Liturgie
Die Macher der gemachten Liturgie
Die Liturgie, wie sie in den Büchern des Novus Ordo steht, stellt ideale und idealistische Vorgaben für die real existierende sogenannte erneuerte Liturgie dar.
 Messe auf einem polnischen Ferienlager im Juni 2006.
Messe auf einem polnischen Ferienlager im Juni 2006.
(kreuz.net) Guido Fuchs hat vor einiger Zeit in einem längeren Artikel auf die Ursachen des liturgischen Wildwuchses aufmerksam gemacht.

Sein Beitrag erschien auf der Webseite ‘Liturgie und Alltag’.

Fuchs befaßt sich in seinen Darlegungen mit der liturgischen Modellbuch-Literatur.

Diese Bücher und Zeitschriften würden gelegentlich despektierlich als liturgische „Rezeptbücher“, „Kochbücher“, „Bastelbücher“ bezeichnet.

Seit der Liturgiereform schießen sie wie Pilze aus dem Boden: „Heute stellen in manchen Verlagen die Modellbücher ein großes, wenn nicht sogar das größte Segment dar“.

Das bedeute, daß diese Bücher auch teilweise die Aufgabe einer Vermittlung zwischen Theologie und Liturgie übernommen hätten – so Fuchs.

Da sie nicht selten bereits gefeierte Gottesdienste wiedergeben, „sind sie auch ein Spiegel der liturgischen Wirklichkeit“.

Liturgische Wirklichkeit
Liturgische Wirklichkeit
Diese sei „manchmal“ von den „idealen und idealistischen Vorgaben, wie sie in den liturgischen Büchern“ stehen „weit entfernt“. Darin widerspiegle sich aber „oft“ ein großer Reichtum an Ideen:

„Wenn man so will, sind sie auch ein Ausweis für das Wirken des Geistes Gottes im Volk Gottes“ – glaubt Fuchs.

Doch in der pastoralen Wirklichkeit stelle sich die Möglichkeit, etwas in eigenen Worten sagen zu können, als Zwang, etwas sagen zu müssen, heraus.

Viele Gottesdienstleiter stünden daher – anders als früher – vor der Frage nach der Vorbereitung dieser Texte, zu der die Zeit immer mehr fehle:

„Es muß in diesem Zusammenhang auch an die zunehmende Zahl ausländischer Priester gedacht werden, für die solche Bücher und Hefte eine wirkliche Hilfe darstellen.“

Viele Modelle sind – nach Fuchs – inzwischen so angelegt, daß sie als Messe oder als Wortgottesdienst gestaltet werden können. Sie sind damit auch „für Diakone und Laien interessant, die mit der Leitung und Gestaltung von Gottesdiensten weniger vertraut sind“.

Die Tatsache, daß die liturgischen Hilfsmittel vom gedruckten Wort leben, „fördert im Grunde seit Jahrzehnten die Wortlastigkeit unserer Gottesdienste“ – stellt Fuchs weiter fest.

Auch Zeichen und Handlungen würden wortreich begleitet.

Bereits im Jahr 1987 habe Alex Stock die „meta-rituelle Besprechung des Gottesdienstes“ den „Krebsschaden der Liturgiereform“ genannt.

Bernhard Hanssler sprach ähnlich von der Fürbitt-Literatur als Krankheitssymptom: „Es ist viel und im Grund doch immer das monoton Gleiche, was Gott zu regeln gebeten wird.“

Dieses Liturgieverständnis unterscheide sich im Grunde nicht von einer Schulstunde – so Fuchs.

Er weist auch darauf hin, daß es oft so ist, daß eine besonders gestaltete Liturgie keinen Widerhall im Inneren der Menschen findet.

Man gehe aus dem Gottesdienst scheinbar genauso heraus, wie man in ihn hineingegangen sei.

