17:13:02 | Samstag, 22. März 2008
Was hat das Bienenwachs mit der Geburt Christi zu tun? Und wie zeigen sich die beiden Naturen Christi in der Osterkerze? Von Hubert Hecker.

In dieser Nacht bringt die Kirche Gott die Osterkerze als Opfer.
(kreuz.net) Im feierlich gesungenen Exsultet der Osternachtliturgie wird das „Lob der kostbaren Osterkerze“
dem Vater als festliche Gabe dargebracht.
Welche Herkunft und Bedeutung hat diese liturgische Praxis?
Ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus waren die aus flüssigem Wachs gezogenen Kerzen soweit entwickelt,
daß sie in geschlossenen Räumen verwendet werden konnten, ohne durch Rußen und unangenehmen Geruch
zu belästigen.
Im vierten Jahrhundert begann die Kirche, brennende Gottesdienstkerzen als Brandopfer
zu deuten und mit Lobgesängen zu begleiten. So heißt es im Exsultet:
„In dieser gesegneten Nacht, heiliger
Vater, nimm an das Abendopfer unseres Lobes, nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe!
Aus
dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie Dir dargebracht von Deiner heiligen Kirche durch die
Hand ihrer Diener.“
Das Lob auf das köstliche Bienenwachs gewinnt christliche Bedeutung durch den Bezug
zur Geburt Christi aus der
Jungfrau Maria: Die jungfräulichen Bienen erzeugen das Wachs als reine Opfermaterie
für die darzubringende Osterkerze.
Weiter heißt es in der Osternacht-Lichtfeier: „Wenn auch ihr Licht
sich in die Runde verteilt, so verliert es doch nichts von der Kraft seines Glanzes. Denn die Flamme wird
genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.“
Das Licht
der Osterkerze wird an dem Osterfeuer entzündet, das mit aus Steinen geschlagenen Funken angezündet
wurde: Symbol für Christus, die aus dem steinernen Grab heraustretende ‘Sonne der Gerechtigkeit’.
Wenn
die Gläubigen der brennenden Osterkerze folgend in die Kirche einziehen, so wiederholt sich darin das
alttestamentliche Ereignis, als das Volk Israel der Feuersäule folgend durch die Wüste und das Rote
Meer zog.
Das Flammenlicht der Osterkerze wird als Sinnbild für Christi göttliche Natur gesehen, die
im Brennen ihr Licht verströmt und doch nichts von Glanz und Göttlichkeit verliert.
Das Wachs der Kerze
ist ein Symbol für Christi menschliche Natur: Im Dahinschmelzen des Wachskörpers, in der Hingabe von
Leib und Blut erfüllt Christus seinen göttlichen Auftrag.
Im Brennen der Osterkerze verbinden sich
Christi Gottheit und Menschheit. Ihr verstrahlendes Licht deutet die Verbindung Christi mit den Menschen
an:
„O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet.“
„Darum
bitten wir Dich, o Herr: Geweiht zum Ruhm deines Namens, leuchte die Kerze fort, um in dieser Nacht das
Dunkel zu vertreiben.“
Die Auferstehung Christi ist der Sieg des Lichtes über alle Kräfte der Finsternis,
insbesondere die Dunkelheit des Todes:
„Nimm sie an als lieblich duftendes Opfer, vermähle sie mit den
Lichten am Himmel. Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit
nicht untergeht: Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt
im österlichen Licht, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.“
Hier leitet das Licht der im Dunkeln
leuchtenden Opferkerze zum Licht des wahren Morgensterns über, der dem ewigen Tag des himmlischen Jerusalem
leuchtet.
Der Bezug zu den Menschen wird hier wieder aufgenommen: Das österliche Licht erstrahlt den
Menschen.
Die Gläubigen empfangen vom Licht der Osterkerze die Erleuchtung des Glaubens. Damit wird
die Aussage des Epheserbriefs sichtbar gemacht: „Früher wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch
den Herrn Licht geworden.“
Ab dem zehnten Jahrhundert wurde die Osterkerze mit weiteren Christus-Symbolen
angereichert:
Schon am Feuer ritzt der Priester ein Kreuz in die Kerze oder zeichnet das eingravierte
Kreuz nach mit den Worten: „Christus gestern und heute“ – senkrechter Balken – „Anfang und Ende“ – Querbalken – ,
wobei er ein Alpha und Omega anbringt.
Zwischen den Kreuzbalken werden die Ziffern des jeweiligen Jahres
angebracht und dabei gebetet: „Sein ist die Zeit – und die Ewigkeit. – Sein ist die Macht und die Herrlichkeit –
in alle Ewigkeit. Amen.“
Weiterhin werden fünf wächserne Wundnägel der Kerze zugefügt mit den Worten:
„Durch seine heiligen Wunden – die leuchten in Herrlichkeit – behüte uns – und bewahre uns – Christus,
der Herr. Amen.“
Im dritten Teil der Osternachtliturgie, der Tauffeier, spielt die Osterkerze noch einmal
eine wichtige Rolle. Dann wird sie in das Wasser eingetaucht. Der Ritus stellt die Herabkunft des Heiligen
Geistes dar.
Die Biene ist das einzige Tier, das in den Gebetsschatz der Kirche aufgenommen wurde. Schon
bei den Kirchenvätern wird sie vielfach gelobt. Das faßt Schwester Clara Vasseur OSB so zusammen:
Die Biene wird für ihren Fleiß und ihre Kunstfertigkeit gerühmt, für ihren Sinn für Gemeinschaft,
für ihre Selbstlosigkeit, für ihre Klugheit und Tüchtigkeit, für ihre Liebe zur Jungfräulichkeit,
für ihre Reinheit und Güte.
Schließlich wird die Biene zum Vorbild der Apostel und Schriftkundigen
sowie der Weisheit schlechthin.
Beim Heiligen Athanasius werden die Bischöfe mit den Bienen verglichen:
Wie die Wächterbienen Feinde vom Bienenstock abwehren, so haben die Bischöfe das Kirchenvolk vor eindringenden
Häresien zu bewahren.
Der Autor ist Hobby-Imker mit fünf Bienenvölkern am Fuße des Westerwaldes.
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