In Deutschland wird gegenwärtig ein Possenspiel gespielt, daß heute vermutlich einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Diskussion ist ethisch und sachlich längst auf einer schiefen Ebene der Seriosität angekommen.
(kreuz.net) Am 8. April veröffentlichte die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ einen längeren Beitrag
des Mannheimer Medizinhistorikers Axel W. Bauer mit dem Titel „Auf der schiefen Stammzellbahn“. Zitate.
Wenn der Stichtag fällt…
„Heute stimmt der Bundestag darüber ab, ob der im Jahre 2002 festgelegte
Stichtag für die menschlichen embryonalen Stammzelllinien, die nach Deutschland eingeführt werden dürfen,
vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 verschoben wird, ob er unverändert bestehen bleibt oder ob er
gänzlich aufgehoben werden soll. Es geht nicht um eine kalendarische Marginalie, um eine Fristanpassung,
wie sie im Gesetzgebungsalltag Routine ist. Wir stehen vor einem biopolitischen Kurswechsel mit erheblichen
Folgen für den Schutz des frühen menschlichen Lebens.“
Fatales Signal
„Eine Verschiebung des Stichtages
müßte von den Forschern als ein deutliches Signal dafür gewertet werden, daß der Gesetzgeber seine
eigenen Vorgaben aus dem Jahre 2002 nicht mehr ernst nimmt. Der Zweck des Stichtages 1. Januar 2002 lag
und liegt nämlich darin, daß eine von Deutschland ausgehende Veranlassung der Embryonenzerstörung im
Ausland zur Gewinnung von menschlichen embryonalen Stammzellen vermieden werden sollte.“
Auf der schiefen
Ebene
„In ethischen Debatten ist das Argument der sogenannten schiefen Ebene, das bisweilen auch als
»Dammbruchargument« formuliert wird, nicht besonders gern gesehen. Die Kritiker der Figur bringen vor,
man könne an jedem Punkt des abschüssigen Weges anhalten. Die Debatte um die Verschiebung des Stichtages
kann jedoch als ein Lehrbuchbeispiel dafür dienen, daß das Argument der schiefen Ebene eben doch einschlägig
ist, wo es um die Herstellung und Bewahrung von Glaubwürdigkeit geht.“
Doppelmoral
„Unter ethischen
Erwägungen kann man auf längere Sicht keinesfalls jene Doppelmoral rechtfertigen, die in Deutschland
hochkarätige Forschung an möglichst frischen embryonalen Stammzellen wünscht, aber die dafür erforderliche
Zerstörung embryonalen menschlichen Lebens dauerhaft ins Ausland verlagern möchte.“
Dammbruch
„Es
geht also bei der Verschiebung des Stichtages im Stammzellgesetz in Wahrheit um einen Dammbruch beim Embryonenschutz.“
Einmal ist keinmal?
„Die EKD-Synode habe klargestellt, daß es nur um eine einmalige Verschiebung gehen
könne. Hier muß man allerdings bedenken, daß die evangelische Kirche wohl kaum eine künftige Entscheidung
des Deutschen Bundestages unterbinden könnte.“
Eine abenteuerliche Behauptung
„Daß schließlich die
seit mehr als vier Jahrzehnten erfolgreich in der Therapie eingesetzte medizinische Behandlung mit den
ethisch unbedenklichen adulten Stammzellen auf Erkenntnisse aus der erst seit zehn Jahren existierenden
Forschung an embryonalen Stammzellen angewiesen sein soll, ist allein schon wissenschaftstheoretisch eine
abenteuerliche Behauptung, die weder logisch einleuchtend ist noch durch empirische Belege gestützt werden
kann.“
Auf einer schiefen Ebene der Seriosität
„Die Diskussion um das deutsche Stammzellgesetz ist
ethisch und sachlich längst auf einer schiefen Ebene der Seriosität angekommen, was zu großer Sorge
Anlaß gibt. Denn Rationalität und Moral drohen gleichermaßen auf der Strecke zu bleiben, wenn haltlose
Heilsversprechungen systematisch verbreitet werden.“
Email-Adressen der Empfänger
24 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
@Vineta Ihre Logik ist ziemlich fehlerhaft. Nur weil sich ein genauer Zeitpunkt nicht definieren lässt,
heißt dass nicht, dass man keine Zeiträume festlegen kann, über die sich eine eindeutige Aussagen treffen
lassen. Es lässt sich auch nicht wasserdicht sagen, ab welchem Punkt ein Mensch erwachsenen ist. Diese
Definition ist abhängig von körperlicher und geistiger Reife, kultureller Vorstellungen und juristischer
Feinheiten. Nichts destotrotz lassen sich wasserdichte und international anerkannte Altersbereiche festlegen,
in denen ein Mensch als Kind oder als Erwachsener gilt. Mag schon sein, dass man den Zeitpunkt nicht genau
erfassen kann, wo aus einem Zellklumpen ein menschliches Wesen wird (juristisch gesehen ist die Menschwerdung
natürlich mit der Geburt verankert). Aber man kann eindeutige Zeiträume festlegen, in denen noch nicht
von einem Menschen die Rede sein kann.
