Ein Mißbrauchsopfer berichtet. Und macht sich Gedanken über das sinkende Ansehen des Priesterberufs. Der Text hätte eine Anklage werden können. Von einem Ex-Priester für das ‘Vatican Magazine’.
Heute ist der Priesterberuf verachtet.
(kreuz.net) Der Priester von früher sah aus wie Don Camillo, manchmal auch wie Pius XII. Die Leute mochten
ihn. Sie gingen für ihn durchs Feuer. Ein Pfarrer, ein Geistlicher, ein Priester zu sein – das war einmal
der angesehenste Beruf der Welt.
Längst ist der Pfarrer im Mittelfeld der Rankings versackt. Ärzte,
Krankenschwestern, Polizisten, Hochschullehrer haben ihn an Ansehen überholt. Das liegt nicht an übler
Nachrede, nicht Überforderung, nicht an schlechter Ausbildung und schon gar nicht der viel gescholtenen
Säkularisierung.
Es liegt an Nachrichten aus Wien, St. Pölten, Boston, St. Louis, Regensburg und neuerdings
wieder Rom, die das Wort „Priester“ zu einem Synonym der Schande gemacht haben.
Die ehemals hohe Reputation
der Gottesmänner wurde auf eine skandalöse Weise verspielt.
Einst war der Priesterberuf geachtet
Vor vierzehn Tagen verließ ich mit einem
jungen Familienvater den Gottesdienst. Er raunte mir zu: „Gott sei Dank sind meine Kinder keine Ministranten,
bevor sie so einem in die Finger fallen.“
So weit ist es gekommen mit den Priestern. Man verachtet sie,
verdächtigt sie, meidet sie, warnt vor ihnen – und manchmal leider zu Recht.
Dennoch weigere ich mich,
in den Chor derer einzustimmen, die immer lauter rufen: „Hört doch endlich auf. Laßt es mit dem Zölibat.
Es ist doch mit Händen zu greifen, wohin das führt!“
Ich habe ganz andere Gedanken: Ich glaube nicht,
daß es sich die Kirche leisten kann, auf die Lebensform Jesu zu verzichten.
Ich halte es für puren
Unglauben zu behaupten, Jesu Einladung in die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen sei nur mal so
eine Idee, deren reale Durchführbarkeit modernen Menschen praktisch, sexualtechnisch und überhaupt nicht
zugemutet werden könne.
Novemberausgabe des ‘Vatican-Magazin’
Ich hätte Angst vor einer Kirche, in der Funktionäre die Priester ersetzen,
in der diplomierte Gottesspezialisten mit tariflicher Absicherung am Altar stehen, einer Kirche, deren
zentrale Protagonisten nur noch auf Wissen und nicht mehr auf Hingabe abgecheckt wurden.
Mir schaudert
vor einer Kirche, die, statt auf Apostel, auf Beamte gebaut ist. Ich sage das auch in Hinsicht auf die
ökumenischen Implikationen einer solchen Aussage, weil es glücklicherweise einen Dietrich Bonhoeffer
und andere gab und gibt.
Ich habe Verbrecher im Priesterrock erlebt, aber auch die bedeutendsten, verehrungswürdigsten
und größten Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe.
Ich halte dafür, daß das eine vom
anderen unterschieden werden kann.
Obwohl ich eine sehr eigene Geschichte habe, ziehe ich heute – es
war nicht immer so – den Hut vor Männern, die aus freien Stücken und Liebe zu Gott Priester werden.
Jetzt noch, in dieser Stunde der Kirche.
Sie wählen – um es mit Charles de Foucauld zu sagen – den „letzten
Platz“. Sie ziehen, wie einst Mutter Teresa, das Kleid der Toilettenputzerinnen an. Sie begeben sich zu
den Verachtetsten der Verachteten. Der Beruf des Priesters stinkt.
Ihn trotzdem wählen? Ja, denn das
ist eine der Paradoxien der Erlösung, denen die Gnosis nie Verständnis entgegenbrachte: Gott selbst
hat sich mit dem Gestank der Sünde identifiziert.
