Modernismus
Nachgeworfene Liebesmühe
Die Barmherzigkeits-Häresie hat einen Nachteil: Sie macht den Menschen im Heilsgeschehen überflüssig. Die Gläubigen merken das – und bleiben zuhause. Neues aus der Münchner Pfarrei Sankt Maximilian.
Pfarrkirche St. Maximilian in München
Pfarrkirche St. Maximilian in München
© Wikipedia-Benützer „Rufus46“, GFDL
(kreuz.net) In der vergangenen Adventszeit installierte die Gemeinde Sankt Maximilian in der Münchner Deutingerstraße einen homo-ideologischen Adventskalender.

Jetzt hat der dortige Pfarrer, Hw. Rainer Maria Schießler gleich doppelt zugeschlagen.

In der Gründonnerstags- und Karfreitagsausgabe der Münchner Tageszeitung ‘Münchner Merkur’, deren Heimatausgaben in ganz Oberbayern erscheinen, erhielt der Priester zuerst die Möglichkeit, seine Version vom Karfreitag zu erzählen.

Auf die Frage, wie er den Menschen den Tod Jesu erkläre, antwortete er: „Auf jeden Fall nicht mehr so, wie ich es früher getan habe.“

Er sei zwanzig Jahre Pfarrer und stelle an sich selber fest, daß sich die Verkündigung ändere:

Der Hochaltar in der Pfarrkirche St. Maximilian
Der Hochaltar in der Pfarrkirche St. Maximilian
© Wikipedia-Benützer „Rufus46“, GFDL
„In den ersten Priesterjahren habe ich ganz klassische Karfreitagspredigten gehalten nach dem Motto: Daß Gott seinen Sohn geopfert hat und sich damit mit der Menschheit versöhnt.“

In den letzten Jahren habe er „immer intensiver“ darüber nachgedacht: „Welcher Vater würde das tun? Mein Vater hat alles für mich gemacht, der hätte mich keinerlei Gefahren ausgesetzt. Was für ein Gott ist es, der so brutal ist?“

Dieses Jahr werde er am Karfreitag den Gläubigen erklären, „daß ich von der Verkündigung Jesu ausgehe. Und zwar von einer seiner eindringlichsten Geschichten: Der vom verlorenen Sohn beziehungsweise vom barmherzigen Vater.“

Dieser Vater laufe dem verlorenen Sohn entgegen, „will gar keine Entschuldigungen oder Erklärungen hören“ – erklärt der Geistliche und unterschlägt dabei das Faktum der Rückkehr des Sohnes.

Der Vater richte den Sohn auf: „Das ist ganz wichtig: Gott richtet auf und vergibt Schuld. So ist Gott! Jesus bringt mich dazu, zu Gott Vater zu sagen.“

Der Journalist fragt den Priester, was das mit Karfreitag zu tun habe.

„Das kann nicht derselbe Gott sein, der jetzt seinen Sohn dahinschlachtet“ – karikiert Hw. Schießler hemmungslos weiter:

„Jesus stirbt am Kreuz, weil er konsequent den Weg der Liebe geht. Er setzt sich ganz und gar für den Menschen ein – auch über Gesetze hinweg.“

Es ist unklar, welche Gesetze der Priester meint.

Jesus wende sich gegen ein Gottesbild, „das den Menschen unterdrücke, gegen das Bild eines rachsüchtigen und blutrünstigen Gottes“ – polemisiert er unqualifiziert.

Das am Karfreitag in der Pfarrei Sankt Maximilian errichtete Heilige Grab war dieses Jahr ein Pappkarton. Darin lag Jesus.

Die Webseite der Gemeinde verzichtete darauf, Bilder zu veröffentlichen.

Diese Installation wurde vom ‘Münchner Merkur’ als „außergewöhnlich“ bezeichnet. Die Zeitung zitiert Hw. Schießler, wonach man in der Pfarrei beschlossen habe, „nicht nur eine schöne Deko aufzubauen“:

„Es hat keinen Sinn den Tod Jesu zu thematisieren und den eigenen Tod auszublenden.“

Es ist unklar, wie ein Pappkarton auf den eigenen Tod hindeutet.

Rund um den toten Jesus im Pappkarton waren weitere Kartons aufgeschichtet und mit Photos beklebt, die den „Tod im Alltag“ thematisierten.

