Die deutsche ‘Katholische Nachrichtenagentur’ kam aus Schwelgereien nicht mehr heraus. Der Grund: Die umstrittenen Bauten eines antikatholischen Architekten.
(kreuz.net) Heute Dienstag feierte der Schweizer Architekt Mario Botta seinen 65. Geburtstag. Dazu verfaßte
Christoph Lennert, Journalist der ‘Katholischen Nachrichtenagentur KNA’, die der deutschen Bischofskonferenz
gehört, eine naive, unkritische Würdigung.
Nur am Ende seines Beitrages gesteht Lennert eher beiläufig
ein, daß Bottas Gebäudes „nicht unumstritten“ sind. Als Kritikpunkt nennt er jedoch nur die zum Beispiel
hohen Kosten der von dem Architekten geschaffenen Kirche vom Heiligen Antlitz in Turin.
Der Architekt stammt aus der Gemeinde Mendrisio im Kanton Tessin in der Südschweiz.
Er gilt als bekannter Kirchenbauer unserer Zeit.
Laut Lennert hat kein zeitgenössischer „Baukünstler“
so viele Kirchen gebaut wie Botta.
Seine Bauten vermittelten angeblich „eine Ruhe, die zeitlos ist“ –
so Lennert. Sie strahlten mit den auf das Wesentliche reduzierten Formen eine „fast“ klösterliche Nüchternheit
aus.
Als Beispiel für die „archaische Einfachheit“, die angeblich Moden überdaure, nennt Lennert die
Kathedrale in Evry im Großraum Paris.
Das ist tragischerweise die einzige in Frankreich im 20. Jahrhundert
errichtete Kathedrale.
Wenn Lennert eine Kirche von Botta betritt, weiß er sich
„sofort in seinem sakralen Gebäude“: „Bottas Kirchen wirken.“
Es gehe dem Architekten um Erhabenheit
und Symbolik. Wofür die Symbole Bottas stehen, wagt Lennert nicht auszudeuten.
Er schwelgt lieber in
romantischen Beschreibungen der in Wahrheit nackten, säkularisierten Formen und Konstruktionen, die zutiefst
Ausdruck eines geistlichen Nihilismus sind.
Die ebenfalls von Botta errichtete Kapelle auf dem Monte
Tamaro – über dem Südufer des Lago Maggiore an der italienisch-schweizerischen Grenze – wachse wie eine
Fortsetzung des Berges aus dem Felsen.
Die Kapelle biete einen atemberaubenden Blick auf den See, das
Tal und die Berge, schreibt Lennert und vergißt, daß auch ein Gasthaus diese Funktion erfüllen würde.
In den massiven Mauern sieht Lennert eine festungsartige Stärke und im schwebenden Glasdach die glaubensgestärkte
Hoffnung.
Für Lennert haben die Bauten Bottas „das Zeug zum Wahrzeichen“. „Sie fügen sich in ihre Umgebung
ein und bleiben doch Fremdkörper.“
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58 Lesermeinungen
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@Kurt K.: Es gibt nur rechtgläubige Katholiken Das dumme für die Tradis ist halt jetzt hierbei: Die
sind soo wenige, dass die meisten Kirchenbauer halt deren gerechten Zorn in Kauf nehmen und lieber die
95% der normalen Katholiken „bedienen“. Es gibt nur rechtgläubige Katholiken oder gar keine Katholiken.
Und das sind vermutlich so wenige im heutigen Deutschland, daß die gar keine neuen Kathedralen und Kirchen
mehr brauchen.
@Aleph Oh, wenn Sie mal in der Nähe von Bonn sind, sollten Sie unbedingt einmal nach Remagen fahren,
das wird Ihnen gefallen! (Ich weiß nicht, was man so im Internet an Fotos findet…)
Petrusbinsfeldus Was halten Sie denn von den Nazarenern? Ich bin ja ein großer Fan der Apollinariskirche
in Remagen- das ist doch romantisch-katholisches Weltbild pur, oder? Die Apollinariskirche in Remagen
kenne ich nicht. Die Nazarenerbilder sind durchaus zu akzeptieren, denn sie haben Generationen geprägt,
wenn es darum ging das Jenseitige nach hier und heute herüber zu holen. Da hat dieser Stil ganz Enormes
geleistet. Dennoch bin ich kein Nazarener-Fan. Der Stil wirkt beruhigend, er hat etwas Mythisches. Deshalb
möchte ich ihn auch nicht rundweg ablehnen.