In seiner Passion ging er an den Ort, an dem ihn sein
eigener Vater nicht mehr anschauen mochte. Heute Priester werden, das ist ein Weg in die Passion.
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Nicht erst seit den Jahrzehnten nach dem „Pastoralkonzil“ in den 1960ern ist der Priesterberuf verachtet
-in den vortridentinischen Zeiten war es in weiten Teilen der katholischen Bevölkerung bereits so wie
seit einiger Zeit wieder, bis das Tridentinum eine gründliche Kirchenreform einleitete und wieder Disziplin
in die Kirche brachte. Davor sprach sogar das Papsttum offiziell in einem bekannten Päpstlichen Lehrschreiben
davon, daß sich Kleriker und Laien von Natur aus als Feinde gegenüberstehen. Das II. Vaticanum hat diese
Zustände in der real existierenden Kirche auf Erden wieder hergestellt.
Oh, naja… Mitbekommen im Unterbewussten schon. Aber das zu denken sich zu wagen… hat einfach gefehlt.
Das gab es nicht. Das hätte saftige Schellen gegeben. Naja, ich denke im Einzelfall wurde da auch schon
mal was gesagt, der eine oder andere Priester abgesetzt, wenns allzu offensichtlich war. Aber eine öffentliche
Berichterstattung inklusive polizeilicher Nachforschungen innerhalb der Kirchenhierarchie – das gabs früher
halt kaum bis gar nicht, je nachdem welches „früher“ wir meinen.
Kurt K. Mitbekommen im Unterbewussten schon. Aber das zu denken sich zu wagen… hat einfach gefehlt.
Das gab es nicht. Das hätte saftige Schellen gegeben.
pneumat Die modernen Priester werden deshalb verachtet, weil sie nicht nur meist fehlerhaft (schwull etc.)
sondern auch ungläubig Fast richtig, pneumat, fast! Sie werden deshalb nicht mehr so hoch geachtet, weil
man festetellt, dass Priester eben auch nur Menschen sind – und das schon immer waren. Früher hat halt
das Vertuschen, Verschweigen, Einschüchtern besser geklappt, so dass etwaige „Vorfälle“ nicht ans Licht
der Öffentlichkeit gelangten. Seit die Presse da frei ihre Augen drauf hat und berichtet, wird der Saustall
offenbar. Und dieser hat schon immer existiert. Früher waren die Priester genauso Menschen wie heute,
mit allen Fehlern wie alle anderen auch. Nur hat das halt keiner so richtig mitbekommen.
‘Der Beruf des Priesters stinkt’ Priester ist das Bild fürs Lamm Gottes. Und das Gotteslamm soll tadellos
und fehlerfrei gemäß Gottesgesetz sein. Die modernen Priester werden deshalb verachtet, weil sie nicht
nur meist fehlerhaft (schwull etc.) sondern auch ungläubig und daher geistlos, also, ohne Heiligen Geist
sind. Das salzfreie Salz wird zu Säuen weggeworfen.
#42 raindance1 † 19:20:50 | Donnerstag, 27. März 2008
na sowas… Sie wählen – um es mit Charles de Foucauld zu sagen – den „letzten Platz“. Sie ziehen, wie
einst Mutter Teresa, das Kleid der Toilettenputzerinnen an. Sie begeben sich zu den Verachtetsten der
Verachteten. Der Beruf des Priesters stinkt. welcher Priester wählt den letzten Platz? welcher stinkt?
welcher trägt das Kleid der Toilettenputzerin?…unser Ortspfarrer kommt chic im offenen Sacko mit modischem
Hemd darunter angelaufen…und er sitzt immer vorne, gelegentlich mit Damenbegleitung…seine Automarke
ist nicht die der Toilettenfrau, die hat ohnehin nur ein Fahrrad…
Lieber Peter-Pan, Homosexualität hat nichts mit den kriminellen Beispielen zu tun, die sie hier aufzählen.
