Mitte dieser Woche kündigte der Oberst der Schweizergarde seinen Rücktritt an. Der Grund für diesen spektakulären Schritt ist ein vatikanischer Machtkampf der Italiener gegen die Schweizer.
(kreuz.net, Vatikan) Am vergangenen Mittwoch hat der Kommmandant der Schweizergarde im Vatikan, Elmar
Theodor Mäder (44), seinen Rücktritt angekündigt.
Mäder war zehn Jahre lang Vizekommandant der kleinsten
Armee der Welt und fünf Jahre lang ihr Kommandant im Grad eines Obersten.
Die US-Tageszeitung ‘Washington
Times’ nannte jetzt den Grund für Mäders vorzeitigen Abgang.
Seit den 80er Jahren wird die Schweizergarde
immer mehr vom zweiten Wachkorps, der vatikanische Gendarmerie, die auf die Protektion einflußreicher
italienischer Prälaten im Staatssekretariat zählen kann, aus ihren Aufgabenbereichen verdrängt.
Die Gendarmerie existiert seit 1970 als
zivile Polizeieinheit. Sie übt im Vatikan die Funktion einer Staats-, Justiz- und Verkehrspolizei aus
und umfaßt 130 bis 150 Mann.
Ihr interner Kampf gegen die Schweizergarde dauert schon seit den 80er
Jahren.
Bei Auslandsreisen und Pastoralbesuchen in Rom drängen sich die Gendarmen bei der Beschützung
des Papstes gegenüber der Schweizergarde mehr und mehr in den Vordergrund.
Nun hat der vatikanische
Staatsekretär Tarcisio Kardinal Bertone vorgeschlagen, die von ihm protegierten Gendarmen sogar in die
Bewachung des Apostolischen Palastes einzubeziehen.
Bisher wurden die Gemächer des Papstes ausschließlich
von Schweizer Gardisten beschützt.
Die ‘Washington Times’ weiß auch Details zur persönlichen Situation
des Kommandaten der Schweizergarde.
Im Hinblick auf den Ablauf seiner Amtszeit wartete er vergeblich
darauf, daß die zuständigen Stellen im Staatssekretariat ihn um eine Verlängerung seiner Amtszeit gebeten
hätten. Darum entschied er sich, das Handtuch zu werfen.
Schon seit den späten 80er Jahren ist die
Stimmung in der Schweizer Garde wegen der sich vordrängenden Italiener und wegen den Intrigen aus dem
von Italienern dominierten Staatssekretariat schlecht.
Nach der Wahl von Benedikt XVI. hatte man in der
Garde – offenbar vergeblich – gehofft, daß der Papst persönlich einschreiten würde, um das Zurückdrängen
der Schweizergarde aufzuhalten.
Gardenintern gibt es jetzt die Hoffnung, daß wenigstens der spektakuläre
Rücktritt von Oberst Mäder den Papst auf den schwelenden Konflikt aufmerksam werden läßt.
Die Schweizer Garde ist aus dem Vatikan nicht wegzudenken
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23 Lesermeinungen
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#23 Don Lorenzo 08:29:18 | Mittwoch, 12. März 2008
Konflikt Gendarmeria gegen Schweizergarde fett Es ist ein Skandal um den Rücktritt von Oberst Elmar Mäder.
DiesTrauerspiel geht schon seit Jahrzehnten so. Der Beitrag von OSSERVATORE zeigt die Problematik gut
auf. Bei der Schweizergarde ist die relative kurze Dienstzeit sicher ein Nachteil. Der Vorteil ist aber,
dass die Gardisten weniger von diesem Umfeld eingenommen werden und nicht all’italiana Seilschaften bilden.
Da steht die Garde über der Sache! Auch ist die sehr gute Ausbildung erwähnenswert. So kann die Vielsprachigkeit
auch als eine Stärke angesehen werden. Bei der Gendarmeria (früher Vigilanza) ist das anders. Vetternwirtschaft
und übertriebene Anbiederung bei den Vorgesetzten im Vatikan sind bei diesem Wachpersonal alltäglich.Ohne
Raccomandazione (Empfehlung…) kriegt man im Vatikan sowie in Italien kaum eine Anstellung. Es ist wirklich
sehr zu hoffen, dass der Heilige Vater persönlich eingreift.Denn Papst Benedikt schätzt die Garde sehr.
Im Schatten von St. Peter führen die Italiener nach wie vor das Kommando. Auch mit einem Deutschen Papst.
Das wird sich nie ändern! Die treuen Schweizergardisten sind auch nach 502 Jahren „Stranieri“ Ausländer.
Aber immer TAPFER UND TREU Pace e bene Don Lorenzo
Oberst Mäder wird später vielleicht froh sein wenn die Lage im Vatikan und des Papstes sich zuspitzt
zum falschen Propheten, dass er nicht mehr Dienst halten muss. Da hat er dann ein ruhigeres Gewissen,
als die Gendarmerie, die sich mit Mobbing Macht verschaffte.