Auf den Lichtbildern war zum Beispiel ein überfahrenes Reh oder ein Arzt zu sehen, der gerade im Operationssaal den Kampf um ein Leben verloren hat.

Andere Darstellungen zeigten drei Spritzen oder eine homo-ideologische AIDS-Schleife.

„Diese Bilder sollen verdeutlichen: Dieser Tod Jesu ist Dein Tod“ – glaubt Hw. Schießler:

„Wir wollen, daß die Leute zum Nachdenken kommen und nicht nur sagen: Mei, ist das schön arrangiert“ – so der Geistliche.
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#14   Lorenz   13:22:07 | Donnerstag, 27. März 2008
Merkwürdige Problem mit der Passion des Herrn
Wieso glaubt der zitierte Pfarrer, dass es einen Widerspruch in den Evangelien zwischen dem Gleichnis(!) vom verlorenen Sohn und der Tatsache(!) der Kreuzigung gäbe? Die Gewalt in der Bibel geht immer von den Menschen aus. Im AT ist das manchmal sicher nicht so einfach zu sehen. Beim Kreuzigungsgeschehen ist es doch wohl aber sonnenklar: Gott ist der Gekreuzigte, die Menschen sind die Kreuziger! Muss ich das einem studierten Kleriker erklären?
Redaktion benachrichtigen
#13   Graf von Galen   23:22:51 | Mittwoch, 26. März 2008
Wider VII
Sicher auch eine Folge der das Sühnopfer Christi
ignorierenden NOM, sind Priester, wie der hier genannte,
die sich als Feinde des Kreuzes gerieren.
Redaktion benachrichtigen
#12   Nachtlaterne   21:37:48 | Mittwoch, 26. März 2008
auch ein geistlicher…
…kann – wenn ihm der geist gottes fehlt – dazu entschließen den irrtum zu hofieren und die scheinbaren widersprüche gottes abzulehnen. gott aber widerspricht sich niemals – nur wir menschen sind nicht weise genug seine weisheit zu erkennen.
Redaktion benachrichtigen
#11   Amanda   18:31:25 | Mittwoch, 26. März 2008
@juergen
Es gibt nun mal – vom jeweiligen Ritus mal ganz abgesehen – gute liturgische Gründe, am Karfreitag keine Messe zu feiern. Aber diese sind Ihnen sicherlich nicht bekannt, oder?
Redaktion benachrichtigen
#10   juergen   18:12:09 | Mittwoch, 26. März 2008
Außerordentlich
Egal ob im ordentlichen oder außerodentlichen Ritus, wäre eine Messe am Karfreitag tatsächlich was außerordentliches oder unordentliches bzw. gar ungehöriges und ganz und gar ungeheuerliches…
Redaktion benachrichtigen
#9   thaumaturgos   18:07:51 | Mittwoch, 26. März 2008
… etwas meher lturgische bildung …
… wäre zu wünschen:
außerordentliche Messe an Karfreitag
w die gefeiert wird, möchte ich schon gern wissen …
Redaktion benachrichtigen
#8   Aleph †   17:49:17 | Mittwoch, 26. März 2008
ordo62
Wirklich ein großartiger Witz. Er ist in die klassische Kategorie „Katholischer Witz“ aufzunehmen, weil man nicht so ganz genau weiß, ob man lachen darf oder es liebe bei einem wohlwollenden Schmunzeln belassen sollte :)3 .
Redaktion benachrichtigen
#7   ordo62   17:38:26 | Mittwoch, 26. März 2008
bei diesem Artikel muß ich an einen Witz denken,
den ich kürzlich gehört habe:
Auf dem „Katholikentag“ streiten sich drei Teilnehmer darüber, wer den liberalsten Pfarrer hat. Der Erste sagt: „bei uns gibt der Pfarrer vor Ostern einen Tanzkurs um den Altar“. Darauf der Zweite: „Unser Pfarrer ißt am Karfreitag ein Steak Medium vor der ganzen Gemeine“. Darauf der Dritte: „das ist noch garnichts, unser Pfarrer hat an der Kirche ein Schild angebracht auf dem steht, über die Feiertage geschlossen“
:-D :-D :-D :-D :-D :-D :-D :-D
Redaktion benachrichtigen
#6   HeinrichvonOfterdingen   17:31:18 | Mittwoch, 26. März 2008
Lieber Aleph,
Die Altrituellen könnten die Finanzierung ihrer anspruchsvollen Sonderwünsche längst nicht sicherstellen.
