Katholische Theologie oder deutsche Schuldkomplexe?
Warum regen sich gewisse Juden über die neue Karfreitagsfürbitte auf? Das ist doch alles nur leeres Gerede ohne inhaltliche Folgen. Seltsame Beschwichtigungen und Manipulationen eines deutschen Kurienkardinals.
(kreuz.net) Unter der Überschrift „Das Wann und Wie entscheidet Gott“ hat sich Kardinal Walter Kasper
heute in der deutschen ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ zur neuen Karfreitagsfürbitte im Alten Ritus
geäußert.
Kardinal Kasper ist Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.
Die Neuformulierung der Fürbitte war nach seinen Angaben „notwendig“, weil einige alte Formulierungen von jüdischer Seite als beleidigend und von vielen Katholiken als anstößig empfunden worden seien.
Der Kardinal muß allerdings auch zugeben, daß die neue Formulierung zu neuen Irritationen geführt hat.
Diese Irritationen seien „auf jüdischer Seite weithin nicht rational, sondern emotional begründet“ – so der Kardinal.
Dennoch empfiehlt er, diese Emotionalitäten nicht als „Ausdruck von Überempfindlichkeit“ abzutun.
Auch bei „jüdischen Freunden“, die seit Jahrzehnten in intensivem Gespräch mit Christen stünden, seien angebliche „kollektive Erinnerungen“ an angebliche „Zwangskatechesen und Zwangsbekehrungen“ noch lebendig.
Manche Juden würden die Judenmission sogar als existenzbedrohend und als „Schoa mit anderen Mitteln“ bezeichnen. Deshalb bedürfe es im jüdisch-christlichen Verhältnis noch immer eines „hohen Maßes an Sensibilität“.
Der Kardinal erwähnt auch, daß die Karfreitagsfürbitte des Neuen Ritus nicht verändert wurde. Das beweise, daß die Kirche mit der neuen Formulierung nicht „hinter das Zweite Vatikanum“ zurückgegangen sei.
Im Unterschied zu der Karfreitagsfürbitte des Novus Ordo spreche die neuformulierte Fürbitte von Jesus als dem Christus und dem „Heil aller Menschen – also auch der Juden“.
Das werde von vielen als „neu“ und gegenüber den Juden als „unfreundlich“ empfunden: „Doch die Fürbitte ist im Ganzen des Neuen Testaments begründet“ – erklärt Kardinal Kasper:
„Die Neuformulierung des Karfreitagsgebets von 1962 sagt also nichts Neues, sondern spricht nur aus, was schon bisher als selbstverständlich vorausgesetzt, aber offensichtlich nicht hinreichend thematisiert wurde.“
Der Kardinal möchte vor allem eine offenbar nur in der Vergangenheit gebrauchte „Sprache der Verachtung“ überwinden und die jeweilige Verschiedenheit gegenseitig anerkennen:
„Wir erwarten von den Juden nicht, daß sie dem christologischen Inhalt des Karfreitagsgebets zustimmen. Aber sie sollen respektieren, daß wir als Christen unserem Glauben gemäß beten, so wie wir selbstverständlich ihre Art zu beten respektieren.“
In dieser Hinsicht hätten beide Seiten noch zu lernen.
Dann gesteht der Kardinal ein, daß die Bitte um Bekehrung der Juden in der Bitte um deren Erleuchtung indirekt eingeschlossen sei – dreht diese Aussage aber sofort dialektisch in ihr Gegenteil:
Doch man könne darauf hinweisen, „daß die katholische Kirche im Unterschied zu manchen evangelikalen Kreisen keine organisierte und institutionalisierte Judenmission kennt.“
Mit diesem Hinweis glaubt er, die Judenmission „faktisch“ – aber noch nicht „theologisch“ – erledigt zu haben.
Deren „theologische“ Weginterpretierung begründet Kardinal Kasper aus dem zweiten Teil der neuformulierten Bitte.
Der Papst gehe dort vom Kapitel 11 des Römerbriefs aus. Dort heißt es, daß ganz Israel gerettet wird, wenn die Fülle der Heiden in das Heil eingeht: „Israel bleibt also Träger der Verheißung und des Segens.“
Der Apostel Paulus sehe seine Missionsarbeit als Sammlung der Heiden, welche Israel zum Heil gereiche.
