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Mittwoch, 19. März 2008 10:20
Karikatur statt Information
Eine deutsche Rundfunkstation verteidigte mit ungewollt lustigen Formulierungen die bisherige Theologie und hat verkündigt, daß der Vatikan ein Heer von Exorzisten auf die Menschheit loslassen will. Mit von der Partie: Pater Franz Schmidberger.
Pater Franz Schmidberger wird im 'Südwestrundfunk' diskutieren.
Pater Franz Schmidberger wird im ‘Südwestrundfunk’ diskutieren.
(kreuz.net) Der deutsche ‘Südwestrundfunk’ wird heute abend um 20.15 in der Sendung ‘Quergefragt’ zum Thema „Traditionalisten im Aufwind. Exorzisten und lateinische Messe: Mit dem Papst zurück ins Mittelalter?“ diskutieren lassen.

Quergefragt ist eine Talkshow, die sich mit Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft befaßt und jeweils am Mittwoch ausgestrahlt wird.

In der Vorstellung der Sendung erklärt der Rundfunk ungewollt, daß „viele Kritiker von Joseph Ratzinger“ sich heute „in seinen [sic] schlimmsten Befürchtungen bestätigt“ fühlten.

Der deutsche Papst wolle die katholische Kirche „nicht modernisieren“, sondern „erzkonservativ“ ausrichten – schabloniert der Sender weiter.

Dafür spreche, daß Benedikt XVI. die lateinische Messe „wieder belebt“ habe:

„Die Gemeinde spielt dabei praktisch keine Rolle mehr. Der Pfarrer steht mit dem Rücken zu den Gläubigen und hält alleine Zwiesprache mit Gott. Außerdem enthält die lateinische Messe am Karfreitag eine Fürbitte für die Bekehrung der Juden.“

Der Sender rekapituliert auch die Theologie, wie sie angeblich vor Benedikt XVI. gültig war:

„Bisher galt, daß Juden als »ältere Brüder der Christen« nicht missioniert werden müssen.“

Schockiert habe der Papst auch die evangelischen Christen: „Anstatt die Ökumene weiter zu entwickeln, bescheinigte der Vatikan der evangelischen Kirche vor kurzem, daß sie keine echte Kirche sei.“

Der Höhepunkt dieser Entwicklung: „Die Tatsache, daß sogar die Teufelsaustreibung durch ein Heer von Exorzisten eine Renaissance erleben soll, läßt manchen Gläubigen an seiner Kirche verzweifeln.“

Dann stellt der Sender folgende manipulative Arbeitsfragen:

• Muß, wer an Gott glaubt, auch an den Teufel glauben?
• Schließt der Papst mit der lateinischen Messe Gläubige aus?
• Bremst er die Ökumene?
• Warum riskiert er den Konflikt mit den Juden?

Die Gesprächsrunde ist so zusammengesetzt, daß die vom Sender zur Verteidigung vorgesehene Karikatur nicht in Gefahr kommen wird.

Die vier Teilnehmer sind Heiner Geißler, Horst Herrmann, Andreas Englisch und Pater Franz Schmidberger.

Heiner Geißler (77) ist ein altliberaler Linkskatholik und ehemalige CDU-Generalsekretär. In seiner Jugend war er auch eine Zeitlang Scholastiker bei den Jesuiten.

Horst Herrmann (67) ist ein abgefallener Priester und ehemaliger Professor für Kirchenrecht in Münster. 1981 trat er aus der Kirche aus.

Andreas Englisch (44) ist Vatikanist der deutschen Boulevardzeitung ‘Bild’

Pater Franz Schmidberger (61) wird als Mathematiker und Distriktoberer der „ultraorthodoxen Vereinigung Sankt Pius X.“ in Stuttgart vorgestellt. Er wurde offensichtlich als Feigenblatt-Diskussionspartner eingeladen.

Die Taktik des Senders ist offensichtlich: Wer den Papst oder den katholischen Glauben verteidigt ist ein Lefebvrist.

Außerdem kann er im Verhältnis 1:4 gegen die anderen anreden. Bände spricht auch die Tatsache, daß der Sender keinen Vertreter der deutschen Bischofskonferenz eingeladen hat.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 107 Lesermeinungen:
Dienstag, 1. April 2008 16:51
Marcelus: @Galaetea: Sind die regulären Bischöfe etwa nicht ausschließlich dem katholischen Glauben
verpflichtet,
oder etwa einem katholischen und einem nicht-katholischen Glauben gleichzeitig?