Der Vergleich hinkt also gewaltig. Außerdem hat hier, wie gesagt, keiner ein Outing verlangt. … es
ging um Sünde, also um Beleidigungen Gottes. Der Vergleich ist daher höchst zutreffend.
juergen Es ist ein aufschlussreiches Bekenntnis, das Sie hier verlinkt haben. Ich denke mal, dass es genügend
ähnlich gelagerte Fälle gibt. Das wird auch der Kirchenleitung nicht unbekannt sein. Nach außen lehnt
sie die Homosexualität offiziell und strikt ab. Sehr viel mehr kann sie aber auch nicht tun. Aber damit
ist die Problematik nicht gelöst, wenn es denn eine Problematik gibt. Oder vielleicht doch, aus völlig
anderer Perspektive betrachtet. Dennoch ist es nicht zu begreifen, warum sich die Bistumsleitungen bei
pädophilen Priestern häufig so tappsig aufführen und dieserart veranlagte Priester in die Gemeinde-
oder Jugendseelsorge abordnen. Bestimmt gäbe es auch andere Aufgaben, die sie übernehmen könnten, ohne
das Übergriffe vorprogrammiert sind. Da muss es immer erst zu peinlichen Skandalen kommen, bis amtlicherseits
überhaupt gehandelt wird. Auf diese Weise ist der Priesterberuf in Verruf gekommen. Die Kirche selbst
trägt durch ihr Verhalten eine große Mitschuld an dieser Entwicklung. Sagen was Sache ist, dazu stehen
und konkret handeln. Vertuschen bringt keinem Betroffenen was.
Exkommunikation In der Tat, es ist ein seltsames Ungleichgewicht in den Strafen festzustellen, die wegen
verscheidener Vergehen von Priestern ausgesprochen werden. Allerdings muss man natürlich sagen, dass
Priester, die Frauen weihen, wahrscheinlich nicht soo viel auf die Exkommunikation geben, denn diese mißachten
ja auch _bewußt_ die kirchlichen Gesetze, weil sie mit ihnen nicht einverstanden sind. Den meisten Pädophilen
kann man wahrscheinlich zu gute halten, dass sie ihre Taten im Prinzip wahrscheinlich selber für falsch
halten. So habe ich mal in einem anonymisierten Interview mit einem Sexualstraftäter gelesen, dass er
seine Taten allesamt für verwerflich hielt und zwischen seinen einzelnen Taten Monate und Jahre vergingen,
bis er schliesslich bei einer sich bietenden Gelegenheit „nicht mehr anders konnte“ und einem inneren
Zwang nachgab. Dennoch war ihm klar, dass seine Tat Unrecht war. Pädophilie ist ja meist nicht einfach
eine sexuelle Orientierung wie Hetero oder Homo – es ist oft eine psychische Störung, die derjenige nicht
willentlich kontrollieren kann, sondern im Gegenteil: Sie beherrscht oftmals die jeweiligen Menschen.
So gesehen ist es nachvollziehbar, dass Frauen-weihende Priester exkommuniziert werden und Pädo-Priester
nicht, denn letztere bereuen ihr Tun mit Sicherheit gewaltig, wenn sie mit ihrem Oberhirten sprechen,
während erstere ihr Tun wahrscheinlich rechtfertigen. Für Pädo-Priester wäre es natürlich angemessen,
sie aus dem Priester-Dienst zu entfernen.
