Glücklicher Leichengeruch?
Ein atheistischer Physiker glaubt, daß die Naturwissenschaften kurz vor der Entdeckung der Weltformel stehen. Doch dann wird er vom Tsunami weggespült, den er selber rief. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Ende Januar publizierte die katholische Zeitung ‘Tagespost’ eine Stellungnahme des Bonner
Physikers und selbsterklärten Atheisten Bernd Vowinkel.
Der Atheist reagierte auf einen Beitrag über die Herausforderung des neuen, missionarischen Atheismus. Sein Beitrag steht unter dem Titel „Gott sei Dank, ich bin Atheist“.
Vowinkel ist Mitglied des Förderkreises der kirchenfeindlichen ‘Giordano-Bruno-Stiftung’. Diese bemüht sich nach Angaben Vowinkels, einen angeblichen „Schaden, den die Religionen in unserer Gesellschaft anrichten, zu reduzieren oder ganz zu verhindern“.
Bei diesem Bemühen handle es sich um eine „intellektuelle Auseinandersetzung“ mit den Vertretern der großen Religionsgemeinschaften und dem Staat, wobei der „Respekt vor den jeweiligen Personen“ gewahrt bleibe.
Vowinkel erklärt auch, daß die ‘Giordano-Bruno-Stiftung’ sich für eine weitreichende Leugnung des Lebensrechtes ungeborener Menschen, für die Tötung hilfloser Menschen und für die Stammzellenforschung einsetzt: „Wir bekennen uns mit Stolz zum Utilitarismus“.
Das sei eine Geisteshaltung, bei der angeblich der Verstand im Vordergrund stehe.
Der Utilitarismus basiert jede ethische Bewertung einer Handlung auf dem Nützlichkeitsprinzip.
Statt den Menschen ein „Seelenheil im Jenseits“ zu versprechen, hält es der Giordano-Bruno-Atheist selbstbewußt für „erheblich sinnvoller und ehrlicher“, „größtmögliches Glück für Alle im Diesseits anzustreben“.
In seinen weiteren Ausführungen versucht Vowinkel den von den ideologischen Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts konstruierten Gegensatz zwischen Naturwissenschaft und Glauben der Kirche in die Schuhe zu schieben:
„Wir sind hier bei dem generellen Vorwurf, den ein Teil der Philosophen und alle Theologen den Naturwissenschaftlern machen, nämlich daß sie einem Kategorienfehler unterliegen, wenn sie sich mit Dingen beschäftigen, die in den Bereich der Geisteswissenschaften fallen.“
Nachdem Vowinkel seinen Papiertiger aufgebaut hat, legt er die Flinte an, um ihn abzuschießen:
„Als Naturwissenschaftler frage ich mich, ob es wohl verschiedene Wirklichkeiten – oder Wahrheiten – geben kann und wie man eventuell Zugang zu einer anderen Wirklichkeit erhält.“
Den Beweis für seine implizite Behauptung, daß die Kirche die These von der doppelten Wahrheit vertritt, bleibt Vowinkel schuldig.
Statt dessen jubelt er, daß die Geschichte der Naturwissenschaften gezeigt habe, daß häufig „als mystisch“ angesehene Vorgänge nach eingehender Forschung naturwissenschaftlich erklärt werden konnten:
„Ein Musterbeispiel ist der Vitalismus, der bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch viele Anhänger hatte.“
Der Vitalismus ist eine Lehre, die erklärt, daß Physik und Chemie nicht genügen, um Lebensprozesse zu erklären.
Was Vowinkel verschweigt: Der Vitalismus war eine Theorie der Naturwissenschaft, nicht der Kirche.