Der Kardinal erklärt, daß Gott das Heil Israels nicht aufgrund von Judenmission, sondern aufgrund der Heidenmission heraufführen werde: „Allein er, der den Großteil Israels verstockt hat, kann die Verstockung auch wieder lösen.“
Mit seinem integristischen Ansatz eschatologisiert Kardinal Kasper die neutestamentlich begründete Judenmission und schiebt sie auf einen Sankt Nimmerleinstag der Apokalypse.
Die Bitte um die Bekehrung der Juden sei somit „ihrer Natur nach kein an die Kirche gerichteter Aufruf zu missionarischer Aktion.“
Der Kardinal steigert seine Aussage noch und mystifiziert sie: „Im Gegenteil, sie respektieren die ganze Abgründigkeit des verborgenen Gottes.“
Die Kirche nehme mit ihrer Bitte die „Verwirklichung des unergründlichen Mysteriums nicht selbst in Regie“. Das könne sie „gar nicht“. Sie lege das Wann und das Wie vielmehr ganz in Gottes Hände:
„Gott allein kann das Reich Gottes heraufführen, in dem ganz Israel gerettet und der Welt der eschatologische Frieden zuteil wird.“
Dann dreht sich der Kardinal dialektisch erneut und erklärt: „Der Ausschluß einer gezielten und institutionalisierten Judenmission bedeutet nicht, daß die Christen die Hände in den Schoß legen sollen.“
Man muß „gezielte und organisierte Mission“ und „christliches Zeugnis“ unterscheiden.
Das hat nach den Worten des Kardinals angeblich schon der Heilige Paulus getan: „Auf seinen Missionsreisen ging er jeweils zuerst in die Synagoge und erst wenn er dort keinen Glauben fand, zu den Heiden.“
Ein solches Zeugnis sei auch „von uns heute“ gefordert. Es solle gewiß „taktvoll und respektvoll“ geschehen.
Etwas anderes wäre – so der Kardinal – „unredlich“.
Kardinal Kasper ist Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.
Die Neuformulierung der Fürbitte war nach seinen Angaben „notwendig“, weil einige alte Formulierungen von jüdischer Seite als beleidigend und von vielen Katholiken als anstößig empfunden worden seien.
Der Kardinal muß allerdings auch zugeben, daß die neue Formulierung zu neuen Irritationen geführt hat.
Diese Irritationen seien „auf jüdischer Seite weithin nicht rational, sondern emotional begründet“ – so der Kardinal.
Dennoch empfiehlt er, diese Emotionalitäten nicht als „Ausdruck von Überempfindlichkeit“ abzutun.
Auch bei „jüdischen Freunden“, die seit Jahrzehnten in intensivem Gespräch mit Christen stünden, seien angebliche „kollektive Erinnerungen“ an angebliche „Zwangskatechesen und Zwangsbekehrungen“ noch lebendig.
Manche Juden würden die Judenmission sogar als existenzbedrohend und als „Schoa mit anderen Mitteln“ bezeichnen. Deshalb bedürfe es im jüdisch-christlichen Verhältnis noch immer eines „hohen Maßes an Sensibilität“.
Der Kardinal erwähnt auch, daß die Karfreitagsfürbitte des Neuen Ritus nicht verändert wurde. Das beweise, daß die Kirche mit der neuen Formulierung nicht „hinter das Zweite Vatikanum“ zurückgegangen sei.
Im Unterschied zu der Karfreitagsfürbitte des Novus Ordo spreche die neuformulierte Fürbitte von Jesus als dem Christus und dem „Heil aller Menschen – also auch der Juden“.
Das werde von vielen als „neu“ und gegenüber den Juden als „unfreundlich“ empfunden: „Doch die Fürbitte ist im Ganzen des Neuen Testaments begründet“ – erklärt Kardinal Kasper:
„Die Neuformulierung des Karfreitagsgebets von 1962 sagt also nichts Neues, sondern spricht nur aus, was schon bisher als selbstverständlich vorausgesetzt, aber offensichtlich nicht hinreichend thematisiert wurde.“
Der Kardinal möchte vor allem eine offenbar nur in der Vergangenheit gebrauchte „Sprache der Verachtung“ überwinden und die jeweilige Verschiedenheit gegenseitig anerkennen:
„Wir erwarten von den Juden nicht, daß sie dem christologischen Inhalt des Karfreitagsgebets zustimmen. Aber sie sollen respektieren, daß wir als Christen unserem Glauben gemäß beten, so wie wir selbstverständlich ihre Art zu beten respektieren.“
In dieser Hinsicht hätten beide Seiten noch zu lernen.