… was die Priesterbruderschaft Pius X betrifft, ist tatsächlich alles von deren Gläubigen (nicht: Gläubigern) finanziert. Es geht vieles, ohne die Verschwendungssucht der Modernisten, allein der Münchner Dom ist in dem letzten Vierteljahrhundert etliche Male, jeweils für Millionensummen, nach dem Geschmack der jeweiligen Bischöfe umgebaut worden. Wäre jetzt doch eigentlich wieder mal an der Zeit. Bischof Marx wird doch nicht die gschmacklichen Verirrungen seines Vorgängers übernehmen wollen, sondern mit eigenen Akzente setzen!
Redaktion benachrichtigen
#5   Aleph †   17:20:11 | Mittwoch, 26. März 2008
ordo 62: Subsidiaritäts-Prinzip
Sind sie doch zufrieden. Auch Ketzer zahlen Kirchensteuer.
Die Altrituellen könnten die Finanzierung ihrer anspruchsvollen Sonderwünsche längst nicht sicherstellen.
Wir lernen also: Auch mit Ketzern ist ein Auskommen möglich, weil sie die Altrituellen wohlwollend mit der Kirchensteuer unterstützen.
Da greift das Subsidiaritäts-Prinzip ganz schön kräftig unter die Arme…
Redaktion benachrichtigen
#4   stimme der vernunft †   17:09:29 | Mittwoch, 26. März 2008
Bischof Huonders Predigt
ist weinerlich und in keiner Weise geeignet, auch nur irgend eine Seele zusätzlich zur Messe zu bringen.
„Was hab ich euch nur getan, heul…“
Einfach nur schrecklich.
Redaktion benachrichtigen
#3   ordo62   17:02:12 | Mittwoch, 26. März 2008
und solche Ketzer werden von unserer Kirchensteuer finanziert
aber auch in der Nachkonzilzkirche gabs in diesen Tagen manch beachtenswerte Predigten, welche es sogar verdienen als katholisch bezeichnet zu werden.
z.B.
www.bistum-chur.ch/…esanbischof_108.html
Redaktion benachrichtigen
#2   Aleph †   16:50:35 | Mittwoch, 26. März 2008
stimme der vernunft
Und was hat die Kalamität des Bäckers mit dem äußerst interessanten Artikel zu tun?
Es ist doch ungemein wichtig, dass die Leute wissen, wenn sie schon nicht mehr zur Kirche gehen, weil die nächste außerordentliche Messe an Karfreitag nicht gehalten werden darf, wie denn Pfarrer heutzutage an Karfreitag zu predigen pflegen:
Eben ganz anders, in völlig neuer Perspektive, ungewöhnlich, einfach unbeschreiblich anders als im vergangenen Jahr, als der Karfreitagsgottesdienst auch unbesucht geblieben war.
Da ist die Mitteilung von den verspäteten Milchwecken viel nahrhafter, besonders wenn der Metzger auch noch den Bürgersteig hoch geklappt hat und dann die interessante Story über Predigen an Karfreitag.
Das hat mehr Biss. :-P
Redaktion benachrichtigen
#1   stimme der vernunft †   16:02:22 | Mittwoch, 26. März 2008
Aha. Interessanter Artikel
Dabei fällt mir ein, dass bei meinem Bäcker heute morgen die Milchbrötchen noch nicht fertig waren. Sie waren verspätet. Aber ab acht gab es dann doch welche. Der Metzger hat diese Woche Urlaub.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Hw. Hans KüngEine Charakterfrage? ModernismusDürftige Grundlagen Hw. Eugen BiserEin trauriges Resumee nach neunzig Jahren ErwachsenenbildungLebendig zeitgemäß statt kirchlich institutionell Hw. Rainer Maria SchießlerSoweit zur nachkonziliaren Kirche in München ModernismusHochexplosive Ketzereien ModernismusIn den Fußstapfen Martin Luthers Uta Ranke-HeinemannIm adretten türkisgrünen Lederkostüm Modernismus„Hw. Golatz muß suspendiert werden!“ ModernismusEingeengter Glaube Bistum MainzWie man in der Kirche zu Ehrungen kommt Bistum Mainz„Kämpfen und Lieben“ ModernismusEin beliebter Pfarrer ModernismusNeues aus der Finsternis vor der Morgenröte des Konzils Pastorale HöhepunkteIm Dom zu Mailand hat die Zukunft begonnen
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net