#37 Peter-Pan 06:12:21 | Donnerstag, 27. März 2008
@litterae sunt divitiae Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir bzgl. der Kirche auch oft stelle. Dennoch
kann die Kirche weibl. „Priester“ nicht anerkennen. Muss sie ja auch gar nicht. Aber aus katholischer
Sicht ist ein Gläubigen zu exkommunizieren so ziemlich die schlimmste Strafe, die die Kirche aussprechen
kann. Dass sie gerade bei „weiblichen Priestern“ oder Geistlichen die diese unterstützen so empfindlich
reagiert, wenn normalerweise nicht mal Kinderschänder im Priesteramt diese Strafe fürchten müssen,
finde ich ein wenig irritierend. @HeinrichVonOfterdingen vielleicht sollten sich in Zukunft auch Bankdirektoren
outen, die immer in Versuchung waren ihre Bank auszurauben, dies aber nie getan haben, Sportler, die ihrer
Versuchung immer widerstanden haben mal doch zu dopen oder Geheimnisträger, die immer in Versuchung waren
ein Geheimnis der Presse zuzutragen, das aber nie übers Herz brachten? Homosexualität hat nichts mit
den kriminellen Beispielen zu tun, die sie hier aufzählen. Der Vergleich hinkt also gewaltig. Außerdem
hat hier, wie gesagt, keiner ein Outing verlangt.
Repräsentativ? Fragt sich ob Ihr Seminar representativ ist. Aber als Hinweis reichts ja. Ich kann vor
allem nur für mein Semester und nicht das ganze Seminar sprechen. Sicher sind die Zahlen nicht repäsentativ
für alle dt. Seminare und schon gar nicht weltweit. Jemand, den ich auch noch aus dem Seminar kenne hat
mal was auf seiner Homepage geschrieben: K L I C K soemer-digital.de/?Willkommen:Kir…
@ HvO: Augen auf bei der Berufswahl! Ein mit mir befreundeter Priester klagte mir, dass er immer wieder
mit Weibertsleitern zu tun hat, die sich ins Pfarrhaus unter Vorwänden einschleichen und dann mehr oder
weniger unbekleidet auf ihn warten. Ist das schon unangenehm genug. Mist verdammter! Ich hab offensichtlich
den falschen Beruf gewählt. DAS ist mir noch nie passiert… Öhm… ich fühle da gerade eine Berufung
zum Priester… was muss man machen um Priester zu werden?
Gründe Wer anfängt Theologie auf Priesteramt zu studieren, dem bleibt sofern er sich „outet“ keine Berufschance.
Er steht mit akademischem Abschluß auf der Straße und ist erstmal unvermittelbar. Auch ein Grund, warum
sich Studenten vor der Weihe und nach der Weihe nicht outen können.
@ Juergen: Danke. Von den verbleibenden 7 haben mir 3 erzählt, daß sie schwul sind, und sie sind dennoch
Priester geworden; mit den anderen 4 habe ich über das Thema nie gesprochen… Na, das ist doch schonmal
was. Danke für die Auskunft. Fragt sich ob Ihr Seminar representativ ist. Aber als Hinweis reichts ja.
Lieber Kurt K., dann lassen Sie es von mir aus nur 5% der heterosexuellen Avancen sein. Ein mit mir befreundeter
Priester klagte mir, dass er immer wieder mit Weibertsleitern zu tun hat, die sich ins Pfarrhaus unter
Vorwänden einschleichen und dann mehr oder weniger unbekleidet auf ihn warten. Ist das schon unangenehm
genug.
Zahlen Ich sagte ja auch nur, dass ich es interessant fände, mal zu erfahren, wieviele Priester denn
nun wirklich schwul sind. Zahlen gibt es keine. Ich sag mal so: in meinem Studiensemester waren 12 Leute.
– 3 davon sind aus verschiedenen Gründen keine Priester geworden (unter anderem ich). – 2 sind keine
Priester geworden weil sie schwul sind. Von den verbleibenden 7 haben mir 3 erzählt, daß sie schwul
sind, und sie sind dennoch Priester geworden; mit den anderen 4 habe ich über das Thema nie gesprochen…
Noch Fragen?
@ HvO: Halte ich für unwahrscheinlich sondern weil sie befürchten, dann mit einer Vielzahl entsprechender
Avancen überschüttet zu werden. Da 95% der Bevölkerung Heteros sind, halte ich das für sehr sehr unwahrscheinlich.
Lieber Kurt K., ich vermute, die meisten Priester mit homosexueller Veranlagung, die dauerhaft der Versuchung
widerstehen werden nicht nur deshalb auf ein Outing verzichten, weil das wirklich niemanden was angeht,
sondern weil sie befürchten, dann mit einer Vielzahl entsprechender Avancen überschüttet zu werden.