Dann gesteht der Kardinal ein, daß die Bitte um Bekehrung der Juden in der Bitte um deren Erleuchtung indirekt eingeschlossen sei – dreht diese Aussage aber sofort dialektisch in ihr Gegenteil:
Doch man könne darauf hinweisen, „daß die katholische Kirche im Unterschied zu manchen evangelikalen Kreisen keine organisierte und institutionalisierte Judenmission kennt.“
Mit diesem Hinweis glaubt er, die Judenmission „faktisch“ – aber noch nicht „theologisch“ – erledigt zu haben.
Deren „theologische“ Weginterpretierung begründet Kardinal Kasper aus dem zweiten Teil der neuformulierten Bitte.
Der Papst gehe dort vom Kapitel 11 des Römerbriefs aus. Dort heißt es, daß ganz Israel gerettet wird, wenn die Fülle der Heiden in das Heil eingeht: „Israel bleibt also Träger der Verheißung und des Segens.“
Der Apostel Paulus sehe seine Missionsarbeit als Sammlung der Heiden, welche Israel zum Heil gereiche.
Der Kardinal erklärt, daß Gott das Heil Israels nicht aufgrund von Judenmission, sondern aufgrund der Heidenmission heraufführen werde: „Allein er, der den Großteil Israels verstockt hat, kann die Verstockung auch wieder lösen.“
Mit seinem integristischen Ansatz eschatologisiert Kardinal Kasper die neutestamentlich begründete Judenmission und schiebt sie auf einen Sankt Nimmerleinstag der Apokalypse.
Die Bitte um die Bekehrung der Juden sei somit „ihrer Natur nach kein an die Kirche gerichteter Aufruf zu missionarischer Aktion.“
Der Kardinal steigert seine Aussage noch und mystifiziert sie: „Im Gegenteil, sie respektieren die ganze Abgründigkeit des verborgenen Gottes.“
Die Kirche nehme mit ihrer Bitte die „Verwirklichung des unergründlichen Mysteriums nicht selbst in Regie“. Das könne sie „gar nicht“. Sie lege das Wann und das Wie vielmehr ganz in Gottes Hände:
„Gott allein kann das Reich Gottes heraufführen, in dem ganz Israel gerettet und der Welt der eschatologische Frieden zuteil wird.“
Dann dreht sich der Kardinal dialektisch erneut und erklärt: „Der Ausschluß einer gezielten und institutionalisierten Judenmission bedeutet nicht, daß die Christen die Hände in den Schoß legen sollen.“
Man muß „gezielte und organisierte Mission“ und „christliches Zeugnis“ unterscheiden.
Das hat nach den Worten des Kardinals angeblich schon der Heilige Paulus getan: „Auf seinen Missionsreisen ging er jeweils zuerst in die Synagoge und erst wenn er dort keinen Glauben fand, zu den Heiden.“
Ein solches Zeugnis sei auch „von uns heute“ gefordert. Es solle gewiß „taktvoll und respektvoll“ geschehen.
Etwas anderes wäre – so der Kardinal – „unredlich“.
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Donnerstag, 27. März 2008 19:10
Marcelus: @Dr. Heger: Im nachhinein wurde es natürlich für verfassungswidrig erklärt, daß die deutsch-
sprachigen Schulen, Religionsgemeinschaften und Medien einfach verboten wurden –
immerhin gibt es in den USA keine Staatssprache.
Leider war es bereits für die Deutsch-US-Amerikaner zu spät, als der Oberste Gerichtshof die Verfolgung der deutschen Sprache Jahrzehnte später für illegal erklärte.
Dies kommt den heutigen spanischsprachigen US-Amerikanern zugute.
immerhin gibt es in den USA keine Staatssprache.