Dann kommt er auf die Evolutionstheorie zu sprechen. Diese werde mittlerweile sogar vom Vatikan anerkannt, „zwar nicht aus Einsicht, sondern weil der Druck der Fakten einfach zu groß wurde und man nicht zu dumm dastehen wollte.“
Bezüglich der Entstehung der Welt habe sich die Urknalltheorie erhärtet – so Vowinkel weiter: „Der Vatikan sieht nun notgedrungen im Urknall den Schöpfungsakt.“
Obwohl die Entstehung der Welt noch nicht restlos geklärt sei, könne man schon jetzt sagen, daß die Physiker keinen Gott bräuchten, um diesen Vorgang zu verstehen.
In der Physik sei bereits die Vereinheitlichung von drei der vier grundlegenden Naturkräfte gelungen:
„Gelingt auch noch die Einbeziehung der Gravitationskraft, so wären wir vermutlich in der Lage, die Physik der Welt von Anfang bis zum Ende zu verstehen.“
Man beachte die Qualifizierung dieser Aussage mit dem Wort „vermutlich“.
Seinem leuchtenden Bild der Naturwissenschaften stellt Vowinkel die finstere Ausbeute der Philosophie entgegen:
Was passieren könne, wenn sich Philosophen ohne grundlegende Kenntnisse der Naturwissenschaft auf dieses Gebiet begeben, sieht er am Beispiel des atheistischen deutschen Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas (78).
In seinem Essay „Die Zukunft der menschlichen Natur“ habe er sich über die Gentechnik ausgelassen und deren Auswirkungen angeprangert.
Dieses Essay sei ein glänzendes Beispiel dafür, wie ein Intellektueller sich bemüht, uns allen die Zukunft zu verdunkeln – zitiert Vowinkel einen Rezensenten des Werkes.
Vowinkels Fazit: „Wir müssen nicht Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft stärker voneinander trennen, sondern die vorhandene Trennung reduzieren.“
Doch die Wirklichkeit, die von der Theologie vertreten werde, biete ein „jämmerliches Bild“. Sie werde immer weiter von den Naturwissenschaften zurückgedrängt.
Dann erwähnt er einen in ‘Die Tagespost’ geäußerten Kritikpunkt, wonach der sogenannte neue Atheismus auf einen Mindeststandard des vernünftigen Argumentierens verzichte.
Diese Feststellung erzürnt Vowinkel sichtbar. Entsprechend billig und diffamierend ist sein Gegenargument:
„Wir sehen ein solches Argument als reinen Hohn an, da sie doch von einem Fürsprecher einer Religionsgemeinschaft kommt, die über Jahrhunderte hinweg vernünftig Denkende in Kerker gesperrt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat.“
Dann flüchtet er sich in Slogans: „Die Wirklichkeit der Theologie beruht eben nicht auf objektiven Fakten und der Vernunft, sondern auf reinem Wunschdenken. Dogmatismus ist in Beton gegossenes Wunschdenken.“
Mit anderen Worten: Alle Theologen sind und waren – gemessen am klugen Vowinkel – grundsätzlich und immer dahergelaufene Vollidioten.
Vowinkel ist sich dieser Erkenntnis so sicher, daß er sich eine Begründung erspart, in den nächsten Garten hüpft und dort über „spirituelle Erfahrungen“ doziert.
Diese würden nach „neueren Ergebnissen“ der Hirnforschung im Gehirn in einer bestimmten Region im Schläfenlappen des Großhirns erzeugt – verkündet er großspurig:
„Man kann sie inzwischen sogar über Hochfrequenzfelder oder Elektroden von außen erzeugen“ – erklärte er und verfehlt dabei die saubere Unterscheidung von objektiver Ursache und subjektiver Wirkung.
Nächstes Thema: der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer († 1860).
Mit ihm hält Vowinkel das Mitleid als Grundlage aller Ethik: „Dieser Ansatz ist recht gut mit dem heutigen Stand der Hirnforschung vereinbar“ – behauptet er:
„Aufgrund unseres Vorstellungsvermögens leiden wir mit anderen mit und erlangen dadurch die Motivation das Leid abzuwenden.“
Das Mitleiden könne „mit bildgebenden Verfahren“ auch nachgewiesen werden – gibt er an.