Beides geht nicht! Man ist entweder katholisch oder man ist es nicht.
Sonntag, 23. März 2008 22:01
Galatea: zu lesen war
hier einmal – seit langem – eine relativ sachliche Auseinandersetzung. Die Atheisten hatten Urlaub, schon weil sie nichts beizusteuern haben, jedenfalls inhaltlich.
Natürlich kann ein P. Schmidberger anders und besser argumentieren, weil er von deutschen Bischöfen frei ist, nur der kath. Lehre verpflichtet. So muss er auch nicht herumeiern, wenn es um Glaubensinhalte geht, wie die Hölle, den Teufel etc. – er spricht doch nur aus, was im Katechismus der kath. Kirche steht. Und das die Hölle leer ist, das glaubt ja nicht einmal ein Herr Geißler.

In diesem Sinne: gesegnete Ostern.
Samstag, 22. März 2008 18:16
von Spee: Ja, wenn das so ist …!
Die Priesterbruderschaft kannte ich bisher nicht; habe mich erst einmal kundig gemacht. Alle, die Pater Schmidberger zu Recht lobten, ja, sogar wie „golfi“, einen guten katholischen Priester nannten, lobten also einen Exkommunizierten!! Ja, wenn das so ist…
… dann muss Rom diese Bruderschaft schnell wieder aufnehmen und
…einige deutsche Ställe ausmisten; am besten dort beginnen, woher die stärksten Interventionen kamen Schmidberger beim SWF wieder auszuladen. Es ist ja möglich, dass der Grosse Vorsitzende a.D. selbst dort in der Runde sitzen wollte. Das wär’s dann gewesen: Alle nur wider den tierischen Ernst: Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn die Stallreinigung der Heilige Geist nicht schafft, sollten wir es ruhig einmal mit der Gottesmutter versuchen:
Mater perfectam habebit curam
.
Samstag, 22. März 2008 14:56
Marcelus: @Ideologiefeind: Die Lehre der Kirche ändert sich in einem Dogma niemals
„Der Katechismus hat sich doch ebenfalls von früher scheinbar unerschütterlichen Dogmen der Kirche getrennt.“
Dann können es auch keine Dogmen gewesen sein.
Freitag, 21. März 2008 17:01
carolusmagnus: Ist der Himmel auch leer?
Einen inhaltlichen Aspekt der Sendung herausgegriffen:
„Historisch-kritische Methode“: wenn jeder „Theologe“ auf eigene Faust – ohne Rücksicht auf das Lehramt der Kirche – Passagen der Heiligen Schrift in ihrer Authentizität bezweifelt, dann bleibt in der Konsequenz nichts mehr vom katholischen Glauben übrig, der nur in seiner Geamtheit existiert, dann kann sich jeder selbst seinen eigenen Glauben „basteln“ – sollte aber ehrlicherweise auf die Bezeichnung „katholisch“ verzichten. Alles ist dann fraglich, jede Diskussion aber auch nutzlos. Schriftstellen über Exorzismus im NT oder die Existenz der Hölle, von der Christus im NT oft spricht – je nach Belieben dieser „Theologen“ alles Märchen? Die Hölle leer? „Heulen und Zähneknirschen“, wovon im NT die Rede ist – alles nur Phantasie? Sollte der barmherzige Gott die Menschen, die ihn hassen und die nicht in seine Anschauung gelangen wollen, gegen ihren freien Willen dazu zwingen? Im Credo heißt es „…judicare vivos et mortuos…“ – wozu die Mühe des Richtens – um im Himmel die für alle überreichlich vorhandenen Sitzplätze zu verteilen? Diese „Theologen“ schleusen dann auch alle Verbrecher der Menschheitsgeschichte mit in den Himmel hinein, auch die, die sie hier auf Erden noch „verteufeln“. Oder haben sich diese „Theologen“ schon soweit vom katholischen Glauben entfernt, daß sie insgeheim glauben, daß der Himmel auch leer ist?
Freitag, 21. März 2008 11:13
hat Recht, die kath. Kirche bräuchte viel mehr gute Priester . Aber leider glauben viele Priester nicht mehr an die Wahrheiten.und verkünden eine „Allheils-Religion“, in der Hölle und Teufel nicht mehr vorhanden sind.
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