Zwangsfusion in Aachen
Der Bischof verabschiedete sich in die Exerzitien
In einer Nacht- und Nebelaktion hat das Bistum Aachen begonnen, sich auf Kosten seiner Pfarreien zu sanieren. Doch von dort meldet sich Widerstand. Von Annemarie Holzmann.
Webseite des Bistums Aachen. Vorne im Bild: Mons. Mussinghoff
Webseite des Bistums Aachen. Vorne im Bild: Mons. Mussinghoff
(kreuz.net) „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ An diesen Ausspruch des DDR- Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht († 1973) auf einer internationalen Pressekonferenz am 15. Juni 1961 fühlen sich die Katholiken im Bistum Aachen zur Zeit erinnert.

Am 7. März wurde einem guten Viertel aller Pfarreien der Diözese über Nacht eine Zwangsfusion verordnet.

Noch kurz zuvor hatte der Bischof von Aachen, Mons. Heinrich Mussinghoff, auf einer Visitationsreise geleugnet, daß es entsprechende Pläne gäbe.

Zwar existierte bisher ein pastoraler Strukturplan, nach dem die Diözese nicht mehr in Dekanate, sondern in „Gemeinschaften von Gemeinden“ geordnet werden sollte. Dabei sollte die rechtliche Eigenständigkeit der Pfarreien erhalten bleiben.

Das Bistum Aachen in Westdeutschland
Das Bistum Aachen in Westdeutschland
Über verbindlichere Formen von vertraglich geregelten Kooperationsverbänden – „Gemeinschaften der Gemeinden“ – und Wirtschaftszusammenschlüssen für Personal- oder Liegenschaftsfragen in „Kirchengemeindeverbänden“ sollte am Ende die Fusion von Pfarreien zwar ein Fernziel sein – jedoch ein freiwilliges, von allen Verantwortlichen mitgetragenes.

Doch dieser Prozeß geriet ins Stocken, nachdem viele Pfarreien ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben wollten.

Hinzu kam, daß 160 Pfarreien den Beitritt zu neu installierten regionalen Verwaltungszentren verweigerten, weil diese sich als ineffizient erwiesen.

Die meisten von ihnen haben sich im „Aktionsbündnis Kirche vor Ort“ vernetzt.

Es geht nicht um die Pfarreien

Wirtschaftsfachleute hatten schon länger nachgewiesen, daß die Diözese mit der Verwaltungsreform nicht das Wohl der Kirchengemeinden im Auge hat, sondern die Sanierung ihres durch jahrzehntelange Mißwirtschaft in die roten Zahlen gekommenen Haushaltes betreibt.

Eine schlechte Verwaltung und die Kostenexplosion durch einen fragwürdigen Personalausbau hatte die Diözese Aachen in die Schuldenfalle getrieben.

Der Generalvikar Manfred von Holtum lagerte daraufhin einen großen Teil der Verwaltung in Verwaltungszentren aus. Sie sollen künftig von den Kirchengemeinden bezahlt werden.

Diesem Prozeß der Kostenumverteilung widersetzen sich zur Zeit 160 Pfarreien, weil sie nicht nur ihr Kapital, sondern auch die Seelsorge vor Ort gefährdet sehen.

Zum Funktionieren der neuen Verwaltungsstruktur ist nämlich ein hohes Maß an ehrenamtlichem Einsatz in der Pfarrverwaltung nötig. Da dies aber fehlt, werden den Pfarrern neue Lasten aufgebürdet, statt sie zu entlasten.

Auch die Pflege einer guten Liturgie und einer professionell ausgeführten Kirchenmusik wird für viele Pfarreien unmöglich gemacht, weil ihre Mittel in der neuen Verwaltungsstruktur versanden.

Die bistumsweite Umstellung auf eine kaufmännische Buchführung bereitet nicht nur den neuen Verwaltungszentren Probleme.

Das Bistum selber hat zum Beispiel im Jahre 2007 keinen Haushalt vorlegen können, weil die EDV-Umstellung über ein Jahr nach ihrer Einführung nicht funktioniert.