Es hänge unter anderem von den Genen, dem Hormonhaushalt und dem persönlichen Erfahrungsschatz ab: „Das Mitleid geht dabei über den Einzelfall hinaus und kann durchaus als Grundlage einer universalen Ethik dienen.“
Nicht so die christliche Ethik. Deren Grundlage sei „die Belohnung im Jenseits oder die Verdammung“ – verurteilt Vowinkel, obwohl er sich kurz zuvor als der Glückssteigerung verpflichtete Utilitarist vorgestellt hat.
Jetzt unterstellt er der von ihm vulgär-utilitaristisch verdrehte christliche Ethik überraschend „niedrige Beweggründe“.
Vowinkel beschließt seinen Artikel – nächstes Thema – mit einer Polemik gegen den Glauben an einen absolut gerechten Herrn, der über allen irdischen Herren steht:
„Wenn aber Gott allmächtig und gerecht ist, warum hat er dann am 26. Dezember 2004 mit einem Tsunami 231.000 Menschen vernichtet?“
Wieder erstaunt der Versuch des Naturwissenschaftlers, auf die emotionale Ebene abzulenken, statt sachlich und kühl die hier entscheidenden Fragen zu stellen:
1. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Allmacht Gottes?
2. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Gerechtigkeit Gottes?
Denn es ist offensichtlich, daß ein allmächtiger Gott der Menschheit keine Erklärung seiner Gerechtigkeit schuldet – noch braucht sich die Menschheit anzumaßen, die Gerechtigkeit des allmächtigen Gottes zu beurteilen.
Doch Vowinkel zupft die alte Leier: „Wenn es den christlichen Gott tatsächlich geben sollte, so muß er angesichts des Elends auf unserem Planeten entweder unfähig oder böswillig und ungerecht sein.“
Warum? Wie will Vowinkel einen Sachverhalt beurteilen, von dem er das Ende nicht kennt?
Das Christentum hat nie behauptet, daß sich die Gerechtigkeit auf dieser Welt erfüllt. Eine solche Behauptung wäre angesichts der manifesten Ungerechtigkeiten dieser Welt auch völlig lächerlich.
Statt hier weiterzudenken, flüchtet sich Vowinkel in einen unerleuchteten Atheismus:
„Wirklich überzeugend ist für rational Denkende aber nur eine Lösung des Widerspruchs: Es gibt den allmächtigen, absolut gerechten Gott gar nicht. Gott sei Dank, ich bin ein Atheist.“
Was Vowinkel übersieht: Damit ist der Widerspruch nicht gelöst, sondern zum Fundament aller Wirklichkeit erhoben.
In Vowinkels kleiner Welt krepieren die Armen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ohne Gerechtigkeit und Hoffnung vor sich hin, während satte, unterbeschäftigte Atheisten der reichen Ländern vom „größtmöglichen Glück für Alle im Diesseits“ schwafeln.
Der Tsunami ist kein Argument gegen Gott, sondern gegen den Atheismus.
In den Ohren der Kinder, die in den Fluten des südostasiatischen Meeres ersoffen sind, klingt Vowinkels „größtmögliches Glück“ wie blanker Hohn.
Der Atheist reagierte auf einen Beitrag über die Herausforderung des neuen, missionarischen Atheismus. Sein Beitrag steht unter dem Titel „Gott sei Dank, ich bin Atheist“.
Vowinkel ist Mitglied des Förderkreises der kirchenfeindlichen ‘Giordano-Bruno-Stiftung’. Diese bemüht sich nach Angaben Vowinkels, einen angeblichen „Schaden, den die Religionen in unserer Gesellschaft anrichten, zu reduzieren oder ganz zu verhindern“.
Bei diesem Bemühen handle es sich um eine „intellektuelle Auseinandersetzung“ mit den Vertretern der großen Religionsgemeinschaften und dem Staat, wobei der „Respekt vor den jeweiligen Personen“ gewahrt bleibe.