Ein letzter von Fuchs angesprochener Aspekt ist, daß die liturgischen Modellbücher in erster Linie nicht auf die Gestaltungsmöglichkeiten der Liturgie, sondern auf die Verkaufszahlen für den Verlag hinzielen:

„Die Aufbereitung und auch die Bewerbung der Modellbücher geschieht also nach Marketing-Gesichtspunkten – zumindest auch –, und nicht nur nach liturgischen.“

Der Aspekt der Wirtschaftlichkeit seitens des Verlages bestimme daher unter Umständen das gottesdienstliche Programm einer Gemeinde, wobei schlecht auszumachen sei, wo die eigentlichen Kräfte liegen würden:

„Ist die große Zahl der Bücher mit Familiengottesdiensten oder »priesterlosen« Gottesdienste eine Reaktion auf die gemeindliche Situation – oder reagieren Gemeinden auf das Angebot das ihnen die freundlichen Verlage bereitstellen?“
      
17 Lesermeinungen
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#17   Freinsberg   08:19:08 | Donnerstag, 3. April 2008
Marcelus
Der Tabernakel wird während der Messe (außer zum Deponieren übrig gebliebener Hostien nach der Kommunion) nicht gebraucht, vorausgesetzt, der Priester konsekriert genügend Hostien für die Gemeinde. Dass alle in der betreffenden Messe konsekrierte Hostien empfangen sollen, hat schon Pius XII. in „Mediator Dei“ gefordert; dass auch die Grundordnung des Messbuches dasselbe verlangt, (n. 85) kratzt natürlich nur Anhänger/innen des NOM.
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#16   Marcelus   19:06:27 | Mittwoch, 2. April 2008
Der Tabernakel mit dem Allerheiligsten soll also ignoriert werden?
Ich schließe michder Auffassung an, daß der Tbernakel während der Eucharistiefeier weder geöffnet noch geschlossen werden sollte. Er sollte in der hl. Messe gar keine Rolle spielen.
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#15   Brandenburgis   13:43:28 | Mittwoch, 2. April 2008
@Fabianus
Das weiß ich nicht!
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#14   Fabianus   13:36:39 | Mittwoch, 2. April 2008
@Brandenburgis
Müssten dann nicht die Hostien genau abgezählt sein?
Nochmal meine Frage: Woher kommt diese Sitte?
Fabianus
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#13   Brandenburgis   13:34:43 | Mittwoch, 2. April 2008
Ich schließe mich
der Auffassung an, daß der Tbernakel während der Eucharistiefeier weder geöffnet noch geschlossen werden sollte. Er sollte in der hl. Messe gar keine Rolle spielen.
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#12   Fabianus   13:31:33 | Mittwoch, 2. April 2008
@Gotthard
Ist es nicht eine zusätzlicher Verehrungsgeste vor dem realpäsenten Herrn?
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#11   Gotthard   13:25:07 | Mittwoch, 2. April 2008
@Fabianus
Ich knie mich vor dem geöffneten Tabernakel immer nieder.
Der Tabernakel spielt in der Eucharistiefeier doch keinerlei Rolle.
Worin besteht der Unterschied zwischen einem geschlossenen Tabernakel und dem geöffneten?
Worin besteht der Unterschied zwischen dem Herrn auf dem Altar und im geöffneten Tabernakel?
Ein Tabernakel-Kult während der Eucharistiefeier würde ich als „shadow action“ bezeichnen.
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#10   Fabianus   12:23:00 | Mittwoch, 2. April 2008
@Gotthard
Sollte schon, aber da werden die übrigen Hostien herausgeholt. Was soll das eigentlich?
Ich knie mich vor dem geöffneten Tabernakel immer nieder.
Woher diese Praxis? Warum rennt die Nonne zum Tabernakel? Um ihn nicht ganz vergessen zu machen?
Grüße
Fabianus
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#9   Gotthard   12:20:00 | Mittwoch, 2. April 2008
@Fabianus
wenn das Tabernakel vor der Kommunion geöffnet wird, man sich aber zwecks gerade laufenden Friedesngruß nicht hinknien kann.