Auf diesem Hintergrund empfinden viele die buchstäblich über Nacht angeordnete Zwangsfusion von Kirchengemeinden als üblen Taschenspielertrick.

Weil man den Widerstand vielen Pfarreien nicht „brechen“ konnte, wie es Generalvikar Manfred von Holtum wörtlich angeordnet hatte, greift man nun zum äußersten Mittel der Auflösung und Fusion von Pfarreien.

Die neuen Großgebilde werden dann den Verwaltungszentren angeschlossen, damit die Diözese sich an deren Vermögen gesundstoßen kann.

Degradierung der Priester

Derweil gehen vor Ort buchstäblich die Lichter aus. Kirchenvorsteher drohen ihr Amt niederzulegen. Priester sind frustriert und enttäuscht von der widersprüchlichen Strategie des Bischofs, der plötzlich von einem lockeren Stil der Entscheidungsfindung in pseudodemokratischen Prozessen auf harte Diktatur umgestellt hat.

In den neuen Großpfarreien kann nach dem Kirchenrecht nur ein Priester Pfarrer sein.

Das hat zu Folge, daß langgediente Pfarrer ihrer Leitungsvollmacht beraubt werden und zum Kaplan zurückgestuft werden, welcher der Befehlsempfänger von Pastoralteams wird.

Hinzu kommt der wichtige Umstand, daß man jahrzehntelang die Zügel im Bereich der Glaubensverkündigung hat schleifen lassen.

Die Folgen: liturgischer Wildwuchs, ein oft amts-anmaßender Einsatz von Pastoral- und Gemeindereferenten, eine Pfarrgemeinderatssatzung, die das Gremium zum Aufsichtsrat für den Priester macht und die Laien aktiv an der Gemeindeleitung beteiligt, Pastoralteams, die dem Priester die mit der Weihe übertragene Leitungsvollmacht bestreiten.

Angesicht der teilweise extremen Verwerfungen und Unterschiede in der Glaubenspraxis wird es in den neuen Zwangsehen von Pfarreien unterschiedlichster Prägung nicht nur zu Reibereien, sondern auch zu Amtsniederlegungen von Priestern und Verweigerungen von ehrenamtlich tätigen Laien kommen.

Priestermangel wird verschärft

Das ‘Aktionsbündnis’ befürchtet zudem auch eine weitere drastische Zunahme des Priestermangels:

„Die meisten Priester werden durch die Neuordnung nämlich nicht entlastet, sondern durch die neuen Strukturen ihres Berufsprofils beraubt. Schon jetzt meiden jungen Männer den Schritt in den Priesterberuf, der ihnen keine klare Rolle in der Leitung mehr zuweist.“

Indes verfolgen Generalvikar Manfred von Holtum und sein für den pastoralen Strukturwandel verantwortlicher Hauptabteilungsleiter und langjährige Bundespräses des ‘Bundes der deutschen katholischen Jugend’, Rolf-Peter Cremer, die eingeschlagene Linie mit ideologischer Verbissenheit bis zur Neige weiter.

Tragisch für Priester und Pfarreien, deren letzte Motivation auf dem grünen Tisch fragwürdigen Planspielen geopfert wird.

Während das Bistum Kopf steht, verabschiedete sich der Bischof nach der Pressekonferenz für eine Woche in Exerzitien.

Daß er dort zur Besinnung kommt, ist nach allem, was geschehen ist, zu bezweifeln.
      