Vowinkel erklärt auch, daß die ‘Giordano-Bruno-Stiftung’ sich für eine weitreichende Leugnung des Lebensrechtes ungeborener Menschen, für die Tötung hilfloser Menschen und für die Stammzellenforschung einsetzt: „Wir bekennen uns mit Stolz zum Utilitarismus“.
Das sei eine Geisteshaltung, bei der angeblich der Verstand im Vordergrund stehe.
Der Utilitarismus basiert jede ethische Bewertung einer Handlung auf dem Nützlichkeitsprinzip.
Statt den Menschen ein „Seelenheil im Jenseits“ zu versprechen, hält es der Giordano-Bruno-Atheist selbstbewußt für „erheblich sinnvoller und ehrlicher“, „größtmögliches Glück für Alle im Diesseits anzustreben“.
In seinen weiteren Ausführungen versucht Vowinkel den von den ideologischen Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts konstruierten Gegensatz zwischen Naturwissenschaft und Glauben der Kirche in die Schuhe zu schieben:
„Wir sind hier bei dem generellen Vorwurf, den ein Teil der Philosophen und alle Theologen den Naturwissenschaftlern machen, nämlich daß sie einem Kategorienfehler unterliegen, wenn sie sich mit Dingen beschäftigen, die in den Bereich der Geisteswissenschaften fallen.“
Nachdem Vowinkel seinen Papiertiger aufgebaut hat, legt er die Flinte an, um ihn abzuschießen:
„Als Naturwissenschaftler frage ich mich, ob es wohl verschiedene Wirklichkeiten – oder Wahrheiten – geben kann und wie man eventuell Zugang zu einer anderen Wirklichkeit erhält.“
Den Beweis für seine implizite Behauptung, daß die Kirche die These von der doppelten Wahrheit vertritt, bleibt Vowinkel schuldig.
Statt dessen jubelt er, daß die Geschichte der Naturwissenschaften gezeigt habe, daß häufig „als mystisch“ angesehene Vorgänge nach eingehender Forschung naturwissenschaftlich erklärt werden konnten:
„Ein Musterbeispiel ist der Vitalismus, der bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch viele Anhänger hatte.“
Der Vitalismus ist eine Lehre, die erklärt, daß Physik und Chemie nicht genügen, um Lebensprozesse zu erklären.
Was Vowinkel verschweigt: Der Vitalismus war eine Theorie der Naturwissenschaft, nicht der Kirche.
Dann kommt er auf die Evolutionstheorie zu sprechen. Diese werde mittlerweile sogar vom Vatikan anerkannt, „zwar nicht aus Einsicht, sondern weil der Druck der Fakten einfach zu groß wurde und man nicht zu dumm dastehen wollte.“
Bezüglich der Entstehung der Welt habe sich die Urknalltheorie erhärtet – so Vowinkel weiter: „Der Vatikan sieht nun notgedrungen im Urknall den Schöpfungsakt.“
Obwohl die Entstehung der Welt noch nicht restlos geklärt sei, könne man schon jetzt sagen, daß die Physiker keinen Gott bräuchten, um diesen Vorgang zu verstehen.
In der Physik sei bereits die Vereinheitlichung von drei der vier grundlegenden Naturkräfte gelungen:
„Gelingt auch noch die Einbeziehung der Gravitationskraft, so wären wir vermutlich in der Lage, die Physik der Welt von Anfang bis zum Ende zu verstehen.“
Man beachte die Qualifizierung dieser Aussage mit dem Wort „vermutlich“.
Seinem leuchtenden Bild der Naturwissenschaften stellt Vowinkel die finstere Ausbeute der Philosophie entgegen:
Was passieren könne, wenn sich Philosophen ohne grundlegende Kenntnisse der Naturwissenschaft auf dieses Gebiet begeben, sieht er am Beispiel des atheistischen deutschen Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas (78).
In seinem Essay „Die Zukunft der menschlichen Natur“ habe er sich über die Gentechnik ausgelassen und deren Auswirkungen angeprangert.
