Pastoraler Prozeß
Zu viele Sitzungen
Mitte Februar hat der Pfarrer einer Großpfarrei im Bistum Essen sein Amt aufgegeben. Offenbar blieb ihm vor lauter Verwaltung für die Seelsorge immer weniger Raum.
Der Wirkort des Pfarrers: nicht mehr die Kirche, sondern der runde Tisch.
Der Wirkort des Pfarrers: nicht mehr die Kirche, sondern der runde Tisch.
© Jonas K., CC
(kreuz.net, Gelsenkirchen) Schlechte Nachricht für die Pfarrei Sankt Joseph in Gelsenkirchen- Schalke im Bistum Essen.

Der dortige Pfarrer, Hw. Rainer Gessmann, hat Mitte Februar angekündigt, sein Amt aufgeben zu wollen.

Die Pfarrei Sankt Joseph in Schalke umfaßt ungefähr 18.500 Gläubige mit den vier Gemeindekirchen St. Joseph, Heilige Dreifaltigkeit, Sankt Antonius und Sankt Elisabeth.

„Am vergangenen Wochenende habe ich dem Kirchenvorstand der Pfarrei und der Gemeinde Sankt Joseph mitgeteilt, daß ich meinen Dienst als Pfarrer von Sankt Joseph im Juli 2008 beenden werde“ – so der Geistliche wörtlich in einem Brief an die Teilgemeinde Sankt Antonius.

Sein Entscheid habe bei einigen „Betroffenheit und Erstaunen“ ausgelöst – erklärt der Pfarrer weiter.

Er sei seit nunmehr dreißig Jahren gerne Seelsorger und Pastor gewesen. Gerne sei er auch zusammen mit den Gläubigen auf dem Weg zur Großpfarrei Sankt Joseph gegangen:

„Ich habe sowohl im Pastoralteam als auch in den Gemeinden Unterstützung und vor allem gute Weggemeinschaft erfahren.“

Dann kommt der Priester zum Punkt:

„Doch alle Veränderungen in meinem Dienst als Pfarrer der »Großpfarrei« Sankt Joseph mit sehr vielen Sitzungen, Terminen, Organisations- und Verwaltungsfragen ließen mich immer wieder spüren, wie sehr das Eigentliche von Seelsorge, wie ich es mir für meinen Dienst vorstelle, immer weniger Raum hat.“

Daher bat Hw. Gessmann den Bischof von Essen, Mons. Felix Genn, ihn von der Aufgabe des Pfarrers zu entpflichten und ihm eine Sabbatzeit von drei Monaten zu gewähren, in der er seinen weiteren Weg bedenken könne:

„Für das Verständnis des Bischofs bin ich sehr dankbar, ebenso für seine Zusage, möglichst bald einen neuen Pfarrer für Sankt Joseph zu ernennen, damit in Schalke nach meinem Wechsel nicht eine längere Übergangszeit ohne Pfarrer entsteht.“
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#14   Steini1974   08:49:02 | Sonntag, 16. März 2008
Walburga, sie sind einfach nur zu bedauern
Zu der Ü30-Kirche kann ich nicht viel sagen, wohl aber zu TABGHA – Definitv sind Jugendliche durch die Jugendkirche in Oberhausen in der Kirche gebliebn, es konnten sogar auch Jugendliche zum Katholozismus „bekehrt“ werden – während in den Gemeinden die Jugendlichen ausbleiben. Pfarrer Wohlharn hat ausgezeichnete Arbeit geleistet, jedoch leider nun in eine Position gedrängt, die nicht zu ihm passt.
Sie vertreiben mit Ihrer Position mehr Jugendliche als Sie es anderen hier vorwerfen!
Redaktion benachrichtigen
#13   Waidler   19:48:16 | Samstag, 15. März 2008
@steini
schönen Dank für die Info, werde sie mir näher anschauen!
Hört sich eigentlich gut an, aber ich bin gespannt wie es bei uns in Regensburg weiter geht. Es könnte aber generell ein Problem geben wenn ein Nichtgeweihter dem Pfarrer sagt dieses oder jenes würde nicht gehen ode wäre nicht zu finanzieren. Aber wir wollen optimistisch sein…
Redaktion benachrichtigen
#12   Walburga   17:00:52 | Samstag, 15. März 2008
Walburga – BRAVO Pfarrer Gessmann
Bravo Herr Pfarrer Rainer Gessmann !…Jeder echte Seelsorger/Hirte würde die gleiche Konsequenz ziehen – aber – wir haben besonders im Bistum Essen genügend schlechte Schauspieler auf der „Altarbühne“. Gute Geistlichkeit wird einfach in den Zwangsruhestand versetzt. Ein Priester ist in Hartz4 – alles mit Wissen des Oberfunktionärs Msgr. Dr. Felix Genn. Der Unglaube wuchert im Bistum – besonders im Generalviekariat. Die Menschen/Jugend laufen in Scharen weg. Ist auch in Ordnung – was soll man auch eine total verwirrende Liturgie erleben. (besondere Beispiele hierfür im Bistum Essen – die Jugendkirche Tabgah in Oberhausen und die häretische Ü30 Kirche eines Propst Michael Ludwig in Bochum) Pfarrer Wohlharn ist jetzt zu seinem Freund Ludwig nach Bochum versetzt worden. Ein Team wie es im Buche steht! Beides wird vom Kirchenfünktionär hw. Bischof Dr. Felix Genn unterstützt!
Ich bete für Sie Pfarrer Gessmann, denn Sie haben den rechten Weg gewählt! Das oberste Gesetz für den Priester lautet: Das Heil der SEELEN steht über allem!
Fratres betet für Felix Genn und für sein Umfeld um baldige Bekehrung!
Redaktion benachrichtigen
#11   Steini1974   20:34:22 | Freitag, 14. März 2008
Informieren statt spekulieren
die bisherigen Kommentare zeugen davon, dass die Verfasser kaum oder gar nicht informiert sind.
Die Neutstrukturierung des Bistum Essen sieht für jede Pfarrei (die ja nun eine Gemeinschaft von Gemeinden (ehem. Pfarreien) ist) einen hauptamtlichen Geschäftssführer vor. Dieser ist kein Geweihter. Statt über 200 Pfarrer wird es nach der Umsetzung nur noch 43 Pfarrer geben, alles anderen sind Pastöre, haben keine Verwaltungsarbeiten mehr und somit mehr Zeit für die Seelsorge. Hinzukommt, dass die KITA’s ganz ausgegliedert werden, sie sind nun zentral durch einen Zweckverband verwaltet, also ein ganz Stück weniger Verwaltungsarbeit.
Einer der wirklichen Knackpunkte liegt meines Erachtens darin, dass 75% der bisehrigen Pfarrer nun Pastöre sind. Leider haben es unsere Pastöre nicht lernen müssen, teamfähig zu sein, jetzt müssen sie sich einem Pfarrer unterordnen und in ein Pastoralteam einordnen. aus vielen Pastorlateams sickert mehr und mehr durch, das dieses Zusammenrücken einfach nicht funktioniert.
ein weiterer Knackkpunkt ist, dass Amtskirche sich immer noch nicht traut, die Verwaltung ganz und gar in die Hände echter Profis zu geben. Denn viele Pfarrer delegieren noch zu wenig an ihre Geschäftsführer.
Redaktion benachrichtigen
#10   jeremy   14:40:05 | Freitag, 14. März 2008
Gunsenum
???????????? o.O
Redaktion benachrichtigen
#9   Gunsenum   13:04:54 | Freitag, 14. März 2008
Was ist mit der Graphik ?
Die Grafik „reiseauskunft.bahn.de/…icon_transparent.gif“ kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.
Redaktion benachrichtigen
#8   jeremy   09:33:51 | Freitag, 14. März 2008
Waidler
Genau meine Meinung. Die Pfarrer werden in den Gemeinden mit notwendigen Arbeiten außerhalb ihres Seelsorgeauftrags verheizt, ihre Kraft unsinnig verschendet.
Viel sinnvoller wäre es, einer großen Pfarrei oder meinetwegen vielen kleinen oder einem Dekanat einen Juristen, Betriebswirt oder ähnliches zuzuordnen, einzustellen oder wie auch immer. Damit würden die Pfarrer von Verwaltungsarbeit, für die sie keine Ausbildung und wie ích das erlebe auch keine große Neigung haben, befreit und könnten sich den Aufgaben der Seelsorge widmen.
Natürlich entstünden so Personalkosten für die Diözesen; aber die haben sie ja vorher eingespart, weil einfach weniger Pfarrer im Dienst sind.
Das wäre eine optimale Lösung. Aber offensichtlich sind die Bistümer weit davon entfernt, diesem Gedanken zu folgen.
Redaktion benachrichtigen
#7   Waidler   09:24:29 | Freitag, 14. März 2008
waidler
