Christen verzichten auf jede Form der Judenmission
Die bösen Christen haben die guten Juden jahrhundertelang gewaltsam unterdrückt. Darum dürfen sie diese jetzt nicht mehr missionieren. Aber das Evangelium müssen sie trotzdem verkünden. Widersprüche und Schleierhaftes im Kopf eines Kardinals.
(kreuz.net, London) Sollten die Christen den Juden das Evangelium verkünden? Diese Frage stellte sich
der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, in einem Beitrag vom 29. März für die altliberale
katholische Wochenzeitung ‘Tablet’, die in London erscheint.
In dem Artikel behauptet der Kardinal eine jahrhundertelange, oft gewaltsame und offenbar einseitige Gegnerschaft der Christen gegen die Juden:
„Aber die Shoah bleibt einmalig als die dunkelste Stunde in dieser langen Geschichte des Leidens“ – schiebt er schließlich implizit den national-sozialistischen Völkermord an osteuropäischen Juden der Kirche in die Schuhe.
Dann erinnert der Kardinal an „Diskussionen“ um Papst Pius XII. († 1958), die Seligsprechung von Pius IX. († 1878) und die neue Karfreitagsfürbitte für den Alten Ritus, welche zu „Irritationen“ im jüdisch-christlichen Dialog geführt hätten.
Im weiteren wendet er sich der Frage der Judenmission zu. Dazu sammelt er eine Fülle von Zitaten aus dem Neuen Testament. Das Ergebnis ist mager: Kardinal Schönborn kann sich zu guter Letzt irgendwie nicht entscheiden, ob er für oder gegen die Judenmission ist.
Seinen Ausflug ins Neue Testament beginnt er beim Römerbrief des Heiligen Paulus und erwähnt die dort dargelegte Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen. Sühne für die Sünden vollziehe sich „durch den göttlichen Namen, gegenwärtig in Jesus Christus, in der Mitte unserer Menschheit und durch die endgültige Kraft seines Blutes“ – erklärt er.
Jesus Christus betrachtet der Kardinal im Sinne des Römerbriefes als „definitiven“ Yom Kippur – der Versöhnungstag, den die Juden heute noch feiern – und als „endgültige“ Sühne für die Sünden.
Meinungen, die den völligen Verzicht der Judenmission fordern, weist Kardinal Schönborn zurück. Auch eine Theorie der zwei Heilswege – für die Juden der Alte Bund und nur für die Heiden der Neue – lehnt er, wenigstens theoretisch, ab.
Das Wort Christi an die Samariterin „Das Heil kommt von den Juden“ (Joh 4) deutet der Kardinal seltsamerweise als Aufforderung, das Heil zuerst den Juden zu predigen.
Dann erklärt er, daß der Bund Gottes mit den Juden von der Kirche eine besondere Aufmerksamkeit fordere, wie sie den Juden das Evangelium verkünde.
Der Kirchenfürst erinnert in diesem Zusammenhang aber ganz allgemein an den Respekt vor dem Gewissen eines jeden Menschen.
Ferner müßten die Christen anerkennen, daß „die Juden“ Träger eines eigenen „Mysteriums“ seien.
Kardinal Schönborn weiter: „Die Tatsache, daß sich die Kirche für verschiedene Formen des Zwangs, den die Juden in der christlichen Ära erlitten haben, entschuldigt hat, impliziert, daß die Christen unwiderruflich auf jede Form des Proselytismus verzichten.“
Das Wort „Proselytismus“ ist eine abschätzige Bezeichnung der Missions-Tätigkeit der Kirche und anderer religiöser Gemeinschaften.
Im dialektischen Hasensprung erklärt der Kardinal sodann, daß dies nicht bedeute, daß die Christen ihren Auftrag, das Evangelium zuerst den Juden zu verkünden, aufzugeben hätten. Der Auftrag müsse aber „sehr sensibel“ ausgeführt werden:
„Gebet, die Hingabe des Lebens, Zeichen selbstloser Liebe und vor allem die Anerkennung der jüdischen Identität sollten das Wohlwollen aller Menschen gewinnen.“
Die Webseite der Erzdiözese Wien hat die wirren Ausführungen des Kardinals auf den Punkt gebracht. Sie überschreibt einen Bericht über dessen Darlegungen in ‘The Tablet’ mit dem Titel „Christen verzichten auf jede Form der Judenmission“.