24 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#24   carolusmagnus   07:46:01 | Mittwoch, 19. März 2008
vermeintlicher „Bischof“ Braun
Hier gibt es einige Hintergrundinformationen zu „Möchtegernbischof“ Braun von „Jüchen“ im Bistum Aachen:
www.rp-online.de/…h/nachrichten/500637
(link ins Browserfenster kopieren und los gehts…)
Redaktion benachrichtigen
#23   bischofbraun   02:09:10 | Mittwoch, 19. März 2008
Der Bischof verabschiedet sich in die Exerzitien
[kursiv]In den neuen Großpfarreien kann nach dem Kirchenrecht nur ein Priester Pfarrer sein.
Das hat zu Folge, daß langgediente Pfarrer ihrer Leitungsvollmacht beraubt werden und zum Kaplan zurückgestuft werden, welcher der Befehlsempfänger von Pastoralteams wird.[kursiv]
Was bitte hatt denn das Eine mit dem Andern zu tun.
Natürlich seht der Titel „Pfarrer“ nur einem Priester zu!
Haben Sie schon einmal einen Diakon oder einen ungeweihten Theologen getroffen, der sich „Pfarrer“ nannte?
Anstatt irgend einen Müll zu schreiben, sollten wir vielleicht besser beten, dass der Bischof von Aachen seine Entscheidungen im Sinne des Heiligen Geistes trifft;
Davon abgesehen hat jeder Priester seinem Bischof bei der Weihe gehorsam versprochen!
Was sind das denn für tolle Priester, die den Kopf in den Sand stecken, weil sie vom „Pfarrer“ zum „Pfarrverweser“ oder „Kaplan“ runtergestuft werden?
Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass das überhaupt geschieht. Pfarrer ist ein Titel wie Monsignore oder Prälat usw. den kann auch der Bischof von Aachen ihnen nicht mehr nehmen!!!
Da hat mal wieder einer geplaudert, der nun wirklich keine Ahnung hat. Das mag vielleicht bei FSSPX so sein, aber nicht in der römisch-katholischen Kirche!
Im Übrigen sagt das Wort „TEAM“ auch schon aus, dass die Priester, die einem solchen Team angehören „Teamarbeit“ leisten und nicht einer alleine sagt, wo es lang geht!!!
Im Gebte um Erleuchtung verbunden,
+Matthias Braun
Bischof der Neu-katholischen Kirche
Redaktion benachrichtigen
#22   carolusmagnus   08:59:16 | Freitag, 14. März 2008
Wille der Betroffenen…
Wenn der Bischof den Willen der Betroffenen nicht kennt, so hat er scheinbar den Kontakt zu seinen Gläubigen verloren oder gar nicht gesucht. Er wird ihn unweigerlich noch kennenlernen, sobald er in die Öffentlichkeit zurückkehrt, das wird ihm nicht erspart bleiben. Er könnte ihn schon kennen, wenn er Zeitungen liest. In den regionalen Tageszeitungen, die ja auch im Internet viele Artikel einstellen, waren die befragten Betroffenen, seien es Pfarrer, Kirchenvorstandsmitglieder, Ehrenamtliche oder einfache Gemeindemitglieder entsetzt. Wofür soll es gut sein, wenn die Betroffenen – nachdem die Entscheidung bereits getroffen ist – ihre Meinung kundtun dürfen bis September? Will man hier eine nicht vorhandene Demokratie vorgaukeln? Ein guter Führungsstil wäre, die Meinung der Betroffenen vorher anzuhören und dann eine Entscheidung zu treffen. Selbst der Protest der Katholiken vor Ort, den viele schon angekündigt haben, wird vermutlich nicht viel nutzen, da die Vergangenheit gezeigt hat, daß der Bischof von Aachen sich gerne hinter den Vertretern des Generalvikariats versteckt, wenn es um unangenehme Entscheidungen geht. Der Preis dafür ist allerdings, daß diese Herren dann auch die Entscheidungen gleich selbst treffen wollen. Der Bischof erklärte noch auf seiner letzten Visitationsreise, es gäbe nur freiwillige Fusionen, derweil man im Generalvikariat scheinbar bereits andere Pläne hatte – daß der Bischof auf seiner Visitationsreise log, wollen wir doch nicht unterstellen…