@D. Camillo: Aus diesem Forum schon. Noch eine kleine Frage: Sie schrieben: Sie sind wie gewohnt schlecht
informiert. Kennen wir uns? Aus diesem Forum schon.
Lang lebe die Schweizergarde ! Mehr muss ich eigentlich nicht sagen. Der letzte ehrenwerte Ueberbleibsel
der alten Eidgenossenschaft, die Napoleon endgueltig und fuer immer zerstoert hat. Heute sind die Schweizer
mehr oder weniger verweibert und verluemmelt.
Für eine glaubwürdige Neutralitätspolitik! Soll der Bundesrat diesem Trauerspiel ein Ende setzen! 500
Jahre fremden Fötzeln dienen sind genug! Sollen die Italiener „ihren“ Papst beschützen!
@D. Camillo: Ich bin jedenfalls sicher kein Schweizergardenexperte Aber der Tenor in diversen Artikeln,
was man so gelesen hat, ist, daß es keine Überbewerbung für die Schweizergarde gibt, insbesonders auch
wegen des Kriteriums „ausschließlich Schweizer Staatsangehörigkeit“. Wenn Sie sagen, es wäre anders,
daß dort eine Überbewerbung an Schweizern, die die Kriterien erfüllen, besteht, werden Sie schon Ihre
Begründung haben.
@„Don“ Camillo: Kontakte in die Schweizergarde schützt Sie nicht vor Fehlinformationen PS: Ich habe sehr
gute Kontakte in die Garde Die Schweizergarde kann ihren Bestand eher recht als schlecht halten.
@Marcelus Die Schweizergarde weist nur jene ab, die ihren Kriterien nicht entspricht. Tut mir leid, dass
ich Ihnen widersprechen muss. Die Schweizergarde hat eine Obergrenze bezüglich Anzahl Gardisten. Ich
meine, das liegt bei 125 Gardisten (inkl. Kader) – bin mir aber nicht 100% sicher. Auf jeden Fall ist
die Obergrenze um die Zahl rum. Wenn die Anzahl Gardisten unter 100 fällt, so redet man von Unterbesetzung.
Wenn sich also zu viele fähige Männer melden – was nach wie vor der Fall ist – so werden diese zurückgestellt.
Zudem: Je nach der Wirtschaftslage in der Schweiz bewerbern sich mehr oder weniger Männer um eine Gardistenstelle.
Ebenso damit zusammen hängt, wann der einzelne Gardist in die CH zurückkehrt. Für zwei Jahre hat sich
jeder Gardist zu verpflichten. Anschliessend kann er verlängern. PS: Ich habe sehr gute Kontakte in die
Garde.
@„Don“ Camillo: Sie sind wie gewohnt schlecht informiert Momentan kann sich die Schweizergarde aber nicht
über Personalmangel beklagen. Nach wie vor müssen immer noch fähige Bewerber von der Rekrutierungsstelle
abgewiesen werden. Die Schweizergarde weist nur jene ab, die ihren Kriterien nicht entspricht.
@Marcelus aber irgendwann wird man wegen Personalmangel auch Nichtschweizer in die Schweizergarde aufnehmen
müssen Momentan kann sich die Schweizergarde aber nicht über Personalmangel beklagen. Nach wie vor müssen
immer noch fähige Bewerber von der Rekrutierungsstelle abgewiesen werden. Und vielleicht gibt’s ja irgendwann
noch Gardistinnen?
Ein Wachpersonal, das nur eine bestimmte Staatsangehörigkeit besitzen darf, dieses Kriterium ist in der
heutigen Zeit schon etwas seltsam. Die Schweizer machen ihre Aufgabe sicher in Schweizer Vorbildlichkeit,
aber irgendwann wird man wegen Personalmangel auch Nichtschweizer in die Schweizergarde aufnehmen müssen.
Ein schon lange bekanntes Phänomen Die Spannungen zwischen der Schweizergarde und der vatikanischen Gendarmerie
bestehen schon seit vielen Jahren. Auch für Oberst Roland Buchs war dies der Grund seines Rücktritts.
Ich weiss es aus einem langen Gespräch, das ich mit ihm und dem Chef des päpstlichen Radios hatte. Der
Grund dafür ist in der Ausrichtung der Ausbildung zu suchen. Für ein Mitglied des Gendarmerie ist die
Arbeit im Vatikan eine Lebensaufgabe. So ist es zu verstehen, dass all die Energie und das Geld, das in
seine Ausbildung gesteckt wird, langfristig gut angelegt ist. Der Schweizergardist aber sieht seinen Dienst
im Vatikan als zeitlich beschränkte Aufgabe. Es sind vielleicht zwei, fünf oder zehn Jahre, die er als
Leibwächter des Papstes dient. Dann fährt er zurück in die Schweiz. Geht er später, dann er kaum noch
Chancen eine Job in seinem Heimatland zu finden. Aus dieser Sichtweise ist verständlich, dass das päpstliche
Staatssekretariat der Gendamerie einen höheren Stellenwert einräumt. Es bräuchte ein Umdenken in der
Sicherheitspolitik des Vatikans. Die Schweizergarde ist nach wie vor ein unentberliches Instrument. Es
sind junge Menschen, die aus Überzeugung und aus dem Glauben heraus diese Aufgabe erledigen. Es sind
keine Karrieristen. Im Gegensatz dazu ist es bekannt, dass die Gendarmerie – wie in Italien üblich –
meist durch Personen besetzt ist, die durch persönliche Beziehungen in diese Aufgabe hineinkommen. Wenn
dies nicht ändert, bleiben auch in Zukunft die Spannungen bestehen.
