Abt von Le Barroux
Warum seine Mitra so klein war
Bei der Beerdigung des Gründers der Benediktinerabtei in Le Barroux hat der Sekretär der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Prälat Camille Perl, ein besonderes Zeugnis abgegeben. Der Text.
Dom Gerard Calvet
Dom Gerard Calvet
(kreuz.net) Der gnädige Herr Abt von Le Barroux hat mich gebeten, ein persönliches Zeugnis über den Verstorbenen abzugeben. Das tue ich gerne.

Ich habe Dom Gérard im November 1987 kennengelernt. Damals begleitete ich Kurienkardinal Édouard Gagnon († 2007) während der apostolischen Visitation des Klosters Le Barroux, die im Hinblick auf eine Wiederversöhnung mit dem Apostolischen Stuhl durchgeführt wurde.

Am Abend nach unserer Ankunft saßen wir im großen Sprechzimmer um das Kaminfeuer: Dom Gérard, damals noch Prior, war sichtbar ergriffen. In einem bestimmen Augenblick warf er sich neben dem Kardinal auf die Knie und bat diesen um Vergebung für alles, was er je gegen den Papst und den Heiligen Stuhl gesagt hatte.

Das war Dom Gérard: Er nahm gewiß kein Blatt vor den Mund. Aber zutiefst in seinem Herzen blieb er demütig und fähig, seine Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu bitten.

Dom Gerard Calvet
Dom Gerard Calvet
Auf diese Weise begann das Tauwetter zwischen Rom und Le Barroux. Es führte im folgenden Jahr zu einer vollen Versöhnung, die dieses Mal durch einen anderen großen Kardinal, Paul Augustin Mayer (96), ebenfalls Benediktiner, besiegelt wurde.

Kardinal Mayer war in der Zwischenzeit der erste Präsident der von Johannes Paul II. gewollten päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ geworden.

Am Ende des Weges weihte der gleiche Kardinal Mayer Dom Gérard zum Abt.

Heute sendet auch er, 96jährig, sein aufrichtiges Beileid an die ganze Gemeinschaft, ebenso wie der aktuelle Präsident der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillón Hoyos.

Nach seiner Ernennung zum Abt von Sainte-Madeleine wünschte sich Dom Gérard für die Abtsweihe eine etwas besondere Mitra, die sehr schön, aber außerordentlich klein war.

Auch das war Dom Gérard: Er war sich seiner Würde als Abt bewußt. Aber er blieb bescheiden.

Er liebte die Schönheit in allem, was das Haus Gottes und die Liturgie betrifft, aber er wollte keinen Glanz und keine Pracht für sich selber.

Da war auch seine Treue zum Stuhle Petri. Nachdem die Einheit einmal erlangt war, blieb er dem, was er während seiner Abtweihe gemäß dem Pontificale Romanum versprochen hatte, treu:

„Ego ab hac hora inantea fidelis et oboediens ero beato Petro Apostolo, sanctæque Romanæ Ecclesiæ, et Domino nostro Papae suisque successoribus canonice intrantibus“ – Ich werde von dieser Stunde an dem Seligen Apostel Petrus und der Heiligen Römischen Kirche und unserem Herrn Papst und seinen kanonischen Nachfolgern treu und gehorsam sein.

Wenn er manchmal Schwierigkeiten mit den Oberen hatte, litt er darunter. Er sprach und schrieb darüber manchmal mit lauter Stimme. Aber er ließ an seiner Treue keine Zweifel aufkommen.

Dom Gérard, Benediktinermönch aus ganzem Herzen, wäre gerne wie ein Soldat in der Schlacht in seiner Stalle im Chor der Kirche von Le Barroux gestorben – nach dem Wort des Heiligen Benedikt, wonach die Mönche unter Regel und Abt Kriegsdienst leisten.

Der Herr hat seine etwas ungewöhnliche Bitte nicht erhört. Aber seine letzten Worte waren jene der Non, die er mit seinem Abt rezitierte:

Pater noster, qui es in cælis, sanctificetur nomen tuum, adveniat regnum tuum… fiat voluntas Tua.

Übersetzung der im Original auf gehaltenen Ansprache.
      