Redaktion benachrichtigen
#21   jeremy   08:36:02 | Freitag, 14. März 2008
Zwangsfusionen
Interessanter Ansatz.
Wie wäre es mit der Auflösung des bankrotten Bistums Essen und die Rückübergabe der Gebietsbezirke an die ehemaligen Bistümer. Die Kosten für den Bistumshaushalt könnten ohne weiteres zur Tilgung der Schulden der Diözese aufgewandt werden.
Das Experiment des Ruhr-Bistums scheint ziemlich eindeutig gescheitert. Und da wo es nur noch Mangelverwaltung gibt…
Redaktion benachrichtigen
#20   Gotthard   23:01:48 | Donnerstag, 13. März 2008
@carolusmagnus
In Aachen hat der Bischof gegen den Willen der meisten Betroffenen nun Zwangsfusionen von Pfarreien beschlossen.
Woher kennst du den Willen der Betroffenen? Der Bischof kennt ihn auch noch nicht – die Betroffenen wurden vorher nicht informiert und nicht befragt, können aber nun ihre meinung kundtun bis zum September.
Die fusionen sollen am 1.1.2010 wirksam werden.
Wer sich nur ein ganz klein wenig in Köln auskennt, sollte wissen, wie diktatorisch dort gehandelt wird…
Redaktion benachrichtigen
#19   carolusmagnus   16:58:51 | Donnerstag, 13. März 2008
Zwangsfusionen…
In Aachen hat der Bischof gegen den Willen der meisten Betroffenen nun Zwangsfusionen von Pfarreien beschlossen. Das Vermögen der fusionierten Pfarreien, die zunächst nur als Filialkirchen bestehen bleiben – bis sie dann irgendwann ganz geschlossen werden – geht in diejenigen Pfarreien über, die zunächst bestehen bleiben, bzw. neu gebildet werden.
Konsequent weitergedacht, kommt man zu der Überlegung, ob der Papst nicht auch Zwangsfusionen von Bistümern anordnen sollte. Das finanziell angeschlagne Bistum Aachen gehört rechtlich als Suffragandiözese zur Kirchenprovinz Köln. Was spräche denn gegen eine Fusion mit dem Erzbistum Köln, das noch übriggebliebene Vermögen der Aachener Diözese könnte so vor weiterer Mißwirtschaft gerettet werden, die Verwaltungskosten gesenkt werden und zudem wäre es noch nicht einmal neu, 1821 wurde das Bistum schon einmal zwischen Köln und Münster aufgeteilt. Angesichts des, wenn zum Teil auch gewollten Priestermangels, und des für die kommenden Jahre zu erwartenden Gläubigenschwundes doch eigentlich eine vernünftige Sache. Wenn man den bisherigen Kurs weiterfährt, werden irgendwann für Deutschland vielleicht ein Nord- und ein Südbistum ausreichen. Die in Aachen nach der Zwangsfusion mit Köln überflüssigen Würdenträger könnte der Papst doch in die Nuntiatur im Iran „befördern“ wie dereinst Bugnini oder vielleicht zum Titularerzbischof von Diocletiana ernennen, was es 1972 auch schon mal gab…
Redaktion benachrichtigen
#18   FiliusEcclesiae   22:50:46 | Mittwoch, 12. März 2008
@Gotthard: Zum Teufel geschickt?
wie ich den Nachrichten auf diese Seite entnommen habe, gibt es doch im Bistum Aachen einen Pfarrer, der Messen im Alten Ritus ganz offiziell feiert – und noch nicht zum Teufel geschickt worden ist.
Nicht zum Teufel geschickt?
Da hat er ja noch mal Glück gehabt.
Redaktion benachrichtigen
#17   Gotthard   22:48:09 | Mittwoch, 12. März 2008
@filiusEcclesiae