Die Feststellungen des Kardinals sind insofern belanglos, als die Missions- und Konversionstätigkeit der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht nur bezüglich der Juden, sondern weltweit zusammengebrochen ist.
© Titelbild: Flickr-Benützer „Saveena (AKA LHDugger)“, CC
In dem Artikel behauptet der Kardinal eine jahrhundertelange, oft gewaltsame und offenbar einseitige Gegnerschaft der Christen gegen die Juden:
„Aber die Shoah bleibt einmalig als die dunkelste Stunde in dieser langen Geschichte des Leidens“ – schiebt er schließlich implizit den national-sozialistischen Völkermord an osteuropäischen Juden der Kirche in die Schuhe.
Dann erinnert der Kardinal an „Diskussionen“ um Papst Pius XII. († 1958), die Seligsprechung von Pius IX. († 1878) und die neue Karfreitagsfürbitte für den Alten Ritus, welche zu „Irritationen“ im jüdisch-christlichen Dialog geführt hätten.
Im weiteren wendet er sich der Frage der Judenmission zu. Dazu sammelt er eine Fülle von Zitaten aus dem Neuen Testament. Das Ergebnis ist mager: Kardinal Schönborn kann sich zu guter Letzt irgendwie nicht entscheiden, ob er für oder gegen die Judenmission ist.
Seinen Ausflug ins Neue Testament beginnt er beim Römerbrief des Heiligen Paulus und erwähnt die dort dargelegte Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen. Sühne für die Sünden vollziehe sich „durch den göttlichen Namen, gegenwärtig in Jesus Christus, in der Mitte unserer Menschheit und durch die endgültige Kraft seines Blutes“ – erklärt er.
Jesus Christus betrachtet der Kardinal im Sinne des Römerbriefes als „definitiven“ Yom Kippur – der Versöhnungstag, den die Juden heute noch feiern – und als „endgültige“ Sühne für die Sünden.
Meinungen, die den völligen Verzicht der Judenmission fordern, weist Kardinal Schönborn zurück. Auch eine Theorie der zwei Heilswege – für die Juden der Alte Bund und nur für die Heiden der Neue – lehnt er, wenigstens theoretisch, ab.
Das Wort Christi an die Samariterin „Das Heil kommt von den Juden“ (Joh 4) deutet der Kardinal seltsamerweise als Aufforderung, das Heil zuerst den Juden zu predigen.
Dann erklärt er, daß der Bund Gottes mit den Juden von der Kirche eine besondere Aufmerksamkeit fordere, wie sie den Juden das Evangelium verkünde.
Der Kirchenfürst erinnert in diesem Zusammenhang aber ganz allgemein an den Respekt vor dem Gewissen eines jeden Menschen.
Ferner müßten die Christen anerkennen, daß „die Juden“ Träger eines eigenen „Mysteriums“ seien.
Kardinal Schönborn weiter: „Die Tatsache, daß sich die Kirche für verschiedene Formen des Zwangs, den die Juden in der christlichen Ära erlitten haben, entschuldigt hat, impliziert, daß die Christen unwiderruflich auf jede Form des Proselytismus verzichten.“
Das Wort „Proselytismus“ ist eine abschätzige Bezeichnung der Missions-Tätigkeit der Kirche und anderer religiöser Gemeinschaften.
Im dialektischen Hasensprung erklärt der Kardinal sodann, daß dies nicht bedeute, daß die Christen ihren Auftrag, das Evangelium zuerst den Juden zu verkünden, aufzugeben hätten. Der Auftrag müsse aber „sehr sensibel“ ausgeführt werden:
„Gebet, die Hingabe des Lebens, Zeichen selbstloser Liebe und vor allem die Anerkennung der jüdischen Identität sollten das Wohlwollen aller Menschen gewinnen.“
Die Webseite der Erzdiözese Wien hat die wirren Ausführungen des Kardinals auf den Punkt gebracht. Sie überschreibt einen Bericht über dessen Darlegungen in ‘The Tablet’ mit dem Titel „Christen verzichten auf jede Form der Judenmission“.
Die Feststellungen des Kardinals sind insofern belanglos, als die Missions- und Konversionstätigkeit der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht nur bezüglich der Juden, sondern weltweit zusammengebrochen ist.