@Aleph Was halten Sie denn von den Nazarenern? Ich bin ja ein großer Fan der Apollinariskirche in Remagen-
das ist doch romantisch-katholisches Weltbild pur, oder? Da wären wir uns dann einig…
Die Bischöfe sind schon arme Schweine Oder diejenigen, die neue Kirchen in Auftrag geben. Sinds die Bischöfe?
Die könnens nämlich nie allen Recht machen. Lassen sie eine Kirche in modernem Stil bauen, dann heulen
die Tradis rum und bezichtigen die Erbauer des „Antikatholizismus“, bauen sie eine Kirche, die vor 200
Jahren modern gewesen wäre, dann meckern die normalen Christen. Das dumme für die Tradis ist halt jetzt
hierbei: Die sind soo wenige, dass die meisten Kirchenbauer halt deren gerechten Zorn in Kauf nehmen und
lieber die 95% der normalen Katholiken „bedienen“. Trotzdem: Arme Kirchenbauer.
Temporäre Erscheinungen Auch wenn einzelne Zeitgenossen an den Kirchen der Gegenwart zu knacken haben
und ihnen dies und jenes daran nicht gefallen mag. Das sind alles temporäre Erscheinungen, die irgendwann
verstummt sein werden. Die Kirchen von Botta werden dann aber Identitätsmerkmale für die jetzige Gegenwart
sein und die Kritiker werden längst verstummt sein und niemand mehr wird von ihnen reden.
@Ruhrgebietler Nun lass die Katholiken ihre Kirchen doch bitteschön gestalten, wie sie es möchten. In
die Gestaltung eurer Sektentempel redet euch ja auch keiner hinein
Mir gefällt die Architektur Ein echt gelungener Bau. Ein schöner Volksaltar und auch sonst ein schön
gestalteter Kirchenbau. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass das Allerheiligste in der Mitte
des Altarraumes aufgestellt wird.
#48 Florian Geyer 08:06:10 | Mittwoch, 2. April 2008
Obilex aber so was mittelalterliches wie Glocken braucht man doch heute nicht mehr. Mann könnte stattdessen
Folgetonhörer und Luftschutzsirenen verwenden die die Internationale dröhnen. Als Einzugslieds orgelt
dann unser Forumsmusikant: „Die Sache Jesu braucht begeisterte.“
Städten für freimaurerische Zusammenkünfte nichts anderes sind diese abgebildeten architekturen. Es
wundert mich, daß die Kleriker der V-II-„Kirche“ überhauptsolche architekturen meinen gottgefällig
weihen zu können! Sind die ganz mit Blindheit geschlagen????? Offensichtlich! Oder wird da im Hintergrund
was ganz großes, eine Riesensauerei vorbereitet???? Es ist Zeit für Spekulationen!!
Petrusbinsfeldus Was haben Sie Ängste. Reichensperger ist für mich keine Autorität. Was ich mit dem
romantisch-katholischen Weltgefühl angesprochen habe, ist der Kölner Dom. Dagegen sind der Speyerer
Dom und das Freiburger Münster (urssprünglich eine Bürgerkirche, erst sein 1827 Bisxchofskirche) haushoch
höherwertig. Einverstanden.
@obelix: Über die Grenzen bekannt ist von Deutschland vor allem die Kathedrale von Köln Alle anderen
Kathedralen kennt man weniger, höchstens noch die Wiener Stephanskathedrale, weil in Wien auch der Römische
Reichskaiser regierte.
@Marcelus Marcelus: @petrusbinsfeldus: Die berühmteste Kathedrale Deutschlands … Wirklich? Nicht das
(jetzt evangelische) Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt? Oder der Dom zu Magdeburg mit
Ottos Grab? Oder der Kaiserdom zu Speyer? Was Köln wirklich als „am grössten“ bzw. „am berühmtesten“
ausweist, ist der Dicke Peter, ganz knapp vor der Pummerin.