Nur ein Zellhaufen oder schon ein Mensch? Nun, es ist doch so: Aus einem Zellhaufen wird ein Mensch, und
niemand kann sagen, ab welchem Zeitpunkt wirklich ein Mensch vorliegt, weder Wissenschaftler noch Parlamentarier.
Daher Hände weg vom werdenden Leben!
@Wagner Ja, danke – aber die CDU hat es nicht geschafft, die Katasprophe zu verhindern. Wieso auch – die
Kanzlerin und die zuständige Ministerin waren dafür. Die „konservativen!“, die „christlichen“ haben
wieder versagt. Krass: In der gleichen Woche gedachte man mit viel Pathos der nicht gerade ehrenvollen,
in Rückblick sogar schändlichen Zustimmung des Zentrums zum Ermächtigungsgesetz vor genau 75 Jahren …
die Scheinheiligkeit und Selbstgerechtigkeit, mit der auf die Vorfahren gezeigt wird, vertieft die aktuelle
Schande.
Befürchtung Ich teile auch die Meinung, daß es sich um einen Dammbruch handelt. Dank den Abgeordneten,
die dem Gesetz die Zustimmung versagten unter ihnen Volker Kauder.
#20 NurEinLeser 02:52:15 | Samstag, 12. April 2008
man sollte vor allem die Forschung… …an den kranken Hirnen der Mord-Befürworter erlauben – neue Dimensionen
der Verkommenheit und des Irrsinns träten zutage! Aber die werden ja auch so mehr als deutlich offenbar…
Semper Wie kann ein in vitro gezeugtes und im Reagenzglas lebendes einzelliges, später mehrzelliges Lebewesen
„Teil der Mutter“ sein? Sie sind nicht ernst zu nehmen. Wo kommt denn die Eizelle her? Na? Ersetze „Mutter“
durch „Frau“ und alles ist klar.
@Kurt K. Ihr „Ja“ scheint nun eine eindeutige Antwort auf meine Frage zu sein; die folgenden Ausführungen
lassen freilich befürchten, dass Sie die Frage immer noch nicht richtig verstanden haben. Nehme ich Ihr
„Ja“ trotzdem ernst, so muss ich Ihnen sagen, dass mich Ihr Standpunkt entsetzt. Wer sich anmaßt, zu
entscheiden, wer Mensch ist, ist im Kern Nazi. Ihr „Teil der Mutter“- Argument ist wiederum so dämlich,
dass ich nun die Geduld verliere und die Diskussion abbreche. Wie kann ein in vitro gezeugtes und im Reagenzglas
lebendes einzelliges, später mehrzelliges Lebewesen „Teil der Mutter“ sein? Sie sind nicht ernst zu nehmen.
jeremy Also – ich hätte mich dagegen entschieden. Aber dieser Kompromiss, bei dem wird es einem doch
erst richtig übel. Entweder dazu stehen und es erlauben, oder ebenfalls dazu stehen und es nicht zulassen.