Dieses Essay sei ein glänzendes Beispiel dafür, wie ein Intellektueller sich bemüht, uns allen die Zukunft zu verdunkeln – zitiert Vowinkel einen Rezensenten des Werkes.
Vowinkels Fazit: „Wir müssen nicht Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft stärker voneinander trennen, sondern die vorhandene Trennung reduzieren.“
Doch die Wirklichkeit, die von der Theologie vertreten werde, biete ein „jämmerliches Bild“. Sie werde immer weiter von den Naturwissenschaften zurückgedrängt.
Dann erwähnt er einen in ‘Die Tagespost’ geäußerten Kritikpunkt, wonach der sogenannte neue Atheismus auf einen Mindeststandard des vernünftigen Argumentierens verzichte.
Diese Feststellung erzürnt Vowinkel sichtbar. Entsprechend billig und diffamierend ist sein Gegenargument:
„Wir sehen ein solches Argument als reinen Hohn an, da sie doch von einem Fürsprecher einer Religionsgemeinschaft kommt, die über Jahrhunderte hinweg vernünftig Denkende in Kerker gesperrt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat.“
Dann flüchtet er sich in Slogans: „Die Wirklichkeit der Theologie beruht eben nicht auf objektiven Fakten und der Vernunft, sondern auf reinem Wunschdenken. Dogmatismus ist in Beton gegossenes Wunschdenken.“
Mit anderen Worten: Alle Theologen sind und waren – gemessen am klugen Vowinkel – grundsätzlich und immer dahergelaufene Vollidioten.
Vowinkel ist sich dieser Erkenntnis so sicher, daß er sich eine Begründung erspart, in den nächsten Garten hüpft und dort über „spirituelle Erfahrungen“ doziert.
Diese würden nach „neueren Ergebnissen“ der Hirnforschung im Gehirn in einer bestimmten Region im Schläfenlappen des Großhirns erzeugt – verkündet er großspurig:
„Man kann sie inzwischen sogar über Hochfrequenzfelder oder Elektroden von außen erzeugen“ – erklärte er und verfehlt dabei die saubere Unterscheidung von objektiver Ursache und subjektiver Wirkung.
Nächstes Thema: der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer († 1860).
Mit ihm hält Vowinkel das Mitleid als Grundlage aller Ethik: „Dieser Ansatz ist recht gut mit dem heutigen Stand der Hirnforschung vereinbar“ – behauptet er:
„Aufgrund unseres Vorstellungsvermögens leiden wir mit anderen mit und erlangen dadurch die Motivation das Leid abzuwenden.“
Das Mitleiden könne „mit bildgebenden Verfahren“ auch nachgewiesen werden – gibt er an.
Es hänge unter anderem von den Genen, dem Hormonhaushalt und dem persönlichen Erfahrungsschatz ab: „Das Mitleid geht dabei über den Einzelfall hinaus und kann durchaus als Grundlage einer universalen Ethik dienen.“
Nicht so die christliche Ethik. Deren Grundlage sei „die Belohnung im Jenseits oder die Verdammung“ – verurteilt Vowinkel, obwohl er sich kurz zuvor als der Glückssteigerung verpflichtete Utilitarist vorgestellt hat.
Jetzt unterstellt er der von ihm vulgär-utilitaristisch verdrehte christliche Ethik überraschend „niedrige Beweggründe“.
Vowinkel beschließt seinen Artikel – nächstes Thema – mit einer Polemik gegen den Glauben an einen absolut gerechten Herrn, der über allen irdischen Herren steht:
„Wenn aber Gott allmächtig und gerecht ist, warum hat er dann am 26. Dezember 2004 mit einem Tsunami 231.000 Menschen vernichtet?“
Wieder erstaunt der Versuch des Naturwissenschaftlers, auf die emotionale Ebene abzulenken, statt sachlich und kühl die hier entscheidenden Fragen zu stellen:
1. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Allmacht Gottes?
2. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Gerechtigkeit Gottes?