Bayerische Gebirgsschützen könnten das übernehmen! Die Schweizer Garde hat zwar eine große Tradition,
aber es wird zunehmend schwieriger werden in der überwiegend anti-katholischen Schweiz Nachwuchs zu rekrutieren.
nun offenbar ist es dem Papst wurscht ob er von Schweizern oder Italienern bewacht wird… solange diese
ihre Arbeit gut machen. Eine internationale Kirche sollte ja eigentlich auch ein internationales Wachpersonal
zulassen.
@matt2 Sie haben echt keine Ahnung – also sollten Sie das Herumvermuten beenden und sich erst einmal informieren
(vor Ort – das ist echt interessant!!!). Nur soviel: Ein Gardist arbeitet nicht nur, wenn man ihn in Uniform
(blau oder bunt) sieht. Alle Gardisten werden intensiv ausgebildet und leisten profesionellen Personenschutz
(auch in Zivil). Nicht umsonst ist diese Truppe bei der Abschaffung der Ehrengarden übrig geblieben.
Den Kompetenzstreit hat Oberst Mäder schon früher www.die-tagespost.de/…iv/titel_anzeige.asp?ID=17362
kritisiert und gerade die Reduzierung auf repräsentative Aufgaben als ein Problem benannt. Das gilt es
jetzt deutlich zu klären.
Schweizer Garde Die Aufgabenstellung der Schweizer Garde darf nicht eingeschränkt werden. Gegebenenfalls
sind die Rechte unverzüglich wiederherzustellen und auf ihre Geltung zu achten.
also soweit ich weiß gibt es nur die Bunten und die Blauen… den Blauen traut man das Tragen einer Schusswaffe
vom Schnittmuster der Uniform her noch eher zu, da sie etwas schlichter und militärischer wirkt. Bei
den Helebardenträgern kann ich mir kaum vorstellen, dass sie irgendwo eine Schusswaffe angebunden haben.
Im Notfall mit seien Patscherln in die Kaserne huschen und das Sturmgewehr rauskramen, kann auch nicht
sehr sinnvoll sein. Ich glaube hier ist einfach ein Aufgabenkonflikt. Die Garde versieht primär einen
Ehr- bzw. Zierdienst und ist bei einem echten Sicherheitsrisiko vielleicht überfordert schnell in die
notwendigen Maßnahmen des Personenschutzes zu wechseln. Da ist es dann besser man hat ein Sicherheitspersonal
und zusätzlich noch eine Ehrengarde, die eben rein repräsentativ wirkt.
@matt2 Da unterschätzen Sie die Schweizergarde tatsächlich. Die „bunten Vögel“ sind nicht die ganze
Garde, auch nicht bei öffentlichen Veranstaltungen. Vor einigen Jahren konnten wir bei einer Begegnung
mit Gardisten auch hinter die Kulissen schauen und bekamen einen Einblick in Ausbildung und Aufgaben.
Sie stellen wirklich einen wirksamen Schutz des Papstes dar (und verteidigen ihn nicht nur mit Hellebarden –
ein Blick in die Waffenkammer genügt). Die jetzigen Differenzen zeigen, wie wichtig die Schweizergarde
auch als „neutrale“ Kraft in den Interessens- und Machtspielchen innerhalb des Vatikanstaates war ist.
Es ist halt nicht mehr zeitgemäß… aus meiner Sicht verhält es sich mit den bunten Schweizer Gardisten
ähnlich wie mit den pompös-hütigen Royal Guards im Buckingham Palace. Sie sind halt in ihrer jetzigen
Form eher ein Showbetrieb und nicht wirklich als seriöses Sicherheitspersonal einzustufen. Oder kann
sich wer vorstellen, dass sich ein Terrorist von so einem bunten Vogel mit seiner schwerfälligen Hellebarde
einschüchtern lässt (oder haben sie da unter der Verkleidung etwa doch eine Schusspistole versteckt)?
Wenn sich der Vatikan auch mit der italischen Gendarmerie beschützt fühlt dann haben die Schweizer halt
ausgedient, es sei denn, man modernisiert sie, sodass sie ein zeitgemäßes Schutzpersonal darstellen.