es scheint auch „shadow actions“ zu geben. Das Öffnen des Tabernakels ist keinerlei liturgische Handlung, ja sollte im normalen Idealfall während der Eucharistiefeier überhaupt unterbleiben.
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#8   LandorganistII   11:29:05 | Mittwoch, 2. April 2008
Es ist zum Gähnen!
Das stündliche Ausspielen des alten gegen den neuen Ritus wird nun doch ziemlich langweilig! :-[
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#7   sacerdos helveticus   11:22:05 | Mittwoch, 2. April 2008
@mandy
Wahrscheinlich hat waldstein die ursprüngliche Fassung von Artikel 7 der „institutio Generalis“ zitiert, die dann aufgrund von Protesten verbessert wurde. Siehe hierzu mein Posting von heute im anderen Diskussionsstrang zu Waldstein.
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#6   mandy   11:10:19 | Mittwoch, 2. April 2008
Falscher Artikel
Mein letztes Posting gehörte zu einem anderen Artikel.
Tschulligung!
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#5   Fabianus   11:09:59 | Mittwoch, 2. April 2008
@mandy
Ich kann Ihnen da nur zustimmen, die Musik nervt und man hat keine Ruhe, sich zurückzuziehen. Am besten ist aber immer noch, unmittelbar nach der Kommunion die „Ruhezeit“ durch eine Meditation oder einen Impuls zu überbrücken-sehr sehr unruhestiftend.
Diese Hektik beobachte ich auch in meiner Gemeinde, wenn das Tabernakel vor der Kommunion geöffnet wird, man sich aber zwecks gerade laufenden Friedesngruß nicht hinknien kann.
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#4   Freinsberg   11:02:52 | Mittwoch, 2. April 2008
Shadow texts etc.
In den USA heißen die zu den Handlungen und offiziellen Texten hinzugefügten Kommentare der Zelebranten inzwischen „shadow texts“. (Beispiel: „Ich begrüße Sie mit dem uralten Gruß der Kirche: Der Herr sei mit euch.“ Als ob der Gruß allein nicht genügte.) Die Versuchung zum Zerreden ist für mich aber kein Argument gegen den Novus Ordo, vielmehr für solide liturgische Bildung.
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#3   mandy   11:02:02 | Mittwoch, 2. April 2008
Professor Waldsteins Märchenstunde II
Danke Herr Professor Waldstein! Nur nicht ganz korrekt zitiert, sondern frei nach Vorurteil formuliert. Allgemeine Einführung in das Römische Meßbuch, Nr.7: Unter der Überschrift „Die Grundstruktur der Meßfeier“: „In der Messe, dem Herrenmal, wird das Volk Gottes zu einer Gemeinschaft unter dem Vorsitz des Priesters, der Christus in seinem Tun repräsentiert, zusammengerufen, um die Gedächtnisfeier des Herrn, das eucharistische Opfer, zu begehen…“
Woher der Herr Professor so genau über den Glauben „der“ Priester Bescheid weiß, stellt sich als sein ganz privates Geheimnis dar. Da sollte er sich mal lieber in der Pastoraltheologie kundig machen. Prof. Martin Zulehner wird er ganz sicher kennen (aber vielleicht auch nicht mögen). Der gibt sich wenigstens Mühe, Priester in ihrem schwierigen „Geschäft“ Mut zu machen, anstatt über sie herzuziehen.
Märchen, Märchen, Märchen …
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#2   Frasim   10:09:26 | Mittwoch, 2. April 2008
@mandy
Schon mal eine stille Messe im außerordentlichen Ritus mitgefeiert? Das wäre bestimmt was für Sie!
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#1   mandy   10:06:01 | Mittwoch, 2. April 2008
Schweigen
Tatsächlich wird von Pfarrern und Gläubigen die „Wortlastigkeit“, ja überhaupt der „Lärm“ (z.B. der Musik, auch der Orgel) beklagt, wo eigentlich Gestik oder Schweigen genügen würde. Selbst beim Kommunionempfang, wo man sich mal gerne mit seinem Herrgott „in sich“ zurückziehen möchte, wird man mit diverser Musik vollgestopft, so daß ich kaum zur Besinnung komme. Ich wünschte mir auch weniger „action“ und mehr „Aktion und Kontemplation“.
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