Die Position – eigentlich wollen wir das nicht und es ist scheußlich, aber wir machen es trotzdem, mit
einem Stichtag (der ggf. wieder verlängert werden kann, obwohl das heute ja noch keiner sagt) – die ist
symptomatisch für die heutige Politik, die den Kuchen immer aufessen will, am besten zweimal und ihn
gleichzeitig doch behalten. Verlogenes Pack.
natürlich… ist es gut dass weiter geforscht werden darf. auch wenn die stichtag-verschiebung die doppelmoral
der politiker ans tageslicht bringt. man sollte komplett die forschung an stammzellen erlauben.
Semper. Also? Haben Menschen das Recht, zwischen biologischen Individuen der Gattung Mensch in Bezug auf
deren „gesellschaftlich-rechtlich akzeptiertes Menschsein“ zu unterscheiden? Ja. Der Embryo ist genauso
wie die Hornhaut (provozier, provozier… ) ein Teil der Mutter. Sah Ihre Kirche auch sehr lange so…
bis 1889 nämlich.
@Kurt K Schwache Vorstellung, zweite Chance: Ja, ich wollte eine Stellungnahme – aber eben gerade nicht
zu der Frage, warum Sie sich als etwas besseres fühlen als ein Mensch in den ersten Momenten seines Lebens
(letztlich ja nur weil Sie ausgewachsen, also stärker sind, also brutalst „sozialdarwinistisch“), sondern
Ihre Stellungnahme zu der grundlegenden Frage, wieso Sie meinen, dass irgendein Mensch überhaupt das
Recht hat, zu definieren, ab welchem Stadium seiner biologisch beschreibbaren Entwicklung vom Einzeller
zum Kurt K. der Mensch anfängt „Mensch“ zu sein. An dieser Frage haben Sie komplett vorbei geschrieben.
Also? Haben Menschen das Recht, zwischen biologischen Individuen der Gattung Mensch in Bezug auf deren
„gesellschaftlich-rechtlich akzeptiertes Menschsein“ zu unterscheiden? P.S.: Das Hornhautargument ist
wirklich unsäglich. Oder entwickelt sich Ihre Hornhaut als Individuum, wenn man sie in eine Umwelt versetzt,
die sie nährt?
Genoveva, Alkuin… ich sachs ja! Es bringt NIX, darüber zu reden. Hab ich ja auch schonmal gesagt, nur
wollte Semper unbedingt eine Stellungnahme haben… Nunja. QED. Bringt nix, wir werden uns nicht einigen.
Es wurde schon alles gesagt – nur noch nicht von jedem.
@Kurt K: Wie tief wollen Sie die Latte eigentlich legen? Sie diskutieren hier weit unter Ihrem intellektuellen
Niveau Die paar Zellen da bei einem solch frühen Zellhaufen hingegen sind nichtmal ausdifferenziert.
Entsprechend angeregt könnten all diese Zellen zu Hautzellen werden, z.B… Um so zu argumentieren, müssen
Sie jeden rationalen Begriff von Natur aufgeben – damit kommen Sie in der Ethik auf keinen grünen Zweig
mehr. Was ist denn bitte der gemeinsame Nenner von ZNS, Träumen und einem Willen
@Kurt K „Beerdigen Sie ihre abgeraspelte Hornnhaut?“ Tote Hautzellen sind ABFALL! Tote Zellen mit dem
ungeboren Leben zu vergleichen eintspricht ein perfides Missverständniss vom werdendem Leben. Diese Vergleich
ist einfach KRANK!
semper reformandis Ich hatte aber eine neue These aufgestellt: Sie und Gunsenum sind auch nur ein Zellhaufen.
Sind wir uns denn da wenigstens einig? Ja. Wir alle sind eine biologische Masse. Nur im Unterscheid zum
Zellhaufen auf dem Bild, welches ich verlinkt hatte, haben Gunsenum und ich und Sie: Ein ZNS, Schmerzempfinden,
Hoffnungen, Träume, Beziehungen zu anderen Menschen, Bewusstsein, Ausdrucksformen, einen Willen, …
Wenn ich Sie also auslöschen würde, dann wäre das ein Verlust – für Sie selbst, aber auch für andere
Menschen. Die paar Zellen da bei einem solch frühen Zellhaufen hingegen sind nichtmal ausdifferenziert.