wie ich den Nachrichten auf diese Seite entnommen habe, gibt es doch im Bistum Aachen einen Pfarrer, der Messen im Alten Ritus ganz offiziell feiert – und noch nicht zum Teufel geschickt worden ist.
Was also hast du?
Redaktion benachrichtigen
#16   FiliusEcclesiae   21:55:34 | Mittwoch, 12. März 2008
@Gotthard: Ist Lügen etwa im Gotthard-
„V2“-Christentum erlaubt?
Redaktion benachrichtigen
#15   Gotthard   21:53:58 | Mittwoch, 12. März 2008
@filiusEcclesiae
@Gotthard: Nicht lügen
träume weiter!!!!!!!!!!!!!
Redaktion benachrichtigen
#14   FiliusEcclesiae   21:50:21 | Mittwoch, 12. März 2008
@Gotthard: Nicht lügen
Von Unterdrückung kann ja wohl keine Rede sein…
es gibt einfach kein Interesse an dieser alten Form unserer katholischen Messe …
Kein Interesse in der lokalen Kirchenhierarchie, die die alte Messe verbieten wollen.
Die Gläubigen haben diese schon längst vertrieben, durch ihre „Meßexperimente“ seit 1969.
Redaktion benachrichtigen
#13   Gotthard   21:48:58 | Mittwoch, 12. März 2008
@marcelus
Jeder Priester kann doch heute die „Alte Messe“ privat zelebrieren – und muss die Türen der Kirche dafür nicht schließen.
Aber wo sind denn diese Priester … wo stehen die Kirchentüren offen?
Von Unterdrückung kann ja wohl keine Rede sein…
es gibt einfach kein Interesse an dieser alten Form unserer katholischen Messe …
Redaktion benachrichtigen
#12   Marcelus   20:50:28 | Mittwoch, 12. März 2008
Die Verfolgung der Alten Messe war bzw. ist doch
autoritärer Klerikalismus in Reinkultur, was denn sonst?
Redaktion benachrichtigen
#11   Gotthard   20:45:47 | Mittwoch, 12. März 2008
@carolusmagnus
Da werden jetzt zuerst die zwangsfusionierten Pfarreien enteignet und zu Filialkirchen.
Ich vermute stark, dass diese Bistumsleitung sich eine Liste der Pfarreien im Jahre 1910 vorgenommen hat – und zurück zur traditionellen Pfarrstruktur gehen will.
Redaktion benachrichtigen
#10   carolusmagnus   17:45:10 | Mittwoch, 12. März 2008
Die Maske fällt…
Ganz ungewohnt tritt hier der „autoritäre Klerikalismus“ offen zu Tage, die Antragsteller für den außerordentlichen Ritus im Bistum Aachen kennen ihn schon länger. Jetzt bekommen ihn auch die restlichen Gläubigen des Aachener Bistums zu spüren, hier fällt die freundliche Maske einmal, denn hier geht es um Geld und Macht. Die Herrschaften vom Bistum und Generalvikariat machen sich ein feines Leben mit ebensofeinen Gehältern und Dienstwagen auf Kosten der Kirchensteuerzahler – der sog. „evangelische Rat der Armut“ soll jetzt anderen mit Gewalt beigebracht werden. Da werden jetzt zuerst die zwangsfusionierten Pfarreien enteignet und zu Filialkirchen. Der nächste Schritt, wenn sich die Wogen wieder geglättet haben, wird die Schließung der Filialkirchen – eine nach der anderen – sein. Der Bischof gibt keine gute Figur ab als Marionette der grauen Emminenzen des Generalvikariats von Holtum und Cremer. Die Mißwirtschaft in Aachen ist nicht nur betriebswirtschaftlich-finanzieller Art, sondern auf dem Sektor der Seel- und Hirtensorge noch viel gravierender. Auf einen baldigen Rücktritt der Riege Mussinghoff/von Holtum/Cremer hoffen die Gläubigen wohl vergeblich…
Redaktion benachrichtigen
#9   kaylet   17:23:53 | Mittwoch, 12. März 2008
@ bonifatius
volle Zustimmung.
Das würde zwar einen enormen und schmerzlichen Verlust an Geld, Macht und Einfluss bedeuten, aber der kommt sowieso bald. Wenn noch jetzt (zu Zeiten der letzten Reste der Volkskirche) umgestellt würde, könnte vieles gerettet werden, müssen künftige Gläubige nicht völlig bei Null anfangen.