Denn es ist offensichtlich, daß ein allmächtiger Gott der Menschheit keine Erklärung seiner Gerechtigkeit schuldet – noch braucht sich die Menschheit anzumaßen, die Gerechtigkeit des allmächtigen Gottes zu beurteilen.
Doch Vowinkel zupft die alte Leier: „Wenn es den christlichen Gott tatsächlich geben sollte, so muß er angesichts des Elends auf unserem Planeten entweder unfähig oder böswillig und ungerecht sein.“
Warum? Wie will Vowinkel einen Sachverhalt beurteilen, von dem er das Ende nicht kennt?
Das Christentum hat nie behauptet, daß sich die Gerechtigkeit auf dieser Welt erfüllt. Eine solche Behauptung wäre angesichts der manifesten Ungerechtigkeiten dieser Welt auch völlig lächerlich.
Statt hier weiterzudenken, flüchtet sich Vowinkel in einen unerleuchteten Atheismus:
„Wirklich überzeugend ist für rational Denkende aber nur eine Lösung des Widerspruchs: Es gibt den allmächtigen, absolut gerechten Gott gar nicht. Gott sei Dank, ich bin ein Atheist.“
Was Vowinkel übersieht: Damit ist der Widerspruch nicht gelöst, sondern zum Fundament aller Wirklichkeit erhoben.
In Vowinkels kleiner Welt krepieren die Armen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ohne Gerechtigkeit und Hoffnung vor sich hin, während satte, unterbeschäftigte Atheisten der reichen Ländern vom „größtmöglichen Glück für Alle im Diesseits“ schwafeln.
Der Tsunami ist kein Argument gegen Gott, sondern gegen den Atheismus.
In den Ohren der Kinder, die in den Fluten des südostasiatischen Meeres ersoffen sind, klingt Vowinkels „größtmögliches Glück“ wie blanker Hohn.
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Dienstag, 1. April 2008 10:09
Dr. Christoph Heger: Worin bitte liegt die Verleumdung?
Dr. Vowinkel zitiert sich selbst:
„Weiterhin ist richtig, dass wir für ein liberales Abtreibungsrecht, für aktive Sterbehilfe und für Stammzellenforschung sind. Wir bekennen uns mit Stolz zum Utilitarismus, denn er ist eine Geisteshaltung, bei der der Verstand im Vordergrund steht.“
Tut aber dann so, als könne er nicht bis drei zählen:
Mich für die Tötung hilfloser Menschen einzusetzen ist das Letzte was ich tun würde und das steht auch nicht in meinem Leserbrief.
Im Gegenteil, genau das steht da.
Dies aus dem Utilitarismus abzuleiten ist völliger Schwachsinn!
Etwas schwach im Denken ist Dr. Vowinkel. Der Utilitarismus ist die Negation der Sittlichkeit. Und es ist völlig konsequent, daß aus ihm die „Berechtigung“ zu jedem Verbrechen abgeleitet wird. Wer das auf etwas unterhaltsame Weise erkennen möchte, lese z.B. Dostojewski.
MfG
Christoph Heger
„Weiterhin ist richtig, dass wir für ein liberales Abtreibungsrecht, für aktive Sterbehilfe und für Stammzellenforschung sind. Wir bekennen uns mit Stolz zum Utilitarismus, denn er ist eine Geisteshaltung, bei der der Verstand im Vordergrund steht.“
Tut aber dann so, als könne er nicht bis drei zählen:
Mich für die Tötung hilfloser Menschen einzusetzen ist das Letzte was ich tun würde und das steht auch nicht in meinem Leserbrief.
Im Gegenteil, genau das steht da.
Dies aus dem Utilitarismus abzuleiten ist völliger Schwachsinn!
Etwas schwach im Denken ist Dr. Vowinkel. Der Utilitarismus ist die Negation der Sittlichkeit. Und es ist völlig konsequent, daß aus ihm die „Berechtigung“ zu jedem Verbrechen abgeleitet wird. Wer das auf etwas unterhaltsame Weise erkennen möchte, lese z.B. Dostojewski.