@ HvO … abgesehen davon, dass das keiner zu tun braucht, der eine der sagt: Hut ab wird die vielen nicht
aufwiegen, die sagen Kopf ab. DA wäre ich mir nicht so sicher, dass es nur „einer“ ist, der sagt: Hut
ab. Ich komme aus beruflichen Gründen ziemlich häufig mit Kirchenmusikern (sowohl ev. als auch kath.)
zusammen. Wenn Sie wüssten, wieviele hauptamtliche davon schwul sind… und die Gläubigen wissen das
auch, und es ist ihnen nicht weiter wichtig. Der Mensch zählt nämlich mehr als die sexuelle Ausrichtung –
jedenfalls bei den meisten.
Lieber Kurt K., Jedoch: Wenn es einer tut, dann sage ich: Hut ab! … abgesehen davon, dass das keiner
zu tun braucht, der eine der sagt: Hut ab wird die vielen nicht aufwiegen, die sagen Kopf ab.
@ HvO Diese Versuchung ist dann eine rein innere Angelegenheit des Menschen, die er nicht einmal in der
Beichte zu offenbaren braucht. Hm? DAS hab ich aber auch schon ganz anders gehört auf dieser Seite. So
seien schon „schmutzige“ Gedanken Sünden gegen die „heilige Reinheit“… So ist das auch mit einem homosexuell
veranlagten Priester, der der Versuchung niemals nachgibt. Er ist niemandem Rechenschaft schuldig. In
der Tat, Rechenschaft ist er niemandem schuldig. Ich sagte ja auch nur, dass ich es interessant fände,
mal zu erfahren, wieviele Priester denn nun wirklich schwul sind. Dass ichs interessant fände bedeutet
ja keinerlei Verpflichtung für einen Priester, sich zu „outen“. Jedoch: Wenn es einer tut, dann sage
ich: Hut ab!
Homo-Priester Da gibt es bei Homo-Priestern ja verschiedene Möglichkeiten 1. er lebt den Zölibat a.
er lebt ihn gut b. er geht daran zugrunde 2. er hat einen Partner im geheimen a. es bleibt verdeckt, wie
bei einem Studienkollegen von mir b. es wird offenbar, wie bei einem mir bekannten Priester, der dann
aus „gesundheitlichen Gründen“ erstmal beurlaubt wurde. 3. er „outet“ sich a. er will dennoch Priester
bleiben, wird in „Therapie“ (z.B. nach Münsterschwarzach) geschickt und hat im Personalverzeichnis die
Adresse des Generalvikariats b. er gibt den Priesterberuf auf, wie es ein Studienkollege von mir getan
hat.
Tja, lieber Kurt K., es gibt halt Leute, die mit den Versuchungen anders umgeben als Oscar Wilde, der
da sagte: Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben, Leute, die ein Leben lang
gegen eine Versuchung kämpfen. Diese Versuchung ist dann eine rein innere Angelegenheit des Menschen,
die er nicht einmal in der Beichte zu offenbaren braucht. So ist das auch mit einem homosexuell veranlagten
Priester, der der Versuchung niemals nachgibt. Er ist niemandem Rechenschaft schuldig.
Lieber Kurt K., vielleicht sollten sich in Zukunft auch Bankdirektoren outen, die immer in Versuchung
waren ihre Bank auszurauben, dies aber nie getan haben, Sportler, die ihrer Versuchung immer widerstanden
haben mal doch zu dopen oder Geheimnisträger, die immer in Versuchung waren ein Geheimnis der Presse
zuzutragen, das aber nie übers Herz brachten?