Liebe Mitkatholiken, es ist unsre Aufgabe, die ersten Schritte zur Reorganisation zu gehen. Wir sollten dies nicht alles unsren Kindern überlassen. Es ist auch ehrenvoller und im Himmel verdienstvoller, den fast leeren Teich wieder zu füllen als mit dem letzten Drittel an Wasser noch die Turbine anzutreiben. Es zeigt sich immer mehr, dass der Liberalismus nur der Schaum auf der Welle war, ohne Welle gibt es aber keinen Schaum mehr.
Redaktion benachrichtigen
#8   Benedikt   16:16:06 | Mittwoch, 12. März 2008
@ Pater Lingen
Jaja und in der alten Liturgie liegen Missstände wie acht Minuten Messen, Spinnenweben im Tabernakel, Konsekration außerhalb der Messe etc „begründet“. Sie haben ein magisches Liturgieverständnis. Die Ursache dieser Missstände ist nicht ein geschriebener Text, sondern die schlechte Ausbildung der Liturgen. Was auch sonst.
Redaktion benachrichtigen
#7   Pater Lingen   16:11:56 | Mittwoch, 12. März 2008
„Die Folgen: liturgischer Wildwuchs“
Ähm – das hat nichts mit irgendeinem „Führungsstil“ zu tun, sondern liegt ganz einfach in der V2-„Liturgie“ an sich begründet.
Ich kann mich noch an gut meine V2-Zeit erinnern, als ich förmlich von „Pfarre“ zu „Pfarre“ gehetzt bin, um wenigstens eine „erträgliche“ „Liturgie“ zu finden, natürlich erfolglos.
Und ich kann mich auch noch an mein diesbzgl. Schreiben an Klaus Hemmerle erinnern, sowie an seine „Antwort“.
Also: Bitte nicht falsche Ursachen vorschieben, sondern die wahren Ursachen beim Namen nennen – und abstellen.
Redaktion benachrichtigen
#6   HeinrichvonOfterdingen   15:02:34 | Mittwoch, 12. März 2008
Lieber Bonifaz,
sehr einfach gedacht. Tja wenn es so einfach wäre …
Redaktion benachrichtigen
#5   bonifatius   14:42:35 | Mittwoch, 12. März 2008
Vorschlag eines einfach denkenden Gläubigen
Langsam, aber sicher zerfasert die fast amtliche ausgerichtete Kirchenstruktur, die mit dem Glauben sowieso nichts mehr am Hut hatte. Was wäre zu überlegen?
1. Einstellung der Kirchensteuer (Konkordat)
2. Die noch gläubigen Kirchgänger zahlen die Höhe der bisherigen Steuer an den Priester (oder eine ihm unterstellte Administration), dem sie vertrauen und der sie als Hirte betreut. Diese Einheit bezeichnet man als Glaubensgemeinschaft
3. Mehrere solcher Glaubensgemeinschaften bilden eine Herde, die von einem Oberhirten(als Apostelnachfolger) beschützt, belehrt und im Glauben auch durch sein eigenes Beispiel gestärkt wird. Dieser Oberhirte wird ausschließlich vom Pabst ernannt und geweiht.
4. Strukturen, wie z.B. Domkapitulare, Räte jeglicher Art, werden abgeschafft.
5. Für die existentielle Versorgung der Apostelnachfolger wird der Staat entpflichtet (Konkordat). Hierfür und für die Priesterausbildung kommt die Glaubensgemeinschaft auf.
Mit Gebet zum Heiligen Geist um Glaube, Hoffnung und Liebe und Gottvertrauen wäre diese derzeitige unheile und unheilige Zeit zu überwinden.
ad fundamentum et fontes!
Redaktion benachrichtigen
#4   Uriel   13:44:10 | Mittwoch, 12. März 2008
Unverständnis