15 Lesermeinungen
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#15   Anita Berber †   00:51:43 | Samstag, 15. März 2008
Ich würde sagen…
…das Durchschnittsalter auf dieser Seite liegt bei 75 +.
Das erklärt auch warum es hier so oft um den Zweiten Weltkrieg geht.
Anscheinend halten die jetzt alle ihren Schönheitsschlaf.
Dabei heißt es, je näher man dem Tod ist desto weniger Schlaf braucht man.
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#14   Rübezahl   00:29:07 | Samstag, 15. März 2008
Brevier
Sacerdos helveticus:
„Hier wäre das nicht das Breviarium Romanum, sondern das Breviarium Monasticum zu konsultieren.“
Anders kann’s auch nicht sein.
Ich habe gerade nachgeschaut, die Übersetzung des fraglichen Satzes im Artikel stimmt.
Das Original lautet:
„Le Seigneur n’a pas exaucé cette prière un peu spéciale, mais ses dernières paroles étaient celles de l’office de None, récitées avec son abbé : Pater noster, qui es in cælis, sanctificetur nomen tuum, adveniat regnum tuum… fiat voluntas Tua.“
Dass es jedoch „solche“ Unterschiede zum Monasticum scheinbar gibt, war mir nicht bekannt.
Liebe Grüße
der Rübezahl
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#13   sacerdos helveticus   00:14:14 | Samstag, 15. März 2008
Breviergebet
Hier wäre das nicht das Breviarium Romanum, sondern das Breviarium Monasticum zu konsultieren. Auch von diesem gibt es eine Ausgabe gemäss den Rubriken von 1960/2.
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#12   Rübezahl   23:51:00 | Freitag, 14. März 2008
Non – Pater noster
Vater Unser in der Non? – Das wüßt ich aber …
:-)
„ Preces dicuntur tantum in Officiis de Tempore, et quidem:
a) in Laudibus et Vesperis feriæ IV et VI temporis Adventus, Quadragesimæ et Passionis;
b) in Laudibus et Vesperis feriæ IV et VI Quatuor Temporum mensis septembris;
c) in Laudibus sabbatorum Quatuor Temporum, excepto sabbato infra octavam Pentecostes. „
Liebe Grüße
der Rübezahl
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#11   Benedikt   23:24:37 | Freitag, 14. März 2008
@ Bischof
Ja kommt das Vaterunser nun in der Non (nach 1962er Brevier) vor oder nicht?
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#10   Alois Bischof   13:44:55 | Donnerstag, 13. März 2008
Benedikt,
das ist doch ganz einfach. Die infiltrierte und übernommene, vorher gute Liturgische Bewegung wurde ab 1965 von Leuten übernommen die den animus delendi als Ziel und Treibstoff hatten, und sovieles wie möglich zerstören („reformieren“) wollten.
Das gilt auch bei den neomodernistischen („liberalen“ bzw. „konzilstreuen“) Theologen und Vatikanbürokraten in Frage der hl. kath. Glaubenslehre und der Disziplin.
Warum wundern Sie sich erst jetzt über die Totalzerstörung der hlg. römisch-katholischen Kirche die schon 40 Jahre vorangetrieben wird. Nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in der infiltrierten Vatikanbürokratie.
Animus delendi. Das Stichwort. Es gibt dazu auch ein Buch. Googlen Sie mal.
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#9   Benedikt   11:42:07 | Donnerstag, 13. März 2008
Frage
Die letzte Sätze bedeuten, dass in der Non im alten Brevier das Vaterunser vorkommt – ist das so? Warum wurde das gestrichen?
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#8   LandorganistII   08:39:21 | Donnerstag, 13. März 2008
@marcelus
Pappendeckel? :-@ Das ist Häresie!
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#7   Alois Bischof   00:22:11 | Donnerstag, 13. März 2008
Versöhnung
Wiederversöhnung“, „Versöhnung“ und Trennungen überwinden?
Wieso denn Prälat Perl, wo doch niemals ein Schisma da war und die Krise auch jetzt Dom Gérards Widerstandsaktivitäten Legitimität verleiht!