Entsprechend angeregt könnten all diese Zellen zu Hautzellen werden, z.B… Beerdigen Sie ihre abgeraspelte
Hornnhaut? Diese Embryos werden hergestellt, indem eine gespendete Eizelle einer Frau mit einem gespendeten
Spermium eines Mannes zusammengebracht werden und einige Tage abgewartet wird. Die Informationen die in
Blastozyte vorhanden sind, sind auch schon in Samen und Eizelle vorhanden – nur eben noch getrennt. Wo
also, liesse sich weiterfragen, liegt der grosse Unterscheid? Ist ein „schuss“, der nicht in der Scheide
einer Frau landet, dann nicht ebenfalls Mord? Ist es dann für Sie „Mord“ oder „unterlassene Hilfeleistung“
oder sowas, wenn eine schwangere Frau im Anfangsstadium ihre befruchtete Eizelle verliert, weil sie beispielsweise
Trampolin-hüpfen war?
Kurt K. Ich hatte aber eine neue These aufgestellt: Sie und Gunsenum sind auch nur ein Zellhaufen. Sind
wir uns denn da wenigstens einig? Etwas abstraker: Begründen Sie doch bitte mal … … nein, keine Sorge,
nicht warum das eine nur ein Zellhaufen und das andere ein Mensch sein soll, da werden wir uns ja ohnehin
nicht einig, wie Sie meinen … … begründen Sie bitte, wieso einem Dritten oder dem Staat überhaupt
das Recht zustehen soll, zu entscheiden, was ein Zellhaufen und was ein Mensch ist! Ich will wenigstens
den „philosphischen“ Ausgangspunkt Ihrer Sichtweise verstehen, wenn wir uns über das Ergebnis schon nicht
einigen können …
Das alte Lied… Leute, es bringt doch nix. Diejenigen, die sagen: Das ist doch nur ein Zellhaufen (also
z.B. ich und Gunsenum) werden sich nie mit denen einigen können, die sagen: es ist ein Mensch. So what?
Hie nochmal ein Bild, das zeigt worum es geht: hES www.bio-pro.de/…ammzelle_166x166.jpg
@Gunsenum Das ist eben die alte Krankheit (bzw. der Zwang) von +.net … ohne Horrorszenarien geht es
eben nicht. Da veröffentlicht man alle heilige Zeit einmal einen informativen Artikel zu einem WIRKLICH
wichtigen und brisanten Thema, die Redaktion verzichtet im Text sogar auf die eigenen Schmierereien und
und beschränkt sich gänzlich auf Zitate … aber durch die Wahl des Bildes und der Unterschrift wird
einem dann leider doch wieder deutlich signalisiert, wo man sich gerade befindet. Es ist bedauerlich,
wenn man diesem Zwang ausgesetzt ist, sich ständig selbst zu disqualifizieren. Von Bild und Unterschrift
einmal abgesehen: trotzdem Lob an die Redaktion, für einen Moment mal sich in Richtung ernstzunehmender
Berichterstattung bewegt zu haben.
@Gunsenum: Sie widersprechen da aber eindeutig den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland. Das Bundesverfassungsgericht
hat zuletzt 1995 (meine ich) festgestellt, dass der Mensch Mensch ist ab dem Moment der Verschmelzung
von Ei- und Samenzelle. Damit gehen Sie ja wohl nicht konform, widersprechen also gängiger Rechtssprechung.
Es geht nicht um einen „Zellhaufen“, sondern um einen Menschen.
@gunsenum Rein „naturwissenschaflich“ betrachtet sind Sie auch nur ein Zellhaufen. Stellen Sie Ihr Herz
noch heute – auch wenn der Zellhaufen „Gunsenum“ dabei naturgemäß zerstört werden wird – zu Heilzwecken
zur Verfügung? Man soll doch immer bei sich selbst anfangen!
Verbrannt? Bei der Stammzellenforschung werden „massen von Kleinkindern verbrannt“? Wieso werden hier
wieder falsche Horrorszenarien geschildert. Kein lebendiges Wesen wird „verbrannt“.Einem Zellhaufen werden
genetische Informationen, Bestandteile entnommen.