11:34:51 | Sonntag, 23. März 2008

Der ungläubige Thomas des niederländischen Malers Rembrandt Harmenszoon van Rijn († 1669)
(kreuz.net) Die Tage der Heiligen Woche sind für uns Priester wohl die innigsten und wertvollsten des
ganzen Kirchenjahres. Sie stellen uns aufs neue vor die Größe unserer Berufung und lassen uns staunen
über das, was Gott durch den Priester in dieser Welt wirken will.
Denn die Mysterien von Tod und Auferstehung
Jesu Christi gewinnen eine erstaunliche Aktualität im Handeln des Priesters.
Das läßt ihn gleichermaßen
erschauern vor der Vollmacht, die Gott ihm übertragen hat, als auch glücklich sein über das, was er
als Werkzeug Christi wirken darf.
Anspruch und Erfüllung der priesterlichen Berufung gehen dort in eins,
wo wir spüren, daß es gut ist, daß es uns gibt.
In der gegenwärtigen Diskussion, in der die deutsche
Kirche über die Zukunft der Seelsorge in unserem Land befangen ist, wagt man solche Behauptungen fast
nicht mehr aufzustellen. Es könnte eine unangemessene Inanspruchnahme priesterlicher Vollmachten geben,
so vermutet man.
Es ist geradezu gefährlichEs sei geradezu gefährlich, sich in Zeiten des Priestermangels
auf die Exklusivität des Priestertums zu berufen. Denn es müßten um der Zukunft einer flächendeckenden
Seelsorge willen auch andere Charismen und Berufungen belebt werden.
Und schon schämen wir Priester
uns wieder, weil der Hinweis auf die Notwendigkeit priesterlichen Heiligungsdienstes, seiner Verkündigungs-
und Leitungsvollmacht die Mitarbeit der Laien behindern könnte.
Gerade hier liegt besonders in diesen
österlichen Tagen ein Widerspruch offen zu Tage.
Denn dort, wo Christus im Abendmahlssaal die Eucharistie
und das Priestertum einsetzt, bindet Er in der Tat Sein Erlösungswirken wesentlich an das Wirken derer,
die Er ungeachtet ihrer persönlichen Würde, bestellt, Seine berufenen Werkzeuge zu sein.
Der Priester
ist in dieser Perspektive nicht ersetzbar. Er muß sein. Und er muß ganz sein.
Wenn wir uns im ‘Netzwerk
katholischer Priester’ daher seit Jahren für die Sicherung und den Erhalt des Priesteramtes in seiner
konkreten Gestalt des Hirtendienstes einsetzen, dann geschieht dies nicht aus der eigensinnigen Besitzstandswahrung
einer „pastoralen Berufsgruppe“ heraus.
Es geht nicht um soziologisch überholte SeelsorgemodelleEs
geht nicht um das Klammern an überkommene Erbhöfe soziologisch überholter Seelsorgemodelle. Es geht –
schlichtweg – um den Erhalt der Kirche.
Die allerorten um sich greifende Agilität in Sachen „kooperativer
Pastoral“ verschleiert, daß „Seelsorge“ – in katholischer Auslegung – nicht ohne jene sakramentale Basis
funktionieren kann, die Christus im Abendmahlssaal und am Holz des Kreuzes gestiftet hat.
Es kann weder
eine Heiligung ohne die Sakramente geben, noch eine Mission ohne den geweihten Verkündiger, noch eine
Leitung der Gemeinde ohne den, der dazu von Christus die geistliche Vollmacht erhalten hat.
Während
die beiden ersten Punkte noch einigermaßen unbestritten sind, bahnt sich im Bereich der priesterlichen
Hirtensorge um die Gemeindeleitung seit einiger Zeit der Abschied vom Priestertum in der deutschen Kirche
an.
Teams von „pastoralen Mitarbeitern“, die schon in ihrer Nomenklatur selbst seitens der Bischöfe
unterschiedslos mit Letztverantwortung für die Leitung von „Gemeinden“ beauftragt werden, lassen die
Besonderheit und Notwendigkeit dessen, was der priesterliche Leitungsauftrag meint, vergessen.
Denn hier
geht es nicht um die Ausübung herrscherlicher Macht oder gar um die durch die Weihe keineswegs übertragene
Sachkompetenz in Sachen Vermögensverwaltung oder Personalführung.
Das Herzblut des HirtenHier geht
es um die Kompetenz und Vollmacht zur geistlichen Führung, zur Leitung der anvertrauten Herde mit dem
Herzblut des Hirten, der sich nicht vor einem Team, sondern vor Christus, dem Hohenpriester verantworten
muß.