Oder hat er sich eigentlich mit einer „neuen Ideologie“ „versöhnt“ die seit 1958, 1962 oder 1965 im Vatikan vorherrscht und die weltweite Kirche verwirrt und sogar die letzten treuen Schäflein vergiftet? Wenn die alte, wirklich römisch-katholische Kirche, z.B. unter Pius XII., die wahre und richtige wahr, hat Dom Gérard lediglich „weitergegeben, was auch er bekommen“ (cfr. 2 Thess.) und dann gäbe es nur eine Versöhnung von Irrlehrern und denjenigen die die kirchliche katholische Disziplin auf und nach dem Konzil verworfen hatten, mit der katholischen Kirche, und so war doch Dom Gérard nicht im Irrtum, als er einfach das Benediktinerleben so weiterführte und das hl. Meßopfer só zelebrierte, wie er es auch aus der Hand der hl. Kirche empfangen hatte!
Requiescat in pace.
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#6   Marcelus   20:31:28 | Mittwoch, 12. März 2008
Die Mitra kann doch sicher auch lang oder kurz sein
Eine Mitra besteht doch grundsätzlich aus zwei Pappendeckeln.
Tridentinus
Im Deutschen ist eine Mitra entwender hoch oder niedrig, nicht aber lang oder kurz.
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#5   LandorganistII   19:35:42 | Mittwoch, 12. März 2008
Na, wenn der Verstorbene
bei der Wahl seiner Mitra da mal nicht gegen irgendwelche von den Tradis so geliebten Rubriken verstoßen hat…
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#4   Alois Bischof   19:12:21 | Mittwoch, 12. März 2008
Status
Die Abtei Le Barroux ist seit August 1988 nicht mehr mit der römisch-katholischen pia unio Priesterbruderschaft St. Pius X. assoziiert, sondern seitdem eine direkt dem Hl. Stuhl unterstellte Abtei mit Erlaubnis zum Verwenden aller liturgischen Bücher des Jahres 1962 („tridentinisch“).
Von 1973 bis 1988 war der vor kurzem gestorbene Dom Gérard O.S.B. einer der festesten und treuesten Verbündeten des großen Helden des Traditionswiderstandes, Erzbischof Lefebvres.
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#3   Gotthard   18:34:57 | Mittwoch, 12. März 2008
Status?
Ist diese Abtei nun eine Ecclesia Dei Gemeinschaft oder gehört sie zu den Pius-Leuten?
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#2   Alois Bischof   17:59:15 | Mittwoch, 12. März 2008
Dom Gérard
war ein guter Mensch und Abt und hat das Benediktinerleben in Westeuropa fast gerettet, könnte man sagen.
Jedoch daß Prälat Perl hier wieder spricht über Versöhnung mit dem Apostolischen Stuhl, als wäre Le Barroux in irgendeinem „Schisma“ gewesen 1987, und über einen Kniefall (der humilitas ausdrückt) wegen dessen was er angeblich über Papst und Bischöfe gesagt habe, ist unerträglich.
Natürlich wollen Vatikanische Karrierebürokaten des Neomodernismus und des Neoprotestantismus und des Ökumenismus ihre Position stärken, aber die Kritik Dom Gerards und Erzbischof Lefebvres an den panreligiösen, synkretistischen, relativistischen und (falsch)ökumenistischen Aussagen Pauls VI., Johannes Paul II. war doch nicht unberechtigt.
Im Gegenteil, heutzutage erscheint uns diese Zurechtweisung des „erneuerten“ „modernen“ Roms seitens des damaligen Benediktiners und seines treuen, bescheidenen Erzbischöflichen Verbündeten, als nahezu prophetisch, wo doch die totale Apostatie der einmals katholischen Länder wegen des Liberalismus und des Progressismus in Kirche und Staat nach Vatikanum II. und die totale Vernichtung des Heiligen und unwandelbar Wahren in der hl. römisch-Katholischen Kirche Gottes so deutlich sind wie noch nie.
Bescheidenheit. Dom Gérard wollte das gute sehen, aber war er nicht allzu positiv und vielleicht sogar (aber nicht skandalös) etwas naiv in den Beziehungen zum „neuen“ Vatikan, wo anglikanische Erzlaien ihre „Eucharistie“ feiern dürfen in Santà Sabina?
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#1   Tridentinus   17:22:15 | Mittwoch, 12. März 2008
Im Deutschen
ist eine Mitra entwender hoch oder niedrig, nicht aber lang oder kurz. Das müsste bei der Übersetzung aus dem Französischen natürlich berücksichtigt werden, zumal es schon in der Überschrift vorkommt. Für mein Sprachempfinden ein peinlicher Lapsus!
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