Kölner Dom Nun, Aleph, dann habe ich Sie wohl missverstanden, auch wenn ich persönlich die kruden Theorien
eines August Reichensperger mit seiner christlich-germanischen Baukunst etwas merkwürdig und wirr finde,
selbst wenn man den geistesgechichtlichen Hintergrund betrachtet. Aber Ihnen ist er vermutlich sympathisch,
oder? Von dem Ekklektizismus des späten Historismus war er ja noch weit entfernt… Aber Sie werden,
bezogen auf den Kölner Dom dann doch zugeben müssen, daß es nicht wirklich und in allen Details gelungen
ist- der Terrazzoboden im Chor ist ja wohl dem kranken Hirn der Firma Villeroy&Boch entsprungen und wohl
kaum „stylrein gothisch“ (um mal mit Reichensperger zu sprechen). Naja, aber was soll man über den Kölner
Dom schon sagen, die altehrwürdigste Kirchein Deutschland ist und bleibt der Trierer Dom, das Haus der
Hl. Helena…
@„stimme der vernunft“: Sie sind ja anscheinend auch kein Katholik, wie so viele andere hier Deren Meinung
über Kirchengestaltung ist leider verzichtbar, auch wenn die deutschen Bischöfe das anders sehen. Die
massenhaften 1960er- und 1970er-Kirchenneubauten im neuen Stil werden allerdings bereits abgerissen, ob
sie einem jetzt gefallen oder nicht.
tragisch? Das ist tragischerweise die einzige in Frankreich im 20. Jahrhundert errichtete Kathedrale.
was ist daran tragisch, wenn ein Land kathedralengesättigt ist? Welche Kathedralen wurden denn in anderen
europäischen Ländern im 20. JH gebaut? In anderen Kontinenten kenne ich neu errichtete Kathedralen …
Petrusbinsfeldus Wenn ich den Kölner Dom als Gegenbeispiel zur K.-G.Kirche aufgeführt habe, gilt das
für die insgesamt stimmige und akzeptable Architektur des Doms. Auch wenn der Bau erst nach Jahrhunderten
vollendet wurde, ist es kein unerträglicher Stilmischmasch, von jedem Dom etwas. Das sollte damit zum
Ausdruck kommen, nicht mehr, nicht weniger. Das kann zunächst einmal so stehen bleiben, auch wenn es
ein Anachronismus ist, den Dom erst nach Jahrhunderten fertigzustellen. Er ist ein Dokument des katholisch-romantischen
Weltgefühls, das damals die Gemüter bewegte.
@unteroktav: Und die wurden und werden ja bereits wieder eingerissen, weil sie teilweise bereits baufällig
geworden sind! Meiner Meinung nach ist die Zeit der wirklich „schlimmen“ Kirchenbauten (diese oft lieblosen,
grauen Betonklötze der 60er/70er-Jahre, wobei es auch da durchaus gelungene Beispiele gibt) vorbei.
Interessante Bauten Diese Kirche vom Heiligen Antlitz in Turin ist ja ein sehr interessanter Bau. Das
Äußere spricht mich jetzt weniger an, aber der Innenraum wirkt – zumindest was man auf den Fotos sieht –
auf mich sehr angenehm. Meiner Meinung nach ist die Zeit der wirklich „schlimmen“ Kirchenbauten (diese
oft lieblosen, grauen Betonklötze der 60er/70er-Jahre, wobei es auch da durchaus gelungene Beispiele
gibt) vorbei. Mittlerweile baut man wieder anders und Architekten geben sich (meist) Mühe mit einem theologischen
Konzept. Jede Epoche hat ihre eigenen Kirchen geschaffen, die Kirchenbauten waren immer ein Abbild ihrer
Zeit. Daher sehen Kirchen heutzutage nun einmal anders, oft SEHR anders aus als ein historischer (oder
historisierender) Bau. Das ist auch völlig in Ordnung so. Natürlich bedarf es der Senisbilität des
Architekten (und der anderen zuständigen Beteiligen) die jeweilige Gemeinde nicht allzusehr zu überfordern.