Niemand kann dem Priester diesen Dienst abnehmen. Darum ist es eine Tragödie, daß sie ihm gerade
durch die Strategien der sogenannten kooperativen Pastoral als angebliche Reaktion auf zeitgenössische
Erfordernisse faktisch und auf bischöfliche Anordnung hin abgenommen wird.
Die unstrittige Notwendigkeit
zur Zusammenarbeit wird umgewandelt in eine Entmündigung des Priesters, dessen Heiligungsdienst man gerne
annimmt, den man aber unter dem Deckmantel der „Entlastung“ seiner Hirtensorge beraubt.
Pastoralverbände
und durch Fusionen entstandene Großpfarreien, in denen die dort eingesetzten Priester nicht mehr als
Pfarrer, sondern als Vikare ohne Letztverantwortung arbeiten, wo der Priester im „Alltagsgeschäft“ von
den Stimmen der haupt- und ehrenamtlichen Laien schon wegen der Zahlenverhältnisse in den Pastoralteams
überstimmt wird, sind auf Dauer in dieser Konzeption der Untergang des Priestertums.
Die Entwicklung
der Priesterausbildung und der Nachwuchszahlen bestätigt dies.
Denn die zunehmende Entmündigung des
Priesters in der Amtsführung bringt Profilunsicherheiten im Bild der Priesterberufung insgesamt hervor,
auf die sich verständlicherweise selbst die nicht mehr einlassen, die den Ruf Gottes in Seinen Weinberg
meinen vernommen zu haben.
Auf kaltem Weg etablierte LaienkircheWer heute Priester werden möchte,
will es ganz werden und nicht als Spielball strategischer Einfälle demokratisch gewählter Verantwortungsträger
in gesichtslosen „Seelsorgebereichen“.
Das ‘Netzwerk katholischer Priester’ erhebt schon seit Jahren
seine Stimme gegen diese dramatische Entwicklung.
Gerne möchte man uns mundtot machen mit dem Argument,
es gehe uns um eine eigensinnige Besitzstandswahrung. Dabei ist gerade die Tatsache, daß in unseren Reihen
fast ausschließlich Diözesanpriester sind, ein Beleg dafür, daß diese Bedenken reine Theorie sind.
Denn so sehr auch wir die Notwendigkeit zur Kooperation sehen, so sehr wissen wir doch aus der Innenansicht
hunderter Pfarrer, daß die Modelle der sogenannten Kooperativen Pastoral, wie sie landauf landab in unseren
deutschen Diözesen entwickelt worden sind, nicht im eigentlichen Sinne zukunftsfähig sind.
Sie mißachten
in der Regel die Wirklichkeit vor Ort, wo sich ein seit langem durch das Schweigen vieler Bischöfe und
die Lobby-Politik bischöflicher Ordinariate auf kaltem Wege eine Laienkirche etabliert hat.
Der Humus,
auf dem diese Laienkirche wächst, ist durch die Jahre mit dem Dünger einer Theologie gestärkt worden,
welche die Sakramentalität der Kirche zugunsten von soziologischen Gemeindemodellen aufgegeben hat.
Die Priester – und nur sieHier schließt sich der Kreis der Betrachtung. Denn hier fällt der Blick
unwillkürlich in den Abendmahlssaal, wo Christus nicht bloß der staunenden Runde der Jünger letzte
Tips zur Strategie ihres nunmehr im Alleingang zu bewältigenden Dienstes gibt, sondern ihnen – und nur
ihnen – Seinen Leib und Sein Blut anvertraut.
Sie – und nur sie – sollen Seine Worte sprechen und damit
Ihn selbst vertreten.
Sie sollen – wie Er – Hirte sein. Ein guter Hirte, der unter Umständen sein Leben
für die Seinen gibt.
Wenn es soweit ist, wird er nicht das Team zu fragen haben, sondern sich seiner
Hirtensorge erinnern müssen, die ihm übertragen wurde, damit die Welt das Leben hat.
Möge Christus
Ihnen, liebe Mitbrüder, an diesem Osterfest aufs neue die Erfahrung dieser existentiellen Dimension unseres
Priestertums schenken: den Schauder vor der Größe, die Scham angesichts der Erwählung trotz unserer
Unwürdigkeit und das Glück in der Ausführung all dessen, was der Auferstandene durch den Priester tut.
Schon jetzt versprechen wir im Namen der Mitbrüder, die im September die Netzwerk-Wallfahrt in das Heilige
Land unternehmen, ein inständiges Gebet im Abendmahlssaal und auf Golgatha für Sie und Ihren Dienst
an der Herde.
Der Brief ist vom Sprecherteam des ‘Netzwerkes katholischer Priester’ unterzeichnet. Es
besteht aus Pfarrer Guido Rodheudt aus dem Bistum Aachen, Pfarrer Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz
und Pfarrer Uwe Winkel aus dem Bistum Fulda.
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