Auf der diesjährigen Frühlingsversammlung der deutschen Bischöfe wurde das Wort „Tote begraben und Trauernde trösten“ vorgestellt. Darin lehnen die Bischöfe anonyme Beisetzungen ab. Die Bestattung von Nichtchristen könnte dagegen in Zukunft ein Priester ohne liturgische Gewänder übernehmen.
(kreuz.net, Stapelfeld) Seit Montagabend tagt die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
in Stapelfeld bei Cloppenburg in Norddeutschland. Die 69 Konferenzmitglieder widmen sich als Schwerpunkt
der Situation der Frauen- und Männerorden.
Am Dienstag sprach der Erfurter Bischof Joachim Wanke als
Vorsitzender der Pastoralkommission zum Wandel der Begräbniskultur. Die Kirche suche nun neue Formen
des Totengedenkes zu entwickeln. Im April werden die deutschen Bischöfe ein Dokument mit dem Titel „Tote
begraben und Trauernde trösten“ herausgeben. Vor allem die Situation von Stadtmenschen und Nichtchristen
soll darin angesprochen werden.
Karl Kardinal Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,
meinte, es gebe einen ungeheueren Wandel im Umgang mit dem Tod. Manche Menschen hätten heute ein schockierendes
Verhältnis zu Toten und wollten diese nur noch entsorgen lassen.
Die Kirche wolle in Zukunft Priestern
ermöglichen, Begräbnisse von Nichtchristen ohne liturgische Kleidung zu halten.
Wichtig seien auch
Trauerbesuche Angehöriger und Trauergottesdienste zu festen Zeiten.
Kardinal Lehmann und Bischof Wanke
sprachen sich klar gegen anonyme Beisetzungen – etwa in sogenannten namenlosen „Friedwäldern“ – aus.
„Trauer und Erinnerung brauchen Rituale und konkrete Orte. Ohne Gestaltung des Abschieds und der Erinnerung
an den Toten kann der Verlust nicht produktiv bewältigt werden“, sagte Kardinal Lehmann.
„Wenn auf Trauer
und Totengedächtnis leichtfertig verzichtet wird, gehen Möglichkeiten des Menschseins verloren.“ Man
verliere die Fähigkeit zur Erinnerung und zu bewahrendem Eingedenken, ohne die es keine Hoffnung auf
eine gute Zukunft geben könne.
Am Friedhof als Stätte des Gedenkens und der Trauerkultur sei, so Bischof
Wanke, festzuhalten. Die katholische Kirche sei jedoch offen dafür, daß dort künftig auch mehr Menschen
muslimischen Glaubens beerdigt würden.
Email-Adressen der Empfänger
4 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#3 sebastian 16:08:34 | Mittwoch, 16. Februar 2005
Aufgaben der Kirche Aufgabe der Kirche (oder jedes Einzelnen) ist nicht nur für die Verstorbenen zu beten
und die Hl. Messe zu feiern: Tote zu bestatten ist das 7. (leibliche) Werk der Barmherzigkeit; Trauernde
zu trösten ist eines der 7 „geistigen“ Werke der Barmherzigkeit. Anscheinend ist die religiöse Bildung
also auch in „traditionellen“ Kreisen erstaunlich lückenhaft – oder ging es nur darum, einmal wieder
die deutsche Bischofskonferenz – und in erster Linie deren Vorsitzenden – anzugreifen?
seele ich dachte immer, die aufgabe der kirche sei es, für die verstorbenen zu beten, das hl. messopfer
darzubringgen und um den nachlass der sündenstrafen zu bitten. was ich offenbar falsch informiert.
#1 Vetter Taferl 11:16:17 | Mittwoch, 16. Februar 2005
ich habe mir gedacht, es gäbe einen Priestermangel? Wieso kann ein Priester einen Nichtchristen ohne
liturgische Kleidung beerdigen und ein bzw. eine Pastoralassistent/in einen Christen? Kann mir das jemand
erklären? Ansonsten Trauerbewältigung etc. schön und gut, aber wo bleibt die Rede von der unsterblichen
Seele, von einem Leben nach dem Tod? MFG, Frau Taferl