daß dieses Pontifikat die sich ihm bietende große Chance nicht wahrnimmt“.
Diese Chance würde darin bestehen, das Verhältnis zu den Protestanten zu bereinigen: „Als Katholiken,
die wir in der Mehrzahl sind, haben wir die Verantwortung, die Initiative zu ergreifen.“
Die Katholiken
müßten dafür sorgen, daß „dieser Dissens“ zwischen Katholiken und Protestanten endlich beigelegt werde.
Hinsichtlich der Anthropologie geht Hw. Biser davon aus, „daß der Mensch noch lange nicht das ist, was
er eigentlich sein soll“.
Grund dafür ist die Angst. Diese bewirke, daß der Mensch unter seinem eigentlichen
Niveau lebe.
Doch mit seinen Ansichten sieht sich Hw. Biser kirchlich „radikal im Abseits“. Die Kirche
gehe immer noch davon aus, daß der Mensch schon im Vollbesitz dessen sei, was er sein könne: „Sie geht
davon aus, daß sie Recht hat.“
Das Hauptversäumnis der Kirche sieht Hw. Biser in einer „Fehleinschätzung
des Menschen“.
Der Mensch ist für ihn noch nicht dort, wo er hingehört. Aber die Kirche gehe davon
aus, daß er das schon sei:
„Hier besteht zwischen der Kirche und mir ein schwerer Dissens. Deshalb stehe
ich ganz bewußt im Abseits!“
Die moralischen Direktiven der Kirche setzten einen „voll zu sich selbst
gekommenen Menschen“ voraus.
Unter dem Interview befinden sich auch einige Kommentare. Einer stammt von
Leser ‘Pfarrer jolie’:
„»Biser: Ich habe mich mal als den letzten Modernisten bezeichnet; dabei würde
ich gerne bleiben.« Dann sei es so. Dieses Interview ist die Bestätigung. Ein trauriges Resumee nach
90 Jahren.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.