@Kurt K Veilleicht. Aber darüber hinaus müssen Sie ja noch den Nutzen bedenken. Welchen Nutzen hätte
ein schwuler Priester, wenn er sich outen würde? Ich meine keinen. Er würde nur Risiken eingehen, nämlich
z.B. im Ansehen seiner Gemeinde stark zu sinken, oder ein unangenehmes Gespräch mit dem Bischof führen
zu müssen. Daher bin ich mir sehr sicher, dass solche „Massenoutings“ auch in naher Zukunft ausbleiben
werden.
litterae Was heißt nichts? Seitens der Kirche vielleicht nicht viel, aber überlegen Sie doch mal – der
würde sich in der Gemeinde doch nicht nur Freunde machen. Viele Leute wären bestimmt nicht begeistert,
wenn sie einen offen als schwul geouteten Pfarrer hätten. Naja, der eine oder andere würde sich vielleicht
auf den Schlips getreten fühlen. Andere hingegen würden diesem ehrlichen Mann dann aber auch Respekt
zollen. Und wenn zutrifft, was viele vermuten, nämlich dass es sehr sehr viele schwul empfindende Priester
gibt, dann würde sich die Gesellschaft ja auch daran gewöhnen.
@Kurt K Wenn das Beispiel, welches litterae meint, wahr ist, dann passiert einem sich als hs-empfindenden
Priester ja anscheinend nichts, wenn er sich outet. Was heißt nichts? Seitens der Kirche vielleicht nicht
viel, aber überlegen Sie doch mal – der würde sich in der Gemeinde doch nicht nur Freunde machen. Viele
Leute wären bestimmt nicht begeistert, wenn sie einen offen als schwul geouteten Pfarrer hätten.
Juergen: Liste? Ich meinte eigentlich nicht eine Liste praktizierender Schwuler Priester – sondern „gut
zöllibatär“ lebende homosexuell empfindende Priester. Wenn das Beispiel, welches litterae meint, wahr
ist, dann passiert einem sich als hs-empfindenden Priester ja anscheinend nichts, wenn er sich outet.
@juergen Jüngst hat wieder einer im Bistum aufgehört. Offiziell aus „gesundheitlichen Gründen“ – inoffiziell
und hinter vorgehaltener Hand aufgrund der Beziehung zu seinem Freund. Wenigstens war dieser Priester
dann aber konsequent.
Liste Wie lang soll ich die Liste der schwulen Priester machen… Jüngst hat wieder einer im Bistum aufgehört.
Offiziell aus „gesundheitlichen Gründen“ – inoffiziell und hinter vorgehaltener Hand aufgrund der Beziehung
zu seinem Freund.
@Peter-Pan Mit welchem Maß wird hier gemessen? Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir bzgl. der Kirche
auch oft stelle. Dennoch kann die Kirche weibl. „Priester“ nicht anerkennen. Nach kath. Lehre kann dieses
Sakrament Frauen gar nicht gültig gespendet werden.
litterae: Seltsam Ja, ich habe mal von wenigstens einem Fall gehört, bei dem sich vor ein paar Jahren
ein dt. Priester öffentlich geoutet hat, natürlich ohne Konsequenzen seitens der Kirche. Das ist in
der Tat seltsam. Ich interpretiere das mal so, dass die Kirch Schiss hatte, bei einer Suspendierung des
betreffenden Priesters mal wieder unrühmlich in die Schlagzeilen zu kommen und die Widersprüchlichkeit
ihrer „Moral“ mal wieder um die Ohren gehauen zu bekommen. Interessant wäre es, würden sich alle Schwulen
Priester mal outen. Würd mich in der Tat mal interessieren, wieviel Prozent es nun wirklich sind, jenseits
aller Spekulation.
@Kurt K. Es ist wohl mehr als nur ein Gerücht, dass unterdrückte Homosexualität oft zu einer Jobsuche
verleitet, bei der unterdrückte Sexualität Arbeitsbedingung ist. Natürlich will die RKK keine schwulen
Priester. Sie verbietet es nicht prinzipiell. Ich weiß nicht, ob sie das überhaupt kann/darf. Sie möchte
aber, dass homosexuelle Geistliche ihre sexuelle Orientierung zumindest für sich behalten. Bei ernsthafter
Berufung und Einhaltung des Zölibats sollte das ja ohnehin keine Rolle spielen. @litterae sunt divitiae
„Weibliche katholische Priester“, bzw. die rebellischen katholischen Geistlichen, die sie weihen, werden
im Regelfall exkommuniziert. Das erschreckt mich ein wenig. Ich meine, die Kirche kann dazu ja jede Meinung
haben, die sie haben will, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie je einen Priester exkommuniziert
hätte, der sich an Kindern vergriffen hat. Mit welchem Maß wird hier gemessen?
