11:10:16 | Montag, 31. März 2008
Die Ehelosigkeit Jesu war ein Mißverständnis. Außerdem ist der Zölibat die Quelle aller Schrecken, während die Ehe alle Probleme löst. Der beste Beweis dafür ist der gegenwärtige Zustand der protestantischen Kirchen. Ein Kommentar.

Martin Luther des Lucas Cranach der Ältere († 1553)
(kreuz.net) Unter dem Titel „Wider Gottes Ordnung“ befaßte sich der evangelische Pfarrer im Ruhestand
Hanns Leiner mit der Frage, warum der deutsche Reformator Martin Luther den Zölibat abgelehnt und geheiratet
hat.
Leiners Artikel erschien am 24. Februar im evangelischen ‘Bayrischen Sonntagsblatt’.
Leiner beginnt
mit einem Hinweis auf die
Zölibats-Aussagen des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Mons. Robert
Zollitsch von Freiburg und erhebt den Priesterzölibat in diesem Zusammenhang zum ökumenischen Hindernis:
„Eine Aufhebung des Zölibats würde eine Annäherung an die Kirchen der Reformation bedeuten, die den
Zölibat abgeschafft hatten.“
Der Zölibat sei „biblisch nicht begründbar“ – erklärt Leiner apodiktisch.
Zwar habe Jesus von denen gesprochen, die „um des Himmelreichs willen“ auf die Ehe verzichten: „Er fügte
allerdings warnend hinzu: »Wer es fassen kann, der fasse es!«“

Luthers Eltern, Hans und Magrethe Luther, des Lucas Cranach der Ältere († 1553)
Der Heilige Paulus habe „wohl“ im Zölibat
gelebt und schreibe davon, daß diese „für ihn“ der bessere christlichere Weg sei – verfälscht Leiner
das siebte Kapitel des ersten Korintherbriefes.
Bei Jesus und Paulus sei der Verzicht auf die Ehe motiviert
durch das „als nahe bevorstehend erwartete“ Hereinbrechen des Reiches Gottes und die damit verbundenen
Leiden der Endzeit.
In der jungen Christenheit habe es „nur ganz am Rande“ asketische Strömungen gegeben,
die den Verzicht auf die Ehe gefordert und praktiziert hätten.
Das habe sich „erst“ im dritten Jahrhundert
durch das Aufkommen des Mönchtums geändert:
„Es verlangte die radikale Nachfolge Jesu in Armut und
Ehelosigkeit, gegen eine beginnende Tendenz zur Verweltlichung und Verbürgerlichung der Kirche.“
Die
Forderung nach dem ehelosen Leben sei dann auch auf die Bischöfe und Pfarrer ausgedehnt worden.
Erst
im 11. Jahrhundert habe Papst Gregor VII. († 1085) den Zölibat in der römischen Kirche „mit Gewalt“
durchgesetzt, „mit allen problematischen, negativen Auswirkungen, die das für die einzelnen Pfarrer und
für die Kirche mit sich brachte.“
Nach diesem historischen Rundumschlag kommt Leiner auf Luther zu sprechen.
Der Reformator sei in der dargestellten Situation Mönch und Priester geworden und habe diese Umstände
selbstverständlich angenommen.

Katharina von Bora, des Lucas Cranach der Ältere († 1553)
Leiner zitiert Luther: „Als Mönch habe ich nicht viel Begierde gespürt
[…]. Die Weiber schaute ich nicht einmal an, wenn sie beichteten. Ich wollte nicht einmal die Gesichter
derer, die ich hörte, kennenlernen.“
Doch dann habe das Evangelium seine „befreiende Wirkung und Sprengkraft
gegen alle möglichen Fehlentwicklungen und Verirrungen der mittelalterlichen Kirche, auch gegen das falsche
Verständnis von geistlich und weltlich, und von daher schließlich sogar gegen den Zölibat und das Mönchtum
und deren Abwertung der Ehe“ entfaltet – jubelt Leiner drauflos.
Immerhin – vergißt Leiner zu berichten –
verstand die ehe-verachtende Kirche den Bund zwischen Mann und Frau als Sakrament, während Luther diesen
zu einem „weltlich Ding“ degradierte.
Luther habe das Zölibat als unbiblische und zudem höchst fragwürdige
Einrichtung erkannt:
„Daraus siehst du, wie unser päpstischer Haufe, Pfaffen, Mönche, Nonnen wider
Gottes Ordnung und Gebot streben, die den Ehestand verachten und verbieten und sich ewige Keuschheit zu
halten vermessen und geloben, dazu die Einfältigen mit lügenhaften Worten und Schein betrügen.“
Mit
diesen Worten sind natürlich auch jene Lügner und Heuchler entlarvt, die heute in der Kirche als Päpste,
Bischöfe, Priester, Kapläne und Ordensschwestern ihren Dienst tun. Sogar der anfangs zustimmend zitierte
Lügner und Heuchler Robert Zollitsch lebt im Zölibat.