Ich denke, im städtischen Bereich kann man in der Regel eher etwas mehr wagen als auf dem flachen Land,
wo man vielleicht eher traditionellere Grundformen wählt, diese aber trotzdem modern interpretieren kann.
Und vielleicht ist es in der reizüberfluteten Gegenwart auch notwendig, im Sakralbau eher klare, nüchterne
Formen zu verwenden, wenngleich das von Fanatikern und Nörglern gleich wieder als „Protestantisierung“
abgestempelt wird. Interessieren würde mich, woher der Schreiberling des Artikels schon wieder weiß,
dass der Architekt als „antikatholisch“ einzuordnen ist…
Ungeklärt blieb bisher, weshalb der berühmte Mario Botta antikatholisch sein soll. Nähere Nachforschungen
über seine Biographie ergaben keine entsprechenden Hinweise.
Neo-Stile können sehr gelungen sein Natürlich ist es längst überwundener 70er-Jahre-Unsinn, daß alle
Neo-Stile schlecht seien. In der regel wird eine neobarocke Kirche besser sein als eine moderne. Botta
ist doch insoweit eine Ausnahme, als daß er unter den ganzen wirklich schlimmen Entgleisungen, die uns
die moderne Kirchenbau“kunst“ beschwert hat, es zumindest wert ist, sich ernsthaft mit seinem Werk zu
beschäftigen. Botta-Kirchen verstehen sich wenigstens auf Materialauswahl, Lichteinfall und eine insgesamt
sakrale Atmosphäre (weshalb Aquariums-Architekten a la Behnisch ihn auch nicht mögen).
Kölner Dom Aleph, wollen sie etwa behaupten, der Kölner Dom sei mittelalterlich? Ich glaube kaum, daß
etwas, von dem es Fotos gibt, bei denen noch der Kran auf dem Turmstumpf steht und zwischen Türmen und
Chor eine Baracke, als mittelalterlich gelten kann! (und jetzt kommen Sie mir nicht, man habe ja nach
den alten Plänen weitergebaut, das trifft für das Südquerhaus z.B. gar nicht zu, weil es dafür keine
Pläne gab)
#31 Botschafter 15:44:38 | Dienstag, 1. April 2008
„Alte Tempel“ Für’s Erste genügt es, die „alten Tempel“ wieder zu beleben, es hat genügend wenig genutzte
Kirchen. Keine 20 Km von mir steht die Jugendkirche in Rorschach… Vorallem sollten die ausgegrenzten
Priester (nicht die laisierten) geholt werden. Diese arbeiten nicht um des Geldes wegen, wie die Laien-
Parasiten, sondern um des Himmelreiches willen. Holt diese Priester endlich aus den Katakomben und übergibt
ihnen die Altäre und Tabelrnakel wie es sich gehört, damit Sie ihren Auftrag erfüllen können! Das
nur SIE alle Sakramente spenden können, muss ich in diesem Forum nicht erwähnen.
Nachempfundene kalte Pracht Die Neo-Stile sind nachempfundene kalte Pracht. Das begann mit dem Klassizismus,
der ja noch halbwegs erträglich war, und steigerte sich bis zum Mischmasch der alten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
in Berlin. Ein ganz spezielles Denkmal dieser Pseudoarchitektur. Sie ist nicht in der Lage Eigenes zu
entwickeln, sondern verwendet die Schablonen der vergangenen Jahrhunderte. Das ist die Gefahr des Romantizismus
und der Trmstumpf der Berliner K.-W.-G-Kirche ist der schlimmste architektonische Ausdruck dafür, im
Gegensatz zum Kölner Dom.
@tridentinus Also wissense, auf Grund meiner Tätigkeiten im Kulturbereich und im Unterrichtswesen sowie
des privaten Urlaubsinteresses wegen sehe ich fortwährend unzählige kleine Dorfkirchlein, wie auch Kathedralen
und große Ortskirchen. Und mir fällt eben auf, daß es eine katholische Spezialität ist, gerade in
altehrwürdigen Kirchen (allein das lasse ich als subjektivste Einschätzung gelten!), den Altarraum gutgemeint
in ein Botanikum zu verwandeln. Yukaapalmen, Stechpalmen, riiiiiiiiiiiiiiiesige Orchideenarrangements,
Gräser, Schilf (Im Mainzer Raum dieser gerne auf Tabernakeln platziert!), auch Obstbäume – statt eines
schlichten, leeren Altares oder Altarraumes. Das könnense nicht leugnen.