MfG
Christoph Heger
Dienstag, 1. April 2008 09:45
Vowinkel: Verleumdung
Mein Leserbrief in der Tagespost war trotz aller Zuspitzung sachlich und respektvoll gehalten.
Tagespost
Wenn daraufhin heftig reagiert wird und Gegenargumente gebracht werden, so habe ich dafür volles Verständnis. In dem Kreuz.net-Artikel steht dagegen:
Vowinkel erklärt auch, dass die ‘Giordano-Bruno-Stiftung’ sich für eine weitreichende Leugnung des Lebensrechtes ungeborener Menschen, für die Tötung hilfloser Menschen und für die Stammzellenforschung einsetzt: „Wir bekennen uns mit Stolz zum Utilitarismus“.
Das ist eine infame Verleumdung! Mich für die Tötung hilfloser Menschen einzusetzen ist das Letzte was ich tun würde und das steht auch nicht in meinem Leserbrief. Dies aus dem Utilitarismus abzuleiten ist völliger Schwachsinn!
Wenn Ihr glaubt, mit Lügen, Diffamierung und Beleidigungen das Christentum retten zu können, seid Ihr auf dem Holzweg! Und wenn Ihr das Ganze so wie bei Kreuz.net auch noch anonym tut, dann zeugt das von Feigheit vor dem Gegner.
Bernd Vowinkel
Tagespost
Wenn daraufhin heftig reagiert wird und Gegenargumente gebracht werden, so habe ich dafür volles Verständnis. In dem Kreuz.net-Artikel steht dagegen:
Vowinkel erklärt auch, dass die ‘Giordano-Bruno-Stiftung’ sich für eine weitreichende Leugnung des Lebensrechtes ungeborener Menschen, für die Tötung hilfloser Menschen und für die Stammzellenforschung einsetzt: „Wir bekennen uns mit Stolz zum Utilitarismus“.
Das ist eine infame Verleumdung! Mich für die Tötung hilfloser Menschen einzusetzen ist das Letzte was ich tun würde und das steht auch nicht in meinem Leserbrief. Dies aus dem Utilitarismus abzuleiten ist völliger Schwachsinn!
Wenn Ihr glaubt, mit Lügen, Diffamierung und Beleidigungen das Christentum retten zu können, seid Ihr auf dem Holzweg! Und wenn Ihr das Ganze so wie bei Kreuz.net auch noch anonym tut, dann zeugt das von Feigheit vor dem Gegner.
Bernd Vowinkel
Freitag, 28. März 2008 14:06
makakema: Atheistenwahn
Na ja, das ist ja alles nichts Neues. Ähnlich wie Dawkins in seinem Buch „Gotteswahn“, werden auch hier
verschiedene Argumente und Argumentationsstränge zusammenhanglos aneinandergereiht um dann zu glauben,
man hätte den Gottes-Gegen-Beweis erbracht.
Dawkins Theorie fußt auf der Evolution. Die Gedankenkette ist in etwa folgende:
Mensch – viele Menschen – Empathie ermöglicht höhere Reproduktionswahrscheinlichkeit – Weiterentwicklung – Mensch wird sich seiner Endlichkeit bewußt – Hirnumprogrammierung auf Gottesglaube verhindert Wahnsinn und erhöht somit Reproduktionswahrscheinlichkeit.
Allerdings vergißt er, daß all seine Argumente eh sinnlos sind, wenn das stimmt. Dann darf ein gesunder Mensch ja gar nicht – nicht an Gott glauben, will er sich nicht dem Wahnsinn preisgeben.
Womit wir dann wieder bei der Frage wären, gibt es Gott oder gibt es ihn nicht. (Nicht zu vergessen die noch viel wichtigere Frage: Ist Gott ein Mann oder eine Frau?)