Leider war es bereits für die Deutsch-US-Amerikaner zu spät, als der Oberste Gerichtshof die Verfolgung der deutschen Sprache Jahrzehnte später für illegal erklärte.
Dies kommt den heutigen spanischsprachigen US-Amerikanern zugute.
Dienstag, 25. März 2008 11:36
Dr. Christoph Heger: @Marcelus: Das ist richtig.
Die herrschenden Kreise der USA (WASP: White Anglo-Saxon and Protestant) haben innenpolitisch den 1. Weltkrieg
auch benutzt, um die große deutsche Kolonie – immerhin die zahlenmäßig größte Einwandererkolonie –
politisch auszuschalten und weitgehend zu entnationalisieren.
Von der Art und Weise, wie die USA selbst Verfassungsrecht für die Volksdeutschen außer Kraft gesetzt haben, können vielleicht die Chinesen heute einiges lernen.
MfG
Christoph Heger
Von der Art und Weise, wie die USA selbst Verfassungsrecht für die Volksdeutschen außer Kraft gesetzt haben, können vielleicht die Chinesen heute einiges lernen.
MfG
Christoph Heger
Montag, 24. März 2008 11:57
Marcelus: @Dr. Christoph Heger: Nur die US-Staatsführung und das angelsächsische Establishment unterstützte
London inoffiziell bereits seit 1914 während des von London angestrebten Londoner Kriegs gegen Berlin,
aber nicht die US-Bevölkerung, die aus Millionen Volksdeutschen bestand.
aber nicht die US-Bevölkerung, die aus Millionen Volksdeutschen bestand.
Montag, 24. März 2008 00:41
Dr. Christoph Heger: USA von Anfang an Partei im 1. Weltkrieg
…, die USA waren nur mühselig für den I. Weltkrieg zu gewinnen
Sie waren nur so lange „mühselig für den 1. Weltkrieg zu gewinnen“, wie es unnötig erschien, den Entente-Mächten auch militärisch zur Hilfe zu eilen. Danach spielte Rücksicht auf Wahlversprechungen und Stimmung im Volk keine Rolle mehr bzw. letztere wurde mit dem inszenierten Untergang der Lusitania manipuliert.
Partei im Krieg waren sie von Anfang an. Daß England und Frankreich auf die Friedensinitiative Papst Benedikt XV. mit geradezu höhnischer Ablehnung reagierten, ist kaum anders verständlich als damit, daß sie die Zusicherung eines Eintritts der USA in den Krieg schon hatten.
Der 1. Weltkrieg war ein Riesengeschäft für die USA, und es ist nicht anzunehmen, daß dieses Ergebnis nicht von den USA frühzeitig angestrebt wurde.
MfG
Christoph Heger
Sie waren nur so lange „mühselig für den 1. Weltkrieg zu gewinnen“, wie es unnötig erschien, den Entente-Mächten auch militärisch zur Hilfe zu eilen. Danach spielte Rücksicht auf Wahlversprechungen und Stimmung im Volk keine Rolle mehr bzw. letztere wurde mit dem inszenierten Untergang der Lusitania manipuliert.
Partei im Krieg waren sie von Anfang an. Daß England und Frankreich auf die Friedensinitiative Papst Benedikt XV. mit geradezu höhnischer Ablehnung reagierten, ist kaum anders verständlich als damit, daß sie die Zusicherung eines Eintritts der USA in den Krieg schon hatten.
Der 1. Weltkrieg war ein Riesengeschäft für die USA, und es ist nicht anzunehmen, daß dieses Ergebnis nicht von den USA frühzeitig angestrebt wurde.
MfG
Christoph Heger
Sonntag, 23. März 2008 22:19
Marcelus: @Pro Fide Catholica: Zu Kriegsbeginn war die deutsche Sprache ja auch die zweitmeistverbreitetste
Sprache in den USA, wie heute das Spanische.
Sonntag, 23. März 2008 22:12
Pro fide catholica: @Marcelus: 1914 hätte der Kongress einer Kriegsbeteiligung wohl kaum zugestimmt
Dafür war eben wie gesagt die Stimmung im Volk viel zu sehr gegen eine solche!
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.