#25 Montfalcone 14:38:33 | Dienstag, 1. April 2008
@ Aleph: Ihnen ist schon klar, das Sie mit diesem erzreaktionären Mumpitz, diesem uninformierten und
uniformierten Wiederaufkochen in der Tat almodischster, damals schon falscher Kunsttheorie intellektuell
in dieselbe Ecke gehören wie die härtesten, schon grenzwertigen Hyper“traditionalisten“ hier? Ich glaube
nicht, daß diese Auffassung zur Architektur- und Kunstgeschichte noch ernstzunehmend vertreten wird;
sie hat ja auch versucht, durch den Abbruch der „Neo“-Gebäude im Effekt mit dem 2. Weltkrieg gleichzuziehen…
Gott sei Dank ist das mittlerweile eine Mindermeinung. Wenn Sie mal Zeit haben, lesen Sie doch mal ein
Buch oder einen kunsthistorischen Aufsatz aus dem letzten Vierteljahrhundert…?
„Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ Das einzige, was ein solcher Neubau mit den wirklich alten
Bauwerken von damals gemein hat, ist das Aussehen. Er hat keine Geschichte, keine Aussage. Wohl, wohl
Kurt K.@ Deshalb sind die Pseudostile wie Neoromanik, Neogotik und der scheußliche Neobarock auch nie
als Architekturformen geworden, die zum Tragen kamen. Immer spürt man in diesen Bauwerken die Träne
im Knopfloch des jeweiligen Kirchenbaumeisters, dass er es genau so schön wie früher machen wollte,
als die Welt noch ganz in Ordnung war. Häufig ist es dann auch total daneben gegangen. Wenn man die pseudogotische,
ziemlich blutleere Wiener Votivkirche mit dem kraftvollen Wiener Stephansdom vergleicht oder mit der erhebenden
barocken Karlskirche vergleicht, hat man den Beweis fast schon auf der Hand. Über dem Gebäude der Sezession
steht der bedeutungsschwangere Sinnspruch: „Der Zeit ihre Kunst, und der Kunst ihre Freiheit.“ Dem ist
nichts hinzufügen. Damit ist auch die Kirchenarchitekur einbezogen. Und wer wollte behaupten, dass die
Kirche am Steinhof von Otto Wagner kein authentisches Dokument des Jugendstils ist, das in der Gegenwart
so nicht mehr gebaut werden könnte.
#23 Tridentinus 14:20:48 | Dienstag, 1. April 2008
@Gusenum Das, was Sie da schreiben, ist natürlich Quatsch. Vor dem Altar steht der Priester, keine Palme.
Es sei denn, Sie denken an Justus ut palma florebit… Eigentlich wollte ich nur schreiben, dass diese
Kirche zum hl. Antlitz für eine moderne Kirche gar nicht so schlecht ist. Besonders für italienische
Verhältnisse.
#22 Montfalcone 14:16:44 | Dienstag, 1. April 2008
@Kurt: Ich kann Ihnen absolut nicht zustimmen, und ich denke, ästhetisch und kunstgeschichtlich ist dies
wirklich ein Argument der 1970er Jahre. Gegen die Wiederaufnahme einer Stilrichtung ist mE per se nichts
einzuwenden – die gibt es schon in Ägypten und Griechenland (bewußtes Archaisieren etwa). Es entspricht
einer typisch romantischen Denkweise des 19. Jahrhunderts, unbedingt „Neues“ haben zu wollen – wie beim
Geniebegriff der Kunst. Die Neogotik aber etwa ist eine genuine Kunstrichtung wie die Renaissance (s.