also manchmal kann ich einfach nicht verstehen, wie die Argumentation läuft. Einerseits beschwert man sich, dass dem Priester Leitungsgewalt abgesprochen wird und andererseits spricht man sie gleichzeitig dem Bischof ab. Wer mag das verstehen. Auch finde ich es sehr merkwürdig, dass hier die Leitungsgewalt als DAS wesentliche Element des priesterlichen Berufs ausgegeben wird. Als wenn einer Priester wird nur um eine Leitungsfunktion innehaben möchte. Wenn einer einer eine starke Sehnsucht hat, dann kann er diese in anderen Berufen sicherlich besser ausüben. Und wenn dies jene zurückschreckt, die überlegen Priester werden zu wollen, na dann… Es muss immer im Auge behalten werden, dass der Priesterberuf ein dienendes Amt ist, auch wenn es klar mit Leitung verbunden ist.
Auch die Argumentation der Mehrarbeit kann ich nicht ganz verstehen. Es ist doch eine fantastische Entlastung für Priester, wenn sie zukünftig in der Großpfarrei nur noch die Sitzungen vom einem Pfarrgemeinderat und einem Kirchenvorstand besuchen müssen, anstatt von jeweils fünf. Ich kenne Priester, die dies sehr begrüßen. Und übrigens: Wenns weniger Gremien gibt ist es auch nicht so schlimm wenn ein paar ihr „Amt“ niederlegen. ;-) (kleiner Scherz zum Ende)
Redaktion benachrichtigen
#3   raindance1 †   13:12:16 | Mittwoch, 12. März 2008
soll es nicht genauso ablaufen?
die NOM Kirche soll doch besser früher als später am Ende sein…Aachen macht einen riesen Schritt dem Ende entgegen…
Redaktion benachrichtigen
#2   giovanniparvo   10:09:23 | Mittwoch, 12. März 2008
treffend
Der Artikel beschreibt sehr treffend die Folgen einer solchen Leitungsentscheidung. Seit 2003 laufen im Erzbistum Berlin die Umstrukturierungsprozesse, die jetzt Aachen beschlossen hat. Auch hier: Reibereien, Verschleiss von Priestern, Mitarbeitern, Ehrenamtlichen, Frustrationen, Enttäuschungen – und ein eklatanter Priesterüberschuss durch die Pfarreienzusammenlegung, so dass Berlin Priester ausleiht oder zwangspensioniert. Wer flexibel ist, sollte sich in anderen Diözesen umschauen, die dringender Priester brauchen.
Redaktion benachrichtigen
#1   Romulus   10:02:55 | Mittwoch, 12. März 2008
So sieht es überall aus
So wie in dem Artikel beschrieben, sieht es nicht nur im Bistum Aachen, sondern in fast allen deutschen Diözesen aus. Nur Naivlinge könnten glauben, dass es um die Pfarreien geht, es geht um die Kohle, fertig aus. In meinem Bistum gibt es jetzt wieder einen Priesterüberschuß, aber nicht weil so viele geweiht wurden, sondern weil eben die Anzahl der Pfarreien reduziert wurde. Mittlerweile fehlen also die Stellen… Im Statistiken frisieren sind die Deutschen Bischöfe einzigartig… Aus Priestermangel mach Priesterüberschuß, eckt klasse… Wenn ihr nur mal die Rechnung nicht ohne den Wirt gemacht habt!
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Pfarrer Hendrick JolieTanz auf dem Vulkan Bistum FuldaEine bedächtige Antwortgabe Pastoraler ProzeßSchöngeredetes Abbruch-Unternehmen Pfarrer-RauswurfZur Türe hinaus komplimentiert Pfarrer-RauswurfIn eine Garage ausgelagert Pfarrer-RauswurfDer Schritt des Bischofs von Augsburg bleibt rätselhaft Pastoraler ProzeßAnarchie und Totalitarismus gleichzeitig Pfarrer-Rauswurf„Monsignore will nicht“ Bistum AugsburgDer nächste Pfarrer wurde fertiggemacht Pastoraler ProzeßWas steckt hinter der romtreuen Fassade? Alte Messe in FuldaUnnötige Erlaubnis Pastoraler ProzeßDie DDR ist schuld Pastoraler ProzeßNeue kirchenfeindliche Dechanten Pastoraler ProzeßDer Bischof von Fulda mit der Pest Pastoraler ProzeßAugenwischerei im Bistum Fulda
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net