Letztendlich ist die Regelung der Kirche nur eine schamhafte Behandlung des Themas Eine ebenso amüsante
Regelung hat das US Militär mit „Don’t ask, don’t tell“ gefunden. Dort dürfen Vorgesetzte ihre Untergebenen
nicht über ihre sexuelle Orientierung befragen, im Gegenzug müssen Militärangehörige sie verschweigen
wenn sie homosexuell sind.
@Kurt K Ja, ich habe mal von wenigstens einem Fall gehört, bei dem sich vor ein paar Jahren ein dt. Priester
öffentlich geoutet hat, natürlich ohne Konsequenzen seitens der Kirche. Wenn man erst mal Priester ist,
kann einem ohnehin nicht mehr viel passieren, da die Weihe ja unwiderruflich ist und der Klerus zusammenhält
wie Pech und Schwefel, solange man nicht wie Küng oder Hasenhüttel Häresien öffentlich lehrt. Es werden
auch genügend praktizierende schwule und heteros. Priester von der jeweiligen Bistumsleitung gedeckt,
dann wird man eben versetzt uä. Das kennt man ja. Natürlich ist es was ganz anderes ob jemand blind,
taub, gelähmt oder schwul ist, aber so, wie es die Kirche nicht als Diskrimineirung ansieht, keine Frauen
zu weihen, so ist es eben auch mit den Schwulen. Aber das ist ja nur das, was der Vatikan sich vorstellt.
Und für uns hier in Deutschland ist Rom weit weg…
@ PeterPan / litterae: Hm litterae: So, wie ein Blinder kein Priester werden kann, kann eben auch ein
Schwuler keiner werden. Rein logisch betrachtet ist das aber nicht dasselbe. Ein blinder Priester hätte
ja reale Nachteile. Es wäre ihm praktisch unmöglich, seinen Beruf auszuüben. Ein schwul denkender (also
nicht praktizierender) Priester jedoch hätte das nicht. Also ist diese offizielle Position der Kirche
(praktizierte HS ist Sünde) nur dummes Geschwurbel, einzig und alleine dazu gedacht, die Gesellschaft
nicht noch mehr gegen sich aufzubringen. PeterPan: Ich glaube, es ist so geregelt, dass Homosexuelle Priester
sein dürfen, so lange sie es nicht zugeben. Gibts da eigentlich ein Beispiel eines „Outings“ eines schwulen
Priesters, der seine HS nicht praktiziert? Es ist ja klar, dass ein praktizierender Schwuler aus dem Priester-Amt
entfernt wird. Einem praktizierenden Hetero geht das ja ganz genauso.
@Peter-Pan Ich glaube, es ist so geregelt, dass Homosexuelle Priester sein dürfen, so lange sie es nicht
zugeben. Ja, gut ausgedrückt. Inoffiziell ist es so.
Keine Berufung mehr… Ich glaube nicht, dass der Ansehensverlust der Priester allein – oder auch nur
größtenteils – durch diese Mißbrauchsfälle verursacht wird. Wir leben nun einmal in einer säkularen
Gesellschaft (worüber ich froh bin) in der Priester Menschen sind, die vor sich hinpredigen aber von
(fast) niemanden mehr als notwendig erachtet werden. Die Menschen waren früher nun einmal wirklich gläubiger.
Die Religion wurde als Tatsache akzeptiert und der, der sie vertrat, als wichtige Person angesehen. Vergessen
wir nicht, es ist noch gar nicht so lange her, da hielt man die Bibel für eine historische Schrift. Heute
sieht das nicht mal mehr die Kirche noch so. Da ist nur noch von Mythen und Metaphern die Rede. Der Priester
von früher sah aus wie Don Camillo, manchmal auch wie Pius XII. Das halte ich für eine kitschige Vorstellung.