Kölner Dom) und keineswegs schlechter oder leerer als andere Formen. Und „Heutiges“ ist, nochmals, so
oft klassich modern (also 100 Jahre alt), daß auch das nicht wirklich „neu“ ist. @stimme der vernunft:
Diese Argumentation sehe ich überhaupt nicht. Nein, die Tiraden hier gingen schon gegen jegliche „Volksfrömmigkeit“
und jeden Traditionalismus aufgrund eines, wie gesagt, schon selbst sehr sehr traditionell-altmodischen
Modernismus. @Gunsenum: Gerade „etablierten Künstlern“ würde ich da kein Urteil zubilligen wollen. Etwas
kitschigeres als den „Sparkassenprotestantismus“ der 50er-70er oder die vom Institut für Kirchenbau und
kirchliche Kunst der Gegenwart geförderten Bauten kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Kitsch als
trivialer mainstream. Da gibt es Ausnahmen, und natürlich hat das auch etwas mit Kirchenverständnis
zu tun (Weiheraum oder Treffpunkt?), aber das ist ein etwas anderes Thema…
Zu einem kath. Kirchbau …dürfen wir betr. Innendekoration ntürlich auch -die 2-3 Meter hohen Palmen
oder Immergrünsträucher, die irgendeinem frömmelnden Gemeindemitglied fürs Wohnzimmer zu groß wurden,
-unendlich viele kleine, herzallerliebste Blumenkübel, die vorzugsweise auf dem Altar stehen, -zahlreiche
große Blumenpötte, die vorzugsweise vor dem Altar stehen, nicht vergessen. So manche kath.Kirche, und
auch die Bilder der Piustradis sind hier leider Vorbilder, machen dem Frankfurter Plamengarten Konkurrenz!
@Montfalcone Die Tiraden gehen weniger gegen die Putti und den Stucknippes, als gegen diejenigen, die
allen, die auch ohne Putti und Stucknippes auskommen, den rechten Glauben absprechen (Stichwort „antikatholische
Architektur“)
Heute würde man diese… …Bewegung unter den Tradis, die Du, Kurt, gerade beschriebst, „Kitschrenaissance“
nennen. Schon etablierte Künstler ereiferten sich abwertend und ablehnend gegenüber Inneneinrichtungsstilen
wie „NEO-Romantik“, „NEO-Klassizismus“. Gut finde ich Deinen Hinweis auf die Willkürlichkeit der Auswahl
des zum Ideal erhobenen Augenblicks.
Montfalcone: Diese Diskussion ist wie die Diskussion neulich über Kirchenmusik. Die Tradis haben da irgendwie
ein psychisches Problem. Sie frieren einen willkürlich festgelegten Zeitpunkt in der Geschichte ein und
konservieren ihn als Idealzustand – ohne zu begreifen, dass dieser Zustand auch einer Entwicklung entspringt.
Sie werdens kaum glauben: Auch ich finde authentische barocke Kirchen und Bauwerke schön. Auch gotische
Kirchen sind sehr beeindruckend. Ebenso faszinieren mich mittelalterliche Gebäude aller Arten. Aber:
Eine neu gebaute, auf mittelalterlich getrimmte „Burg“… was soll ich damit anfangen? Eine gotische Kathedrale /
mittelaterliche Burg ist auch deshalb so faszinierend, weil man den „Hauch der Geschichte“ in ihr spürt.
Man weiss, sie ist einige Jahrhunderte alt, Generationen unserer Vorfahren lebten und arbeiteten in und
an ihr, man kann sich das Leben der Menschen damals vorstellen… Aber ein Neubau aus Nostalgie? Das einzige,
was ein solcher Neubau mit den wirklich alten Bauwerken von damals gemein hat, ist das Aussehen. Er hat
keine Geschichte, keine Aussage.
#17 Montfalcone 13:48:52 | Dienstag, 1. April 2008
Kitsch Den Artikel fand ich auch daneben – da ist hier ja fast Konsens – aber natürlich müssen die Pseudoliberalen
ihn wieder mal für Meckertiraden gegen Gottes-dienste, traditionelle Kunst, Katholizismus usw. mißbrauchen.