Dawkins Theorie fußt auf der Evolution. Die Gedankenkette ist in etwa folgende:
Mensch – viele Menschen – Empathie ermöglicht höhere Reproduktionswahrscheinlichkeit – Weiterentwicklung – Mensch wird sich seiner Endlichkeit bewußt – Hirnumprogrammierung auf Gottesglaube verhindert Wahnsinn und erhöht somit Reproduktionswahrscheinlichkeit.
Allerdings vergißt er, daß all seine Argumente eh sinnlos sind, wenn das stimmt. Dann darf ein gesunder Mensch ja gar nicht – nicht an Gott glauben, will er sich nicht dem Wahnsinn preisgeben.
Womit wir dann wieder bei der Frage wären, gibt es Gott oder gibt es ihn nicht. (Nicht zu vergessen die noch viel wichtigere Frage: Ist Gott ein Mann oder eine Frau?)
Donnerstag, 27. März 2008 19:46
Marcelus: Das sind doch berechtigte Fragen auch für die Theologie
1. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Allmacht Gottes?
2. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Gerechtigkeit Gottes?
Auch der hl. Thomas v. Aquin hätte sich mit diesen Fragen in seiner Methodik beschäftigt, wenn er ihnen begegnet wäre.
2. Inwiefern ist ein Tsunami ein Argument gegen die Gerechtigkeit Gottes?
Auch der hl. Thomas v. Aquin hätte sich mit diesen Fragen in seiner Methodik beschäftigt, wenn er ihnen begegnet wäre.
Mittwoch, 26. März 2008 13:58
Peter-Pan: @Sirilo
Ein Leben nach dem Tode haben doch fast alle Religionen im Angebot. Ebenso wie die Bedingung, dass das
süsse „Afterlife“ nur einem elitären Club, nämlich den jeweiligen Gläuben vorbehalten bleibt. (Tatsächlich
schließt ja auch der Atheismus ein Leben nach dem Tode nicht prinzipiell aus; es geht nur um konkrete
religiöse Vorstellungen).
Wenn ihre Logik also greift, welche Hoffnung bleibt dann all denenn, die geliebte Menschen verloren haben, aber wissen, dass diese Geliebten nicht dem einen wahren Glauben angehörten – oder befürchten müssen, dass sie den einen wahren Glauben nicht richtig lebten.
Hier wird ein bisschen postuliert, dass jede Form von Atheimsus eine hoffnungslose Weltsicht ist. Dabei schaffen es die Eiferer fantastisch darüber hinweg zu blicken, dass Religion eine viel entsetzlichere Hoffnungslosigkeit in Aussicht stellt (so richtig mit Hölle und Verdammnis), da sie sich ja selbst auf ihrer sicheren Wolke sonnen, in dem „Wissen“, dass auf sie – wenn auch auf sie allein – die göttliche Gerechtigkeit noch wartet.
Wenn ihre Logik also greift, welche Hoffnung bleibt dann all denenn, die geliebte Menschen verloren haben, aber wissen, dass diese Geliebten nicht dem einen wahren Glauben angehörten – oder befürchten müssen, dass sie den einen wahren Glauben nicht richtig lebten.
Hier wird ein bisschen postuliert, dass jede Form von Atheimsus eine hoffnungslose Weltsicht ist. Dabei schaffen es die Eiferer fantastisch darüber hinweg zu blicken, dass Religion eine viel entsetzlichere Hoffnungslosigkeit in Aussicht stellt (so richtig mit Hölle und Verdammnis), da sie sich ja selbst auf ihrer sicheren Wolke sonnen, in dem „Wissen“, dass auf sie – wenn auch auf sie allein – die göttliche Gerechtigkeit noch wartet.
Mittwoch, 26. März 2008 08:47
Sirilo: „Größtmögliches Glück“?
Einem Freund von mir ist am Hochzeitsabend die frischangetraute Frau durch ein Herzversagen weggestorben. Welches „größtmögliches Glück“ kann es für ihn im Diesseits noch geben? Sein Glück – das ihm der Atheismus nicht geben könnte – ist die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.