Gibt es eigentlich irgendeinen Grund zu der Annahme, dass es früher weniger Mißbrauchsfälle gab als
heute. In dieser „guten alten Zeit“, als Geistliche noch einigermaßen unangreifbar waren. Als die Medien
sich noch bedeckt hielten und Priester in der Gesellschaft eine so erhabene und heilige Stellung hatten,
dass man sich zu Recht fürchten musste, die Stimme gegen sie zu erheben. Klerikaler Machtmissbrauch der
einen oder anderen Art zieht sich durch die gesamte Kirchengeschichte. Heute wird nur lauter und zorniger
darüber gesprochen. @Kurt: Ich glaube, es ist so geregelt, dass Homosexuelle Priester sein dürfen, so
lange sie es nicht zugeben.
@Kurt K Es ist richtig, dass die kirche die Neigung nicht als sündhaft ansieht, wohl aber als ein handicap.
So, wie ein Blinder kein Priester werden kann, kann eben auch ein Schwuler keiner werden. Zumindest in
der Theorie. In der Praxis ist es aber so, dass ein Schwuler, der diesen Beruf anstrebt i.d.R. ja dem
Regens nicht brühwarm erzählt, dass er schwul ist, und dann gilt „in dubio pro reo“
litterae: nein? Nein? Warum nicht? Ist nicht die katholische Position zum Thema Homosexualität, dass
nur „ausgelebte Homosexualität“ – also der reale Sex mit einem gleichgeschlechtlichen Partner – Sünde
ist? Und wenn dem so ist, warum darf dann ein Mann, der nur schwul empfindet (also Männern statt Frauen
hinterherguckt) kein Priester werden?
Schwule Priester: Frage: Wie ist das eigentlich geregelt: Wenn Mann schwul empfindet, dies aber nicht
auslebt, darf dieser dann eigentlich Priester werden?
solche Geschichten gibt es ja schon ewig Seit ich klein bin wurden Witze darüber gemacht und wenn man
es mal mitbekam Geschichten über Prister erzählt die kleine Jungs angefasst haben. Mann muss ja nur
mal 1 und 1 zusammenzählen. Ein junger Mann ist schwul, kommt damit nicht zurecht, würde von seinem
Umfeld verstoßen. Die Lösung: Eine Organisation die nur aus Männern besteht und in der man keine Frauen
haben darf. Man kann versuchen diesen Trieb zu unterdrücken, vielleicht sogar näher bei Gott zu sein,
und niemand schöpft verdacht… Die Probleme mit schwulen Priestern sind ja bis in höchste Kirchenkreise
bekannt und man hat sich damit beschäftigt. Skandalös daran ist eigentlich nur dass soetwas nur unter
den Teppich gekehrt wird um das Ansehen der Kirche nicht zu beschädigen. Letztendlich wird damit aber
das Gegenteil erreicht, früher waren es dann Geschichten und Gerüchte die man sich im Dorf darüber
erzählt hat, heute wird es öffentlich breitgetreten.
Mischmasch! Hier wird durcheinandergeworfen, was zu trennen ist. 1)Die neueste ranking-Umfragen widerspricht
der Behauptung: An erster Stelle des Berufsansehens stehen die Ärzte und an zweiter Stelle sofort der
Priesterberuf. 2)Wenn ein Familienvater eine private Bemerkung macht, dann läßt sich noch nicht einmal
auf seine Gesamthaltung zu Priestern schließen, erst Recht nicht auf die Haltung „der Leute“ zu ihnen.
Das ist hier höchstens ein Feulliton-Artikel mit geringem Unterhaltungswert.
Ruf des Berufs Tja… so ist der Lauf der Geschichte. Schon so mancher Beruf war einst von Ehre oder von
Unehre. Und so wandelt sich auch das Ansehen des Priester-Berufs.