Ja mein Gott, wie kann man denn gerade als liberaler Intellektueller noch an einen Fortschritt in der
Kunst glauben! Was für unsinniger Kram, was für Jahrhundertwendegelabere – wie bei Meier-Graefe! Was
soll denn an Nach- oder Neuschöpfungen alter Stilrichtungen falsch sein? Wo ist denn die Moderne moderner
als 100 Jahre veraltet? Und was mich auch ärgert, ist dieser penentrante Elitismus der Pseudoliberalen –
wir kennen ihn ja nun wirklich, aber wie dämlich und borniert muß man denn sein, gegen die Darstellung
genuiner Volksfrömmigkeit zu sein, ja sich über sie lustig zu machen? Ich glaube ja auch an ein sicheres
Stilempfinden, aber sind die Tiraden gegen Öldrucke und Putti hier nicht noch trivialer und spießiger
als die bekrittelten Objekte selbst?
Ich hab auch einen „Vergangenheitsfetisch“ Mein grösstes Hobby ist nämlich Reenactment des Spätmittelalters.
Und ich sag mal eines: Ein Wochenende oder auchg etwas länger ist es wirklich wunderbar, mal kein Händi,
keinen PC, keine Elektrizität zu haben. Letztes Jahr allerdings war ich auf einem 3wöchigen Event. Und
was hab ich mich da am Ende danach gesehnt, mal wieder einfach so warm zu duschen, ohne vorher ewig Wasser
über dem Feuer warm zu machen oder eben kalt zu „duschen“. Oder ma eben ne Pizza im Ofen zu machen, oder
bei Dreckswetter einfach mal die Heizung anmachen zu können. Nach 3 Wochen im Mittelalter sieht man die
Gegenwart – auch die ganz einfachen Erleichterungen des täglichen Lebens – mit GANZ anderen Augen und
ist überaus froh, dass das ganze nur ein Urlaub / eine Illusion ist. Die
Vergangenheitsfetisch Das ist das richtige Wort. Diese Leute heulen der angeblich „guten alten Zeit“ nach,
als angeblich alles besser war. OK, es mag auch ein paar wenige geben, bei denen es eine echte Glaubensangelegenheit
ist, aber bei der Mehrzahl der „Altgläubigen“ geht es um puren Vergangenheitsfetischismus. Es sind Loser,
die mit der heutigen Welt nicht zurechtkommen, die jetzt glauben, dass „früher“ alles besser war, und
es ihnen früher besser gegangen wäre. Darum gibt es hier auch so viele, die von irgendwelchen Monarchen
„von Gottes Gnaden“ träumen. Dass es sowas noch nie gegeben hat, verdrängen sie natürlich, eine Welt
wie in Grimms Märchen ist halt auch einfacher zu verstehen als eine Welt wie in den Geschichtsbüchern…
Ich find das irgendwie sehr seltsam. Dieselben Typen, die diese neumodischen Kirchen ablehnen, benutzen
doch offensichtlich einen Rechner … wahrscheinlich fahren sie auch diese fürchterlichen, neumodischen
pferdelosen Wagen und wohnen in Häusern mit diesen ekligen durchsichtigen Dingern in den Fenstern, statt
die Löcher in den Wänden mit Tierhäuten abzuhängen… Dieser Vergangenheitsfetisch bezieht sich also
NUR auf das Haus Gottes, ergo: Das Haus eines anderen.
Ich mag Barock sehr, darauf lass ich nix kommen Aber die Zeit ist vorbei. Wer heute billigen pseudobarocken
Abklatsch produziert, der zeigt nur, dass er kein bisschen Stilempfinden hat. In eine schöne barocke
Kirche passt auch eine schöne alte Bassgeige zur Messe. Wer aber meint, nur Pseudobarock und nachgemachte
barockisierende Bassgeigen seien gottgefällig, der leidet definitiv an Geschmacksdiarrhoe.
Kirchenneubauten Als ich einmal auf der Rückfahrt von Medjugorje quer durch Bosnien-Herzegowina gefahren
bin, ist mir in einem kleinen Dorf ein Kirchenneubau aufgefallen, den man auf Anhieb als Kirche erkennen
konnte und als schöne noch dazu. Warum ist es der sicherlich nicht übermäßig reichen kroatischen Landbevölkerung
möglich, eine Kirche zu erbauen, die auch aussieht wie eine Kirche, und uns nicht? Diese Leute würden
gar nicht auf die Idee kommen, für viel Geld einen abstoßenden Betonklotz ohne Kniebänke aufzustellen,
um diesen dann noch höhnischerweise eine Kirche zu nennen. Daran sieht man, wo noch Glaube vorhanden
ist und wo nicht.