Statt über die überbordende Verwaltungarbeit zu jammern, muss man sich überlegen, ob der Pfarrer der richtige Mann ist, um über neue Fenster im Kindergarten zu entscheiden. Der Priester muss sich auf seine „Kernkompetenzen“ besinnen können. Ich kenne keinen Priester de sich weihen ließ weil er die Verwaltung liebte, im Gegenteil! Pfarrer wird man aus Liebe zu Gott und den Menschen, nicht zu den Akten und Vorschriften.
Wenn man die Vermögenswerte der Kirchenstiftungen ansieht und feststellt wer die Verwaltung führt stellt nicht selten Kompetenzprobleme fest.
Gebt den Menschen wieder einen Pfarrer für Gespräche, Seelsorge und Gottesdienste und der Verwaltung einen adäquaten „manager“!
Redaktion benachrichtigen
#6   jeremy   08:30:39 | Freitag, 14. März 2008
raindance
„was es in einer Kirche zu verwalten gibt“.
Leider gibt es in einer Pfarrgemeinde von heute nur zu viel zu verwalten. Da sind die Gebäude (Kirche(n), Kindergärten, Pfarrhaus, etc.), die gereinigt und erhalten werden müssen. Da sind die Mitarbeiter aus den verschiedenen Bereichen, deren Dienstvorgesetzter der Pfarrer ist, da sind Konferenzen mit der Stadt zur Erhaltung der Kindergärten usw., usw., usw.
Die Frage der Verwaltung einer Gemeinde hat weniger was mit der Menge der Menschen zu tun, die die Gottesdienste verschläft.
Abgesehen davon, in einer 15.000 Personengemeinde gehen mit Sicherheit so viele Menschen zur Kirche, wie es früher in einer kleinen Gemeinde der Fall war. Die Arbeit für den Pfarrer aus diesem Bereich verringert sich nicht. Dazu kommen endlos Beerdigungen – in der Regel von Kirchenangehörigen, die die Gottesdienste der letzten Jahre verschlafen haben.
Und da wo früher zwei bis drei Kapläne den Pfarrer ergänzen und entlasten konnten, gibt es heute Ehrenamtliche, die der genaueren Anweisung und Absprache mit dem Pfarrer bedürfen. Bestenfalls gibt es noch einen Pastoralreferenten, der – ebenfalls bestenfalls – sich wirklich bemüht, den Hauptverantwortlichen zu entlasten, auf Grund der fehlenden Weihe aber immer wieder an (nur um der Diskussion an dieser Stelle zu entgehen: berechtigten) Grenzen stößt.
In der Regel bleibt die letzte Entscheidung – auch bei dem Verwaltungskram, für den er gerade nicht ausgebildet ist – stets beim Pfarrer hängen.
Redaktion benachrichtigen
#5   Rodolfo Panetta   22:11:06 | Donnerstag, 13. März 2008
Man sagt „auf Schalke“ …
… RJH weiß das.
Redaktion benachrichtigen
#4   raindance1 †   17:20:08 | Donnerstag, 13. März 2008
Ihr schreibt doch hier in einem erzkonservativen
Forum. Da geht das was in Schalke vor sich geht doch wie Öl runter…Die Konzilskirche ist am Ende…erstickt mit Verwaltungsabeit…
Dabei frage ich mich, was es in einer Kirche zu verwalten gibt, wenn ohnehin die Mehrheit der Mitglieder Sonntags ausschlafen will und bestenfalls mal an Weihnachten der Gottendienst besucht wird.
Redaktion benachrichtigen
#3   Rübezahl   16:51:35 | Donnerstag, 13. März 2008
@ RJH
RJH:
„Ich frage mich warum er das so dramatisieren muss?“
Wenn Sie die im Artikel genannten Zitate „dramatisieren(d)“ (?!) nennen, dann sind Sie bestenfalls ein außerordentliches Sensibelchen, schlimmstenfalls aber schlichtweg ein Laberer …
Liebe Grüße
der Rübezahl
Redaktion benachrichtigen
#2   Schüttel   16:49:40 | Donnerstag, 13. März 2008
@RJH: Zynismus ist Ihr Posting
Die Verheizung von Priestern in der „kooperativen Pastoral“ ist hier in Essen mal wieder offenbar geworden. Die Gläubigen wissen nicht mehr, wer ihre Hirten, die Hirten vor lauter Sitzungen nicht mehr wo ihre Gläubigen sind. Das ist Selbstzerstörung der Kirche, auch wenn der betroffene Pfarrer sich honorig und loyal verhält.
Deshalb unbedingt das Zölibatsgesetz abschaffen, auch über Frauenordination nachdenken, damit es wieder echte Gemeinden an der Basis des Gottesvolkes gibt. Bischofsmangel gibt es ja nicht, die feiern eine bombastische und verlogene Einführung nach der anderen, wo die verschidenen Eitelkeiten bedient werden.
Redaktion benachrichtigen
#1   RJH   16:41:45 | Donnerstag, 13. März 2008
Ich frage mich warum er das so dramatisieren muss?
Priester sind sowieso angehalten nach etlichen Jahren mal wieder die Pfarrei zu wechseln. Soll er sich halt in ruhigere Landgemeinde versetzen lassen und damit hat sichs. Ein anderer wird vielleicht wieder mit neuen Schwung und Energie dann auf Schalke wirken.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Mons. MusshinghoffBuh-Rufe für den Bischof Zwangsfusion in AachenDer Bischof verabschiedete sich in die Exerzitien Pfarrer Hendrick JolieTanz auf dem Vulkan Bistum FuldaEine bedächtige Antwortgabe Pastoraler ProzeßSchöngeredetes Abbruch-Unternehmen Pfarrer-RauswurfZur Türe hinaus komplimentiert Pfarrer-RauswurfIn eine Garage ausgelagert Pfarrer-RauswurfDer Schritt des Bischofs von Augsburg bleibt rätselhaft Pastoraler ProzeßAnarchie und Totalitarismus gleichzeitig Pfarrer-Rauswurf„Monsignore will nicht“ Bistum AugsburgDer nächste Pfarrer wurde fertiggemacht Pastoraler ProzeßWas steckt hinter der romtreuen Fassade? Alte Messe in FuldaUnnötige Erlaubnis Pastoraler ProzeßDie DDR ist schuld Pastoraler ProzeßNeue kirchenfeindliche Dechanten
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net