Paul Luther, der dritte Sohn von Martin Luther und Katharina von Bora
Leiner bezeichnet die oben erwähnten Tiraden
Luthers gegen das Zölibat als „überzeugend“. Sie hätten dazu geführt, daß viele Mönche, Nonnen und
Priester, die angeblichen Konsequenz zogen und heirateten.
Luther habe die „Unhaltbarkeit des Zölibats“
klar erkannt und ausgesprochen: „Nur für sich selbst dachte er nicht daran, persönlich diese Konsequenz
zu ziehen“ – widerspricht sich Leiner und sucht dieses Verhalten aus den Umständen zu erklären.
Den
Reformator hätten „schwerwiegende Gründe“ daran gehindert, an eine eigene Ehe zu denken: Er sei vogelfrei
und bereits 42 Jahre alt gewesen:
„Wie konnte er unter diesen Umständen daran denken, eine Frau an sich
zu binden und eine Familie zu gründen?“ – so Leiner verständnisvoll.
Doch dann nahte die Luther-Braut.
Unter dem offenbar segensreichen Einfluß seiner Schriften hatten sich zwölf Nonnen aus dem Zisterzienserinnenkloster
Marienthron entschlossen, das Kloster zu verlassen.
Sie flüchteten am Karsamstag 1523 hinter Heringstonnen
aus der Klausur.
Neun von ihnen kamen nach Wittenberg, nachdem sie bei ihren Familien, die diesen Schritt
mißbilligten, keine Aufnahme gefunden hatten.
Luther fühlte sich für sie verantwortlich und brachte
die Entlaufenen zunächst in Bürgerhäusern in Wittenberg unter, „bis sie eine Versorgung in einer Ehe
fanden“ – so Leiner.
Unter diesen Nonnen war auch Katharina von Bora (24) aus verarmtem sächsischem
Adel. Sie blieb schließlich als einzige von den neun unversorgt übrig.
Zunächst interessierte sich
ein Nürnberger Student für sie. Doch dann zog er sich wohl unter dem Druck seiner Familie zurück. Eine
mögliche Ehe mit einem älteren entlaufenen Priester lehnte Katharina ab. Sie sagte dazu, daß sie „keine
Lust und Neigung zu ihm“ habe.
Zugleich erklärte sie, daß sie einen Antrag Luthers nicht abweisen würde.
Am 13. Juni 1525 gab der entlaufene Augustinereremit im Kreis von fünf engen Freunden seine Verlobung
mit Katharina bekannt. Am 27. Juni feierte er im größeren Kreis mit seinen Eltern und Freunden Hochzeit.
Das fast mittellose Paar kam durch die politischen Beziehungen des Reformators schnell zu Geld. Der neugläubige
Kurfürst schenkte dem Reformator das leerstehende ehemalige Kloster des entlaufenen Mönches und verdoppelte
sein Professorengehalt auf 200 Gulden im Jahr.
Katharina war tatkräftig und energisch. Sie galt auch
als etwas hochmütig und schnippisch. Wegen ihres resoluten Wesens nannte er sie manchmal seinen „Herrn
Käthe“.
Dem Paar wurden insgesamt sechs Kinder geboren. Über seine Ehe war Luther sehr dankbar: „Gott
hat Käthe und mich einander geschenkt, darum will ich sie nicht um Frankreich und Venedig dazu hergeben.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.