Nun, auch der Barock hat was, wenn es stimmig ist und wenn man’s mag. Leider wurden ja viele romanische
und gotische Kirchen barock überformt, nicht immer zu deren Vorteil. Und was man sonst, besonders in
trad. Kreisen an Nippes sieht, ist einfach nur zum Erbarmen. Ein schönes Beispiel bildet diese curiose
Studio-Kapelle bei K-TV. Diese netten kleinen Gipsfigürchen und dieses Grünzeug neben dem Tabernakel
aufgereit, äußerst geschmackvoll.
Unverzichtbar Zu einer guten katholischen Kirche gehören aber auch noch: -Kreuzgwegstationen in Öldruck
(mit bronzierten Goldrahmen) -eine Statue von Pater Pio (aus Plastik) -eine Lourdesgrotte (elektrisch
beleuchtet) -ein Negerlein an der Weihnachtskrippe, das mit dem Kopf nickt, wenn man Geld für die Mission
der Heiden einwirft -Herz Jesu und Herz Mariae aus Gips (vorzugsweise lebensgroß) -und natürlich Schott’s
Messbuch für jeden Besucher.
Antikatholisch Diese Kirche ist antikatholisch. Eine richtige katholische Kirche braucht: – auf dem Hochaltar
eine rührselig die Augen verdrehende Madonna (überlebensgroß) mit einer Krone, die aussieht wie ein
großer Kürbis auf dem Kopf – feiste nackte Engelchen, die diese Madonna mit gefalteten Händen anhimmeln
– ein Kruzifix, das aber kleiner sein muss als die Madonna, bei dem man auch nicht beim zweiten hinsehen
erkennen darf, dass die Fleischfetzen, die am Leib herabhängen, aus Gips sind – allerlein Nippes, Stuck
und Blattgoldfigürchen, um den Rest der Vorderwand zuzustellen (man darf die Wand nicht sehen können)
– und, natürlich, Häckeldeckchen auf jeder horizontal ebenen Fläche, eine besonders große auf dem
Altar. Schönen ersten April!
Gelungen! Was man auf den Fotos sieht, gefällt mir ausgesprochen gut! Aber ich steh auch nicht auf kitschige
Gipsfiguren, süßliche Madonnen, Spitzendecken und sonstigen Tant! Neben der gotischen und der romanischen
Architektur scheinen mir diese Beispiele sehr geeignet zu sein, um die Größe und Erhabenheit des Göttlichen
wenigstens ansatzweise darzustellen.
@pius12 Genau! Die Romanik galt den Erbauern der Gotik als „altmodisch“, die Gotik wurde von der Renaissance
verachtet, der alte Petersdom wurde für den heutigen abgerissen, Barock galt kurz danach als kitschig,
der Historismus des 19. Jhrds. bald darauf als rückwärtsgewandt usw… überlassen wir also das KÜNSTLERISCHE
Urteil getrost der ÜBERnächsten Stilepoche, und freuen uns erst mal, dass die Kirche HEUTE lebt und
daher Raum für zeitgenössische Kunst bietet. Diese muss im Falle einer Kirche aber „dogmatisch“ passen.
Und scheinen in der Tat Zweifel engebracht; unter liturgischen Aspekten mag man insbesondere kritisieren,
dass diese Kathedrale offenkundig für den NOM konzipiert wurde; ich kenne (gelungene) „moderne“ Kirchen,
die noch für den überlieferten Ritus gebaut wurden – eine viel spannendere Kombination.
Und wieso ist Botta nun „antikatholisch“? Weil dem Autor seine Bauten nicht gefallen? Bißchen wenig für
eine Exkommunikation, oder? Man kann zu Bottas Kirchen stehen wie man will. Im Gegensatz zum alltäglichen
Elend postkonziliarer Sakralarchitektur sind sie zumindest erwähnenswert und haben eine gewisse Größe.
Insofern wirkt der Text arg kleinkariert und läßt schmerzlich jene geistige Weite vermissen, die an
sich dem Katholizismus innewohnt und ihn auszeichnet.