© Titelbild: Flickr-Benützer „Saveena (AKA LHDugger)“, CC
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Donnerstag, 22. Mai 2008 12:53
Marcelus: „Geht zu allen Völkern und tauft sie in Meinem Namen“,
so lautet der Missionsbefehl Jesu Christi, welcher zuerst als von den jüdischen Propheten verheißener
Messias (griechisch: „Christus“) für das erwählte Volk Israel kam, dann für alle anderen Völker, für
die das Volk Israel das Vorzeigemodell sein sollte.
Die Bekehrungsmission der Kirche war aber nie als gewaltsamer Staatsauftrag gemeint, sondern widersprach immer der Sendung Christi und dem Evangelium.
Deswegen hat aber ein heutiger in einer Demokratie wohnender österreichischer Kardinal umgekehrt nicht das Recht, die Lehre Christi aufs neue zu ignorieren,
diesmal allerdings nicht mit der irrigen antichristlichen Beteiligung an staatliche Gewaltaktionen, sondern mit irrigen und ebenso antichristlichen Einstellung der freiwilligen, gewaltlosen Missionierung aller nicht-christlichen Völker und Individuen.
Die Bekehrungsmission der Kirche war aber nie als gewaltsamer Staatsauftrag gemeint, sondern widersprach immer der Sendung Christi und dem Evangelium.
Deswegen hat aber ein heutiger in einer Demokratie wohnender österreichischer Kardinal umgekehrt nicht das Recht, die Lehre Christi aufs neue zu ignorieren,
diesmal allerdings nicht mit der irrigen antichristlichen Beteiligung an staatliche Gewaltaktionen, sondern mit irrigen und ebenso antichristlichen Einstellung der freiwilligen, gewaltlosen Missionierung aller nicht-christlichen Völker und Individuen.
Mittwoch, 16. April 2008 21:40
Alkuin: „er zerstört die Kirche“
Kann nicht sein, da gibt es einen versprechen: Mt 16,18
Wenn überhaupt, zersört er sich selbst. Die Kirche kann man gar nicht zerstören.
Wenn überhaupt, zersört er sich selbst. Die Kirche kann man gar nicht zerstören.
Mittwoch, 16. April 2008 18:04
Berengeria: Schönborns Identität:
Er weiß nicht, was er will. Aber er zerstört die Kirche.
Mittwoch, 16. April 2008 17:44
Alkuin: Robert A. Zimmerman (Bob Dylan)
Habe ich bei Wiki gefunden.
„Dylan (hat) nach eigenen Angaben ein religiöses Erweckungserlebnis, als jemand aus dem Publikum ein kleines silbernes Kreuz auf die Bühne warf. Er wandte sich daraufhin dem Christentum zu…“
Wie ich schon sagte der Heiliger Geist ist der Missionar!
Oder sollen wir auch die Juden mit kleinen silbernen Kreuzen bewerfen?
„Dylan (hat) nach eigenen Angaben ein religiöses Erweckungserlebnis, als jemand aus dem Publikum ein kleines silbernes Kreuz auf die Bühne warf. Er wandte sich daraufhin dem Christentum zu…“
Wie ich schon sagte der Heiliger Geist ist der Missionar!
Oder sollen wir auch die Juden mit kleinen silbernen Kreuzen bewerfen?
Mittwoch, 16. April 2008 17:35
Kilian: @ Aleph
Das mit dem Schämen war nur ironisch gemeint.
Und da gebe ich Ihnen recht. Wenn wir uns schämen sollen, weil wir Christen sind, sollten wir es erst recht nicht tun! Genau! Und jetzt habe ich mir ein kräftiges „jawoll“ verdient.
Und da gebe ich Ihnen recht. Wenn wir uns schämen sollen, weil wir Christen sind, sollten wir es erst recht nicht tun! Genau! Und jetzt habe ich mir ein kräftiges „jawoll“ verdient.
Mittwoch, 16. April 2008 17:28
Aleph: Kilian
Doch liegt der schwindende Glaube an der Krise der Kirche. Und die Krise der Kriche, ist eine Krise der
Bischöfe und Priester. Man muß sich ja heute schämen, wenn man Christ ist.
Das hat noch niemand von mir verlangt und wenn, würde ich mich grad zu Fleiß nicht schämen!!
Das hat noch niemand von mir verlangt und wenn, würde ich mich grad zu Fleiß nicht schämen!!
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